PERRY RHODAN-Redaktion
Diskretes und indiskretes aus der größten Science-Fiction-Serie der Welt
30 Juni 2026
Seltsame Alien, komplizierte Konflikte
Das mag vielleicht ein wenig verwirrend klingen, weshalb ich mich nicht länger mit einer Einleitung aufhalten möchte, sondern direkt einsteige: Olaf Brill und Michelle Stern werfen sich gewissermaßen die Bälle zu, und das machen die beiden sehr gut.
Den Auftakt bildet ein Roman von Olaf Brill: »Aelors Rache« spielt an Bord des PHOENIX und in der Umgebung des kleinen Raumschiffs und seiner Besatzung. Reginald Bull und seine Gefährten sind bekanntlich seit langem in den Tiefen des Universums unterwegs, wo sie zuletzt einer kosmischen Trasse gefolgt sind.
Mittlerweile haben sie ein Ende erreicht, so kommt es ihnen zumindest vor, und sind dort auf Rätsel gestoßen, die aus der Vergangenheit stammen, aber mit der Gegenwart verschränkt sind. Der Sternwürfel spielt eine wichtige Rolle, der mysteriöse Aelor verfolgt seine uralten Pläne, und Reginald Bull muss alles versuchen, um weitere Schwierigkeiten zu verhindern.
»Aelors Rache« trägt die Bandnummer 3384 und erscheint am 26. Juni 2026. Der Autor bereitet dabei unter anderem seiner Kollegin die Bühne für ihren Doppelband.
Mit »Das Malorische Siegel« verfasste Michelle Stern den ersten Teil davon. Die Autorin führt dabei Aliens ein, wie wir sie bislang in der PERRY RHODAN-Serie noch nicht kennengelernt haben. Die Darstellung einer extrem fremdartigen Kultur las ich mit großem Interesse; ich fand schon das Exposé gut und war von der gelungenen Präsentation im Roman sehr angetan.
Neben den Aliens und ihrem – für uns – seltsamen Blick auf die Welt spielen auch Meg Ontares, die Medikerin des PHOENIX, und einige Portuu wichtige Rollen in diesem Roman. Letztlich geht’s um die Existenz einer ganzen Kultur … Der Band mit der Nummer 3385 ist ab dem 3. Juli 2026 im Handel erhältlich.
»Das Portal« ist der Titel für den zweiten Teil des Doppelbands von Michelle Stern. Die Autorin schildert die Situation, wie sie sich vor der »abgesperrten« Galaxis Malora darstellt. Dort halten sich Reginald Bull und die Besatzung des PHOENIX auf, dort versucht man nun, eine außerirdische Zivilisation zu retten.
Die Autorin zeigt einerseits die Bemühungen von Bull und seinen Gefährten und gibt andererseits erneut einen Einblick in eine faszinierende Alien-Kultur. Lesen kann man diese Story ab dem 10. Juli 2026, wenn der Roman mit der Bandnummer 3386 veröffentlicht wird.
Mit dem folgenden Band geht es zurück in die Lokale Gruppe der Galaxien. Olaf Brill erzählt die weiteren Geschehnisse um die Agenten, die sich auf die Spur der mysteriösen Legaten gesetzt haben. In »Andromeda antwortet nicht« zeigt der Autor darüber hinaus, wie sich die Lage im Leerraum zwischen den Galaxien darstellt – Andromeda spielt dabei eine besondere Rolle, wie es aussieht.
Der Titel »Andromeda antwortet nicht« ist dabei gewissermaßen programmatisch; der Roman mit diesem Titel und der Bandnummer 3387 liegt ab dem 17. Juli 2026 vor. In ihm bahnen sich Geschehnisse an, die auch im kommenden Zyklus eine Rolle spielen werden …
29 Juni 2026
Das Malorische Siegel
Mir gefiel, wie feinfühlig die Autorin das machte und wie schön sie die seltsamen Aliens gestaltete. Darüber hinaus erzählt sie von diversen Personen, die sich am Rand der Galaxis Malora versammelt haben. Sie alle haben ihre jeweils eigene Agenda, und einig sind sie sich in ihren Zielen ohnehin nicht.
Damit ist der Roman auf zwei Ebenen spannend, finde ich. Und er bildet einen sehr gelungenen Auftakt für einen Doppelband, dessen Inhalt überraschen dürfte.
26 Juni 2026
Aelors Rache
Den Roman selbst schrieb Olaf Brill; er trägt den Titel »Aelors Rache«. Der Autor musste beim Schreiben das Kunststück fertigbringen, mit großen Dimensionen einerseits – es sind viele Raumschiffe unterwegs – und menschlichen Schicksalen andererseits umzugehen. Beides muss sinnvoll geschildert werden, beides muss sich in ein erzählerisches Konzept einbetten lassen.
Dabei bildet der Roman in gewisser Weise einen Auftakt: Von ihm geht es dann weiter zur Galaxis Malora und deren Mysterien. Aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte …
25 Juni 2026
Wenn Autoren posieren ...
Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«
Der VorCon des FreuCon '92 wurde im Jugendzentrum »Murgtäler Hof« veranstaltet. An diesem Ort waren von 1981 bis 1992 die FreuCons gelaufen, manchmal wurde es nur als Übernachtungsmöglichkeit genutzt, manchmal war es der zentrale Ort für den eigentlichen Con.
Am Donnerstag, 23. April 1992, reisten die Leute schon vorzeitig an, die von Freitag bis Sonntag im Kongresszentrum ihren Dienst antreten sollten. Immerhin sollte in der kleinen Stadt im Schwarzwald der EuroCon stattfinden.
Nach dem Motto »bitte freundlich lächeln« wurden auch die anwesenden PERRY RHODAN-Autoren eifrig fotografiert. Das Bild zeig unter anderem (von links), die Autoren Robert Feldhoff und Ernst Vlcek, zwischen die sich Andrea Schäfer – sehr engagiert in der FanSzene – gestellt hatte. Neben Vlcek amüsiert sich, auf einem Barhocker sitzend, Dr. Florian F. Marzin, damals der PERRY RHODAN-Chefredakteur.
Das Bild wurde von Peter Fleissner geschossen.
24 Juni 2026
Eine Frage des Bauchgefühls
Ich wurde gefragt, wie ich denn dazu stünde, dass Fans derzeit Bilder mithilfe von KI-Anwendungen erstellen, die also die PERRY RHODAN-Serie auf diese Weise interpretieren. Sei das erlaubt, sei das verboten?
Um es klar zu sagen: Meine Antwort dazu kann ich nur anhand meines Bauchgefühls formulieren. Rein rechtlich sieht das alles sicher komplizierter aus. Aber ich bin kein Jurist, sondern nur Redakteur.
Generell ist die Logik unserer Redaktion: Wenn jemand das Werk der PERRY RHODAN-Serie nimmt und auf dessen Basis seine eigene Kreativität einsetzt, um eigenes geistiges Eigentum zu schaffen, sehen wir das als positives Engagement. Ich meine damit ausdrücklich selbst geschriebene Geschichten und Romane sowie selbstgezeichnete oder -gemalte Bilder und Risszeichnungen.
Solche Bilder und Texte sind ja auch eine Grundlage für die Serie – fast alle von uns, die heute für PERRY RHODAN arbeiten, haben mit fannischen Tätigkeiten angefangen. Das ist bei Bildern, die mit KI-Programmen entwickelt werden, deutlich anders. Diese Programme wurden ja mit etwas trainiert, das vorher das geistige Eigentum eines anderen Menschen war. Ich persönlich finde das nicht gut.
Wenn PERRY RHODAN-Fans aber eigene Interpretationen von Figuren wie Gucky oder Thora anfertigen und diese inkommerziell im Internet veröffentlichen – damit man darüber diskutieren kann –, ist das ebenfalls ein Fan-Engagement. Dagegen würde ich als Redakteur nie vorgehen.
(Anders wäre es, wenn jemand auf diese Weise »Produkte« entwickelt und verkauft. Aber darum geht es ja eigentlich nie. Noch nicht.)
23 Juni 2026
Unser Start ins Internet
Im Herbst 1995 stellte ich in einer Runde mit Führungskräften des Verlags und dem Geschäftsführer unserer externen Agentur meine schlichten Gedanken zum Thema Marketing vor. Dabei stellte ich eine zentrale Forderung in den Raum: »Wir müssen mit PERRY RHODAN ins Internet, wir müssen an der Spitze des Fortschritts sein.«
Die meisten der Anwesenden waren schon dabei, meinen Vorschlag zu zerreden, als der Verlagsleiter mir auf einmal beisprang. Mit ihm hatte ich ansonsten ständig Probleme, an dieser Stelle war er auf meiner Seite. Aber er stellte irgendwann die entscheidende Frage: »Kennen Sie jemanden, der sich mit so etwas auskennt?«
Ich gestand, von niemanden zu wissen, der sich beruflich mit dem Internet beschäftigte. Aber mir fielen zwei Studenten ein, die ich wenige Wochen zuvor bei den PERRY RHODAN-Tagen in Sinzig kennengelernt hatte. Die beiden hießen Oliver und Mathias, sie wohnten in Karlsruhe, und sie hatten mir eine Vorstufe für ein PERRY RHODAN-Spiel vorgestellt.
»Ich kenne zwei junge Leute, die wären dafür ideal«, behauptete ich. »Die sind bestimmt in der Lage, PERRY RHODAN ins Internet zu bringen.«
Ein Internet-Auftritt sei zudem eine gute Gelegenheit, den kommenden Jubiläumsband 1800 und den »Thoregon«-Zyklus zu bewerben. »Damit sparen wir viel Geld, das wir ansonsten in Anzeigen und Plakate stecken müssten«, freute sich ein Kollege aus dem Buch-Marketing. Und so erhielt ich den Auftrag, die zwei jungen Studenten anzurufen.
Oliver Reiff und Mathias Schnurer hatten mir eine Telefonnummer gegeben, und ich stellte anhand meiner Notizen fest, dass die beiden keine zwei Kilometer von mir entfernt wohnten. Also rief ich bei der angegebenen Nummer an.
Nach einigem Vorgeplänkel stellte ich die Frage, die sie mir in späteren Jahren bei jeder Gelegenheit unter die Nase rieben: »Könnt ihr eigentlich auch Internet?« Ich schilderte ihnen mein Anliegen: PERRY RHODAN sollte einen Internet-Auftritt bekommen.
Die beiden waren alles andere als Experten für das neue Medium, was sie sogar zugaben, schlugen aber vor, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Die beiden recherchierten viel, es kam zu einer Reihe von Begegnungen, und langsam kristallisierten sich konkrete Planungen heraus. Matthias, ein Kollege aus dem Buch-Marketing, der sich für neue Technologien begeisterte, bekam den Auftrag, das Projekt aus Sicht des Verlags voranzutreiben; ich sollte »nur« auf die Inhalte gucken.
Das war anfangs nicht schwer. Die beiden Studenten kannten sich mit unserer Serie sehr gut aus, ich musste anfangs nicht viel beisteuern.
Bei den ersten Gesprächen ging es zudem um technische Dinge. Wie man mir erklärte, war es nicht so einfach, eine Internet-Seite zu bauen; man brauchte eine Firma, die einem dabei half, die dafür sorgte, dass die Seite überhaupt hochgeladen wurde.
Und so wurde die erste PERRY RHODAN-Seite über den »Internet-Laden Karlsruhe« angemeldet, ein Projekt von Leuten aus dem studentischen und eher linksradikalen Milieu der Stadt. Aus diesem Grund lautete unsere erste Adresse auch www.ilk.de/perryrhodan – auf das perry-rhodan.net kam erst Monate danach Eckhard Schwettmann. Das mit dem Internet-Laden störte niemanden, also konnten wir mit den Leuten dort gut zusammenarbeiten.
Oliver und Matthias wohnten in der Weststadt von Karlsruhe, im Haus einer christlichen Studentenverbindung. Es bürgerte sich ein, dass ich mindestens einmal in der Woche – in vielen Wochen aber auch öfter – nach Feierabend bei den beiden vorbeifuhr. In ihrem Zimmer, das unter einer Dachschräge lag, stand ein Computer mit Internet-Anschluss. Wenn man in das Zimmer kam, war der Computer links unten platziert; man musste sich also auf den Fußboden setzen, wenn man damit arbeiten wollte.
Und weil wir im Verlag nach wie vor nicht einmal daran dachten, uns einen Internet-Anschluss zu verschaffen, hockt ich an vielen Abenden vor diesem Computer auf dem Fußboden. Oliver oder Matthias öffneten mir irgendwelche »Fenster«, in die ich dann Texte tippte, die sie dann hochluden. Das Ganze wirkte auf mich häufig konspirativ, was ich schon wieder lustig fand. Professionell kam mir das selbst nicht vor, aber mir war klar, dass wir etwas taten, das für unsere Serie wichtig sein würde.
In den Gesprächen entwickelten wir die ersten Grundlagen für unseren Internet-Auftritt. Wir wollten vor allem erste Inhalte vorstellen und auf den kommenden Zyklus neugierig machen.
An diesem arbeitete vor allem Robert Feldhoff intensiv, von ihm stammten praktisch alle grundlegenden Ideen, auch wenn Ernst Vlcek als der erfahrene Exposéautor viel beisteuerte. Die beiden Autoren und ich schickten uns lange Faxe, auf denen wir unsere Ideen skizzierten und diskutierten; es war eine unglaublich kreative Zeit.
Und nebenbei beschäftigte ich mich mit einem Medium, von dem ich wirklich nichts verstand. Es entstand letztlich eine Seite, die nur wenig Inhalte bot. Vor allem wollten wir Stück für Stück das umlaufende Titelbild von Band 1800 zeigen. Die Internet-Seite sollte an dem Tag online gehen, an dem Band 1800 erscheinen sollte. Aber ich bezeichnete das Ganze stets als einen Testballon; die richtige Seite sollte erst noch folgen.
Am 22. Februar 1996 kam »Zeitraffer« in den Handel, ein Roman von Robert Feldhoff. Am gleichen Tag ging unsere Internet-Seite an den Start – ich sah sie mir bei den zwei jungen Studenten im Studentenwohnheim an. Ich war ziemlich stolz auf das, was wir in dieser Zeit geleistet hatten …
(Dieser Text wurde auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie zu Beginn des Monats Juni 2026 veröffetlicht. Hier erfolgt die wiederholte Veröffentlichung aus dokumentarischen Gründen.)
22 Juni 2026
Erste Internet-Gedanken
Dass es etwas Neues in der Medienlandschaft gab, wurde mir ab 1993 immer bewusster. Ich kannte Science-Fiction-Fans, die im Usenet mit anderen Fans über aktuelle Romane diskutierten, und ich wusste, dass sich politische Gruppierungen in digitalen Netzen tummelten. So organisierten sich beispielswiese Neonazis im sogenannten Thule-Netz, wo sie sicher vor dem Zugriff der Polizei waren. Und während ich immer häufiger Nachrichten über diese digitalen Aktivitäten las, wurde mir klar, dass das für PERRY RHODAN ebenfalls wichtig wurde.
Ich selbst verfügte über keinen Zugang zum »World Wide Web« und hatte nur sehr unklare Vorstellungen von seinen Möglichkeiten. Aber ich bekam mit, dass immer mehr Science-Fiction-Fans darüber sprachen und schrieben. Während einer Frankfurter Buchmesse besuchte ich einen DFÜ-Stammtisch – »DFÜ« stand für »Datenfernübertragung« –, verstand aber von den Gesprächen nicht viel. Aber es war völlig klar: Das Internet-Zeitalter kam.
Im Frühjahr 1995 unternahm ich den ersten Vorstoß in dieser Richtung: »Wir sollten eine Internet-Seite aufmachen«, schlug ich vor. »Dort könne wir unsere Informationen weitergeben und mit unseren Lesern direkter kommunizieren.«
Das Unverständnis war groß. »So einen Quatsch brauchen wir nicht«, sagte mein direkter Vorgesetzter. »Das ist nur was für junge Leute«, machte mir ein Vertriebsleiter klar. »Das geht bald wieder vorbei«, sagte ein Kollege, der sich mit Marketing beschäftige. Was ich denn damit wolle? Das sei doch nur unnötige Arbeit.
Frustriert ließ ich die Planungen erst einmal liegen. Es war im Sommer 1995 ohnehin genug zu tun. Unser Chefredakteur räumte seinen Posten, und ich wurde zum Redaktionsleiter ernannt, erhielt also mehr Verantwortung, aber kein höheres Gehalt.
Sabine Bretzinger und ich zogen von einem Gebäude ins andere und richteten ein neues Büro ein. Ganze Kisten mit Unterlagen und Vertragsordnern verschwanden bei diesem Umzug und mussten von uns mühsam wieder gesucht werden.
Mit Robert Feldhoff und Ernst Vlcek plante ich den »Thoregon«-Zyklus; wir stellten viele der bisherigen Abläufe um. Mit den beiden Autoren telefonierte ich viel, wir schickten uns seitenlange Faxe mit Ideenpapieren und Exposévorschlägen.
Im Herbst, nur wenige Tage vor der Buchmesse, gab es eine Besprechung zur »Zukunft der PERRY RHODAN-Serie«, zu der unser Verlagsleiter einlud. Im Raum saßen verschiedene Abteilungsleiter des Verlags, der Geschäftsführer der Agentur, die für uns die Werbung steuerte, und ich. Man hatte mir im Vorfeld gesagt, ich solle mir Gedanken darüber machen, wie man Marketing für die PERRY RHODAN-Serie machen könnte.
Meine Vorschläge waren extrem schlicht, weil ich von Marketing keinerlei Ahnung hatte. Unter anderem regte ich neue Motive für T-Shirts an und schlug einen PERRY RHODAN-WeltCon für das Jahr 1996 vor – zum Seriengeburtstag. Ich erzählte von einer möglichen Musikproduktion und neuen Hörspielen. Mit einer FanZentrale wollte ich die aktiven Leser stärker an den Verlag binden. Einen Teil dieser Gedankengänge hatte ich bereits im August in einem Arbeitspapier skizziert, sie waren also nicht völlig neu.
Der Geschäftsführer der Agentur, der sich das alles lang und geduldig anhörte, meldete sich zu Wort. Er verstehe die Diskussion nicht, sagte er. »Es war doch offizielle Verlagspolitik, dass wir PERRY RHODAN sterben lassen«, fügte er hinzu. Heftromane seien ohnehin schon »tot«, und wir sollten in die Serie kein Geld mehr investieren. Das sei doch seit langem so beschlossen worden.
Ich starrte ihn an, und ich merkte, wie alle anderen mich anstarrten. Anscheinend war ich der einzige in der Runde, der von diesen Plänen nichts wusste. Mir wurde wirklich schlecht. Hatten etwa alle Kritiker recht gehabt, die behauptet hatten, unsere Serie werde Band 2000 »garantiert nicht« erreichen?
Der Verlagsleiter eilte mir zur Hilfe. Diese Pläne seien veraltet, versicherte er, denn man habe erkannt, dass man mit PERRY RHODAN weiterhin »nennenswerte Umsätze« machen könnte. Er habe große Pläne mit der Serie, und er hoffe, von mir weitere Marketing-Ideen zu hören.
Nachdem er seinen kleinen Vortrag beendet hatte, sah er mich erwartungsvoll an. Ich war immer noch völlig konsterniert von der Aussage des Agentur-Geschäftsführers. Gleichzeitig dachte ich, dass »jetzt alles egal« sei und ich offenbar nichts zu verlieren hatte.
»Wir sollten eine Homepage für PERRY RHODAN machen«, sagte ich. »Das ist ein neues Marketing-Instrument, damit erreichen wir neue Zielgruppen. Wir sind eine Science-Fiction-Serie; wir müssen an der Spitze des Fortschritts marschieren.«
Es schloss sich eine längere Diskussion an. In der Runde saßen schließlich Menschen, die mir noch im Frühjahr gesagt hatten, dass »dieses neumodische Zeugs« zu nichts führe, und ich selbst hatte keinerlei Ahnung vom Internet. Ich geriet rasch ins Schwitzen, als ich erklären sollte, welche Inhalte denn auf diese Seite sollten und wie schnell man damit Geld verdienen könne.
Schnell wurde mir klar: Obwohl ich keinerlei Ahnung hatte, wusste ich vom Internet mehr als die anderen in der Runde – ich hatte immerhin Artikel darüber gelesen.
(Dieser Text wurde im Mai 2026 auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht. Hier bringe ich ihn vor allem aus dokumentarischen Gründen.)





