18 Dezember 2020

Ein Feedback zu »Traversan«

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Die zwölf Romane der »Traversan«-Miniserie waren wie ein Rausch an uns vorübergezogen. Zu Beginn des Jahres 1999 überlegten wir uns gründlich, wie wir mit diesem Thema in nächster Zeit weitermachen sollten. Vor allem die Autoren waren daran interessiert, konkrete Informationen zu erhalten: Wie hatte sich die Serie verkauft? Würden wir vielleicht eine weitere Serie dieser Art planen? Kamen weitere ATLAN-Romane in den Handel?

Um die vielen Fragen auf einmal zu beantworten, formulierte ich ein umfangreiches Schreiben, das am 10. Februar 1999 per Post verschickt wurde. Ich sandte es auch an die Kolleginnen und Kollegen bei PERRY RHODAN, die nicht an der Miniserie beteiligt waren, weil diese ebenfalls ständig Fragen stellten.

Ich wollte die Autoren vor allem loben und bezeichnete »das Experiment ›Traversan‹--Zyklus als erfolgreich«. Die Leserreaktionen seien »positiv bis euphorisch« gewesen, »teilweise war es mir schon fast unheimlich«. Ich bestätigte zudem, dass uns in der Redaktion das Projekt viel Freude bereitet habe.

Auch die Auflagenzahlen waren in unseren Augen gut gewesen, jedoch nicht so gut wie bei der wöchentlichen PERRY RHODAN-Serie. Aber damit war nicht zu rechnen. »Allerdings haben wir mit ›Traversan‹ stets eine höhere Auflage erzielt als mit den PERRY RHODAN-Nachauflagen«, schrieb ich stolz. »Und es ist ziemlich sicher, dass die ›Traversan‹-Auflage höher war als die Auflage der meisten Konkurrenz-Heftserien.«

Der Vertrieb sah das ein wenig anders; dort hatte man höhere Zahlen erwartet. Konkret wurde ich nicht. »Wir haben die Zahlen und Ergebnisse noch nicht bis ins Detail analysieren können«, räumte ich ein. »Es steht auch eine Nach-Kalkulation des Projektes aus.«

Immerhin teilte ich den Autoren mit, dass sich die Romane »beispielsweise in Bahnhofsbuchhandlungen bombastisch gut verkauft haben«, während ATLAN im normalen Zeitschriftenhandel nicht so gut gelaufen war. Aber wir hatten die Rechnung offenbar ohne unsere Leser gemacht: »Interessanterweise wurde bei den Händlern teilweise stark nachbestellt – das könnte bedeuten, dass viele Leser zu spät erkannt haben, was denn der Traversan‹-Zyklus überhaupt ist und dass sie ihn lesen sollten.«

Mir wurde in diesen Tagen bewusst, wie schwer es war, mit allen potenziellen Lesern zu kommunizieren: Anzeigen in den gedruckten Romanen wurden oft überlesen, Online-Werbung war noch zu exotisch, Plakate in den Zeitschriftenhandlungen wurden nicht mehr aufgehängt. Es war also wenig sinnvoll, für teures Geld schöne Plakate zu drucken, die dann nirgends hingen.

Deshalb konnte ich dem Team auch keine klare Auskunft zur näheren Zukunft geben; ich blieb vage: »Ob es in absehbarer Zeit eine andere ATLAN-Miniserie geben wird, kann ich bislang nicht sagen.« Als eine Begründung gab ich den riesigen Aufwand für eine solche Serie an, zudem verwies ich auf den PERRY RHODAN-WeltCon, der vor der Tür stand und bei dem wir ebenfalls gefordert waren.

Lust auf eine Fortsetzung hätten wir, das signalisierte ich. Es gäbe Ideenpapiere – aber man müsse erst einmal abwarten. Immerhin konnte ich bereits von einer Lizenz berichten: Bei Weltbild sollte eine Buchausgabe der »Traversan«-Hefte erscheinen. »Von einem etwaigen Erfolg könnte auch eine weitere ATLAN-Miniserie abhängen«, orakelte ich.

Selbstkritisch widmete ich mich den Schwächen in der Konzeption. Als Robert Feldhoff und ich im Frühjahr 1998 die Grundlagen für den Zyklus besprachen, wollten wir verstärkt auf Action setzen. Die Romane sollten zudem auf jeweils einem Schauplatz spielen, ebenso war die Liebesgeschichte für unseren Helden klar durchgeplant. All diese Absichten wurden so umgesetzt.

»Wenn aber substanzielle Kritik aus Lesersicht kam, betraf sie genau diese Punkte«, merkte ich kritisch an. »Eine stärker ›verbindende Klammer‹ für die einzelnen Romane hätte den Lesern offensichtlich eher gefallen«. Würden wir jemals ein Folgeprojekt auf den Weg bringen, müssten wir über solche Dinge gründlich nachdenken.

»Rhodan light«, so schrieb ich, sei »offensichtlich nicht das Erstrebenswerteste für unsere kritische Leserschaft.« Das war eine interne Anspielung auf die Argumente unserer Verlagsleitung. Sie hatte mehrfach ein »Rhodan Light« gefordert, weil man dort glaubte, man müsste PERRY RHODAN drastisch vereinfachen, um neue Leser ansprechen zu können.

Am Ende meines Schreibens war ich noch einmal selbstkritisch: »Ein Teil des erzeugten Stresses hätten wir alle vermeiden können, wenn von der Redaktion aus (sprich von mir) die Weichen früher gestellt worden wären.« Und ich verteilte ordentlich Lob an die Kollegen, vor allem an Sabine Bretzinger, mit der ich das Projekt gestemmt hatte, und an Robert Feldhoff, der »nach einer einzigen hektischen Besprechung und einigen Telefonaten einen Haufen von Ideen« entwickelt hatte.

Man merkte mir also beim Schreiben bereits an, wie schnell wir den Stress vergaßen und uns eher daran erinnerten, wie viel Freude uns die Arbeit letztlich gemacht hatte …

 

Keine Kommentare: