30 Januar 2023

Die letzte Exposébesprechung für 2022

Das Jahr 2022 endete für PERRY RHODAN mit einem Paukenschlag: »Mission MAGELLAN« erschien kurz vor Weihnachten, und dieser Roman von Robert Corvus eröffnete den neuen »Fragmente«-Zyklus. Dieser wird von Wim Vandemaan und Christian Montillon konzipiert – also bot es sich an, mit den beiden Autoren im Dezember noch einmal über den aktuellen Stand der Dinge zu sprechen.

Unsere Exposébesprechung fand am 21. Dezember 2022 statt; wir trafen uns nicht persönlich, sondern sprachen im Rahmen einer Videokonferenz miteinander. Wie immer standen unterschiedliche Themen an. Es ging nicht nur um die Inhalte unserer Serie und die weitere Planung, sondern auch um das »Drumherum«.

So versuchten wir auszuloten, wann ein guter Termin für die nächste Autorenkonferenz sein könnte. Sabine Kropp hatte im November bereits ein Hotel besucht, das für unsere Zwecke gut geeignet sein könnte: mit Zimmern zum Übernachten, einem vernünftigen Raum für die eigentliche Konferenz, mit gutem Essen und Trinken.

Knifflig war der Termin. Mir wäre eine Konferenz im Frühjahr lieb – da könnte man den abgelaufenen Zyklus noch einmal Revue passieren lassen und hätte Raum, die zweite Hälfte des neuen »Fragmente«-Zyklus zu planen. Wir diskutierten verschiedene Möglichkeiten, einen geeigneten Termin zu finden.

Immerhin geht es darum, dass das PERRY RHODAN-Team in gemeinsamer Arbeit an neuen Ideen feilt. Bei den Konferenzen der vergangenen Jahre hatten wir stets Themen besprochen, die über die eigentliche Arbeit am Roman hinausgingen: Welche Figuren wollten wir wie platzieren? Oder auch: Welche Themen finden alle spannend, die wir unbedingt umsetzen sollten?

Bei unserer Exposébesprechung wechselten wir zu den Inhalten. Manche Autoren hatten interessante Nebenfiguren in die Handlung eingebracht, die allerdings dazu führten, dass die einzelnen Romane wie »zerfasert« wirkten: viele Details, viele Erzählperspektiven, viele Figuren. Nebenfiguren fanden wir gut, sie stärken letztlich in einem guten Roman auch den Hauptcharakter; gibt es aber zu viel, verlieren manche Leser den Überblick.

Die laufende Arbeit am »Fragmente«-Zyklus setzt nun auf Schwerpunkte: Zuerst steht die Handlung in Gruelfin und der Umgebung dieser Galaxis im Zentrum, dann wechseln wir für einige Bände nach Terrania, bevor es wieder in die Ferne geht. Immer wieder spielt auch die Vergangenheit eine Rolle; Gruelfin und die Milchstraße sind schließlich seit gut 200.000 Jahren – soweit das unseren Figuren bekannt ist – miteinander verbunden.

Die »kosmische Ebene« des Zyklus wird klarer hervortreten, und bis Band 3250 werden die Leser mehr über die Hintergründe erfahren, warum eine Superintelligenz wie ES fragmentiert werden kann und wie genau das geschehen ist. Dabei tauchen bekannte Serienfiguren auf, die von den Lesern bereits vermisst werden.

Es ist uns klar, dass man nicht alle Aspekte gleichzeitig behandeln kann. Die Fragen der Leser sehen wir allerdings ein – manches blieb zum Schluss des »Chaotarchen«-Zyklus absichtlich offen und wird noch aufgelöst, manches wird bewusst »nach hinten« geschoben. Einige Fragen werden bis Band 3250 beantwortet, so ist zumindest unser Plan.

Im weiteren Gespräch gingen wir auf Marketing-Ideen ein: Wie können wir die Romane stärker mit dem Marketing koppeln, wie lassen sich die Titelbildkünstler enger einbinden? Wim Vandemaan stellte dazu einige Ideen vor, die Christian Montillon und ich teilweise begrüßten, teilweise kritisch fanden. So wie ich der Ansicht bin, dass die Autoren ihre »persönlichen« Geschichten schreiben sollen, finde ich es gut, wenn die Künstler ihre Bilder nach eigenen Vorstellungen entwickeln. Zwar ist PERRY RHODAN eine Serie, aber sie lebt letztlich von der Vielfalt.

Am Ende unserer Besprechung, in der auch private Themen angesprochen wurden – wenn man sich so lange kennt, liegt das nahe –, nahmen wir uns vor, uns künftig regelmäßiger per Videokonferenz auszutauschen. Wir mailen und telefonieren zwar viel, aber so ein Gespräch »Auge in Auge« macht viel aus, selbst wenn es nur dank digitaler Unterstützung funktioniert …

28 Januar 2023

Treffen in Bad Bergzabern

Am Freitag, 27. Januar 2023, kam es zu einer recht spontanen Besprechung in einer kleinen Stadt im südlichen Rheinland-Pfalz: Christian Montillon, einer der zwei Exposéautoren von PERRY RHODAN, Ben Calvin Hary, der Exposéautor von PERRY RHODAN-Atlantis, und ich trafen uns in Bad Bergzabern, weil das von uns allen ähnlich weit entfernt ist. Bei schönem Wetter kann man dort schön spazierengehen und auf Parkbänken herumsitzen.

Weil es kalt war, besprachen wir uns zuerst in einem Restaurant, unternahmen dann einen Spaziergang, um später in einem Café weiter zu diskutieren. Es ging vor allem um die Exposéarbeit: Wie leisten wir diese Arbeit bei welcher Serie, wie fügen wir welche Autorinnen und Autoren in die Teams ein? Aber natürlich diskutierten wir viele andere Dinge rings um die größte Science-Fiction-Serie der Welt.

Weil eine Besprechung nicht ohne »sozialen Kitt« auskommen kann, ging es zudem um private Angelegenheiten: Wer trinkt seinen Kaffee mit Milch, wer mag Rosenkohl, und warum blieben wir eigentlich alle nüchtern und verzichteten auf den leckeren Wein aus der Pfalz? Wir waren also nicht unbedingt die ganze Zeit ernsthaft bei der Sache und amüsierten uns zwischendurch ganz gut.

27 Januar 2023

Ein Sonderdruck zu Garching

»Ernst Ellerts Stammtisch Post«, kurz »ES-Post« genannt, erscheint einmal im Monat und ist ein per Mail verschicktes Fanzine, das vor allem Informationen rings um die PERRY RHODAN-Serie verbreitet. Gelegentlich werden auch Sonderausgaben zusammengestellt, im Januar wurde der Sonderdruck 17 verschickt. Den habe ich mittlerweile gelesen.

Der Inhalt mutet veraltet an, und er ist es in gewisser Weise auch: Erich Herbst, der Herausgeber der »ES-Post«, fasst hier Berichte zusammen, die sich auf einen Con beziehen, der vor zwanzig Jahren veranstaltet wurde. Die Rede ist vom GarchingCon im Jahr 2003, der Sonderdruck bildet so gewissermaßen eine Vorbereitung auf den diesjährigen GarchingCon.

Ich war 2003 selbst im Bürgerhaus von Garching dabei und erinnere mich an viele Details. Als ich die Berichte las, kamen neue Erinnerungen hoch. Das zwanzig Seiten umfassende Fanzine bietet schöne Erinnerungen an eine Zeit, in der beispielsweise Leo Lukas noch als »junger Autor« galt oder Autoren wie Ernst Vlcek und Rainer Castor sich gern unters fannische Volk mischten. Zwanzig Jahre sind halt doch eine lange Zeit ...

Eine schöne Lektüre – nicht nur für die Leute. die gern Cons besuchen!

26 Januar 2023

Zwei Männer im Kreishaus

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«

Im Frühjahr 1990 veranstalteten einige Leute – darunter ich – den FreuCon '90 im Kreishaus in Freudenstadt. Es war ein gelungener Con, und etwas mehr als 200 Leute verirrten sich in die kleine Stadt im Schwarzwald, um sich dort ein Wochenende lang mit Science Fiction und Fantasy zu beschäftigen.

Das Foto zeigt Arndt Ellmer (links im Bild) und mich. Wir erzählen offensichtlich etwas über PERRY RHODAN, und Arndt Ellmer amüsiert sich köstlich über meine Aussagen. Tatsächlich erinnere ich mich an die Details dieses Programmpunktes nicht mehr – zweieinhalb Jahre später sollten wir als Redakteur und Autor enger zusammenarbeiten.

(Wer das Foto geschossen hat, ist nicht ganz klar. Ich vermute, es war Peter Fleissner, der damals auf Cons viel fotografierte.)

25 Januar 2023

Unser Blick auf das neue Atlantis

In diesen Tagen beschäftige ich mich häufig mit Atlantis, konkret, dem fiktiven Kontinent in der PERRY RHODAN-Serie. Ab März 2023 werden wir eine neue Miniserie veröffentlichen, die diesen Kontinent als ein zentrales Thema aufweist. Daran arbeiten wir an verschiedenen »Fronten« sehr intensiv zusammen.

Bei den Exposés sind wir schon weit, die ersten Romantexte sind in der Redaktion und befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Produktion. Mit der Werbung und dem Marketing haben die Kolleginnen bereits angefangen, die Abonnement-Betreuung in Hamburg erhält zahlreiche Bestellungen, und nun geht es darum, weitere Ideen zu erarbeiten, die der Serie zum erwünschten Erfolg verhelfen.

Klar: Wichtig ist, dass wir möglichst gute Romane haben, die wir veröffentlichen können. Aber wenn niemand von diesen Romanen erfährt, ist das auch nicht gut. Also müssen wir dafür sorgen, dass möglichst viele Interessenten von dieser coolen neuen Serie erfahren …

23 Januar 2023

20 Jahre bei PERRY RHODAN

In diesen Tagen konnten wir in den Räumen der PERRY RHODAN-Redaktion ein besonderes Jubiläum feiern: Bettina Lang gehört seit genau zwanzig Jahren zu unserer Redaktion. Im Januar 2003 fing sie als Redaktionsassistentin an.

Sie arbeitete schon in den frühen 90er-Jahren im Pabel-Moewig Verlag, war damals vor allem für andere Heftromane zuständig. Beim PERRY RHODAN-WeltCon 1991 in Karlsruhe zählte sie zu den Menschen, die »hinter den Kulissen« mitwirkten. Danach wechselte sie zu einem anderen Arbeitgeber, bevor sie 2003 zurückkam.

Bettina Lang ist innerhalb der Redaktion vor allem für die Schlussredaktion zuständig. In enger Absprache mit den Lektoren und Korrektoren sorgt sie dafür, dass die Romane pünktlich in die Repro gehen und den Produktionslauf bis zum Druck durchlaufen.

Das Bild zeigt sie mit Klaus N. Frick, dem PERRY RHODAN-Chefredakteur (links im Bild), und Claus-Uwe Bartsch, dem Verlagsleiter des Pabel-Moewig Verlags (rechts im Bild). Das Foto stammt von Janina Zimmer aus dem PERRY RHODAN-Marketing.

21 Januar 2023

»Was wäre wenn« als Seminarthema

Normalerweise laufen die Seminare an der Bundesakademie für kulturelle Bildung, an denen ich teilnehme, am Wochenende ab. In diesem November 2022 war einiges anders: Das Seminar startete am Sonntag, 6. November, und endete am Dienstag, 8. November.

Zusammen mit dem PERRY RHODAN-Autor Uwe Anton sollte ich eine Runde von Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit dem kompliziert klingenden Thema der kontrafaktischen Historie betreuen. Leider fiel Uwe Anton wegen Krankheit aus.

Wir überlegten kurz, das Seminar abzusagen. Weil es aber bereits einmal verschoben worden war – wegen hoher Corona-Zahlen –, entschlossen wir uns, das Seminar doch stattfinden zu lassen. Und während Dr. Olaf Kutzmutz, der Leiter des Bereichs Literatur an der Bundesakademie, sonst eher am Rand an den Seminaren teilnahm, beteiligte er sich dieses Mal viel intensiver.

Im Vorfeld hatte ich einen umfangreichen Reader erhalten, mit Texten aller Autorinnen und Autoren auf Basis einer Textaufgabe im Voraus. Sie sollten eine Welt skizzieren, in der sich etwas grundsätzlich geändert hatte, und aus diesem Thema sollten sie eine Kurzgeschichte entwickeln. Normalerweise geht die kontrafaktische Historie oder die Parallelwelten-Literatur von einem historischen Ereignis aus, das sich anders gestaltet hat als in unserer Welt, und erzählt dann eine daraus abgeleitete Geschichte.

Populär sind deshalb Romane, die beispielsweise eine Welt zeigen, in der die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben, oder der Bürgerkrieg in den Vereinigten Staaten zugunsten der Konföderierten ausgegangen ist. Es gibt ebenso Romane, in denen es die DDR noch gibt oder Amerika nie von den Europäern kolonisiert worden sind. Doch wie schafft man es, aus einer solch großen Überlegung eine »kleine« Geschichte zu machen?

Wir besprachen im Verlauf der drei Tage alle Texte, die eingereicht worden waren. Dabei stellte sich heraus, dass manche Autorinnen und Autoren genau mit der genannten Frage ihre Probleme hatten. Ihre Ideen waren teilweise stark, die Umsetzung überzeugte uns aber nicht so sehr. Aus diesem Problem leiteten Olaf Kutzmutz und ich dann eine Reihe von Aufgaben ab.

Unter anderem gaben wir die erste Hälfte einer Kürzestgeschichte aus: eine halbe Seite also nur, die an einer Stelle endete, aus der man nicht ablesen konnte, wie sie weiterging. Es ging darum, den Text zu Ende zu bringen. Ich fand die Ergebnisse, die wir hinterher im Plenum besprachen, durchgehend lesenswert. Noch spannender war es eine Stunde später, als alle erfuhren, welches Ende die Geschichte im Original gehabt hatte – daraus leitete sich eine Reihe von Diskussionen ab.

Für eine weitere Geschichte stellte ich ein Szenario in den Raum: Wie würde die Welt von heute aussehen, wenn im Jahr 2000 der Golfstrom abgerissen wäre? Wie hätten sich die Staaten und die Gesellschaften entwickelt, und wie würden wir heute leben? Die entscheidende Frage aber war, wie sich aus einem solchen Thema eine Kurzgeschichte entwickeln ließe.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten eine eher kurze Zeit, um sich ihre Geschichte auszudenken. Danach wurden die Texte vorgelesen und im Plenum diskutiert. Die Ergebnisse verblüfften, und es zeigte sich, wie unterschiedlich man an ein komplexes Thema und sein »Vereinfachen« herantreten konnte.

Am Dienstag stellten wir eine letzte Aufgabe, aus der aber keine Geschichte entstehen sollte. Wir diskutierten darüber, wie man aus einem großen Thema überhaupt einen Science-Fiction-Text entwickeln kann. Die Frage: Wie sieht eine Welt aus, in der in den 70er-Jahren das Mondprogramm nicht gestoppt wurde und wir im Jahr 2022 ganz selbstverständlich Stationen der USA, der UdSSR, Chinas und Indiens auf dem Mond haben würden?

Ich stellte die verschiedenen Möglichkeiten dar, wie man von einer solchen Überlegung eine Kurzgeschichte ableiten kann. Möglich sei, so meine Argumentation, mit einer Figur zu beginnen (»Ich habe eine Person, die den Weltraumfahrstuhl reinigen muss«), mit einer Idee (»in einer von innen verriegelten Station liegt ein ermordeter Mensch«) oder mit dem Weltenbau (wie hat sich die Welt seit damals entwickelt, und wie sieht die Weltlage heute aus?). Die darauf folgende Diskussion war spannend und brachte viele interessante Ideen – ein Beleg dafür, wie unterschiedlich man vorgehen kann.

Wir beschäftigten uns also drei Tage lang mit verschiedenen Aspekten, eine Kurzgeschichte auf Basis einer »Was wäre, wenn«-Frage zu schreiben. Wir verfassten Texte, wir diskutierten über theoretische Dinge, und wir entwickelten gemeinsam Ideen.

Dass das Seminar teilweise mit einem Bier, einem Glas Wein oder Mineralwasser in der Hand noch bis lange nach Mitternacht fortgeführt wurde, gehört in einem solchen Fall immer zum Konzept hinzu …

(Dieses Logbuch erschien bereits auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie. Ich wiederhole es an dieser Stelle zur Dokumentation.)