04 Februar 2026

Als wir nach Arkon aufbrachen

Ein Logbuch der Redaktion 

Ich erinnere mich sehr gut an die große Euphorie, die uns nach dem Start von PERRY RHODAN NEO befallen hatte. Zwar gab es kritische Stimmen, aber wir erhielten sehr viel positiven Zuspruch, und auch die Verkaufszahlen waren wirklich überzeugend. Und so wurde aus der kleinen Serie, die wir im Herbst 2011 in den Handel gebracht hatten, recht schnell ein echter Erfolg.

Im Sommer 2012 ging es nicht nur an neue Ideen für Romane, sondern es ging an den Kern der Sache: Wollten wir nur die klassische Serie nacherzählen, oder wollten wir einen frischen Weg einschlagen? Die Antwort, die sich bei unseren internen Gesprächen ergab, war eindeutig: Wir wollen Völker und Figuren anders definieren – nur dann ist PERRY RHODAN NEO eine eigenständige Serie.

Und so ging es unter anderem um die Springer, die wir so erst gar nicht bezeichnen wollten und die bei uns nur Mehandor heißen sollten, und die Topsider. Beide Völker waren in der frühen Serie sehr wichtig, beide Völker wurden eher eindimensional gezeichnet.

Mit viel Elan gingen wir an die vierte Staffel unserer Serie, deren Exposés und Datenblätter wieder von Frank Borsch stammten. Der Autor aus Freiburg hatte die wichtigsten Grundlagen für PERRY RHODAN NEO geliefert und steuerte sie durch die ersten hundert Romane.

Der »kleine« Jubiläumsband der Serie erschien am 31. August 2012: Band 25 kam in den Handel, verfasst von Leo Lukas. Der in Wien lebende Autor ließ in »Zielpunkt Arkon« seine Phantasie sprühen: Es geht nicht nur darum, dass Perry Rhodan und seine Gefährten zu einer neuen Mission aufbrechen, sondern die Leser erfahren auch viel über die Besatzung der TOSOMA.

Dabei war klar, dass Leo Lukas es nicht am Humor fehlen ließ. So erfuhren die Leserinnen und Leser auch einiges über den Koch, der in letzter Sekunde an Bord geholt wird, und seine Abenteuer. Im Jahr 2037, in dem die vierte Staffel beginnt, sind es eben immer noch die »kleinen« Probleme, die manches durcheinanderbringen.

Die Staffel erzählte in insgesamt zwölf Bänden von einer ersten Expansion der Menschen ins All: noch ein wenig behutsam, fast unbeholfen, aber trotzdem mit viel Erfindergeist und Wagemut. Dabei spielt die Handlung nicht nur in den Tiefen der Milchstraße, sondern auch im heimatlichen Sonnensystem.

Das zeigt bereits das Titelbild von »Zielpunkt Arkon«: Es geht unter anderem zum Mars. Der Rote Planet soll eigentlich mit einem Terraforming-Programm zu einer lebenswerten Welt gemacht werden. Doch ausgerechnet auf dem Mars stoßen die Wissenschaftler auf ein faszinierendes Geheimnis, mit dem niemand rechnen konnte – ein Historiker trifft auf Wesen, die es auf dem Mars eigentlich nicht geben dürfte.

Zu einem wichtigen Schauplatz der Handlung wird eine gigantische Raumstation, die von ihren Bewohnern als »Gespinst« bezeichnet wird. Die Terraner kommen bei ihrer Reise von der Erde nach Arkon dort vorbei, weil sie wichtige Informationen benötigen. Auf der Station leben menschenähnliche Wesen, mit denen Perry Rhodan und seine Gefährten erstmals in Kontakt treten.

Mir gefiel sehr gut, wie Michelle Stern die Mehandor im Universum von PERRY RHODAN NEO schilderte: Die galaktischen Händler sehen nicht nur anders aus als in der klassischen Serie, sie verhalten sich auch anders. Und sie haben eigenwillige Vorstellungen darüber, wie die Reparatur eines Raumschiffes zu bezahlen ist. Perry Rhodan muss wieder einmal einen wagemutigen Plan entwickeln ...

Spannend finde ich persönlich eine komplett neue Handlungsebene der vierten Staffel – dieses Thema fand so in der Originalserie nie statt ... Ich meine damit den Planeten Topsid, die Heimat der echsenartigen Topsider. Die spielen derzeit in der Handlung der Hauptserie eine wichtige Rolle – umso interessanter ist es, sich heute anzuschauen, wie sie bei PERRY RHODAN NEO dargestellt worden sind.

Bernd Perplies lieferte mit »Planet der Echsen« (Band 26) sein zweites Werk für unsere Serie: Sein Held ist ein Mann von der Erde, den es auf Topsid verschlagen hat. Als einzige »Blasshaut« muss er unter Millionen von Echsenwesen um sein Überleben kämpfen.

Trotz aller Gefahren findet er neue Freunde – und erlangt einen faszinierenden Blick in eine Kultur, die von der menschlichen Zivilisation weit entfernt ist. Dummerweise bricht dann ein Bürgerkrieg aus, und unser Held kommt in echte Schwierigkeiten ...

Manchmal sind die Szenen auf Topsid witzig, oftmals sind sie tragisch; ich fand die Darstellung der fremden Kultur sehr spannend und litt mit unserer Figur. Bei den Leserinnen und Lesern kamen die Gegensätze gut an.

Das lag sicher auch an den Titelbildern: Die Titelbilder der vierten Staffel stammten wieder von Dirk Schulz, der sich dabei von Horst Gotta unterstützen lässt. Er zeigte die Oberflächen fremder Welten, und es gab völlig neue Ansichten von Topsid. Damit machte er das »neue« Universum unserer Serie erst so richtig plastisch.

Wenn ich heute die Romane der vierten Handlungsstaffel durchblättere, bin ich von den Romanen sehr angetan. Die Autorinnen und Autoren eröffneten einen neuen Blick auf Topsider und Mehandor, später auch auf Arkoniden und Naats; das war frisch und spannend. Ich finde, es lohnt sich immer noch, erneut einen Blick in diese PERRY RHODAN NEO-Romane zu werfen.

(Dieses Logbuch erschien bereits vor einigen Tagen auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie. Hier wiederhole ich es aus dokumentarischen Gründen.)

03 Februar 2026

Vom Himmel gefallen

Wie manipuliert man die Bevölkerung einer Stadt oder eines Staates oder gar einer ganzen Welt? Man nutzt alle Möglichkeiten, die Leute zu verängstigen, und sorgt für klare Feindbilder. Das zumindest erzählt Marie Erikson in ihrem PERRY RHODAN-Roman, der in dieser Woche in den Handel kommt. Er trägt den Titel »Vom Himmel gefallen« und ist der zweite Teil eines Doppelbandes.

Mit Tolmenur führt die Autorin eine Figur durch die Handlung, die mir schon im ersten Teil des Doppelbandes sehr gut gefallen hat. Tolmenur ist nicht dumm, nur vielleicht am Anfang ein wenig naiv – kein Wunder, nachdem sie gerettet worden ist. Doch langsam erwacht in ihr ein kritisches Bewusstsein, sie stellt Fragen und entwickelt sich weiter.

Vor allem die Entwicklung dieser Figur gefiel mir bei der Lektüre des Doppelbandes. Selbstverständlich fügt sich der Roman ins Geschehen der aktuellen »PEGASOS«-Handlung ein, aber dank Tolmenur ist es weitgehend eine eigenständige Geschichte. Sehr empfehlenswert!

02 Februar 2026

Das Solsystem im Fokus

In den Exposés, mit denen ich mich gestern und heute beschäftige, geht es immer wieder um das Solsystem. Ben Calvin Hary stellt die aktuelle Situation auf der Erde und den anderen Welten und Monden dar; die Autoren haben dann die knifflige Aufgabe, aus seinen Exposés einen spannenden Roman zu machen.

Ich finde es wichtig, immer wieder zur Situation im Solsystem umzublenden. Mit PERR RHODAN schreiben wir gewissermaßen die Geschichte der Menschheit bis in die ferne Zukunft. Und weil die Erde der Ursprungsplanet der Menschen ist, ist sie immer wieder der Dreh- und Angelpunkt der Handlung.

Das wird gelegentlich kritisiert. Die Erde stehe zu oft im Zentrum, das sei nicht glaubwürdig; wir sollten doch einmal einen ganzen Zyklus ausschließlich auf fernen Welten spielen lassen.

Um’s vorsichtig anzudeuten: Wenn zu viele Romane weit außerhalb der Milchstraße spielen, melden sich andere Leserinnen und Leser und fordern, dass die Erde als Schauplatz doch ebenfalls wichtig sei. Die Geschmäcker sind nun mal doch recht unterschiedlich …

Ich glaube einfach, dass wir beides bei PERRY RHODAN brauchen: Romane, die in weiter Ferne spielen und exotische Schauplätze bieten, und Romane, die von der Erde und ihrer Zukunft erzählen.

30 Januar 2026

Ein Rückblick auf dreißig Jahre

Ich erinnere mich noch gut, wie schwer es 1995 und 1996 war, die PERRY RHODAN-FanZentrale (PRFZ) ins Leben zu rufen. Es gab viele Widerstände im Verlag, aber auch in der Fan-Szene waren nicht alle begeistert. Das ist jetzt alles lang her, und schaue ich mir die aktuelle Ausgabe 120 der Zeitschrift »SOL« an, kann ich feststellen, dass die PRFZ-Verantwortlichen über lange Zeit hinweg eine anspruchsvolle Aufgabe sehr gut erledigt haben.

Mittlerweile ist anscheinen d bereits die Ausgabe 121 an die Mitglieder verschickt worden. Ich kam erst dieser Tage zu, die Lektüre der Ausgabe 120 zu beenden. Deshalb diese verspätete Rezension, wofür ich um Verständnis bitte.

In einem Interview erinnert sich Jürgen Menge, der erste Chefredakteur des Magazins, wie es damals anfing. Statistiken geben einen ergänzenden Überblick, und ein Artikel beschäftigt sich mit den Titelbildern. Somit wird die Geschichte der »SOL« ausführlich gewürdigt.

Der Rest es Heftes ist eher »business as usual«: Aktuelle Romane werden vorgestellt; in einem Interview informiert Kai Hirdt über die weitere Zukunft für PERRY RHODAN NEO. Auf den gelungenen Con, der 2025 in Garching veranstaltet worden ist, wird zurückgeblickt. Zahlreiche kleinere Beiträge sind im Heft enthalten, das auf diese Weise wieder eine unterhaltsame und informative Mischung präsentiert.

Die »SOL«-Ausgabe 120 umfasst 68 farbig gedruckte Seiten in professionellem Layout, die sich durchgehend gut lesen lassen. Wie immer ist das Magazin lesenswert – wer sich für PERRY RHODAN interessiert, findet darin stets wichtige und lesenswerte Themen. PRFZ-Mitglieder erhalten das Heft im Rahmen ihres Mitgliedsbeitrags; man kann es aber auch »einfach so« bestellen.

29 Januar 2026

Marketing-Blick im Jahr 2004

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«


Wann genau das Foto aufgenommen wurde, das mich vor einem grünlich schimmernden Hintergrund zeigt, ist nicht mehr klar festzustellen. Anhand der ausliegenden Heftromane kann ich das Bild auf das Jahr 2004 fixieren, und ich denke, dass das einigermaßen stimmen sollte.

Klaus Bollhöfener und Miriam Hofheinz, unsere damaligen Marketingkollegen, hatten die Idee, ich solle mich mal fotografieren lassen. »Wir brauchen ein Foto von Dir, das man auch Außenstehenden zeigen kann«, argumentierten sie. Also wurde ich ins offizielle Fotostudio des Verlags geschickt, das sonst vor allem die Redaktionen der Zeitschriften nutzten, und durfte dort zwischen einem PERRY RHODAN-Aufsteller, diversen Heftromanen und ein bisschen Merchandise meinen Platz einnehmen.

Ich fremdelte ein wenig mit der Aufgabe, was man auch heute noch erkennen kann. Und ob das Foto wirklich seinen Weg aus unserer Redaktion hinaus an die Öffentlichkeit gefunden hat, kann ich heute nicht mehr sagen …

28 Januar 2026

Was niemand kommen sah

Diese Woche erscheint der erste Teil eines PERRY RHODAN-Doppelbands, den Marie Erikson verfasst hat. Die Autorin erzählt darin von einem Volk, das in der Milchstraße auf einer bislang unbekannten Welt lebt: Es sind die Nargan, und sie haben in jüngster Zeit damit begonnen, ins All vorzustoßen. Nun treffen sie auf die ersten Aliens …

Mir gefiel vor allem eine Figur in diesem Roman: Es ist Tolmenur, eine Nargan, die zu den Sternen reisen möchte und die als erste ihres Volkes mit den Außerirdischen in Kontakt tritt. Marie Erikson stellt nicht nur Tolmenur und ihre Weltsicht dar, sondern zeigt anhand dieser Figur, wie die aktuelle Gesellschaftsform dieser Welt ist und sie sich verändert.

Mir gefallen Romane, in denen uns Lesern die Aliens gewissermaßen einen Spiegel vorhalten. Das gelingt Marie Erikson mit ihrem Doppelband sehr gut, finde ich.

27 Januar 2026

PERRY RHODAN verlässt die Plattform X

Ein Logbuch der Redaktion 

Ich erinnere mich noch gut daran, wie Miriam Hofheinz in der Tür meines Büros stand und mich fragte, ob ich schon einmal von Twitter gehört hätte. Mir war das neu, also erläuterte mir die Marketing-Kollegin: Das sei eine ganz neue Plattform im Internet, und auf dieser könne man mit Kurznachrichten weltweit kommunizieren.

Ich solle mir das einmal anschauen; vielleicht könnte das etwas für PERRY RHODAN sein. »Damit wären wir wieder Trendsetter«, meinte sie und verwies darauf, dass wir 1996 mit unserem Internet-Auftritt ebenfalls sehr früh auf uns aufmerksam gemacht hätten. Sie zeigte mir zudem die Twitter-Map, die es parallel dazu gab.

In den folgenden Tagen beschäftigte ich mich viel mit Twitter und versuchte herauszufinden, wie man das neue Netzwerk benutzen konnte. Anfang 2007 gab es noch nicht so viel Social Media, und einen Anbieter für »Microblogs« fand ich spannend. Vor allem die Twitter-Map faszinierte mich: Wenn jemand in Südkorea, Indien oder Kanada etwas bei Twitter schrieb, blitzte es auf der Karte auf, und dann konnte man mit der Maus quasi hinfahren und schauen, was diese Person geschrieben hatte – so wenig war am Anfang eben auf Twitter los.

Im Mai 2007 meldete ich mich privat bei Twitter an und eröffnete auch einen PERRY RHODAN-Account bei diesem Netzwerk. Anfangs tat sich nicht viel, vor allem deshalb, weil Twitter noch so unglaublich neu war. Wir überlegten uns daher, wie wir das Netzwerk sonst nutzen konnten.

Es gab Firmen, die nutzten es für die interne Kommunikation: Wie wäre es, wenn wir Twitter als abgeschlossenes Netzwerk – das wäre problemlos möglich gewesen – für die Kommunikation mit dem Autorenteam nutzen würden, als ein Forum für Autorinnen und Autoren? Oder als Diskussionsgrundlage für die Abteilung PERRY RHODAN?

Von solchen Gedanken verabschiedeten wir uns bald, weil andere Arbeiten wichtiger waren. Und weil Miriam Hofheinz die PERRY RHODAN-Redaktion verließ und wir unser Marketing neu aufstellten ... Twitter dümpelte für uns ein wenig im Hintergrund dahin; wir nutzten es nicht richtig.

Bis Kai Hirdt mit einer spanenden Idee kam: Wie wäre es denn, wenn die Figur Perry Rhodan direkt twittern würde? Kai war damals noch keiner unserer Autoren, sondern arbeitete als Texter in einer Agentur für Öffentlichkeitsarbeit in Hamburg. Wir fanden das Projekt gut, er betrieb es mit viel Engagement und Begeisterung über ein Jahr lang – das kam gut an, und am Ende wurde die Agentur für dieses Engagement für die Marke PERRY RHODAN sogar mit einem Preis ausgezeichnet.

In den Nuller-Jahren wurde Twitter zu einem wichtigen Medium für mich. Ich kommunizierte über die Plattform vor allem mit Autorinnen und Autoren, bekam viel Politik-Diskussionen mit und teilte die Inhalte unserer PERRY RHODAN-Serie. Auch unsere Marke war dort gut vertreten, immer mehr Fans fanden sich ein.

Einige waren bei Twitter so aktiv, dass sie sich sogar als »Twitterbande« bezeichneten. Ich würde behaupten, dass der BrühlCon ein direktes Ergebnis davon war. Für die Vernetzung kreativer Leute war Twitter vor allem in den Zehnerjahren ein wunderbares Netzwerk.

Das ist alles Geschichte, und es ist traurig, wie sich Twitter – das seit einigen Jahren nur noch X heißt – seitdem entwickelt hat. Was einmal ein Medium war, in dem sich viele kreative Köpfe austauschten, in dem diskutiert und gespottet wurde, in dem es viel zu entdecken gab, ist zu einer Seite verkommen, die immer stärker von Hass und Hetze dominiert wird.

Die Folgen sind einsichtig: Immer mehr Menschen ziehen sich von X zurück, immer mehr Institutionen haben aufgegeben. Wir haben uns die Entwicklung in den vergangenen zwölf Monaten angesehen und stellen fest: Für die Marke PERRY RHODAN ist X kein gutes Umfeld mehr; aus diesem Grund beenden wir unsere Präsenz auf dieser Seite. (Wir sind weiterhin bei Social Media aktiv: bei Facebook und Instagram, bei Bluesky und Youtube sowie seit einiger Zeit auch bei TikTok.)

Als Privatperson bleibe ich noch eine Weile bei Twitter und werde die PERRY RHODAN-Inhalte über meinen privaten Kanal teilen. Für PERRY RHODAN war's das aber ...