PERRY RHODAN-Redaktion
Diskretes und indiskretes aus der größten Science-Fiction-Serie der Welt
06 November 2026
Digitale Autorenrunde im November
Die Autorenrunde bestand aus zwei Teilen: In der ersten Hälfte informierte ich über die Situation im Verlag und in der Redaktion. Einige Aufgabenbereiche waren neu verteilt worden, was ich dem Team gegenüber kommunizieren wollte.
In der zweiten Hälfte ging es um die Arbeit am laufenden »Chroniden«-Zyklus; wir sprachen an, was bisher gut und was weniger gut gelaufen war. Kommentare aus der Leserschaft kamen ebenso zu Wort wie eigene Gedankengänge zu Handlungsverläufen, die uns gut gefallen hatten oder die wir im Nachhinein anders hätten schreiben können.
Nach zwei Stunden war die Autorenrunde vorüber. Ich fand es wieder einmal erfrischend und positiv, mit unserem engagierten Team in den direkten Austausch zu gehen. Wenn wir uns im Frühjahr zur »persönlichen« Autorenkonferenz treffen, wo wir alle an einem Tisch setzen, ist das dann trotzdem eine andere Angelegenheit ...
05 November 2026
Seminar mit H. G. Francis
1996 gelangte die Reihe der Seminare zur phantastischen Literatur in Wolfenbüttel in ihr zweites Jahr; dass es einmal dreißig Jahre werden würden, konnte sich damals sicher keiner vorstellen. Im Auftrag der Bundesakademie für kulturelle Bildung hatte ich stets die Aufgabe, neue Partner auszuwählen, mit denen ich als Dozent wirken konnte.
So kam im Sommer 1996 auch der PERRY RHODAN-Autor H. G. Francis zum Einsatz. Francis war immer ein meinungsstarker Autor, der sich nicht scheute, unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Für das Seminar war er somit ein Gewinn: Was er über die jeweiligen Texte sagte, hatte stets Hand und Fuß.
Das Bild zeigt uns bei einer Seminareinheit im großen Raum des Gästehauses, der Schünemannschen Mühle. Schon damals gab es die Mappen, in denen die Texte gebündelt wurden, mit denen wir im Seminar arbeiteten.
Leider blieb das Wochenende ein einmaliges Gastspiel mit H. G. Francis. Es machte ihm Spaß, in Wolfenbüttel tätig zu sein, aber in den folgenden Jahren passte es terminlich nicht mehr für ihn.
04 November 2026
Rebellen des Tartaros
Das zeigt sich auch in »Rebellen des Tartaros«, dem Roman, der in dieser Woche in den Handel kommt. Verfasst wurde er von Ben Calvin Hary, unserem Chefautor, und es ist der erste Teil eines Doppelbands.
Das Titelbild deutet es bereits: In diesem Roman erfährt man mehr über Arion Mbinguni, jenen Mann also, der zu Beginn des neuen Zyklus in den Schacht gestürzt ist. Aber auch Rhodan und seine Gefährten stecken mitten im Geschehen – sie stehen zwischen den Fronten eines Konflikts zwischen Kanequa und Zaliden ...
03 November 2026
Ein Ilt für alle Fälle
Als ich mit der Lektüre der PERRY RHODAN-Serie anfing, hatte ich sehr schnell eine Lieblingsfigur. Das war Gucky, der kleinen Mausbiber. Er wurde als frech und respektlos geschildert, er duzte gnadenlos alle, ob sie nun Admirale, Staatspräsidenten oder Diplomaten waren, Aliens oder Menschen. Er verfügte über immense Gaben, die ihn befähigten, in riskante Einsätze zu ziehen, und er wurde immer wieder an den Brennpunkten der galaktischen Geschichte eingesetzt. Gucky war mein liebster Science-Fiction-Held und wurde erst Jahre später durch Alaska Saedelaere abgelöst – das aber ist eine andere Geschichte.
Spreche ich heute mit Leserinnen und Lesern unserer Serie, höre ich von ähnlichen Erfahrungen. Und treffe ich auf Menschen, die unsere Serie früher einmal gelesen haben, kommt sehr häufig die wichtige Frage: »Lebt Gucky eigentlich noch?«
Ganz eindeutig: Der Mausbiber ist eine der prägenden Figuren der PERRY RHODAN-Serie. Außenstehenden ist das kaum zu vermitteln, warum ein intelligentes Lebewesen, das gerade mal einen Meter groß ist, über Jahrzehnte hinweg so beliebt ist. Dazu kommt das Äußere: Mit seinem Gesicht ähnelt Gucky eher einem Tier – aus der Sicht eines Menschen – als einem Alien mit Witz und Intelligenz.
Seit den Anfängen der Serie spielt Gucky eine wichtige Rolle. Zu verdanken ist das keinem klar definierten Exposé oder einem umfangreichen Datenblatt, sondern der Erfindungsgabe eines Schriftstellers. Dazu muss ich ein bisschen ausholen.
Die PERRY RHOAN-Serie ist bekanntlich ein Kind ihrer Zeit. Science Fiction, die in den 50er- und 60er-Jahren im deutschsprachigen Raum veröffentlicht wurde, kam üblicherweise in Form von knallbunten Heftromanen daher. (In der DDR verlief die Entwicklung anders; dort wurde Science Fiction anders vermittelt, wenngleich es dort ebenfalls Heftromane gab.) Die Titelbilder versprachen Action, die Romane selbst boten viel von dem, was man heute als Military-SF bezeichnet.
Als Clark Darlton und K. H. Scheer die Serie ins Leben riefen, setzten sie auf die bekannten Erfolgsrezepte: Die Menschheit stößt bei ihrem Weg ins All auf immer neue Gegner, mit denen sie kämpfen muss. Es kommt zu Kämpfen aller Art, die Menschen schaffen es aber, dank ihrer trickreichen Ideen und irgendwann auch mit purer Waffengewalt die Oberhand zu gewinnen.
In dieser Zeit musste Gucky wie ein Fremdkörper wirken. Der Ilt war ein Außerirdischer, der klein und zierlich war, der freundlich guckte und vor allem viel Unsinn im Kopf hatte – ein Außerirdischer also, der nicht wie ein Feind der Menschheit aussah und sich auch nicht wie ein solcher verhielt. Dass er über unheimliche Gaben verfügte, passte gut: Gucky kann Gedanken lesen, er kann mithilfe seiner Telekinese auch schwere Gegenstände anheben, und er kann sich von einem Ort zum anderen teleportieren. Der kleine Außerirdische ist also in Wirklichkeit kein harmloses Lebewesen, sondern eine im Zweifelsfall tödliche Waffe für alle Gegner der Menschen.
Entwickelt wurde er von Clark Darlton. Der Autor war ein Freigeist. In seiner Jugend tanzte er zur damals verhassten Swing-Musik, mit den Nazis der damaligen Zeit konnte er nichts anfangen. Das bewahrte ihn nicht davor, in den Zweiten Weltkrieg geschickt zu werden, mehrere Jahre an der Ostfront zu überleben und dann in russischer Kriegsgefangenschaft schwerkrank zu werden. Mir erzählte er einmal, er habe in dieser Zeit davon geträumt, zu den Sternen zu fliegen.
Dieser Autor, der Waffengewalt kritisch sah und nie wieder etwas mit dem Krieg zu tun haben wollte, entwickelte also einen kleinwüchsigen Außerirdischen, der über große Fähigkeiten verfügt, ansonsten aber frech und verspielt auftritt. Gucky war in den ersten Jahrzehnten der PERRY RHODAN-Serie vor allem ein Spaßmacher, der für gute Laune sorgte und in erster Linie die jungen Leser faszinierte.
Das merkt man auch, wenn man die abgeschlossenen Planetenromane liest, die Clark Darlton verfasste. Sie sind wissenschaftlich nicht korrekt, sie sind in sich nicht unbedingt immer schlüssig, sie sollten hauptsächlich flott unterhalten. Für Menschen, die vor allem »Hard-SF« mögen oder einen sauber durchkonzipierten Romankosmos bevorzugen, ist das nicht unbedingt optimal.
Die Planetenromane mit Gucky als Hauptfigur richteten sich an junge Leser, die zwischen 13 und 15 Jahre alt waren – sie waren typische »Jungsliteratur« und alles andere als »anspruchsvoll«. Wer sich heute auf ihre Lektüre einlässt, sollte die Romane unter nostalgischen Gesichtspunkten lesen: So war Science Fiction für Jugendliche in den 60er-Jahren eben – und Gucky war dafür die ideale Hauptfigur!
Wir haben die zwei ersten dieser Planetenromane noch einmal in die Hand genommen. (Unter anderem hatte ich sie 1996 im Rahmen der Heyne-Taschenbücher veröffentlichen können.) Wir haben sie zu einem E-Book zusammengefasst, das dieser Tage erschienen ist – eine gedruckte Ausgabe ist allerdings nicht geplant.
»Im Zentrum der Galaxis« wurde 1965 veröffentlicht, es war der elfte Band der Planetenromane. An die eigentliche PERRY RHODAN-Serie ist er nur sehr locker angebunden. Enger mit der Serie – vor allem mit Guckys Herkunft – verbunden ist »Gucky und die Mordwespen«, der 1966 erstmals erschien, damals mit der Bandnummer 28.
Für diese Ausgabe wurden die Romane nicht inhaltlich überarbeitet, sondern nur behutsam auf die neue Rechtschreibung umgestellt. Das war eine bewusste Entscheidung: Wir wollten das »Original« in diesem Fall so weit wie möglich beibehalten.
(Dieses Logbuch wurde zum Gucky-Tag am 23. Oktober 2026 erstmals veröffentlicht. Hier wiederhole ich es aus dokumentarischen Gründen.)
02 November 2026
Gute Absichten
Das zeigt sich auch in dem Roman, der in dieser Woche in den Handel kommt. Kai Hirdt, einer unserer zwei Exposéautoren, schrieb »Gute Absichten«, der verschiedene Handlungsträger präsentiert. So sind Perry Rhodan und seine Frau Thora zeitweise mit eben genanntem Veiyerdahl unterwegs. Die Kartanin Dao-Lin-H’ay hingegen sucht immer noch Nathalie, die verschollene Rhodan-Tochter.
Der Roman ist dramatisch, was sich auch schon am Titelbild zeigt. Der Autor scheucht seine Figuren durch allerlei Herausforderungen, die gelegentlich mit wechselnden Realitäten zu tun haben. Spannend und abwechslungsreich, finde ich!
30 Oktober 2026
Sturm der Zaliden
Mir gefiel sehr gut, wie die Autorin unsere Helden schildert. Sie zeigt sie als durchsetzungsfähige Charaktere, die sich mal streiten, die ansonsten aber zusammenarbeiten, um sich gemeinsam gegen Bedrohungen zu stellen. Dabei verlieren sie ihre Ziele nicht aus den Augen – sie bilden ein richtig gutes Team.
Nachdem wir im vergangenen Zyklus vor allem gegen Ende eine Reihe von kosmischen Szenarien hatten, gibt es nun klassisches Science-Fiction-Abenteuer: Menschen von der Erde bewegen sich durch eine fremdartige Umgebung, sammeln Informationen und treffen dabei auf unterschiedliche Außerirdische.
Mir gefällt schon immer, dass PERRY RHODAN immer verschiedene Ebenen in sich vereint: Es gibt Romane voller kosmischer Höhenflüge, es gibt Begegnungen mit fremdartigen Lebewesen, und es gibt handfeste Abenteuer. Marie Erikson reiht sich hervorragend in diese Tradition ein, finde ich.
29 Oktober 2026
Erster Schritt zu den Clubnachrichten
Ich sollte ab sofort die PERRY RHODAN-Clubnachrichten übernehmen, so wurde ich angekündigt, und »neu in Schwung bringen«. Was ich dabei alles genau machen sollte, war noch nicht klar definiert – vor allem dachte niemand daran, dass ich diese Aufgabe alles in allem gut 16 Jahre lang machen sollte.
Die neue Aufgabe war das Ergebnis eines Besuchs, den ich mit Armin Reichrath in der damaligen Verlagsgruppe Pabel-Moewig absolvierte. Wir wollten die Zusammenarbeit zwischen der Redaktion und unserer Zeitschrift SAGITTARIUS intensivieren.
Am Ende des Tages war ich freier Mitarbeiter der PERRY RHODAN-Redaktion sowie der Public-Relations-Abteilung des Verlags. Für deren Zeitschriften sollte ich Texte verfassen; man benötigte jemanden, der schnell Texte zu aktuellen Büchern schreiben konnte ...





