16 Oktober 2019

Der Schreiende Stein

Schreiben zwei Autoren – oder in diesem Fall: zwei Autorinnen – gemeinsam einen Roman, gibt es bei den Lesern immer ein gewisses Rätselraten: Wer hat eigentliche welche Teile des Romans verfasst? Das dürfte bei »Der Schreiende Stein« auch so sein.

Band 211 unserer Serie PERRY RHODAN NEO kommt diese Woche in den Handel, wurde von Michelle Stern und Lucy Guth geschrieben und hat mir sehr gut gefallen. (Ich musste übrigens auch ein wenig raten, welche Autorin für welche Szenen verantwortlich zeichnet.)

Wenn man es genau nimmt, führt dieser Roman erst so richtig in die Handlungsstaffel »Das Compariat« ein. Der Vorgängerband von Oliver Plaschka spielte noch zu einem großen Teil auf der Erde und dem Mond, stellte die Ausgangslage für Perry Rhodan und seine Gefährten dar und führte erst dann hinaus ins All. (Ich will an dieser Stelle nicht zu viel vom Inhalt verraten.)

Richtig los geht's in »Der Schreiende Stein«. Die Besatzung der FANTASY stößt auf die Grenzen eines bisher unbekannten Sternenreiches, die Menschen an Bord werden mit Herausforderungen konfrontiert, auf die niemand vorbereitet ist. Und sie lernen eine Welt kennen, die sie als unheimlich empfinden können …

15 Oktober 2019

Kurz vor der Buchmesse 2019

Mir geht es in diesen Stunden und Tagen so wie vielen anderen Menschen in der Literatur-Branche: Ich bereite mich auf die Frankfurter Buchmesse vor. Ich weiß nicht, die wievielte es für mich ist – seit 1993 bin ich jedes Jahr als PERRY RHODAN-Redakteur an den Main gereist, davor einige Male in privater Mission.

Seit wir als Verlag sowie als Redaktion in Frankfurt keinen eigenen Messestand mehr haben, fahre ich mit leichtem Gepäck: Ich werde am Donnerstag und Freitag die Messe besuchen, während ich am Samstag nur zum BuchmesseCon gehe. (Früher herrschte von Donnerstag bis Sonntag eine gewisse Anwesenheitspflicht.)

Ich habe eine Reihe von Terminen vereinbart: mit Autoren und Verlagskollegen, mit Dienstleistern und potenziellen Lizenzpartnern. Wie immer weiß man nicht, was bei welchem Termin herauskommen wird. Das wiederum finde ich aber spannend … Ich freue mich schon darauf, die Messehallen in Frankfurt zu betreten!

14 Oktober 2019

Graue Materie

In der fernen Galaxis Ancaisin stoßen die Besatzungsmitglieder der RAS TSCHUBAI auf Phänomene, die selbst weitgereisten Raumfahrern wie Perry Rhodan völlig unbekannt sind. Gemeint ist die Graue Materie, auch Vektormaterie genannt, deren unheimliche Effekte zur Auslöschung von Welten führen können …

Geschrieben wurde der Roman »Graue Materie« von Uwe Anton und Christian Montillon. Christian sprang zu einem Zeitpunkt ein, als der Roman bereits in der Produktion war: Deshalb steht nur Uwe Anton als Autor auf der Titelseite, während beide Autoren auf der dritten Seite zu lesen sind. Wer nun welchen Teil geschrieben hat, tut hier nichts zur Sache – entscheidend ist das Gesamtwerk.

Die Leser lernen neue Außerirdische kennen, sie erfahren mehr über eine ferne Galaxis, und sie erleben, welche Wirkung die Graue Materie wirklich hat. Das gelungene Titelbild von Arndt Drechsler bietet hierfür eine wunderbare Abrundung. Finde zumindest ich …

13 Oktober 2019

Die Höllenfahrt der SOL

Diskutiere ich mit Autorinnen und Autoren darüber, welche Titel ihre jeweiligen Romane haben sollen, ist das nicht immer einfach. Manchmal wollen die Kollegen einen Titel haben, den es schon einmal gibt, und manchmal stellen sie sich Dinge vor, die einfach nicht sinnvoll sind oder nicht »verkäuferisch« klingen. Es gibt also immer wieder einen Kampf zwischen Redakteur und Autor, welcher Titel denn nun der wirklich ideale ist.

Wegen der religiösen Untertöne fand ich »Die Höllenfahrt der SOL« anfangs durchaus heikel. Olaf Brill, der Autor des Romans, konnte mich aber davon überzeugen, dass genau dieser Titel ideal sei. Wenn der Roman in den Handel kommt, es ist der zehnte der »Mission SOL«-Miniserie, können sich die Leser davon überzeugen – Dirk Schulz hat sowieso ein starkes Titelbild dazu geliefert.

Der Autor steigt gleich mit dem Thema »Höllenfahrt« in den Roman ein, erläutert das christliche Motiv, das dahinter steckt. Und dann lässt er es zeitweise ziemlich krachen: sowohl nach außen hin als auch im Innern der Figuren. Mir gefiel das sehr gut.

11 Oktober 2019

Arndt Drechsler und der Stromkasten

Ein Logbuch der Redaktion

Wann die »Aktion Stromkasten« für die PERRY RHODAN-Redaktion begann, lässt sich nicht mehr so genau herausfinden. Irgendwann sickerte die Information bis zu uns durch: In Rastatt werden die Stromkästen im Rahmen einer Kunstaktion von Künstlern bemalt. Seit 2014 lief diese Aktion, und es hatten schon mehrere bekannte Künstler daran teilgenommen; die Presse hatte darüber berichtet. Das Ziel war, Stromkästen im gesamten Stadtgebiet zu kleinen Kunstwerken zu veredeln.

In einer der Teamrunden, zu denen wir uns einmal pro Woche in meinem Arbeitszimmer an den Besprechungstisch zusammensetzen, sprachen wir über das Thema. Unser kleines Problem: Der Verlag war in Rastatt, aber niemand in der Redaktion hatte seinen Hauptwohnsitz dort.

Bettina Lang fand trotzdem: Es wäre doch gut für die PERRY RHODAN-Serie, an einer solchen Aktion mitzuwirken. Immerhin sei der Verlag in dieser Stadt ansässig, und es würde dabei helfen, öffentlich »Flagge zu zeigen«. Sie versuchte, weitere Informationen über die Aktion zu erhalten – aber weil anderes eine höhere Priorität hatte, versackte die Idee im Verlauf der Zeit.

Im März 2019 wurde uns die Teilnahme angeboten: Joachim Weber, der künstlerische Leiter des Projekts, schrieb eine Mail an die PERRY RHODAN-Redaktion. »In diesem Jahr planen wir wieder zehn Stromkästen, die in der Innenstadt bemalt werden sollen«, informierte er uns. »Gerne würden wir Ihnen einen Stromkasten zur Verfügung stellen.«

Diesmal war auch unsere Lage eine andere: Madlen Bihr wohnte mittlerweile in Rastatt, in direkter Nähe zur Fußgängerzone und zum Rathaus. Sie übernahm die Kommunikation mit den entscheidenden Personen und kümmerte sich um die Abwicklung. Recht schnell war klar: Die Veranstalter würden sich darum kümmern, dass der Künstler für sein Bild ein Honorar bekommt, während wir als Redaktion die Kosten für Anreise und Unterkunft übernehmen würden.

Wir entschieden uns für Arndt Drechsler, der auch große Lust auf das Projekt hatte. Er wurde eingeladen und auf das Projekt »StadtKUNSTwerke« hingewiesen. Der Künstler bereitete sich daheim akribisch auf seine Arbeit in Rastatt vor: Unter anderem bastelte er sich eine Schablone, damit er die Größenverhältnisse des Stromkastens besser einschätzen konnte. Schließlich sollte sein Motiv auch möglichst gut aussehen.

Am Montag, 26. August 2019, fuhr Arndt Drechsler mit seiner Lebensgefährtin von Leipzig, wo er wohnt, nach Rastatt, wo er in einem Hotel in der Innenstadt einquartiert wurde. Mit der Arbeit begann er am folgenden Tag. Bei strahlendem Sonnenschein und sehr hohen Temperaturen gestaltete Arndt »seinen« Stromkasten im Zentrum von Rastatt. Immerhin gab ihm ein Schirm etwas Schatten, sonst hätte er in der prallen Sonne arbeiten müssen.

Nach der Mittagspause unternahmen Klaus Bollhöfener, Madlen Bihr, Janina Zimmer und ich einen Ausflug in die Innenstadt. Eigentlich wollten wir dem Künstler eine gewisse moralische Unterstützung bei seiner Arbeit geben – aber als wir eintrafen, war Arndt schon fertig. Wir bewunderten das Motiv, das er auf den Stromkasten gemalt hatte: eine Darstellung der »klassischen« SOL, also ohne Goldfarbe und ohne Verlängerung. Daraufhin gingen wir mit Arndt noch ein Eis essen, abends besuchten seine Lebensgefährtin und er im privaten Rahmen die PERRY RHODAN-Redakteurin Sabine Kropp und ihre Familie.

Eine kleine Pressekonferenz war für den folgenden Tag anberaumt. Eigentlich sollte auch der Oberbürgermeister kommen, aber er hatte keine Zeit. Immerhin fanden sich einige Interessenten sowie zahlreiche Vertreter der Lokalpresse ein. Vor dem Stromkasten mit dem Raumschiff SOL versammelten wir uns zu einer Gruppe, wobei jeder versuchte, wenigstens ein bisschen im Schatten zu stehen.

Olaf Kaspryk, der Geschäftsführer der Stadtwerke Rastatt, erläuterte die Hintergründe der Kunstaktion. Jeder brauche Strom, die Kästen seien für die Versorgung sehr wichtig, aber die meisten Leute würden sie nicht wahrnehmen. Im Rahmen einer solchen Aktion bringe man sie stärker ins Bewusstsein.

Arndt Drechsler erzählte von seiner Arbeit mit Acrylfarbe und Schablone; im Anschluss gab er noch ein Radio-Interview. Ich stellte die PERRY RHODAN-Serie vor, die mit ihrer Redaktion seit den 80er-Jahren in Rastatt ist. Es war eine gelungene Presseveranstaltung bei hochsommerlichen Temperaturen knapp unter der 40-Grad-Marke.

Das Schönste bei der Aktion: Arndt durfte den fünfzigsten Stromkasten bemalen, es war also gewissermaßen ein Jubiläum. Und er meinte, wenn man ihn ließe, würde er gern noch einmal nach Rastatt kommen und bei einer weiteren Aktion dieser Art mitwirken.

10 Oktober 2019

Vorarbeit zur »Rohr-Reihe«

Offensichtlich lief bei den Vorbereitungen für die neue Taschenbuchreihe, die im Erich Pabel Verlag erscheinen sollte, nicht alles so rund: Am 4. Januar 1979 schrieb Kurt Bernhardt, der PERRY RHODAN-Chefredakteur in München, einen Brief an die Herstellung in Rastatt; angesprochen wurde ein Herr Bischoff. Es ging um die geplante Reihe »W. D. Rohr – Utopia Bestseller aus Raum und Zeit«.

»Ich habe Sie darum gebeten, mir einen bestimmten Auslieferungstermin für den Start dieser neuen Taschenbuchreihe mitzuteilen«, vermeldete der Chefredakteur. Immerhin schicke er bereits die ersten zwei Manuskripte für diese neue Reihe an den Verlag hinaus. Es gehe jetzt darum, »diesen Termin festzulegen«.

Offensichtlich lagen noch keine Terminpläne vor, ebensowenig gab es einen endgültigen Entwurf für die Reihe. »Notwendig ist, dass Sie den Entwurf … an uns zurückschicken, da wir mit unserer Grafikerin die entsprechenden Titelbildentwürfe machen müssen«, schrieb Bernhardt.

Es schien dann ja doch alles gutzugehen: Im März 1979 erschien bereits »Die Schrecklichen von Charrar«, der erste Band der neuen Taschenbuchreihe. Drei Dutzend weiterer Romane sollten folgen, alle mit einem Umfang von 160 Seiten.

08 Oktober 2019

Taschenheft-Reihen in der weiteren Planung

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Bei der PERRY RHODAN-Konferenz am 26. November 2008 standen drei wichtige Themen im Fokus: die Entwicklung der aktuellen Verkaufsauflage, die Serie PERRY RHODAN-Action und mein erneuter Versuch, sogenannte Taschenhefte in den Zeitschriftenvertrieb zu bringen. Die Beratung mit der Geschäftsleitung und dem Vertrieb war entsprechend anstrengend und zog sich über fast drei Stunden.

Bei der wöchentlichen PERRY RHODAN-Serie war kurz vor der Konferenz der Band 2450 erschienen. Robert Feldhoff hatte mit »Evolux« einen spannenden Roman vorgelegt, der den Serienkosmos um eine Werftwelt der Kosmokraten und weitere kosmische Themen erweiterte. Nachdem es gelungen war, die Verkaufsauflage zu steigern, war diese aber wieder abgesackt. Mich frustrierte das, und ich erkannte keine Logik dahinter. »Die Romane sind gut«, so argumentierte ich.

Mein Vorschlag: Wenn mit Band 2500 ein neuer Jubiläumsband veröffentlicht würde, sollten wir diesen entsprechend vorbereiten. »Wir hatten 2005 die Bastelbögen«, meinte ich, »das hat damals doch gut funktioniert.«

In der Tat hatten wir nach dem Zyklusstart mit Band 2300 eine Stabilisierung der Auflage festgestellt. Ob das an den Bastelbögen, den Titelbildern oder den Romaninhalten gelegen hatte, ließ sich nicht herausfinden – aber als Erfolg hatte ich diese Aktion damals dennoch betrachtet.

Vertrieb und Geschäftsleitung fanden das Thema nach einiger Diskussion gut. Wir vereinbarten, neue Bastelbögen in den Romanen zu veröffentlichen. Idealerweise sollte die Aktion um Band 2490 herum starten – dann könnten wir das entsprechend bewerben. Klaus Bollhöfener sollte das Thema in Angriff nehmen; ich wusste von ihm, dass er in der Fan-Szene die richtigen Personen auf ein solches Projekt ansprechen konnte.

Weiter ging es mit PERRY RHODAN-Action. Hier hatten sich die Auflagenzahlen ebenfalls nicht gut entwickelt, die dritte Staffel lief leider schwach. »Es liegt nicht an den Romanen«, beteuerte ich auch an dieser Stelle; diese seien gut. Aber wir hätten für die neue Staffel »keinerlei Werbung betrieben und sie quasi unter der Hand« bekannt gemacht. Außerhalb der Stammkundschaft wusste – so behauptete ich – niemand etwas von der Serie. »Das kann nicht gut gehen.«

In der Diskussion, die sich anschloss, ging es um die Titelbilder: Die Geschäftsführung war für eine andere Umschlagsfarbe, der Vertrieb wollte mehr Action, während ich dafür plädierte, uns vor allem auf Aktionen im Vertrieb zu konzentrieren. Für Band 25 schlug ich vor, ein Poster beizulegen, um die Wertigkeit des »kleinen Jubiläums« zu erhöhen. Auch über eine Preiserhöhung wurde diskutiert.

Letztlich ging es mir in dieser Besprechung vor allem um den dritten Schwerpunkt. Seit einiger Zeit arbeitete ich daran, unsere »Produktfamilie« auszuweiten. Ich wollte mit Taschenheften in den Zeitschriftenvertrieb: Gemeint waren schmale Taschenbücher mit 160 Seiten Umfang, die über den Zeitschriftenhandel verkauft wurden und erst gar nicht in den Buchhandel kamen. Nachdem wir keinen Buchverlag mehr hatten, glaubte ich, dass wir mit solchen Produkten erfolgreich sein könnten.

Unsere Agentur hatte nach Vorschlägen von Klaus Bollhöfener und mir eine Reihe von Entwürfen angefertigt. Diese gingen in verschiedene Richtungen: Ich hatte ein Science-Fiction-Thema vorgeschlagen, aber ebenso ein Krimi-Thema oder etwas, das sich eher an Fantasy-Leserinnen richten sollte. Die unterschiedlichen Entwürfe breitete ich auf dem Besprechungstisch aus, die Diskussion begann.

Erstaunlicherweise wurden vor allem jene Titelbilder besonders positiv bewertet, die wir auf ein weibliches Publikum zugeschnitten hatten. Zu meinen Konzepten hatte unter anderem eine neue Fantasy-Serie gehört, für die es bereits inhaltliche Überlegungen von Susan Schwartz gab. Wir könnten damit recht schnell loslegen, schlug ich vor. Fantasy sei ein Trendthema, und in unseren Frauenzeitschriften könnte man dafür kostengünstige Werbung schalten.

Tatsächlich fanden die Kollegen unter anderem die Entwürfe für »Coco Zamis« oder »Dorian Hunter« spannend. Meine Idee war zu jener Zeit: Wir nehmen die bereits bearbeiteten Versionen der Hardcover-Bände, die im Zaubermond-Verlag veröffentlicht wurden, und machen daraus Taschenhefte. Wie das im Detail aussehen würde, wusste ich noch nicht genau – man musste auf jeden Fall redaktionelle Arbeit in die Romane stecken.

»Aber«, so argumentierte ich, »wir müssen hier den Autoren nur ein Nachdruckhonorar bezahlen, nicht komplett neue Romane schreiben lassen.« Und wir könnten vergleichsweise schnell mit einem solchen Projekt starten. Ich schlug vor, die Kollegen sollten in die jeweils ersten Romane der potenziellen Serien hineinschauen, um sich selbst ein Urteil bilden zu können.

»Wobei wir uns ja noch überlegen müssen, wer das alles redaktionell betreut«, sagte ich am Ende der Diskussion. Alle sahen mich verwundert an. Ich versuchte es zu erklären: Wenn wir neue Serien starten wollten, müsse die jemand steuern. Auch wenn es »nur« Nachdrucke seien, müsse sich jemand um die Produktion kümmern, müsse jemand Vorspanntexte und Vertriebsinformationen schreiben. Nichts gehe von selbst, jemand müsse verantwortlich sein.

Das Argument der Geschäftsführung: Solche Aufgaben könnten allesamt von freien Mitarbeitern erledigt werden. Man bräuchte dann nur eine Redaktionsassistenz, die Texte und Bilder in die Herstellung weiterreichte. An dieser Stelle war ich froh, dass die Besprechung zu Ende ging. Mir war klar, dass ich noch einiges an Rede- und Diskussionsbedarf hatte, bevor ich meinen Plan mit den Taschenheften verwirklichen konnte …