Ein Logbuch der Redaktion
Denke ich an Peter Griese, fallen mir sofort sehr viele Begegnungen ein, und ich habe ein klares Bild vor Augen: Der Autor steht in einer Gruppe von Lesern, er trägt eine Kappe mit »AC/DC«-Schriftzug und ein T-Shirt, auf dem sich das Logo derselben Band befindet, und diskutiert engagiert mit den Leuten, die ihn umringen. Er hat offensichtlich keine Scheu davor, sich der Kritik zu stellen und auf sie einzugehen.
So lernte ich ihn tatsächlich kennen: Irgendwann in den frühen 80er-Jahren saß der PERRY RHODAN- und ATLAN-Autor auf der Bühne im Jugendpark in Köln, es war ein warmer Tag im ColoniaCon, und im Raum saßen nur wenige Dutzend Menschen. Wie es so oft bei einem dieser Cons üblich war, hielten sich viele Fans im Freien auf, wo sie die frische Luft genossen.
Peter Griese sprach über die ATLAN-Serie und die neuen kosmischen Abenteuer, in die er den Arkoniden Atlan und seine Gefährten schicken wollte. Er reagierte schlagfertig und mit leichter Ironie auf die Rückfragen aus dem Publikum. Hinterher gab er geduldig einige Autogramme, die er in Hefte und Bücher kritzelte, die man ihm vor die Nase hielt.
Ich konnte einige Worte mit ihm wechseln und gestand, dass ich zu der Zeit lieber die ATLAN-Romane las als die PERRY RHODAN-Bände: »Bei ATLAN ist einfach mehr los«, behauptete ich. Über dieses Kompliment eines jungen Fans, der nicht viel Ahnung hatte, schien sich der Autor ernsthaft zu freuen.
Wir wechselten in der Folge einige wenige Briefe. Auf einer ATLAN-Leserseite sollte sogar eine Kurzgeschichte von mir erscheinen. Aber ich traf Peter Griese in jenen Jahren nicht wieder, erst beim PERRY RHODAN-WeltCon, der 1991 in Karlsruhe veranstaltet wurde.
In den 90er-Jahren arbeiteten wir dann enger zusammen. Ich war der junge Redakteur, Peter der schon erfahrene Autor. Die ATLAN-Serie war leider bereits Geschichte, sie war in den 80er-Jahren eingestellt worden. Dabei hatte Peter, der die Serie schon als Jugendlicher gemocht hatte, nicht nur viele Romane über den Arkoniden und seine Abenteuer geschrieben, sondern sie auch lange als Exposéautor gesteuert.
Mit manchen seiner Ideen hatte ich meine Schwierigkeiten. Er veröffentlichte Taschenbücher und Heftromane; manchmal legte er die Exposés eigenwillig aus, was dazu führte, dass die Bearbeitung nicht immer einfach war. Aber er übernahm immer mehr Aufgaben. Er steuerte die Risszeichnungen, er kümmerte sich um den PERRY RHODAN-Kommentar, und er ließ sich nicht nur auf Cons gern auf eine Bühne setzen, sondern trat auch im Fernsehen auf.
Bei Cons erlebte ich Peter Griese nun nicht mehr als Fan, sondern als Redakteur. Ich erinnere mich gut, welche Wortgefechte wir uns beispielsweise in Sinzig lieferten. Und in den Pausen konnten wir uns über laute Musik unterhalten; da hatten wir einiges gemeinsam.
Als der »THOREGON«-Zyklus gestartet wurde, erlebte der Autor einen wahren Höhenflug. Seine Romane um Alaska Saedelaere und die sogenannten Raubyner kamen bei den Fans sehr gut an. Umso schockierender war es für die Leserschaft und die Redaktion, dass Peter in der Nacht vom 28. auf den 29. April 1996 verstarb.
Die Trauerfeier fand im engsten Familienkreis statt. Ich fuhr einige Tage später hin und legte einen Kranz des Verlags auf das Grab, besuchte dann seine Familie und saß lange im Arbeitszimmer des Verstorbenen. Womöglich habe ich da erst verstanden, dass der beliebte Autor gestorben war und wir uns nie wieder über AC/DC und andere Bands, Haluter und Raubyner, Ideen und Konzepte unterhalten konnten.
Peter Griese war ein Original, wie es sie selten gibt. Seine Romane waren unterschiedlich im Stil und in der Qualität. An seinem dreißigsten Todestag erinnere ich mich mit Wehmut an ihn und werde am Abend daheim mit einer AC/DC-Schallplatte und Glas Whisky an ihn denken …
(Dieses Logbuch wurde am 29. April 2026 auf die Internet-Seite von PERRY RHODAN gestellt. Hier wiederhole ich es aus dokumentarischen Gründen.)





