18 März 2026

Ein kleiner Moewig-Stand in Leipzig

Aus der Reihe »Der Redakteur erinnert sich«

Als Sabine Kropp und ich am Donnerstag, 21. März 2002, in den Zug stiegen, wussten wir noch nicht genau, was uns erwartete. Es sollte unsere erste Buchmesse im neuen Messegelände von Leipzig sein – und weil das für uns beide so frisch war, reisten wir mit einer gewissen Anspannung. Die Fahrt von Karlsruhe nach Leipzig verlief ohne Höhepunkte. Unterwegs lasen die Redakteurin und ich Manuskripte und besprachen aktuelle Themen; so verstrich die Zeit wie im Flug.

Wir erreichten die Stadt am späten Nachmittag und bezogen unsere Zimmer im Hotel Hiemann. Dabei handelte es sich um ein ausgesprochen hübsches Familienhotel, das also nicht zu einer Kette gehörte und in relativer Nähe zum Messegelände lag. Man brauchte allerdings immer noch ein Fahrzeug, um vom Hotel zur Messe zu gelangen.

Mit dem Taxi fuhren wir später in die Innenstadt, wo wir uns mit den Kollegen aus dem Buchvertrieb trafen. Die Außendienst-Mitarbeiter des Verlages berichteten über ihre Aufträge, die »ganz ordentlich« gewesen seien. Immerhin war die Leipziger Buchmesse vor allem ein Treffen für Buchhändler aus den fünf neuen Bundesländern. In jenen Jahren diente eine solche Veranstaltung vor allem dazu, dass »Aufträge geschrieben« wurden, wie man das nannte; die Händlerinnen und Händler saßen sich mit langen Listen gegenüber und verhandelten über Konditionen und Käufe.

Am großen Tisch, den der Moewig-Buchverlag gemietet hatte, saßen auch Stephan Zerfowski, unser Kollege von der Werbeagentur, der den Stand konzipiert und aufgebaut hatte. Seine Eindrücke fand ich wichtig, weil sie neutraler waren. Aber er war von der neuen Messe ebenfalls angetan und meinte, das könne etwas werden. Sie liege leider weit außerhalb der Stadt, und es fehle einiges an Infrastruktur.

Freitags auf der Messe

Die eigentliche Buchmesse begann für Sabine Kropp und mich am Freitagmorgen, 22. März. Wir fuhren mit einem Kollegen zum neuen Messegelände und konnten es über einen Ausstellereingang betreten. Die Hallen waren neu und strahlten geradezu, rings um das Messegelände erstreckten sich verschlammte Wiesen und Felder. Ich fand die Lage ganz gut: gewissermaßen zwischen der Autobahn und der Umgehungsstraße, trotzdem flott von der Innenstadt aus zu erreichen. Aber die Umgebung wirkte eher ernüchternd.

Dafür gefiel es mir im Innern der Hallen. Der zentrale Bereich wirkte hell und warm; die Röhren zwischen den einzelnen Hallen kamen mir vor wie Verbindungen zwischen Raumschiffen. Überall waren Leute unterwegs, überall wurde gesprochen und verhandelt. Aber man erkannte, dass nur ein Teil der Hallen belegt war – es würde wohl eine Weile dauern, bis die Leipziger Buchmesse an ihrem neuen Standort ihre Fans fand.

Der Moewig-Verlag hatte einen eigenen Stand, und den fanden Sabine und ich eher »zu bescheiden«. Er hatte etwa ein Fünftel der Fläche, den unser Verlag in Frankfurt einnahm, und er gehörte zum »Gemeinschaftsstand der baden-württembergischen Verlage«. Viele Unternehmen schienen der Messe noch nicht zu trauen: In unserer Nähe war eine Reihe von kleineren Verlagshäusern nicht einmal durch »eigenes Personal« vertreten. Sie zeigten Bücher und hatten Prospekte in der Auslage, aber es war niemand anwesend.

Bei uns setzten die zwei Kollegen, die für die fünf neuen Bundesländer zuständig waren, auf Verkaufsgespräche. Sie trafen auf zahlreiche Buchhändlerinnen, denen der Weg nach Frankfurt zu weit war und die sich freuten, direkt in Leipzig ihre Geschäfte machen zu können. PERRY RHODAN nahm am Messestand nur einen kleinen Raum ein; die Serie hatte im Osten der Republik nicht den Stellenwert wie im Westen. Vor allem Sach- und Kochbücher konnten gut verkauft werden, wie uns die Kollegen berichteten.

Sabine und ich sorgten dafür, dass PERRY RHODAN stärker wahrgenommen wurde. Wir hatten im Vorfeld darauf hingewiesen, dass wir mit einem Stand vertreten waren. Der PERRY RHODAN-Stammtisch Leipzig besuchte uns selbstverständlich, und wir fanden die Gelegenheit, mit vielen »normalen« Besuchern zu sprechen. Diese kannten unsere Serie noch nicht, fanden Science Fiction aber interessant.

Einige Buchhändler stellten Fragen, unter anderem ging es um die Fortsetzung der »Kosmos-Chronik«. Potenzielle Autoren und Zeichner stellten sich vor, Journalisten tauchten auf, um Interviews zu führen oder einfach nur zu recherchieren. Der Freitag verlief so in Windeseile.

Als der Messetag vorüber war, fuhren Sabine und ich rasch ins Hotel, wo wir uns umzogen und schnell eine Kleinigkeit aßen. Viel Zeit hatten wir nicht, es ging gleich weiter.

(Dieser Text wurde erstmals am 1. März auf der Internet-Seite von PERRY RHODAN veröffentlicht. Hier wiederhole ich ihn vor allem aus dokumentarischen Gründen.) 

Keine Kommentare: