16 Januar 2021

Bodenständige Science Fiction?

Zu den Themen, die in PERRY RHODAN-Leserkreisen immer wieder diskutiert werden, zählt die »bodenständige Science Fiction«. Gelegentlich geäußert, die Serie möge »bodenständiger« werden. Ich glaube ja, dass jeder, der das äußert, eine andere Meinung dazu hat, finde die Diskussion aber spannend: Was hieße es denn, wenn man die Serie komplett »bodenständig« machen würde, also auf Superintelligenzen, kosmische Mächte und dergleichen verzichten würde?

Derzeit lese ich einen Science-Fiction-Roman von Hubert Haensel. »Forschungskreuzer Cimarron« erschien erstmals 1979 in Form von zwei TERRA ASTRA-Heften; für die Taschenbuch-Neuveröffentlichung im Jahr 2020 hat sie der PERRY RHODAN-Autor noch einmal überarbeitet. Und in der Tat geht es in dem unterhaltsamen Roman um die Abenteuer einer Raumschiffsbesatzung.

Soweit so bodenständig – die Technik ist sehr »rhodanifiziert«, die Handlung verläuft recht klar und ohne komplizierte Dinge. (Eine ausführliche Rezension folgt, wenn ich mit dem Roman fertig bin.) Aber es gibt offensichtlich Wesen, die im Hyperraum wohnen oder ihn nutzen, und wenn ich richtig spekuliere, manipulieren sie auch gleich Zeit und Raum.

Ist das dann noch »bodenständig«? Oder müsste man schon bei dieser Art von klassischem Heftroman sagen, er sei nicht mehr »bodenständig«? (Für mich ist das noch »bodenständig«, keine Frage, aber ...)

Ist »bodenständig« eine Science Fiction, die Geschichten in der Art erzählt, wie sie der gute Hans Dominik zwischen den Weltkriegen schrieb? Oder ist »bodenständig« das, was man in den USA schlichtweg als »Military SF« bezeichnet?

Ich glaube ja, dass zu PERRY RHODAN seit dem Auftauchen von Harno und anderen Wesenheiten – das war in den 60er-Jahren – gehört, dass es Dinge gibt, die den Horizont gewöhnlicher Menschen übersteigen. Das ist definitiv nicht mehr »bodenständig«, das sehe ich ein. Aber könnte die Serie wirklich so lange existieren, wenn die Autoren auf ES, auf die Kaiserin von Therm, auf den Thoregon-Komplex oder die Terminale Kolonne TRAITOR verzichtet hätte?

Okay, ich lese erst einmal weiter. Aber die Frage beschäftigt mich offensichtlich ...

Kommentare:

Unknown hat gesagt…

Bodenständig - das ist mal ein nettes Wort.

Für mich wär bodenständige SF eine bei denen die verwendeten Angaben nicht (zu sehr) mit der bekannten Realität kollidieren. Sprich eben auf dem Boden des bekannten stehen. Es ist klar, dass alleine schon die Idee von überlichtschneller Kommunikation unserem Universum widerspricht - und Reisen um so mehr - aber das ist a auch kein Wiederspruch solange die Folgen davon akzeptiert und so richtig wie geht dargestellt werden. Z.B. das ein Raumschiff, dass eine Galaxie, die im Fernrohr 100 MLj entfernt ist, eben ca. 2 Millionen Lichtjahre weiter fliegen muss, weil sich diese eben auch entfernt.

Bodenständig heist für mich aber noch viel mehr, dass in der Handlung auf unnötige Übertreibung verzichtet wird. Die Realität ist im Regelfall mehr als ausreichend um einen Punkt rüberzubringen.

Und letztendlich wär ein bodenständiger Autor einer der darauf verzichtet sein Halbwissen breitzutreten. Viel zu oft gibt es Leser die den Aspekt besser kennen - gerade auch wenn das Halbwissen schon zum Zeitpunkt des Schreibens veraltet ist - wie Autoren die Positroniken wie 80er-Jahre Homecomputer schildern. Einfach nur peinlich.

Das Letzte kann man auch sehr generell als Mangel an Phantasie betrachten der durch eine zu enges Realwissen ersetzt wird. Wenn die Handlung einen bewussten Roboter braucht, dann gibts den halt. Hatte PR schon in den 100ern - da wirken dann Spaltenlange Abhandlungen über Bewustseinsemulation und warum das nicht geht in den aktuellen Bänden einfach unglaubwürdig.

Bernd hat gesagt…

Ich kann mit dem Begriff "bodenständig" gerade im Bereich der SF nichts anfangen.
Gemeint ist ja wohl, dass nicht "abgehoben" wird, also keine "Gigantomanie" wie z.B. gerade das Sternenrad usw. Und natürlich ist den Verfechtern dann etwa die Tiefe, also das Tiefenland ein Dorn im Auge. Ich erinnere mich auch gut an die Aufschreie wegen des Sternenozean-Zyklus: Raumschiffe, die mit Gesang angetrieben wurden. Alles Fantasy. Abgesehen davon, dass es keine richtige SF-Definition gibt, die Fantasy so abtrennt, dass alle zufrieden sind, so akzeptieren diese Leute trotzdem meist Zellaktivatoren, PSI-Fähigkeite, Überlichtgeschwindkeit, Hyperraum usw.
Mir ist es letztlich egal, mich soll die Handlung ansprechen, unterhalten, zum Nachdenken anregen. Wenn es mal ein Monkey-Abenteuer ist (Oxtorner sind eigentlich auch nicht "bodenständig"): prima, aber mir gefallen besonders Themen, die am Rande des eigentlich Denkbaren und Beschreibbaren liegen. Natürlich gefiel mir deshalb "Die Jenzeitigen Lande" rein prinzipiell, auch wenn einem nie alles gefällt.
Wie ich mir ein "Neuroversum" vorstellen soll, verstehe ich immer noch nicht.
Jeder wird "Unknown" wohl zustimmen, dass auf unnötige Übertreibung verzichtet werden soll, aber was unnötig ist, das ist ja gerade das Problem.
Meine Lieblingsfiguren waren solche wie Harno und Ernst Ellert (aber nicht als Bote). Die Ernst Ellert Abenteuer im Taschenbuch habe ich teilweise mehrfach gelesen. Alle entsorgt :-(
Für gilt das bekannte Clarke-Zitat von der hinreichend weit fortgeschrittenen Technologie, die sich von Wunder nicht mehr unterscheiden lässt. Allerdings sollte
in der SF zumindest versucht werden, diese Wunder zu erklären, was man in der Fantasy nicht macht. Bei PR läuft das eigentlich recht gut, finde ich.
Ich kann mich an den "Forschungskreuzer Cimarron" nur noch sehr dunkel erinnern, ist ewig her, dass ich das gelesen habe, insofern kann ich nicht sagen, wie "bodenständig" er ist, aber eine PR-Serie ohne Zellaktivatoren wäre schon am Ende ;-) Und was wäre sie wohl ohne das kosmische Rätsel, ohne Kosmische Burgen (mein Lieblingszyklus zusammen mit dem Schachspiel), ES, Gucky usw?
PSI-Fähigkeiten habe ich früher geliebt, heute nicht mehr so, man wird doch älter, aber sie sind alles, aber sicher nicht bodenständig, ebensowenig wie Zeitreisen, über die ich auch gerne lese, aber in einer Serie sind sie problematischer als in einem Roman oder gar Kurzgeschichten.
Das mit dem Bewußtsein und auch Androiden war schon immer ein Schwachpunkt in der Serie, da stimme ich "Unknown" zu. Warum sollte nicht ein Roboter "menschlich" sein können, Bewusstsein haben und Gefühle? Die Idee, dafür immer Plasma der Hundertsonnenwelt zu nehmen finde ich absurd. Erstaunlich, dass das eigentlich recht faszinierende Zentralplasma das mitmacht und so praktisch nur als Rohstofflieferant vorkommt.
Ist Rico eigentlich ein Roboter mit Plasamanteil?
Viel geschrieben, wollte ich nicht, hat mich mitgerissen :-)

Stefan hat gesagt…

Mal völlig unabhängig von der Diskussion um "Bodenständige SF" finde ich es gut, dass hier (nochmal) auf die - wie ich finde - wirklich schön gemachte (Wieder)Veröffentlichung der alten Romane hingewiesen wird.
Ich habe die Reihe gleich bei Erscheinen "abonniert" und warte seitdem ungeduldig auf jeden weiteren Band...

Okay, ich habe zugegeben auch einen deutlichen Hang zu "klassischer SF"...