26 November 2021

Stillleben im November

Kurz vor der Mittagspause in der PERRY RHODAN-Redaktion: Der Redakteur gönnt sich noch einen Kaffee und einen Schokoriegel, bevor es weitergeht mit dem aktuellen Manuskript.

Mittagessen gibt's heute erst später, zuerst muss die Arbeit erledigt werden. Die Zwänge, die Zwänge ...

25 November 2021

Presseaktion zum Geburtstag

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Eckhard Schwettmann stand in der Tür unseres Büros und strahlte uns an. »Die Presse steigt voll auf unser Thema ein, das ist großartig.« Er hielt einige Ausdrucke in der Hand, die er schwenkte, als seien es Trophäen.

Sabine Bretzinger und ich sahen uns verwirrt an. Wir verstanden nicht gleich, was er meinte. Der neue Kollege, der erst seit einigen Tagen im Verlag war und eine Marketing-Abteilung für PERRY RHODAN aufbauen sollte, war gern bereit, uns zu erläutern, was gerade ablief.

Wir schrieben den Juni 1996, PERRY RHODAN wurde schließlich 35 Jahre alt, und das Jubiläumsjahr lief bereits. Einen WeltCon, den wir vorgeschlagen hatten – etwa in Bad Godesberg –, hatte die »oberste Etage« bereits im Vorjahr abgelehnt; nun stand ein großes Fan-Treffen in Garching bei München bevor.

Eckhard zeigte uns den Artikel, den eine Tageszeitung über PERRY RHODAN gebracht hatte, und eine handschriftliche Notiz aus der Verlagsleitung. »Der Con in Garching wird schon in den Medien vermeldet«, sagte er stolz, »da läuft die Pressearbeit also gut.« Der Verlagsleiter sei sehr mit der bisherigen Arbeit zufrieden.

Sabine und ich waren immer noch verwirrt. Wie es sich herausstellte, hatte der Verlagsleiter die Information aus der Presse erhalten, sie allerdings nicht an uns weitergeleitet, sie dann aber so an Eckhard übermittelt, dass dieser glaubte, die »obere Etage« habe die Presse »im Griff«. Ich schaffte es, die gute Laune zu behalten – immerhin schien die Pressearbeit zu funktionieren, und das war positiv genug.

Tatsächlich war einiges anders gelaufen. Die Verlagsleitung hatte ursprünglich mit einer Gesellschaft für Öffentlichkeitsarbeit zusammenarbeiten wollen. Der »Deal«, den man ausgehandelt hatte, war allerdings nicht positiv für die Redaktion gewesen: Wir hätten den »Input liefern« müssen, sprich, die Texte hätte allesamt ich verfassen müssen, und dann hätten die Kollegen dieser Agentur meine Texte so lange umgeschrieben, bis sie ihnen gefallen hätten. Mit diesen Texten wären sie in der Folge an die Journalisten herangetreten.

»Das können wir doch auch selbst, und das schneller und besser«, hatten Sabine Bretzinger und ich argumentiert. Das Argument, dass wir auf diese Weise viel Geld sparen konnten, überzeugte offensichtlich am schnellsten. Die Zusammenarbeit mit der Agentur wurde damit geschoben, später geriet das Thema ohnehin in Vergessenheit.

Mir war das Recht: Einige der Ideen, die man in der Agentur entwickelt hatte, klangen vernünftig, andere wirkten auf mich vor allem teuer und übertrieben. So wollte man »Walking Acts« damit beauftragen, durch die Fußgängerzonen großer deutscher Städte zu ziehen: Damit waren Schauspieler gemeint, die sich als Serienfiguren verkleiden sollten, um dann das potenzielle Publikum mit Informationen zu versorgen.

»Verkleidet sich dann jemand als Gucky, und wer macht den Icho Tolot?«, hatte ich bei einer Besprechung gespottet, war aber nicht verstanden worden. Das Kostenargument hatte eher gezogen als mein Sarkasmus: Auf der einen Seite stand eine Agentur, deren Kosten sich im sechsstelligen D-Mark-Bereich bewegen würden, auf der anderen Seite zwei Verlagsangestellte, die ihre Arbeit notfalls in unbezahlten Überstunden erledigten.

Im Mai hatten Sabine und ich dann eben unsere Presseaktion organisiert. Wir hatten die Adressen von Zeitungen, Zeitschriften und Radiostationen in München ermittelt, teilweise mithilfe der Fans, die wir in München kannten, und denen dann ein Schreiben zugeschickt. Manche Adresse kannten wir noch aus dem Vorjahr – über den plötzlichen Tod von Johnny Bruck hatten damals viele Medien berichtet. Unser Schreiben hatte einen Brief und einen Text enthalten, mehr nicht, dazu das Angebot, weitere Informationen direkt von uns zu bekommen.

»Alles Weitere kann ja dann die Marketing-Abteilung übernehmen«, schlug Eckhard vor. Damit waren Sabine und ich einverstanden. Wir hatten den Stein ins Rollen gebracht, aber mir war sehr recht, wenn ich mich danach wieder um meine eigentliche Arbeit kümmern konnte: die Romane redigieren, mit den Autoren kommunizieren, Texte für das »Drumherum« schreiben.

Eckhard hatte weitergehende Pläne. »Wir sollten vor allem an das Lokalfernsehen herantreten«, argumentierte er. Zeitungen allein genügten nicht mehr; in den 90er-Jahren seien Fernsehsender als Multiplikatoren sinnvoller. Ich verwies auf den Sender TV München, der sich schon gemeldet hatte – damit hatten wir eine gute Grundlage.

Der neue Kollege erinnerte sich an seine vielen Bekannten. Diese saßen vor allem in Köln bei Funk und Fernsehen sowie bei den in diesen Jahren stark florierenden Stadtmagazinen. »Die kennen aber weitere Leute, auch in München«, versprach er. »Dann werden wir doch sehen, was sich machen lässt.«

Die Presseaktion sei gut angelaufen, lobte er uns, nun müsse man die bisherige Arbeit erweitern. Er wolle selbst nach Garching fahren und auf dem Con sowohl die Fans treffen als auch sehen, wie so eine Veranstaltung ablaufe. Wenn man PERRY RHODAN größer machen wolle, brauche man die Fan-Szene.

Den Ansatz wiederum fand ich gut. In den vergangenen Jahren hatte ich den Eindruck gewonnen, in den »oberen Etagen« halte man die Leser unserer Serie für ein lästiges Übel: Sie schrieben Briefe, die man beantworten musste, sie wollten regelmäßig mit sauber gedruckten Romanen beliefert werden, und sie waren kritisch. Damit kam eine Verlagsleitung, die ihren Schwerpunkt weniger bei Heftromanen und eher bei Frauen- und Rätselzeitschriften sah, nicht unbedingt klar.

Eckhard Schwettmann könnte, so hoffte ich, nicht nur eine Wende für PERRY RHODAN nach außen hin, sondern auch für die Kommunikation nach innen einleiten. Bei der weiteren Pressearbeit konnte er hierfür eine wertvolle Unterstützung leisten.

24 November 2021

Schach für Thora

Ein ungewöhnlicher Roman erscheint diese Woche bei PERRY RHODAN NEO. Von Ben Calvin Hary stammt »Schach für Thora«, auf dem die Arkonidin in einer sehr kämpferischen Pose zu sehen ist, die mir aber gut gefällt: Thora ist sicher keine Frau, die vor Entscheidungen zurückschreckt, sondern ist durchsetzungsstark und im Zweifelsfall knallhart. Im kommenden Roman steht sie aber vor Erkenntnissen, die ihr Weltbild geradezu erschüttern.

Es geht um den Extrasinn und seine Geschichte. Woher kommt die Technik, mit der die Arkoniden ihre wichtigsten Persönlichkeiten mit einem Logiksektor ausstatten, und wer hat sie entwickelt? Die Vorgeschichte dazu erfährt Thora in diesem Roman – und mit ihr erfahren es auch die Leser.

»Tuales Träume« – das ist gewissermaßen die Handlung auf der parallelen Ebene. Der Autor schildert die jeweiligen Szenen intensiv und mitreißend. Mir wird das Arkon-Imperium damit nicht unbedingt sympathisch, aber die Geschichte selbst finde ich spannend.

23 November 2021

Volker Lechtenbrink ist tot

Heute morgen ging die Nachricht durch die digitale Presse: Der Schauspieler Volker Lechtenbrink ist gestorben. Darüber werden in den nächsten Tagen sicher viele Zeitungen und Zeitschriften schreiben, es wird ebenso ein Thema für das Fernsehen sein. Der Schauspieler wurde 1944 geboren, wurde schon 1959 durch den Film »Die Brücke« berühmt, den man sich meiner Ansicht nach immer noch anschauen kann, und spielte in unzähligen Filmen und Fernsehserien mit.

Für PERRY RHODAN war er ebenfalls aktiv. In der Hörspielversion des »Sternenozean«-Zyklus, die von den Kollegen bei Lübbe Audio veröffentlicht wurde, sprach er die Rolle des Perry Rhodan. Lechtenbrink machte das sehr gut, seine Stimme klang zwar ein wenig »älter«, als man sich das bei unserem terranischen Raumfahrer vorgestellt hat, aber es störte nicht.

Bei öffentlichen Veranstaltungen, die Lübbe Audio organisierte, lernte ich ihn in den Nullerjahren kennen. Wir unterhielten uns ein wenig, viel Zeit hatten wir nicht. Er war ein berühmter Schauspieler, der viele Erfahrungen auf Bühnen und vor Fernsehkameras gesammelt hatte, wirkte aber nicht im Geringsten arrogant oder abgehoben.

Mit der PERRY RHODAN-Serie ist sein Name auf jeden Fall für immer verbunden: ein Schauspieler, der als Hörspielsprecher einen großen Terraner verkörperte.

22 November 2021

UNGEZÄHLTE STERNE

Wenn der Titel eines PERRY RHODAN-Romans in Versalien gedruckt wird, also in Großbuchstaben, könnte es sich entweder um einen Fehler handeln – oder es ist der Name eines Raumschiffes oder einer Superintelligenz. Der Roman, der in dieser Woche erscheint, trägt die Bandnummer 3145, wurde von Michelle Stern verfasst und spielt zu einem großen Teil an Bord des Schiffes UNGEZÄHLTE STERNE.

Die Autorin ist sicher eine der Spezialisten für fremde Kulturen in unserem Team. Michelle Stern nimmt Atlan als Hauptperson und konfrontiert ihn mit einer anderen Zivilisation – da gibt es Missverständnisse und Konflikte, neue Freundschaften und alte Konflikte.

Ich las den Roman als Manuskript mit großer Spannung, obwohl ich das Exposé schon kannte; die Autorin ließ die Handlung konsequent auf den knalligen Abschluss zusteuern. Klar bin ich subjektiv, weil ich in die Entstehungsprozesse eingebunden bin, aber das fand ich schon ziemlich klasse!

21 November 2021

Die Fülle unserer Ungewissheit

H. G. Ewers war einer der Autoren, die die PERRY RHODAN-Serie über Jahre hinweg prägten. Vor allem seine skurrilen Figuren blieben den Lesern bis heute in Erinnerung. Leider starb er schon 2013 – vor seinem Tod arbeitete er noch am Konzept einer Kurzgeschichte für die STELLARIS-Reihe.

Die Geschichte »Die Fülle unserer Ungewissheit« schrieb dann Wim Vandemaan auf Basis der Ewers-Fragmente. Aus diesem Grund taucht darin auch der Raumkapitän Guy Nelson auf, während gleichzeitig allerlei Raum-Zeit-Anomalien eine Rolle spielen. Die STELLARIS-Geschichte wurde 2015 veröffentlicht, sie ist im entsprechenden E-Book-Paket enthalten – ich habe sie dieser Tage als Hörbuch angehört, gelesen von Florian Seigerschmidt.

Es ist eine ungewöhnliche Geschichte: Die Dialoge sind teilweise sehr ironisch, die Ideen basieren auf phantastischen Überlegungen, und die Auflösung überrascht. Diese STELLARIS-Geschichte – die Nummer 46 unserer Reihe – belegt wunderbar, welche Möglichkeiten die Science Fiction im Allgemeinen, die PERRY RHODAN-Serie im Besonderen und die STELLARIS-Geschichten im speziellen bieten: Gedankenspiele, schräge Ideen, faszinierende Charaktere. Schön!

20 November 2021

Bevor Leticron kommt ...

Am heutigen Tag steht PERRY RHODAN NEO in Zentrum meiner Tätigkeiten: Ich lese, und ich schreibe, und beides Mal geht es um aktuelle Romane. Konkret geht es um den abschließenden Roman der laufenden Staffel »Arkons dunkle Zeit« und die ersten Texte zur kommenden Staffel, die den schönen Titel »Leticron« getragen wird.

Am Ende einer Staffel müssen wesentliche Handlungsfäden zusammengeführt werden, um Antworten auf die vielen offenen Fragen der Leser zu geben. Am Anfang einer neuen Staffel muss der Autor die neuen Zusammenhänge präsentieren und die Leser idealerweise in eine frische Handlung führen, die sich dann über zehn Bände hinweg erstreckt.

Beides sind herausfordernde Aufgaben für die Autoren. Sie müssen die Fakten parat haben und entsprechend präsentieren. Und »ganz nebenbei« soll der Roman ja unterhaltsam sein und die Leser über 160 Seiten hinweg faszinieren. Als Redakteur prüfe ich nun die Manuskripte, um dann mit den Autoren über sie zu kommunizieren. Das finde zumindest ich spannend ...