Aus der Reihe »Der Redakteur erinnert sich«
Nachdem die Vorschläge der PERRY RHODAN-Redaktion im September so gut angekommen waren, ging ich am Mittwoch, 25. Oktober 2006, mit positiven Erwartungen in die Besprechung des Moewig-Buchverlags. Ich hatte einige Ausdrucke von Anzeigen und Entwürfen bei mir, ebenso einige Notizen, die ich mir auf der Buchmesse gemacht hatte.
An diesem Tag war PERRY RHODAN nur einer von vielen Punkten, die die Kolleginnen und Kollegen besprachen. Wie immer saßen Lektorat und Vertrieb, Marketing und Herstellung, Geschäftsführung und Buchhaltung an einem Tisch und diskutierten rege. Gelegentlich hatte ich das Gefühl, unser Geschäftsführer sei »nicht ganz dabei«, aber das führte ich auf einen anstrengenden Tag zurück.
Vier Paperbacks im Frühjahr
Im allgemeinen Bereich der Konferenz wurden die aktuellen Sachbücher besprochen, die als Bildbände erscheinen sollten. Ebenso ging es um Kochbücher und Rätselbände, angedacht waren neue Titel im Bereich der »Phänomene« – das waren beispielsweise Bücher zu Themen wie Astrologie oder Esoterik – in der Diskussion. Ich hielt mich zurück und sagte dazu nie etwas; üblicherweise nahm ich an diesen Teilen der Besprechung sowieso nicht teil und wurde erst dazu gerufen, wenn es um PERRY RHODAN ging.
Das war aber nicht unwichtig, schließlich wollten wir im kommenden Jahr mit unseren Titeln richtig durchstarten. Als es um unsere Themen ging, wurde zudem Klaus Bollhöfener vom Marketing hinzugebeten. Es wäre unsinnig gewesen, hätte ich über das Marketing und die optische Gestaltung referiert, die ja seine Arbeitsbereiche waren.
Noch einmal diskutierten wir über die geplanten Paperbacks: Im März sollte es mit dem »Meister der Insel«-Zyklus losgehen. Klaus Bollhöfener stellte die Optik und Gestaltung der neuen Reihe vor, die auf Entwürfen von Dirk Schulz und dessen Agentur Animagic beruhten. In der Runde gab es keinerlei grundsätzlichen Einwände. Ich erwähnte allerdings, dass einige Außendienstkollegen des Buchvertriebs auf der Buchmesse durchaus Kritik an Details gehabt hatten – das fanden die anderen aber nicht so wichtig.
Vereinbart wurde, »nur die ersten vier Bücher sowie das Rückenbild« in den Katalog für das Frühjahrsprogramm zu packen und auch nur diese bei der Vertretertagung vorzustellen. Klaus erhielt den Auftrag, die Druckdaten für die Umschläge anfertigen zu lassen. Sabine Kropp sollte sich um die herstellerischen Details kümmern – von den Rückentexten bis hin zum neuen Impressum.
»BARDIOC« im Blick
Klaus Bollhöfener und ich erklärten die werblichen Argumente für den Herbst 2007; das Jubiläum bei den Silberbänden sollte im Vordergrund stehen. Klaus stellte vor allem die Optik und Gestaltung des Jubiläumsbandes 100 vor: Wir würden weiterhin den Sammlermarkt im Blick behalten und wollten keine grundsätzlichen Änderungen beim Cover vornehmen, den Innenteil aber vorsichtig »aufhübschen«.
Parallel zum Jubiläumsband 100 wollen wir einen »BARDIOC«-Band in besonderer Optik herausbringen; zu einem marktgängigen Höchstpreis von 19,90 Euro. Klaus und ich brauchten einige Zeit, bis alle im Raum verstanden hatten, was wir eigentlich planten; dann fanden sie es gut.
Klaus erhielt den Auftrag, die Optik weiterzuentwickeln, während sich Sabine Kropp um ergänzende Texte sowie den eigentlichen Inhalt kümmern sollte. Zudem sollte sie dafür sorgen, dass die Buchhaltung möglichst schnell alle Daten bekam, um das Buch vernünftig kalkulieren zu können.
Weitere Ideen
Ich stellte meine Überlegung vor, einen PERRY RHODAN-»Klopper« zu veröffentlichen. Dieser sollte parallel zum Start der »Meister der Insel«-Paperbacks erscheinen: »Wir nehmen sechs Taschenbücher, die mit dem Thema im Zusammenhang stehen, und packen die in ein Paperback«, schlug ich vor. »Das hat dann rund 900 Seiten; man spricht damit eine andere Zielgruppe an.« Ich berichtete von meinen Gesprächen mit den Kollegen aus dem Heyne-Verlag, die mir erzählt hatten, dass die »Klopper« – so nannte man diese dicken Bücher – ein anderes Publikum hätten als gewöhnliche Taschenbücher.
Begeisterung löste ich damit keine aus. »Das ist too much«, argumentierte unser Vertriebsleiter. »Das nimmt der Markt nicht auf.« Wir sollten für so ein dickes Buch aber ein weitergehendes Konzept und eine Kalkulation erstellen – das könnte im Verlauf des Jahres 2007 eventuell doch interessant werden.
Ich erwähnte darüber hinaus den anhaltenden Fantasy-Boom – Heyne, Bastei Lübbe, Piper, Klett-Cotta und andere auch veröffentlichten neue Fantasy-Romane – zu nutzen und klassische MYTHOR-Romane wie etwa den »Schattenland«-Zyklus als Taschenbuch neu aufzulegen. Das lehnte der Vertrieb ab, Fantasy sei kein interessantes Thema.
Klaus Bollhöfener und ich verließen in einer sehr guten Stimmung das Monatsmeeting des Buchverlags. Für uns sah es so aus, als könnten wir 2007 mit den PERRY RHODAN-Büchern noch einmal durchstarten und vor allem endlich neue Dinge angehen. (Spoiler: Wie sehr wir uns täuschten, sollten wir sechs Wochen später erfahren.)
(Dieser Text wurde bereits vor einigen Tagen auf der Internet-Seite von PERRY RHODAN veröffentlicht. Hier wiederhole ich ihn aus dokumentarischen Gründen.)





