Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«
So konnten wir recht schnell zur nächsten Position übergehen, dem Blick in die nahe Zukunft. Überraschend schnell wurde mein Vorschlag angenommen und entsprechend fixiert: Im Frühjahr 2007 sollte der »Meister der Insel«-Zyklus als Paperback-Ausgabe bei Moewig veröffentlicht werden. Die grundsätzliche Konzeption hatte überzeugt, die ersten Entwürfe für die Titelbilder ebenfalls.
Dirk Schulz hatte sich an den bisherigen Paperbacks orientiert, und wir fanden die Bilder allesamt gelungen. Aber es war klar, dass noch ein Feinschliff erfolgen sollte.
»Klaus Bollhöfener kann bereits mit der Gestaltung beginnen«, notierte ich mir. »Diese werden wir dann beim Außendienst-Meeting im November präsentieren.« Gemeint war die Tagung der Buchvertreter, die letztlich dafür sorgten, dass neue Bücher gut in den Buchhandlungen platziert wurden.
Unklar war noch die Taktung: Ich schlug vor, zwei Bände im Frühjahr zu veröffentlichen und immer dann, wenn ein neuer Silberband in den Handel kam, zwei neue Paperbacks als Ergänzung zu bringen. »Die Buchhandlungen erhalten ohnehin schon den Silberband«, argumentierte ich. »Da fällt es ihnen leicht, weitere PERRY RHODAN-Titel zu bringen.«
Der Vertrieb dachte laut darüber nach, sogar jeden Monat ein Buch zu publizieren. Die Lektoren waren skeptisch, ob das nicht zu viel sei. Und der Geschäftsführer plädierte für einen »Vorbehalt«: Wir müssten bereit sein, die Reihe notfalls einzustellen, wenn sie nicht gut laufe, und müssten dann eben die Prügel der Fans riskieren. Und die Kollegin aus der Buchhaltung wies nachdrücklich darauf hin, dass wir nur ein kleines Marketing-Budget für die gesamte Reihe hätten.
Die Silberbände
In der Folge ging es um die klassischen PERRY RHODAN-Silberbände. Der Vertrieb fand die Gestaltung zu »altmodisch« und wollte sie behutsam ändern. Ich wollte die Sammler allerdings nicht vergrätzen. Nach kurzer Diskussion wurde beschlossen, das Thema in den Oktober und auf die Zeit nach der Buchmesse zu verschieben. Sabine Kropp, die für die Bücher verantwortlich war, und Klaus Bollhöfener vom Marketing sollten sich bis dahin über eine Neugestaltung weitere Gedanken machen.
Mein Thema war eher das Projekt einer PERRY RHODAN-Luxusausgabe: Ich wollte einen Hardcover-Band mit Schutzumschlag herausgeben; mein Vorschlag war, den anstehenden Jubiläumsband 100 als Test zu nehmen.
Der von mir geplante Preis von 19,90 Euro wurde von unserem Geschäftsführer als »viel zu niedrig« bezeichnet. Meine Argumentation, man müsste bei so einem Buch schon schauen, was vergleichbare Bücher im Handel kosten, wurde als »unnötiger Vergleich« vom Tisch gewischt. Ich bemerkte, dass ich an dieser Stelle noch eine Reihe von Diskussionen vor mir hatte.
Eventuell »Klopper«
Ich hatte für meine Präsentation einige PERRY RHODAN-Ausgaben am Tisch verteilt, die wir mit den Kollegen des Heyne-Verlags herausgebracht hatten. Der Vertriebsleiter war vor allem von der dicken »Odyssee«-Sammelausgabe begeistert. »So etwas könnten wir auch verkaufen, da ist der Preis super. Können wir nicht einfach so einen PERRY RHODAN-Zyklus in ein Buch packen?«
Ich argumentierte, dass das nicht so einfach sei, versprach aber, mir über diese Idee weitere Gedanken zu machen. Wir könnten ja sechs der klassischen PERRY RHODAN-Taschenbücher – etwa die Michael-Rhodan-Romane von Ernst Vlcek – in ein dickes Buch packen. Dann hätten wir den gewünschten »Klopper«, wie man in der Buchbranche solche Bände nannte. Von der Produktion her wäre so etwas gut zu machen.
Am Ende verließ ich das Monatsmeeting des Buchverlags wieder mit gemischten Gefühlen. Manche Kommentare hatten mich geärgert, das Ergebnis in Sachen »Meister der Insel« aber sehr gefreut. Wenn alles gut ging, so überlegte ich mir, würden wir in einem Jahr zwölf neue PERRY RHODAN-Paperbacks im Handel haben. Und dann könnte man weitersehen.
In Gedanken schmiedete ich bereits weitere Pläne, wie man PERRY RHODAN bis zum Jubiläum im Jahr 2011 weiter im Buchhandel entwickeln könnte. An Ideen mangelte es in der Redaktion und im Autorenteam schließlich nicht …
(Dieser Text erschien bereits im September auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie. Hier wiederhole ich ihn aus dokumentarischen Gründen.)

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