19 September 2021

Warp- und Hyperantriebe

Sabine Hossenfelder ist eine Physikerin, die am m Frankfurt Institute for Advanced Studies forscht; hauptsächlich beschäftigt sie sich mit Grundlagenforschung zur Dunklen Materie und zur Gravitation. Für die Zeitschrift »bild der wissenschaft«, die ich seit langem sehr gern lese, schreibt sie regelmäßig die Kolumne »Sabine Hossenfelders Stichproben«

Ich kam erst dieser Tage dazu, die »bdw«-Ausgabe vom Mai 2021 durchzuschmökern, und stieß auf ihren Artikel unter dem Titel »Meine Warpantrieb-Desillusion«. Bei der Lektüre musste ich gleich zu Beginn schmunzeln. Der Warpantrieb habe ihr immer Angst gemacht, schreibt die Physikerin. Sie habe in ihrer Schulzeit viel Science Fiction gelesen, aber »mein Lesestoff war hauptsächlich die Perry-Rhodan-Reihe«.

Es ist doch immer wieder schön, wenn man als Redakteur in einer Publikation, die man schätzt, auf die Publikation stößt, die man selbst herausgibt! Und der Beleg ist wieder einmal erbracht, dass unsere Serie manche Physikerin und manchen Physiker erst auf seinen oder ihren Berufsweg gebracht hat!

18 September 2021

Die Friedensforscherin

Zwei ungewöhnliche Menschen in einer ungewöhnlichen Zeit: Auch die Bestsellerautorin Tanja Kinkel wirkte an unserem Projekt »Galacto City« mit und schrieb einen Kurzroman für die PERRY RHODAN-Minireihe. In dieser Woche erschien »Die Friedensforscherin« – ein Text, der auch nach der Lektüre noch im Leser oder der Leserin seinen Nachhall finden dürfte.

Die Geschichte spielt wie alle Texte dieser Reihe zu Beginn der 70er-Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Für Menschen wie Olga Ilmenova ist der Zweite Weltkrieg noch immer in der Erinnerung präsent, für Menschen wie Betty Toufry stehen bereits die Kontakte zu Außerirdischen und persönliche Traumata im Vordergrund. Was die alte Frau aus Russland und die junge Bewohnerin von Galacto City gemeinsam haben, das zeigt Tanja Kinkel in ihrem Kurzroman.

Geschickt verbindet die Autorin die zwei unterschiedlichen Lebensläufe mit den Hinterlassenschaften von Aliens – das Ganze wird mit der Vision einer friedlich geeinten Erde verknüpft.

17 September 2021

Die Imperatrix

Wer sich mit PERRY RHODAN und den wesentlichen Figuren der Serie beschäftigt, wird bei Atlan unweigerlich ins Grübeln kommen: Der Arkonide lebt Jahrtausende auf der Erde, und zu seinem Leben gehört das ständige Sterben von guten Freunden. Damit wird der Arkonide in all den Jahren sicher seine Probleme gehabt haben – nur gelegentlich wird das in den Romanen angedeutet.

Auf die Spitze treibt es Ben Calvin Hary in seinem aktuellen Roman für PERRY RHODAN NEO. Band 261 trägt den Titel »Die Imperatrix«, und er zeigt das persönliche Drama Atlans. Durch eine unfreiwillige Zeitreise ist dieser in der Vergangenheit gelandet, zehntausend Jahre vor seiner eigentlichen Zeit.

Seine Mutter lebt noch, die er seit zehntausend Jahren nicht mehr gesehen hat. Soll er versuchen, sich mit ihr zu treffen, oder ist das zu gefährlich? Doch was passiert, wenn Ereignisse eintreten, die er gar nicht mehr selbst steuern kann? Wie kommt er mit den Gefühlen klar, die auf ihn ein stürmen? Geschickt führt der Autor »seinen« Atlan durch eine packende Handlung; das habe ich im Manuskript sehr gern gelesen.

16 September 2021

Fremde aus dem Hypersturm

Der Autor gehört seit vielen Jahren zu den Spezialisten für die Bewohner der galaktischen Eastside: Arndt Ellmer hat nicht nur viele Romane geschrieben, in denen die Blues – oder Jülziish – eine wesentliche Rolle spielen; er legte in den späten 90er-Jahren durch seine CD-ROM viele Grundlagen für die Kulturbeschreibung der Eastside-Bewohner. Da passt es gut ins Bild, dass er mit seinem kommenden Roman ebenfalls in die Eastside geht.

»Fremde aus dem Hypersturm« erscheint in dieser Woche und erzählt unter anderem von der Begegnung mit einem mysteriösen Gebilde – und auch der anstrengenden Reise dorthin. Die Terraner arbeiten mit den Kastellanen zusammen, manche Bewohner der Eastside haben damit ihre Probleme, und ganz im Hintergrund entfaltet eine alte Hinterlassenschaft ihren ganz speziellen Reiz …

Der Roman eröffnet einen neuen Handlungsblock, der uns einige Bände lang beschäftigen wird. Die Jülziish und ihre Kulturen spielen dabei immer wieder eine Rolle.

15 September 2021

Einige Gedanken an K. H. Scheer

Heute vor dreißig Jahren starb ein Mann, ohne den es PERRY RHODAN sicher nicht geben würde: Karl-Herbert Scheer hob die Serie zusammen mit Walter Ernsting alias Clark Darlton aus der Taufe. Die beiden Autoren waren durchaus gegensätzlich, worüber ja schon viel zu lesen war – aber bei PERRY RHODAN warfen sie ihre unterschiedlichen Ideen und Pläne so zusammen, dass eine Serie herauskam, die bis heute besteht.

Scheer war es, der die Exposéarbeit quasi erfand. Anfangs waren seine Exposés sehr kurz, bald wurden sie ausführlicher. Manchmal waren es Briefe an die Autoren, später bestanden sie – wie heute – aus dem eigentlichen Handlungsteil und dem Datenanhang. Sie wurden umfangreicher und komplexer, und schon in den 60er-Jahren beklagten sich die Autoren gelegentlich über »zu viele Daten«.

Scheer hatte einen eigenen Kopf, und er war sicher nicht immer einfach im Umgang. Aber er hörte auf die Fans, er setzte sich mit der Geschäftsführung auseinander, und er schaffte es immer wieder, seine eigenen Ideen mit denen der Kollegen zu verbinden. So brachte er früh Ideen von William Voltz in die Serie ein und integrierte Vorschläge von H. G. Ewers oder Kurt Mahr.

PERRY RHODAN brauchte die Phantasie und die Träumerei eines Clark Darlton, um groß zu werden. Ebenso benötigte die Serie die Ideen und die konzeptionelle Arbeit eines K. H. Scheer. Wenn wir heute immer noch PERRY RHODAN schreiben und lesen können, verdanken wir es unter anderem ihm.

Vor dreißig Jahren starb er. Wir hätten gern den sechzigsten Geburtstag unserer Serie mit ihm gefeiert. Aber so gedenken wir eben still an ihn und an seine vielen Ideen ...

(Das Bild wurde 1980 auf dem PERRY RHODAN-WeltCon in Mannheim aufgenommen. Fotograf war Gerhard Franz.)

Ein Sonderband zu 60 Jahren

Ein (nachgereichtesI) Logbuch der Redaktion

Im September 2021 kann die PERRY RHODAN-Serie ein Jubiläum feiern, das seinesgleichen sucht: Die größte Science-Fiction-Serie der Welt wird sechzig Jahre alt! Was durch eine Idee von K. H. Scheer und Clark Darlton mit einem wöchentlichen Heftroman begonnen hat, ist längst ein Werk geworden, das in verschiedenen Versionen erscheint: gedruckt und als E-Book sowie als Hörbuch.

Der Kern ist in all der Zeit derselbe geblieben: Die Serie erzählt vom Vorstoß der Terraner ins All und von ihren Begegnungen mit dem Unbekannten. Ein Team aus Autorinnen und Autoren schreibt seither an der größten Geschichte der Menschheit – bis heute!

Das wollen wir feiern. Die Corona-Pandemie trägt dazu bei, dass keine »echten« Feiern möglich sind. Fan-Veranstaltungen gibt es keine, vom Verlag aus werden wir auch nichts unternehmen. Immerhin wird ein Online-Abend veranstaltet, auf den ich mich sehr freue.

Und wir publizieren zum Jubiläum einen PERRY RHODAN-Sonderband. Zusammengestellt wird er von Sabine Kropp, und sein Inhalt deckt gewissermaßen die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft ab.
Wir blicken mit diesem umfangreichen Romanheft in die Vergangenheit – auf die Anfänge einer Science-Fiction-Serie, die von der Zukunft erzählt und schon seit sechzig Jahren läuft, in einer Kette von Fortsetzungen. Und wir beleuchten unsere Gegenwart.

Bekanntlich begann alles am 8. September 1961 mit dem Roman »Unternehmen Stardust«, den K. H. Scheer nach seinem eigenen Exposé verfasste. Die Geschichte über vier mutige Astronauten, die zum Mond fliegen und dort die Außerirdischen treffen, fasziniert nach wie vor.

Dabei läuft Scheers Roman für die damalige Zeit klassisch ab: Die Figuren werden vorgestellt, die technischen Details werden vermittelt, dann kommt der Flug zum Mond. Spätestens nach der Mondlandung zeigt der Autor Perry Rhodan als einen tatkräftigen Astronauten, der es sogar schafft, mit den übermächtigen Arkoniden ein Psychospiel zu beginnen.

Und weil die Geschichte immer noch so gut ist, veröffentlichen wir diesen Klassiker in diesem Sonderband zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder – im Originaltext, den wir nur auf die neue Rechtschreibung umgestellt haben. Wir haben daran inhaltlich nichts verändert, das war uns wichtig: Es geht uns darum, den »Geist« der damaligen Zeit originalgetreu abzubilden.

Dazu kommen einige Hintergründe: Wie wurde PERRY RHODAN eigentlich geplant? Wir zeigen das Faksimile des ersten Exposés, dazu kommt die Abschrift des zweiten Exposés – Handlungsreichungen für einen Science-Fiction-Erfolg »made in Germany«. Solche Hintergründe sind für viele Leser interessant, die sehen wollen, wie man damals arbeitete.

Ergänzende Artikel erzählen ein wenig mehr über die Arbeit an der Serie; unter anderem äußern sich die aktuellen Exposéautoren. In farbigen Bildern werfen unsere Titelbildkünstler ihren eigenen Blick auf die Serie, ergänzt durch Illustrationen, die wir so bislang nicht gezeigt haben.

So entstand ein bunter PERRY RHODAN-Sonderband, den es im September im Handel geben wird: als Romanheft am Kiosk, als E-Book in den einschlägigen Shops. Ich bin schon auf die Reaktionen der Leserschaft gespannt …

14 September 2021

Ein Blick auf Arkons dunkle Zeit

Ein Logbuch der Redaktion (nachgereicht ...)

Seit ich Science Fiction lese, faszinieren mich die unterschiedlichen Themen, die es in dieser Literaturgattung zu bestaunen gibt. Man reist als Leser – auch als Filmzuschauer – hin zu fernen Welten, man trifft Außerirdische aller Arten und kommuniziert mit Künstlichen Intelligenzen. Es mangelt nicht an Themen, mit denen sich die Science Fiction beschäftigt, und sie sind noch lange nicht ausgereizt.

Die interessantesten Geschichten für mich waren schon immer Zeitreisen. Wie wäre es, wenn man in die Zukunft schauen könnte? Wie wäre es, wenn man sich die Vergangenheit genauer ansehen könnte? Wie würde man die Gegenwart verändern, würde man in der Vergangenheit die entsprechende Handlung begehen?

Schon im späten 19. Jahrhundert machten sich Autorinnen und Autoren ihre Gedanken dazu. Gedankenspielereien dieser Art waren vor allem in den 40er- und 50er-Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts sehr populär, wobei ich mich vor allem an einige Erzählungen von Robert A. Heinlein erinnere. Diese Erzählungen lese ich immer noch gern, ich mag diese Gedankenexperimente.

Da bin ich nicht allein – Zeitreisen erfreuen sich immer wieder großer Beliebtheit: nicht nur im gedruckten Roman, sondern auch im Film und in Fernsehserien. Als die PERRY RHODAN-Serie aus der Taufe gehoben wurde, brachten die Autoren ebenfalls das Thema Zeitreisen in die Handlung ein.

Bereits in jenen Romanen, in denen von Perry Rhodans Jagd nach der Unsterblichkeit erzählt wird, springt man nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Zeit. In vielen der späteren Handlungsabschnitte der Serie kommen diese Themen erneut vor. Ob es ein Nullzeit-Deformator ist oder eine »normale« Zeitmaschine – diese Art des Reisens spielt immer wieder eine Rolle.

Das gilt auch für den »Ableger« der wöchentlichen Serie, der seit 2011 alle zwei Wochen veröffentlicht wird. PERRY RHODAN NEO ist eine »parallele Wirklichkeit« zu den klassischen Romanen. Also spielen auch bei NEO allerlei Reisen durch die Zeit eine Rolle.

Menschen gehen buchstäblich in Raum und Zeit verloren. Terraner werden in die Vergangenheit geschleudert, die Grenzen scheinen zu verschwimmen.

In der kommenden Handlungsstaffel betreffen solche Phänomene nicht mehr nur einzelne Menschen, sondern gleich ein ganzes Raumschiff. Mitsamt seiner Besatzung tritt es eine sehr unfreiwillige und vor allem extrem gefährliche Reise an.

In welche Zeit es die Menschen an Bord genau verschlägt, möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Die entsprechenden Informationen bringen wir in nächster Zeit an die Öffentlichkeit.

Die kommende Handlungsstaffel bei PERRY RHODAN NEO trägt den Titel »Arkons dunkle Zeit«, was schon die eine oder andere Spekulation auslösen dürfte. In der Tat steht das Imperium der Arkoniden im Vordergrund der zehn Romane. Figuren wie Atlan spielen eine Rolle, ein Imperator und ein Überschwerer treten in Erscheinung, alte Geheimnisse des Imperiums kommen an ein neues Licht …

Welche Rolle die Terraner in den Kämpfen um den Kristallpalast, den Intrigen der mächtigen Familien und den Konflikten zwischen den Sternen einnehmen, ist sicher eine Überraschung – nicht nur für Perry Rhodan und seine Begleiter, sondern auch für Atlan, den ehemaligen Kristallprinzen.

Konzipiert wurde die Handlung der kommenden Staffel von Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm. Die beiden Autoren griffen wieder Themen der klassischen PERRY RHODAN-Serie auf und verbanden sie auf neue Weise miteinander. Das kombinierten sie mit frischen Ideen und aktuellen wissenschaftlichen Entwicklungen – so entsteht eine Handlungsstaffel mit viel Action und einigen handfesten Überraschungen.

Den Einstieg in die neue Staffel übernahm Lucy Guth; die Autorin verfasste »Gestrandet in der Zeit«. Sie stellt gleich in den ersten Szenen dar, in welcher aktuellen Misere sich Perry Rhodan und seine Begleiter befinden und wie sich seine Frau Thora angesichts der Not verhält. Im weiteren Verlauf ihres Romans zeigt sie nicht nur das gesamte Umfeld auf, in dem die Handlung abläuft, sondern eröffnet gewissermaßen das Spielfeld für die folgenden Bände.

Ich freue mich schon auf die kommenden zehn Romane!

13 September 2021

Mein erster Con

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Ich kannte Gunter seit der Grundschule; wir wohnten keine 200 Meter auseinander. Wir wechselten nach der Grundschule auf das Gymnasium, blieben befreundet, und als ich die Schule verließ, hielt unsere Freundschaft an. Deshalb machte er an meinem Fanzine »Sagittarius« mit, unter anderem deshalb, weil wir die Vorliebe für Science Fiction, seltsame Musik und alberne Witze teilten.

Und so radelten wir an diesem Samstag, 21. März 1981, am Vormittag von dem Dorf, in dem wir wohnten, nach Freudenstadt. Wir hatten gut sechs Kilometer zurückzulegen, und am Ende standen wir vor dem Jugendzentrum »Murgtäler Hof«. Nach dem Krieg war es ein kleines Hotel gewesen, seit einigen Jahren erst war es das Jugendzentrum unserer Kleinstadt.

Es sollte an diesem Tag der Schauplatz des ersten Cons sein, den ich veranstaltete: der FreuCon I. Weil ich originell sein wollte, hatte ich vor, die Cons mit lateinischen Zahlen durchzunummerieren.

Am Vortag hatte ich mir den Schlüssel zum Jugendzentrum besorgt. Wir hatten den unteren Bereich gemietet, das sogenannte Kleinkunstforum. Dort fanden sonst Konzerte statt oder es traten Kabarettisten auf, und der große Raum – früher das Restaurant des kleinen Hotels – konnte auch für Geburtstagsfeiern gemietet werden. Wir durften den Nebeneingang benutzen, mussten also nicht zur offiziellen Tür ins Jugendzentrum.

Die ersten Besucher waren schon eingetroffen, wie es aussah. Zwei, drei junge Leute drückten sich vor der Tür herum. Meine Informationen, die ich auf Anfrage per Brief übermittelt hatte, waren offensichtlich eindeutig gewesen: »Gegenüber des Stadtbahnhofs«, so hatte ich geschrieben, befinde sich das Jugendzentrum, und man möge die Tür nehmen, die zum Stadtbahnhof zeige.

Wir begrüßten die Besucher, die meinem Hinweis in den PERRY RHODAN-Clubnachrichten gefolgt waren und die ich noch nicht kannte. Dann steckte ich den Schlüssel ins Schloss – und stellte fest, dass der Schlüssel nicht passte. Ratlos standen Gunter und ich da.

»Gib mir mal!«, forderte er mich auf und versuchte ebenfalls, die Tür zu öffnen. Doch auch bei ihm ließ sich der Schlüssel nicht drehen. Die Tür zum Kleinkunstforum blieb verschlossen, und unser Con geriet ins Stocken, bevor er beginnen konnte.

Wir kamen beide auf die gleiche Idee, überquerten die Straße und steuerten die Telefonzellen vor dem Bahnhof an. Immerhin hatte uns die Sozialarbeiterin, die das Jugendzentrum verwaltete, ihre private Telefonnummer gegeben. »Für Notfälle«, hatte sie gesagt und uns ermahnt, wirklich nur in einem Notfall anzurufen. Aber das war eindeutig ein Notfall.

Die Nummer stimmte, wir erreichten sie, und dann lachte sie erst einmal ziemlich ausgiebig. »Ich habe euch den Schlüssel zur Zwischentür gegeben, und den richtigen Schlüssel für euch, den hat der Jo.« Auf meine Rückfrage, wo ich Jo finden könnte, gab sie zur Antwort, wir sollten zum Haupteingang spazieren, einmal ums halbe Haus herum, und dort klingeln oder klopfen. »Der arbeitet heute morgen.«

Unsere Con-Besucher, die sich ein wenig über unsere Planlosigkeit wunderten, sahen irritiert zu, wir Gunter und ich erneut die Straße überquerten und uns in den Hof begaben. Als wir vor der eigentlichen Eingangstür standen, hörten wir bereits die Arbeitsgeräusche. Jemand hämmerte und sägte.

Wie es sich herausstellte, hatte der Zivildienstleistende – ein junger Mann mit dickem schwarzen Schnauzbart namens Jo – auf uns gewartet. Jo war dabei, einen Zwischenraum mit einer neuen Bretterverschalung auszustatten. Wenn er allerdings mit der Säge zugange war, bekam er nicht mit, was wir ein Dutzend Meter von ihm entfernt machten.

Es klärte sich alles auf. Wir bekamen die richtigen Schlüssel und konnten das Jugendzentrum an der »Con-Seite« aufsperren. Jo hämmerte und sägte nicht mehr lang, räumte seinen Arbeitsbereich auf und verschwand. Und ich sorgte dafür, dass einige Getränke hinter der Theke des Kleinkunstforums standen, auf die wir zugreifen konnten.

Im Verlauf der nächsten zwei Stunden trafen die Con-Besucher ein. Zumeist handelte es sich um Science-Fiction-Fans aus der näheren Umgebung. Nur Udo Popp war aus Bayern angereist, alle anderen kamen aus Baden-Württemberg. Insgesamt waren wir zwischen 15 und 20 Personen, mehr nicht.

Es gibt ein Foto von dieser Veranstaltung: Es ist in Schwarzweiß, und ich habe es offensichtlich verlegt. Wir sitzen alle in einem lockeren Kreis auf den ungemütlichen Holzstühlen des Kleinkunstforums. Wir trinken Cola und Wasser, und wir reden.

Das reichte uns offensichtlich. Zu vorgerückter Stunde gab es einen Dia-Vortrag mit Science-Fiction-Motiven – das war das gesamte Programm. Wir tauschten Fanzines, wir unterhielten uns über Science Fiction im Allgemeinen, neue Filme und Fantasy.

Am frühen Abend löste sich die Veranstaltung auf. Gunter und ich fuhren mit dem Rad in unser Dorf zurück, einige Fans saßen in Udo Popps Auto. In der örtlichen Pizzeria, praktischerweise keine fünfzig Meter vom Haus meiner Eltern entfernt, aßen wir zu Abend. Udo übernachtete bei mir, die anderen reisten am selben Abend ab.

Das war der erste FreuCon. Ich war, obwohl es nur so wenige Besucher gewesen waren, sehr euphorisiert und wollte bereits den nächsten planen. (Dass elf Jahre später 800 Menschen aus 20 Ländern zum EuroCon in die kleine Stadt im Schwarzwald kommen sollten, hätte ich allerdings nicht zu träumen gewagt.)