21 Oktober 2021

Gedankenfehler bei Band 500

Für mich ist es immer wieder lohnenswert, in alten Exposés und diversen Ordnern zu blättern. So verfasste K. H. Scheer am 7. Januar 1971 ein Rundschreiben an die Autoren der PERRY RHODAN-Serie sowie an die Redaktion im Verlag. Es ging um den »Schwarm«-Zyklus, und die Autoren sollten dieses Schreiben »ab 500 generell beachten«.

Scheer hatte in diesen Tagen die Arbeiten an dem Roman beendet, der unter dem Titel »Sie kamen aus dem Nichts« erscheinen sollte. Der Start in den neuen Zyklus war von großen Problemen begleitet: Scheer war erkrankt, und die Autorenkollegen Hans Kneifel und William Voltz hatten sich in einer echten Hauruck-Aktion darum gekümmert, dass überhaupt Exposés an das Team verschickt werden konnten.

Mit den Inhalten dieser Exposés schien Scheer nicht vollständig einverstanden gewesen zu sein. Kein Wunder: Die beiden hatten mit seinen Ideen gearbeitet, aber in der Eile des Schreibens nicht alles hundertprozentig durchdacht. (Was im übrigen bis heute einige der »Holperer« bei diesem Zyklus erklärt.) Scheer wies mit seinem Rundschreiben darauf hin, dass bei den Exposés 500 bis 511 ein »schwerer Gedankenfehler« begangen worden war.

Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Wann wer und wie »verdummte«, war offenbar nicht klar festgelegt worden. Es gab Abweichungen und Ausnahmen, und zu diesen entwickelten die Autoren teilweise neue Ausnahmen. Das konnte der aufs Detail gerichtete Exposéautor nicht durchgehen lassen …

20 Oktober 2021

Newsletter mit magischer Zahl

Wer sich ein wenig mit der Science Fiction auskennt, weiß, dass die Zahl 42 bei vielen Fans dieser Literaturgattung einen besonderen Ruf genießt. Das erwähnt die Redaktion des »PRFZ-Newsletters« in der aktuellen Ausgabe allerdings nicht; man unterlässt Anspielungen auf »Für Anhalter durch die Galaxis«. Die Ausgabe 42 des kostenlosen Informationsfanzines erschien dieser Tage und ist wieder einmal sehr lesenswert, auch wenn man die »spezielle« Nummer nicht würdigt.

Ein Schwerpunkt bildet das »60 Jahre PERRY RHODAN-Tribut«, das in diesen Tagen zu seinem Abschluss kommt. Zum sechzigsten Geburtstag der PERRY RHODAN-Serie gab es nämlich eine umfangreiche Fan-Aktion, die der Newsletter entsprechend präsentiert.

In einem ausführlichen Interview stellt Alexander Kaiser dar, wie er die Idee für das Projekt vorantrieb und wie sich seine Fan-Karriere bisher entwickelte. (Den einen oder anderen ironischen Seitenhieb auf mich muss ich einstecken ...) Mit »Die Passagiere« ist zudem eine Geschichte enthalten, die Marlene von Hagen verfasst hat. Die Fantasy-Autorin aus Österreich, die sich schon immer für Einhörner begeistern konnte, stellt die Einhörner aus dem PERRY RHODAN-Kosmos in einen neuen Zusammenhang – sehr schön!

(Der Newsletter umfasst diesmal zehn Seiten. Mitglieder der PERRY RHODAN-FanZentrale können ihn kostenfrei abonnieren. Er erscheint alle zwei Monate.)

19 Oktober 2021

Das Irrlicht von Valotio

Ein turbulentes Science-Fiction-Abenteuer, wie es eigentlich nur Susan Schwartz schreiben kann: Der PERRY RHODAN-Roman dieser Woche führt erneut in die Tiefen der kleinen Galaxis Cassiopeia und stellt eine neue Figur vor, die für das weitere Geschehen wichtig sein wird. Mit Vosskon, der einem bislang unbekannten Volk, sowie seinen Mitstreitern Od Hairac und Zuhaive Antann gibt es auf jeden Fall ein neues Figurentrio, das mir bei der Lektüre des Romans viel Freude bereitet hat.

»Das Irrlicht von Valotio« spielt vor dem Hintergrund dramatischer Veränderungen und einer sich anbahnenden Katastrophe. Dass es der Autorin gelungen ist, einen so leicht wirkenden Roman zu schreiben, fand ich stark.

18 Oktober 2021

Das Spiel des Lebens

Ich weiß noch gut, wie faszinierend ich die Vision der Virenschiffe fand, als ich zum ersten Mal davon las: Aus den Resten eines merkwürdigen Konglomerats, das um die Erde gekreist ist, formen sich Raumschiffe mit den unterschiedlichsten Formen. Sie laden die Menschen ein, mit ihnen in die Unendlichkeit zu reisen – und die sogenannten Vironauten beginnen mit ihrer Reise. Was für eine Vision, was für ein Traum!

Wie schnell das Ganze aber in einem Alptraum enden kann, erzählten die PERRY RHODAN-Autoren der 80er-Jahre nicht nur einmal. Derzeit werden diese klassischen Romane im Format der PERRY RHODAN-Bücher neu veröffentlicht. Im November erscheint der Silberband mit dem Titel »Das Spiel des Lebens«, und in ihm geht es um die Erlebnisse der Vironauten in den Galaxien der Mächtigkeitsballung Estartu.

Von diesem Buch liegen die ersten Exemplare bei uns in der Redaktion vor, quasi druckfrisch. Ich werde es wohl kaum schaffen, das Buch durchzulesen – aber ich werde es mit viel Vergnügen blättern, da bin ich mir schon jetzt sicher, und ich werde mich an mancher Stelle »festlesen«.

17 Oktober 2021

Volmar E. Scheerton und die FanZentrale

Es war und ist sicher eines der ungewöhnlichsten Fanzines, das sich mit PERRY RHODAN beschäftigte: 1996 veröffentlichten Willi Diwo und Klaus Bollhöfener im Rahmen der damals noch ganz jungen PERRY RHODAN-FanZentrale das Heft »Terror zwischen den Galaxen«. Verfasst hatte den Roman ein gewisser Vollmar E. Scheerton.

Man muss keine große Fantasie mitbringen, um zu erkennen, dass es sich hier um eine Satire handelte: Auf eine Idee von Willi Diwo hin hatte die FanZentrale diese Beilage zur Zeitschrift »SOL« hergestellt – als »Jahresgabe« für die Vereinsmitglieder.

Der satirische Fan-Roman basierte auf der Ausgabe 85 des klassischen Fanzines »Munich Round Up«. In diesem war im November 1965 bereits eine ironische Darstellung der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht worden, verfasst von den Fanzine-Redakteuren Waldemar Kumming und Walter Reinecke.

Ihr Roman trug den Titel »Terror zwischen den Galaxen« und die Bandnummer 850; mit dem Untertitel spielte man auf die damals laufenden Romane an: »Sie wollen endlich nach Andromeda – aber der Geselle der Inseln stellt sich ihnen entgegen« ... Der satirische Blick aus dem Jahr 1965 fand so im Jahr 1996 noch Anklang.

15 Oktober 2021

Anschlag auf Galacto City

Wenn heute der sechste Teil unserer aktuellen E-Book-Reihe PERRY RHODAN-Galacto City erscheint, neigt sich ein Experiment seinem Ende zu. Wir wollten selbst einmal wissen, wie sich das wohl anfühlte, als Perry Rhodan in den 70er-Jahren zuerst seine Dritte Macht ins Leben rief und dann die Stadt Galacto City gründete. Wie haben die Menschen in diesem parallelen Universum wohl empfunden?

In seinem Kurzroman »Anschlag auf Galacto City« lässt Wim Vandemaan am Ende sogar zwei sehr populäre Handlungsträger unserer Serie auftauchen. Der Exposéautor erzählt von einem geplanten Flug zum Mars und einem skurrilen Fotografen, und er liefert nebenbei ein wunderbares Bild der Gesellschaft in den 70er-Jahren des Perryversums. Mir gefiel das bei der Lektüre sehr gut.

14 Oktober 2021

»sci-fi media« eröffnet den Blick auf die SF

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«


Das »PERRY RHODAN-Magazin«, das ab dem Jahr 1980 regelmäßig erschien, war für mich eine unglaublich wichtige Lektüre. Kam die neue Ausgabe in den Handel, kaufte ich sie sofort, nahm sie nach Hause mit und blätterte sie andächtig durch. Eine Reihe von Schulfreunden besorgte sich das Heft ebenfalls, sogar Leute, die sonst nicht so viel mit PERRY RHODAN anfangen konnten. Die Mixtur aus Filmberichten, wissenschaftlichen Artikeln und Science Fiction entsprach dem Zeitgeist und begeisterte viele.

Ich mochte besonders die Mittelseiten. Nachdem ich das Heft durchgeblättert hatte, nahm ich mir die Mitte vor. Vorsichtig löste ich die Klammern, die das Heft zusammenhielten, und entnahm das Poster. Danach klammerte ich alles wieder ordentlich zu, damit ich das Magazins lesen und – ganz wichtig! – hinterher ordentlich archivieren konnte.

In der Mitte befand sich meist ein großes Poster, beispielsweise die riesige Darstellung eines Raumschiffes der Wynger als Risszeichnung. Die Linien, die im Romanheft sonst als Schwarzweiß erschienen, wurden dabei in Weiß auf Blau gedruckt – das ergab eine faszinierende Mischung. In meinem Zimmer unter dem Dach des Elternhauses machte ich die Poster mit Reißzwecken an den schrägen Wänden fest.

Ich war von Postern umgeben: Risszeichnungen und Bands – damit war ich zu Beginn der 80er-Jahre keine Ausnahme.

Mir war aber auch die Rückseite des Posters wichtig. Dort befand sich »sci-fi media«, eine Art Science-Fiction-Magazin im Kleinen. Dieses Blatt eröffnete mir zu Beginn der 80er-Jahre einen neuen Blick auf die SF. Wenn man es genau nahm, bestand das Magazin aus nur vier Seiten, die waren aber in einem übergroßen Format, etwa DIN A 3, und steckten trotz der großen Schrift voller Informationen.

Redaktionell zusammengestellt wurde das Ganze von Alfred Vejchar und Hermann Urbanek; die beiden Science-Fiction-Fans aus Wien waren echte Genre-Kenner und wussten über viele Dinge Bescheid, von denen ich noch nichts ahnte. Als Chefredakteur fungierte über längere Zeit hinweg Hans Gamber, der ohnehin für das PERRY RHODAN-Magazin zuständig war.

Und was fanden sich darin für Informationen! Eine neue Welt zeigte sich mir … Natürlich wurde die Szene der Science-Fiction-Fans, das sogenannte Fandom, ausführlich präsentiert, weil Urbanek und Vejchar aus dieser Szene kamen und viele ihrer Protagonisten persönlich kannten. Es ging um Fanzines und Clubs oder auch besondere Menschen.

In der Ausgabe fünf, die im Mai 1980 herauskam, wurde beispielsweise »Ing. Waldemar Kumming« präsentiert, den ich einige Jahre später selbst kennenlernen sollte. Er gab zusammen mit einigen Freunden aus der Science-Fiction-Gruppe München ein Fanzine namens »Munich Round Up« heraus, das sehr »fannisch« war. Es veröffentlichte keine ernsthaften Texte über Science Fiction, sondern satirische Kurzgeschichten, Berichte von Cons und selbstreferentielle Gags, die ich anfangs nicht verstand.

In der von mir gelesenen Ausgabe erfuhr ich von seiner Arbeit an der Phonotek. Davon hörte ich zum ersten Mal. Kumming saß bei den großen Cons im Saal, führte ein Tonbandgerät mit sich und schnitt Vorträge und Diskussionen mit. Dabei entstand seit den fünfziger Jahren ein umfangreiches Archiv von Tonbändern. (Es wurde mittlerweile digitalisiert und steht beim Science-Fiction-Club Deutschland e.V. zur Verfügung.)

Nicht nur die Fans waren wichtig: Neue Science-Fiction-Romane wurden vorgestellt, es gab Informationen aus den USA und Neuigkeiten zu Comics. Eine neue Welt schien sich vor mir auszubreiten. PERRY RHODAN blieb dabei eine Randerscheinung; die Serie fristete in »sci-fi media« ein Schattendasein.

Immerhin tauchte bei den Rezensionen immer mal wieder ein PERRY RHODN-Taschenbuch auf – aber die jeweils aktuellen Taschenbücher sah ich mir ohnehin bei Erscheinen im Bahnhof an, um mir dann zu überlegen, welches davon ich mir leisten konnte und unbedingt kaufen musste. Schrieb einer der Serienautoren einen Band für die TERRA-Taschenbücher oder wurde in dieser Reihe ein alter Roman eines PERRY RHODAN-Autoren nachgedruckt, wurde das häufig vermerkt.

Das Wesentliche aber: Durch »sci-fi media« erfuhr ich früh von Autoren wie Stephen R. Donaldson und seinem Fantasy-Zyklus um Thomas Covenant; mir wurden Schriftsteller wie Robert A. Heinlein oder Isaac Asimov nähergebracht, ich erfuhr einiges über aktuelle Trends in der Science Fiction. Sogar die phantastische Kunst wurde ausführlich gewürdigt; damit konnte ich allerdings nicht so viel anfangen.

Zu Beginn des Jahres 1980, als ich mich über die phantastische Literatur jenseits von PERRY RHODAN zu informieren begann, waren manche Fanzines für mich wichtig, vor allem aber auch diese redaktionelle Beilage. »sci-fi media« war zu seiner Zeit und für meine Entwicklung ein relevantes Blatt!

13 Oktober 2021

Die erste Kaskade

Ein geheimnisvoller Arkonide auf dem Titel, Geheimnisse um Arkon im Inhalt: Der nächste Roman unserer Serie PERRY RHODAN NEO spielt im Arkonsystem und geht an einige der Geheimnisse des großen Imperiums. Verfasst wurde »Die erste Kaskade«, so der Titel des Romans, von Rainer Schorm, einem der zwei Exposéautoren der Serie.

Der Autor erzählt dabei von einem ungewöhnlichen Trio. Sofgart ist ein Arkonide, Omar Hawk ist ein Oxtorner, und begleitet werden die zwei ungewöhnlichen Humanoiden von Watson, einem sogenannten Okrill – dabei handelt es sich um ein Tier, das von der Extremwelt Oxtorne stammt und mysteriöse Eigenschaften aufweist.

Dieses Trio dringt zu einem Archiv vor, das seit Jahrtausenden existiert und dessen Geheimnisse niemand kennt. Doch hier sollten die ungleichen Partner die Hinweise finden, die dazu beitragen könnten, dass Perry Rhodan und seinen Begleitern die Rückkehr in ihre eigene Zeit gelingt … Eine komplexe Handlung, spannend geschildert!

12 Oktober 2021

Welt in Scherben

Die Aufgabe für den Autor war nicht einfach: Er sollte zeigen, wie die Arynnen in der kleinen Galaxis Cassiopeia auftauchen, wie sie dort für Unruhe sorgen und wie sich die Planetarier dazu verhalten. Er sollte Ängste und Gefahr zeigen und vor allem klarmachen, wie sich die Lage durch die Truppen des Chaos verändert.

Als er seinen Roman »Welt in Scherben« schrieb, entschied sich Kai Hirdt, den Roman an einigen Stellen anders zu gestalten. Er führte einen Exopsychologen in die Handlung ein, über dessen Reden und Handeln sich bestimmt einige Leser ärgern werden – so wie es auch die Begleiter dieser Romanfigur tun –, und er stellte einen Politiker vor, der für seine Welt eine Krise bewältigen muss.

»Welt in Scherben« kommt in dieser Woche in den Handel. Mir hat imponiert, wie der Autor mit scheinbar leichter Hand seine Figuren agieren lässt, wie sie ihren eigenen Zielen folgen und teilweise scheitern. Vor allem gefällt mir, dass die Vorgaben des Exposés allesamt erfüllt worden sind – und trotzdem ist es ein eigenständiges Science-Fiction-Werk geworden. Sehr schön!

11 Oktober 2021

Exposébesprechung im Oktober

Am heutigen Montag, 11. Oktober 2021, gab es nach längerer Pause wieder eine Exposébesprechung, an der mit Wim Vandemaan und Christian Montillon die beiden Exposéautoren teilnahmen, dazu ich als Vertreter der Redaktion. Wir hatten ursprünglich sogar vor, uns persönlich zu treffen, was aus verschiedenen Termingründen aber nicht klappte. Es war trotzdem gut, sich nach der Pause zumindest am Bildschirm wieder einmal zu sehen.

Die beiden Exposéautoren erzählten mir von der Handlung, die sie für die nächsten Bände geplant haben. Es gibt unter anderem bald einen großen Handlungsblock, der in der Milchstraße spielen wird. Eine arkonidische Flotte nimmt darin ebenso eine wesentliche Rolle ein wie dramatische Ereignisse im Orion-Delta-System – so die bisherige Planung.

Wir sprachen über die Situation im Autorenteam sowie die Resonanz der Leser auf die aktuellen Romane. Ebenso diskutierten wir einige Marketing-Ideen, die für die Autoren ja stets für Bedeutung sind. Und am Ende vereinbarten wir, uns bald wieder zu »zoomen«.

08 Oktober 2021

Der 200-Tage-Mann

Natürlich ist der Titel des fünften Bandes von PERRY RHODAN-Galacto City eine Anspielung; das ist kein Versehen. Ben Calvin Hary hat sich mit »Der 200-Tage-Mann« bewusst an dem Science-Fiction-Klassiker »Der 200-Jahre-Mann« orientiert, der von Isaac Asimov geschrieben worden war und von dem es auch eine Verfilmung gibt. Und klar: Es geht um die Forschung und Entwicklung von Computern oder sonstigen künstlichen Lebewesen.

Der Autor erzählt von einem jungen Computerspezialisten aus Kalifornien. Er arbeitet daran, Computer zu entwickeln, und das ist in den frühen 70er-Jahren noch richtig revolutionär. Was aber ist, wenn auf einmal Positroniken existieren, die die Arbeit von bisherigen Computern schlichtweg überflüssig machen?

Ben Calvin Hary stellt einen Nerd ins Zentrum seines Kurzromans. Stephen Door ist kein Trottel, nur ein wenig weltfremd. Und als er die Chance erhält, etwas Neues zu entwickeln, lässt er sich diese Chance nicht entgehen. Der Autor hat mit seiner Figur einen originellen Charakter geschaffen, der für mich sowohl glaubhaft als auch zeitgenössisch war. Spannende Lektüre!

07 Oktober 2021

Werbung für den 1980er-WeltCon

Die Anzeigen in den jeweiligen PERRY RHODAN-Heften machten mich im Verlauf des Sommers 1980 immer neugieriger: Was würde der PERRY RHODAN-WeltCon 1980 wirklich bringen? Es würde der größte Science-Fiction-Con werden, den es je zuvor im deutschsprachigen Raum gegeben hatte, und ich freute mich auf die Veranstaltung vom 31. Oktober bis 2. November 1980 schon Monate im Voraus.

Die mit allerlei Inhalten – sehr kleinteilig alles – vollgestopfte Anzeige zeigte nicht nur die Adresse des Veranstalters (es war nicht der Verlag, sondern der PERRY RHODAN-Club Solares Imperium aus Plankstadt), sondern verwies auch auf die großen Wettbewerbe, die der Verlag für diesen Con ausgeschrieben hatte und bei denen es Preise in Höhe von 20.000 Mark zu gewinnen gab. 

Was mich aber am meisten interessierte, war die Aussicht, die PERRY RHODAN-Autoren kennenzulernen und einen Ausblick auf den Band 1000 und die Romane danach zu erhalten. Dass ich mich dann die meiste Zeit »vor der Tür« aufhalten oder Papierflieger basteln sollte, konnte ich mir Monate davor nicht erträumen …

06 Oktober 2021

Phantastik und Politik als Seminar-Thema

Ein Logbuch der Redaktion

Im Vorfeld war ich ein wenig nervös, weil ich nicht wusste, wie das Thema ankommen würde: Zusammen mit Kathrin Lange sollte ich als Dozent das Seminar »Politisch? Phantastisch? Oder beides zugleich?« leiten. Wir hatten ausdrücklich dafür geworben, dass wir zeigen wollten, wie man in der Science Fiction und in der Fantasy mit politischen Inhalten umgehen kann.

Das Seminar fand vom 3. bis 5. September 2021 an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel statt. Im Untertitel war es als »Werkstatt für politische Phantastik« angeboten worden. Das würde – wie ich mir im Vorfeld schon klarmachte – einige Leute abschrecken, dafür aber vielleicht andere Leute anziehen, die »kompliziert« sein könnten. Um es vorwegzunehmen: Meine Befürchtungen waren alle unbegründet.

Ich fuhr am Freitagmorgen los. Wegen des Streiks im Bahnverkehr nahm ich das Auto, kam auch gut durch. In der Akademie checkte ich in mein Zimmer ein, ließ mir die Corona-Schutzvorkehrungen erklären – man hatte ein sehr klares und auch nachvollziehbares Sicherheitskonzept – und führte erste Vorgespräche. Kathrin Lange, meine Co-Dozentin, Dr. Olaf Kutzmutz, der literarische Leiter der Bundesakademie, und ich legten dabei den Kurs für das Seminar fest.

Um 16 Uhr ging es los. Vier Autorinnen und sechs Autoren hatten den Weg nach Wolfenbüttel gefunden; wegen des Streiks hatten es einige nicht geschafft. Und pünktlich trafen ebenfalls nicht alle ein. Wir legten gleich mit einer Vorstellungsrunde los, in der die Autorinnen und Autoren unter anderem davon berichteten, wie es ihnen bislang während der Pandemie ergangen war.

Im späteren Redaktionsgespräch stellten Kathrin und ich die aktuelle Situation im »Literaturgeschäft« dar. Derzeit werden von Verlagen ausdrücklich Romane und Geschichten gesucht, die politische Inhalte vermitteln. Der Klimawandel mit all seinen Auswirkungen, weltweite Finanzkrisen, Flüchtlingsströme und Genderfragen spielen immer stärker in den Bereich der Science Fiction und Fantasy hinein; die Verlage sprechen teilweise offensiv die Autorinnen und Autoren an. Ich betrachtete das ausdrücklich als Chance und schlug den Seminarteilnehmern vor, diese Chance wahrzunehmen.

Nach dem Abendessen kümmerten wir uns um die Texte, die eingereicht worden waren. Alle hatten einen kurzen Text sowie eine Weltenbeschreibung liefern sollen – wir hatten dazu aufgefordert, eine positive Welt zu beschreiben. Im Verlauf des Wochenendes gingen wir all diese Texte durch: Wir diskutierten darüber, wie glaubwürdig das geschilderte Szenario eigentlich ist, und wir sahen uns an, mit welchen Mitteln die Autorinnen und Autoren ihre Figuren und phantastischen Einfälle darstellten.

Abends ging es meist nach dem Abendessen weiter; wir saßen sowohl am Freitag- als auch am Samstagabend in einer lockeren Runde bei Bier und Wein zusammen, redeten über allgemeine Dinge, aber sehr oft eben über das Schreiben im Allgemeinen und die Science Fiction im Besonderen. Uns wurde allen bewusst, wie sehr uns solche Gespräche während der Pandemie bislang gefehlt hatten.

Neben der Arbeit an den eingereichten Texten nahmen wir uns immer wieder politische Inhalte vor. Am Samstagmorgen stellte Kathrin Lange den Roman »Wasteland« von Judith C. und Christian Vogt vor. Sie zeigte, wie das Autorenpaar beispielsweise gesellschaftliche Gegensätze und sprachliche Wandlungen so geschickt in den Roman verpackt hatte, dass er sich trotzdem wie ein spannendes Abenteuerbuch lesen ließ.

In der Folge diskutierten wir darüber, wie man solche Themen in eigenen Geschichten aufgreifen kann – und ob das überhaupt notwendig ist. Hier waren unsere Meinungen durchaus nicht einstimmig, und es entwickelte sich eine kontroverse, aber stets höfliche Diskussion.

Das gleiche gilt für den Programmpunkt, den wir am Abend begannen. Kathrin Lange stellte »Herr der Ringe« vor, das Fantasy-Meisterwerk von J. R. R. Tolkien. In jüngster Zeit wird über das Buch manchmal kritisch diskutiert; die gelegentlich rassistische Darstellung von hellhäutigen Helden und dunkelhäutigen Orks fällt heutzutage stärker ins Gewicht als in den vierziger Jahren.

Wir waren uns in der Runde einig, dass der »Herr der Ringe« trotzdem ein starkes Fantasy-Werk ist, das eben in einer Zeit entstanden ist, in der man über Menschen mit dunkler Hautfarbe anders dachte als im 21. Jahrhundert. Wichtig erschien uns aber, darüber nachzudenken und auch zu sprechen, ob und wie man in der eigenen Arbeit solche Rassismen vermeiden kann.

Am Sonntag stellten wir noch eine Schreibaufgabe. Es sollte eine kurze Skizze erarbeitet werden, die von einer völlig veränderten Welt ausgeht – und wieder war ich völlig fasziniert davon, was in einem solchen Seminar unter Zeitdruck an interessanten Texten entstehen kann. Manche Texte waren so, dass man sie hätte sofort veröffentlichen können, andere blieben eher in Form von Skizzen – spannend war es immer.

Am Sonntag, 5. September, begann ich mit der Heimreise, die sehr zäh verlief. Viele Baustellen sorgten für Staus, der Reiseverkehr kam dazu, und so brauchte ich lang. Aber ich nutzte die Chance, das positive Seminar noch einmal vor meinem inneren Augen ablaufen zu lassen. Nach so langer Zeit war es für mich wunderbar, mal wieder ein Wochenende lang eigentlich nur über Literatur und das »Drumherum« zu diskutieren …

04 Oktober 2021

Die Dunklen Gestade

Was verbirgt sich in der Yodor-Sphäre? In welchem Zusammenhang stehen die Dunklen Gestade mit uralten Kulturen, die einmal in der Milchstraße existierten und deren Hinterlassenschaften die Forscher vor große Rätsel stellen? Solchen Fragen geht Sichu Dorksteiger nach, natürlich nicht allein – die Ator ist in Begleitung unter anderem von Icho Tolot.

Michael Marcus Thurner ist der Autor des PERRY RHODAN-Romans, der in dieser Woche in den Handel kommt. »Die Dunklen Gestade« bildet die Fortsetzung zu den bisherigen Bänden, die am Rand der Yodor-Sphäre und im Innern des geheimnisvollen Sektors spielen. Das Titelbild von Dirk Schulz liefert hierfür eine schöne Impression, finde ich.

03 Oktober 2021

Die Frankfurter Buchmesse 2021

In wenigen Tagen ist es soweit: Die Frankfurter Buchmesse öffnet ihre Pforten. Nachdem die Messe im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste, wollen die Veranstalter in diesem Jahr eine Neuauflage wagen – unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Wir von der PERRY RHODAN-Redaktion beobachten die Entwicklung selbstverständlich sehr genau. Einen eigenen Messestand werden wir in Frankfurt auf keinen Fall haben, das war schon früh klar. Und nach aktuellem Stand der Dinge wird auch niemand von uns »als Gast« an der Messe teilnehmen. 

Noch ist uns die ganze Situation nicht so angenehm, dass wir unbedingt nach Frankfurt fahren müssten. Es wäre in diesem Jahr keine Pflichtveranstaltung, niemand von uns muss zur Messe nach Frankfurt – also schmerzt es bei unseren Aktivitäten nicht, wenn wir diese Veranstaltung auslassen.

Im Moment machen wir uns durchaus Gedanken darüber, wie es im kommenden Frühjahr mit der Messe in Leipzig aussieht. Wir werden aber dort wohl auch keinen Messestand haben, überlegen uns aber, ob einige aus der Redaktion dorthin fahren und als Besucher vor Ort sind.

02 Oktober 2021

Des Menschen Pflicht

Wenn man davon ausgeht, dass Perry Rhodan im Jahr 1971 die Arkoniden getroffen und die Stadt Galacto City gegründet hat, ist es eigentlich nachvollziehbar, dass vor allem Menschen aus dem asiatischen Raum in die wachsende Metropole in der Wüste Gobi ziehen. Dabei sollten sie nicht nur aus der Mongolei, aus China und den benachbarten sowjetischen Republiken und Regionen kommen, sondern auch aus Japan.

Verena Themsen stellt deshalb in ihrem Kurzroman zu der Reihe PERRY RHODAN-Galacto City einen junge Frau aus Japan ins Zentrum. Sie ist Journalistin, und sie möchte über Perry Rhodan und seine Dritte Macht berichten. Ist dieser amerikanische Raumfahrer ein Dieb und Verbrecher, oder ist er ein Visionär für die Menschheit? Doch sie hat auch eine »hidden agenda«, verfolgt also ihren eigenen, höchst privaten Plan, den sie verwirklichen möchte.

Die Autorin, die selbst schon in Japan gearbeitet hat, zeigt nicht nur gesellschaftliche Widersprüche, sondern auch den Aufbruchsgeist in Galacto City. Und sie bietet für ihre Hauptperson einen positiven Ausblick – sehr schön!

01 Oktober 2021

In der neuen Redaktion

Noch sind nicht alle Kartons ausgepackt, noch schleppen wir Bücher und Heftromane durch die Flure, noch läuft die Technik nicht komplett rund – aber so langsam nehmen die neuen Büros das Aussehen von vernünftigen Arbeitsplätzen an. In der Niederwaldstraße in Rastatt hat die PERRY RHODAN-Redaktion schon die Arbeit aufgenommen.

Das Bild zeigt einen Teil des Arbeitszimmers, das ich mir künftig mit Sabine Kropp teilen werde. Es ist nicht so groß wie das alte, dafür schön hell. Und die wichtigsten Nachschlagewerke und Ordner – vor allem die Exposé- und manche Vertragsordner– haben wir schon sinnvoll untergebracht. Zum Oktober 2021 sollte der Umzug vollzogen sein, und wir haben es einigermaßen geschafft.

Wir schauen nun vertrauensvoll in die Zukunft. Es gibt genug zu tun, und wir wollen auch 2022 viele schöne und spannende PERRY RHODAN-Romane herausbringen. Dann eben nicht mehr aus der Karlsruher Straße, sondern aus der Niederwaldstraße in Rastatt ...

30 September 2021

Von 1640 bis 3140 ...

Es wurde mir erst dieser Tage bewusst: Wenn demnächst Band 3140 erscheint, heißt das, dass ich schon für 1500 PERRY RHODAN-Romane in gewisser Weise mitverantwortlich bin. Diese Erkenntnis verblüffte mich dann doch einigermaßen, ich hatte diese Zahlen nicht bewusst auf dem Schirm.

Der erste Roman, für den ich als Redakteur verantwortlich war, trug die Bandnummer 1640. Es handelte sich um »Griff nach Arkon« von H. G. Ewers. Tatsächlich war ich beim Redigieren überrascht, mit welchen Hürden ich zu kämpfen hatte; der Autor hatte nicht nur eigenwillige Ideen, sondern teilweise auch eigenwillige Sprachbilder.

Die nächsten zwei Romane waren ein Doppelband von Horst Hoffmann, der vor mir die Romane redigiert hatte. Bei ihm hatte ich wenig zu tun: Die beiden Bände waren sprachlich sauber und inhaltlich gelungen; das mochte ich.

Und dann kam Peter Terrid, dessen Romane ich immer gern gelesen hatte: Da stellte ich fest, dass die Aufgabe eines PERRY RHODAN-Lektors sehr kleinteilig sein konnte. So gut die Geschichte auch war, die der Autor erzählte, so vielfältig war die Zahl der »Kleinkram«-Fehler.

Das war mein Start bei PERRY RHODAN. Vor gut 1500 Wochen also. Ich kann es ja selbst kaum glauben …

29 September 2021

Die Zeit aus den Fugen

Als Science-Fiction-Leser mag ich Zeitreisen, wenngleich sie physikalisch nicht unbedingt immer so richtig logisch sind – um es vorsichtig zu formulieren. Ich mag die Probleme, die sich literarisch und auch filmisch durch Zeitreisen ergeben: Was passiert, wenn die Vergangenheit verändert wird, und wie verändert sich die Gegenwart? In unserer Serie PERRY RHODAN NEO ist das derzeit ein wichtiges Handlungselement.

In seinem nächsten Roman, der in dieser Woche erscheint, stellt Kai Hirdt das Thema sogar in den Titel. »Die Zeit aus den Fugen« spielt in der Vergangenheit des Arkon-Imperiums. Der Arkonide Atlan und der Terraner Perry Rhodan haben durchaus unterschiedliche Vorstellungen, wie sich die Besatzung der SOL in der Vergangenheit verhalten soll. Diese Überlegungen und Konflikte sind aber nur ein Teil in Kai Hirdts Roman, der abwechslungsreich und spannend zugleich ist.

28 September 2021

Ein Blick auf das Büchergefängnis

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«


Als man in den 80er-Jahren damit begann, den Moewig-Verlag zu vergrößern, indem man diverse Buchverlage hinzukaufte, brauchte man einen speziellen Lagerraum. Dieser entstand im Keller. Dort lagerten in den Jahren danach die Originalausgaben von Büchern, die bei den Verlagen Neff und Hestia veröffentlicht wurden.

Als diese Buchverlage ab Mitte der 90er-Jahre wieder verkauft wurden, blieb das Lager in Rastatt. Die Kolleginnen und Kollegen des Buchverlages ignorierten den Lagerraum weitestgehend und nutzten ihn höchstens als Rumpelkammer. Als der Buchverlag 2006 geschlossen wurde, übernahm die PERRY RHODAN-Redaktion diese Fläche – wir nannten das Ganze dann das »Büchergefängnis«.

Wir schafften Platz, in dem wir viele Moewig-, Hestia- oder Neff-Bände zur Seite räumten. Dort richteten wir im Verlauf der Jahre unser Handlager ein, das wir vor allem für die Veranstaltung von Buchmessen und für die Bestückung unseres Shops benutzten. Vor allem die Kolleginnen und Kollegen aus dem Marketing waren deshalb fast täglich in diesem Kellerraum.

Bis er ausgeräumt wurde ... Als ich zuletzt im Keller war, bot sich mir der Anblick, den dieses Foto dokumentiert. Das war Mitte September. Mittlerweile sind nicht einmal mehr die Stahlregale zu sehen, vermute ich ...

27 September 2021

Die Jül-Partikuliere

Um es gleich zu sagen: Das schöne Titelbild von Dirk Schul, das den PERRY RHODAN-Roman schmückt, der in dieser Woche erscheint, zeigt einen Yodoren. Der Künstler hat seine eigene Ansicht zu diesen Außerirdischen geliefert, die sich womöglich von der Interpretation mancher Leser unterscheiden wird. Aber das Bild passt meiner Ansicht nach sehr gut zum Roman.

Den wiederum verfasste Robert Corvus, der sich in diesem Zyklus als wichtiger und zuverlässiger Autor bewährt hat. Sein Roman trägt den Titel »Die Jül-Partikuliere« und erzählt unter anderem von einem Yodoren, aber auch von Jülziish oder Menschen von der Erde.

Der Autor stellt eine Reihe von Lebewesen vor, die – obwohl sie aus unterschiedlichen Völkern stammen – intensiv zusammenarbeiten müssen, um ein Problem zu lösen. Dabei erweitert er die Kenntnisse über die Eastside der Milchstraße – so etwas mag ich ja immer.

26 September 2021

Eine Miniserie für 2022

Bei PERRY RHODAN ist es üblich, immer mindestens ein Jahr im Voraus zu planen. So steht seit längerem fest, dass im kommenden Jahr eine neue Miniserie veröffentlicht werden soll. Mit dieser beschäftige ich mich in diesen Tagen intensiver. Über den Inhalt, den Exposéautor und den Titelbildkünstler möchte ich noch nicht so viel erzählen – das werden wir bekanntgeben, wenn es hundertprozentig sicher ist.

Wegen unseres Jubiläums – mit vielen Pressekontakten – sowie des Umzugs bin ich bei vielen Terminsachen ins Hintertreffen geraten. Deswegen steht an diesem Wochenende das Thema Miniserie an. Wir wechseln Mails, in denen wir uns Gedanken darüber machen, wer die zwölf Romane schreiben soll. Und wir wälzen Ideen zu den Inhalten sowie den Figuren.

Dass Perry Rhodan selbst in einer Miniserie mitspielen sollte, die seinen Namen trägt, liegt eher nahe. Doch wer geht an der Seite des Terraners auf eine gefährliche Mission, und trägt jemand von den Begleitern versehentlich ein rotes Oberteil? Die Planung für die Miniserie steht schon, und wir diskutieren über die Details. Das ist eigentlich ein guter Stand, finde ich.

25 September 2021

Die »Kosmos-Chroniken« in neu

Als wir 2011 damit begannen, unsere Romane systematisch zu digitalisieren und für den E-Book-Vertrieb vorzubereiten, hatten wir eine klare Reihenfolge: zuerst die PERRY RHODAN-Serie, also der Serienklassiker schlechthin, dann die Silberbände, gefolgt von ATLAN. Alle aktuellen Romane sollten sowieso parallel als E-Books erscheinen, was bei PERRY RHODAN NEO von Anfang an gelang.

Einige Reihen und Einzeltitel fielen damit unter den Tisch. »Die machen wir, wenn wir dazu kommen«, nahmen wir uns vor. Für das Jahr 2021, in dem unsere Serie ihren sechzigsten Geburtstag feierte, wollten wir die zwei Bände der »Kosmos-Chroniken« als E-Book herausbringen.

Das ist im September gelungen. Sowohl »Reginald Bull« als auch »Alaska Saedelaere« liegen als E-Books vor, die Buchproduktion im Print-On-Demand-Verfahren folgt demnächst. Die beiden Romane von Hubert Haensel hatte ich bei ihrem Erscheinen als Redakteur begleitet; der Autor und ich hatten damals oft miteinander telefoniert und uns einmal persönlich getroffen.

Dass es die beiden Romane nun wieder gibt, freut mich sehr. Wir haben den Inhalt gelassen, ihn nur auf neue deutsche Rechtschreibung umgestellt. Bei den Titelbildern haben wir neue Motive gewählt, die eher für das Jahr 2021 sprechen.

24 September 2021

Endstation Venus

Als wir damit anfingen, die Reihe PERRY RHODAN-Galacto-City zu planen, war uns klar, dass die sechs Geschichten nicht nur in der schnell wachsenden Stadt in der Wüste Gobi spielen konnten. Es gab schließlich in der näheren Umgebung der Erde einige Schauplätze, die zu den Anfängen unserer Serie gehören, von denen man aber schon lange nichts mehr gehört hat.

Alexander Huiskes, der die Exposés für die Reihe schrieb, hatte schon immer ein Faible für die Venus sowie ihre Flora und Fauna. Wir waren uns da im Verlauf der Jahre auch nicht immer einig … Aber er entwickelte ein kurzes Konzept für einen Kurzroman, der Galacto City, Paris und die Venus zusammenfassen sollte.

Susan Schwartz übernahm die Idee und entwickelte daraus ihren Kurzroman. Die Autorin erzählt von einer jungen Französin und ihrem Lebenstraum, der anfangs der 70er-Jahre noch sehr ungewöhnlich anmutet. Es ist eine Geschichte, wie sie für die Autorin typisch ist: nahe an der Hauptfigur, immer mitten im Geschehen.

Heute kommt »Endstation Venus« offiziell in den Handel. Damit sind drei der geplanten sechs E-Books erschienen. Und ich bin mit dem bisherigen Verlauf der Reihe sehr zufrieden …

 


23 September 2021

In der entscheidenden Phase

Der Umzug der PERRY RHODAN-Redaktion ist in einer Phase angekommen, an der wir nicht mehr viel machen können. Unsere Büros sind geleert – was man im schon nicht mehr aktuellen Bild sieht, ist der Inhalt meines Büros, ordentlich in Kartons verpackt –, und die Inhalte stehen auf Paletten. Diese werden in das neue Gebäude transportiert, wo sie hoffentlich im Verlauf der nächsten Woche in die Regale gepackt werden.

Das Problem ist ja, dass der Zuschnitt der Büros völlig anders ist als bisher. Sabine Kropp und ich werden künftig ein Büro haben, das vielleicht noch halb so groß ist wie das bisherige. Das heißt, dass beispielsweise die komplette PERRY RHODAN-Sammlung keinen Platz mehr haben wird, wohl auch nicht die Ordner mit den Exposés.

Da wird man sehen müssen, in welchen anderen Räumen wir das unterbringen ... Es bleibt also spannend, und wir spielen gewissermaßen Umzugs-Tetris.

22 September 2021

In einem leeren Zimmer

Irgendwann im Frühsommer 1996 zog ich das letzte Mal innerhalb des Verlagsgebäudes um. Ich räumte mein Büro am Ende des Flurs, in dem ich zwar abgelegen gewesen war, aber über zwei Fenster verfügt hatte, und zog in Richtung Treppenhaus. 

Der Grund: Weil man die Buchverlage teilweise aufgelöst hatte, waren einige Kolleginnen und Kollegen entlassen worden, und der verbleibende Buchverlag brauchte einfach weniger Fläche.

In diesen Tagen ziehe ich erneut um: Es ist ein Umzug, bei dem wir das Gebäude in der Karlsruher Straße in Rastatt verlassen, in dem sich der Verlag seit 1956 befindet. Mein Büro ist bereits so gut wie geleert, in den Regalen liegt oder steht nichts mehr. 

Tippe ich auf der Tastatur herum, gibt es gewissermaßen kleine Echos. Aber während um uns herum die Möbel abgebaut und die von uns gepackten Kisten auf Paletten gestapelt werden, muss ja die »normale« Produktion unserer Romane weitergehen ...

21 September 2021

Oszyrium

Mit einem wuchtigen Titelbild von Dirk Schulz wartet der PERRY RHODAN-Roman auf, der in dieser Woche erscheint. Michelle Stern schrieb »Oszyrium«, und in ihrem Roman spielen tatsächlich der Haluter Icho Tolot und die Ator Sichu Dorksteiger – beide auf dem Titelbild zu sehen – eine wesentliche Rolle. Darüber hinaus geht es um die Bewohner eines kleinen Sternenreiches in der galaktischen Eastside und eine seltsame Sphäre, die sich in unmittelbarer Nähe befindet.

Die Autorin hat sowieso ein besonderes Talent, faszinierende Außerirdische zu beschreiben. In diesem Roman spielen viele Lebewesen eine Rolle, die nicht auf der Erde geboren worden sind, und sie gibt ihnen allen ausreichend Platz. Und die ersten Hintergründe zu den Yodoren machen klar, dass »dahinter« bald etwas größeres kommen dürfte ...

20 September 2021

Der »Sternleshimmel«

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«


Ob es schon 1996 war oder erst 1997? Das weiß ich gar nicht mehr genau. Eckhard Schwettmann hatte vor, das sogenannte Turmzimmer in einen »PERRY RHODAN-Showroom« zu verwandeln. Der offizielle Besprechungsraum des Pabel-Moewig Verlages sollte mit Vitrinen vollgestellt werden, um die Marke PERRY RHODAN entsprechend zu präsentieren.

Die Wände des Turmzimmers waren weiß, wie sich das damals für Büro-Räumlichkeiten gehörte. Alles sah sehr ordentlich aus, machte aber keinen Science-Fiction-Eindruck. Das wollte Eckhard ändern, bevor er die Vitrinen aufstellen ließ.

Also beauftragte er einen Maler, die Wände so zu streichen, dass sie wie Sterne am Nachthimmel aussahen. Der Maler machte das, was er konnte: einen »Sternleshimmel« an die Seiten und an die Decke. Alles wurde blau gestrichen und mit allerlei runden Flecken in verschiedenen Farben versehen.

Eckhard war einigermaßen entsetzt. »Das sieht doch nicht aus wie der Nachthimmel mit all seiner Sternenpracht!« Aber es war zu spät. Wir akzeptierten das Turmzimmer mit seinem »Sternleshimmel«.

Immerhin wurden die Vitrinen mit ihrem schönen Inhalt an zwei der vier Wände aufgestellt. Und niemand in all den Jahrzehnten störte sich an der nicht stimmigen Darstellung von Sternen ...

19 September 2021

Warp- und Hyperantriebe

Sabine Hossenfelder ist eine Physikerin, die am m Frankfurt Institute for Advanced Studies forscht; hauptsächlich beschäftigt sie sich mit Grundlagenforschung zur Dunklen Materie und zur Gravitation. Für die Zeitschrift »bild der wissenschaft«, die ich seit langem sehr gern lese, schreibt sie regelmäßig die Kolumne »Sabine Hossenfelders Stichproben«

Ich kam erst dieser Tage dazu, die »bdw«-Ausgabe vom Mai 2021 durchzuschmökern, und stieß auf ihren Artikel unter dem Titel »Meine Warpantrieb-Desillusion«. Bei der Lektüre musste ich gleich zu Beginn schmunzeln. Der Warpantrieb habe ihr immer Angst gemacht, schreibt die Physikerin. Sie habe in ihrer Schulzeit viel Science Fiction gelesen, aber »mein Lesestoff war hauptsächlich die Perry-Rhodan-Reihe«.

Es ist doch immer wieder schön, wenn man als Redakteur in einer Publikation, die man schätzt, auf die Publikation stößt, die man selbst herausgibt! Und der Beleg ist wieder einmal erbracht, dass unsere Serie manche Physikerin und manchen Physiker erst auf seinen oder ihren Berufsweg gebracht hat!

18 September 2021

Die Friedensforscherin

Zwei ungewöhnliche Menschen in einer ungewöhnlichen Zeit: Auch die Bestsellerautorin Tanja Kinkel wirkte an unserem Projekt »Galacto City« mit und schrieb einen Kurzroman für die PERRY RHODAN-Minireihe. In dieser Woche erschien »Die Friedensforscherin« – ein Text, der auch nach der Lektüre noch im Leser oder der Leserin seinen Nachhall finden dürfte.

Die Geschichte spielt wie alle Texte dieser Reihe zu Beginn der 70er-Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Für Menschen wie Olga Ilmenova ist der Zweite Weltkrieg noch immer in der Erinnerung präsent, für Menschen wie Betty Toufry stehen bereits die Kontakte zu Außerirdischen und persönliche Traumata im Vordergrund. Was die alte Frau aus Russland und die junge Bewohnerin von Galacto City gemeinsam haben, das zeigt Tanja Kinkel in ihrem Kurzroman.

Geschickt verbindet die Autorin die zwei unterschiedlichen Lebensläufe mit den Hinterlassenschaften von Aliens – das Ganze wird mit der Vision einer friedlich geeinten Erde verknüpft.

17 September 2021

Die Imperatrix

Wer sich mit PERRY RHODAN und den wesentlichen Figuren der Serie beschäftigt, wird bei Atlan unweigerlich ins Grübeln kommen: Der Arkonide lebt Jahrtausende auf der Erde, und zu seinem Leben gehört das ständige Sterben von guten Freunden. Damit wird der Arkonide in all den Jahren sicher seine Probleme gehabt haben – nur gelegentlich wird das in den Romanen angedeutet.

Auf die Spitze treibt es Ben Calvin Hary in seinem aktuellen Roman für PERRY RHODAN NEO. Band 261 trägt den Titel »Die Imperatrix«, und er zeigt das persönliche Drama Atlans. Durch eine unfreiwillige Zeitreise ist dieser in der Vergangenheit gelandet, zehntausend Jahre vor seiner eigentlichen Zeit.

Seine Mutter lebt noch, die er seit zehntausend Jahren nicht mehr gesehen hat. Soll er versuchen, sich mit ihr zu treffen, oder ist das zu gefährlich? Doch was passiert, wenn Ereignisse eintreten, die er gar nicht mehr selbst steuern kann? Wie kommt er mit den Gefühlen klar, die auf ihn ein stürmen? Geschickt führt der Autor »seinen« Atlan durch eine packende Handlung; das habe ich im Manuskript sehr gern gelesen.

16 September 2021

Fremde aus dem Hypersturm

Der Autor gehört seit vielen Jahren zu den Spezialisten für die Bewohner der galaktischen Eastside: Arndt Ellmer hat nicht nur viele Romane geschrieben, in denen die Blues – oder Jülziish – eine wesentliche Rolle spielen; er legte in den späten 90er-Jahren durch seine CD-ROM viele Grundlagen für die Kulturbeschreibung der Eastside-Bewohner. Da passt es gut ins Bild, dass er mit seinem kommenden Roman ebenfalls in die Eastside geht.

»Fremde aus dem Hypersturm« erscheint in dieser Woche und erzählt unter anderem von der Begegnung mit einem mysteriösen Gebilde – und auch der anstrengenden Reise dorthin. Die Terraner arbeiten mit den Kastellanen zusammen, manche Bewohner der Eastside haben damit ihre Probleme, und ganz im Hintergrund entfaltet eine alte Hinterlassenschaft ihren ganz speziellen Reiz …

Der Roman eröffnet einen neuen Handlungsblock, der uns einige Bände lang beschäftigen wird. Die Jülziish und ihre Kulturen spielen dabei immer wieder eine Rolle.

15 September 2021

Einige Gedanken an K. H. Scheer

Heute vor dreißig Jahren starb ein Mann, ohne den es PERRY RHODAN sicher nicht geben würde: Karl-Herbert Scheer hob die Serie zusammen mit Walter Ernsting alias Clark Darlton aus der Taufe. Die beiden Autoren waren durchaus gegensätzlich, worüber ja schon viel zu lesen war – aber bei PERRY RHODAN warfen sie ihre unterschiedlichen Ideen und Pläne so zusammen, dass eine Serie herauskam, die bis heute besteht.

Scheer war es, der die Exposéarbeit quasi erfand. Anfangs waren seine Exposés sehr kurz, bald wurden sie ausführlicher. Manchmal waren es Briefe an die Autoren, später bestanden sie – wie heute – aus dem eigentlichen Handlungsteil und dem Datenanhang. Sie wurden umfangreicher und komplexer, und schon in den 60er-Jahren beklagten sich die Autoren gelegentlich über »zu viele Daten«.

Scheer hatte einen eigenen Kopf, und er war sicher nicht immer einfach im Umgang. Aber er hörte auf die Fans, er setzte sich mit der Geschäftsführung auseinander, und er schaffte es immer wieder, seine eigenen Ideen mit denen der Kollegen zu verbinden. So brachte er früh Ideen von William Voltz in die Serie ein und integrierte Vorschläge von H. G. Ewers oder Kurt Mahr.

PERRY RHODAN brauchte die Phantasie und die Träumerei eines Clark Darlton, um groß zu werden. Ebenso benötigte die Serie die Ideen und die konzeptionelle Arbeit eines K. H. Scheer. Wenn wir heute immer noch PERRY RHODAN schreiben und lesen können, verdanken wir es unter anderem ihm.

Vor dreißig Jahren starb er. Wir hätten gern den sechzigsten Geburtstag unserer Serie mit ihm gefeiert. Aber so gedenken wir eben still an ihn und an seine vielen Ideen ...

(Das Bild wurde 1980 auf dem PERRY RHODAN-WeltCon in Mannheim aufgenommen. Fotograf war Gerhard Franz.)