Ein Logbuch der Redaktion
Als ich mit der Lektüre der PERRY RHODAN-Serie anfing, hatte ich sehr schnell eine Lieblingsfigur. Das war Gucky, der kleinen Mausbiber. Er wurde als frech und respektlos geschildert, er duzte gnadenlos alle, ob sie nun Admirale, Staatspräsidenten oder Diplomaten waren, Aliens oder Menschen. Er verfügte über immense Gaben, die ihn befähigten, in riskante Einsätze zu ziehen, und er wurde immer wieder an den Brennpunkten der galaktischen Geschichte eingesetzt. Gucky war mein liebster Science-Fiction-Held und wurde erst Jahre später durch Alaska Saedelaere abgelöst – das aber ist eine andere Geschichte.
Spreche ich heute mit Leserinnen und Lesern unserer Serie, höre ich von ähnlichen Erfahrungen. Und treffe ich auf Menschen, die unsere Serie früher einmal gelesen haben, kommt sehr häufig die wichtige Frage: »Lebt Gucky eigentlich noch?«
Ganz eindeutig: Der Mausbiber ist eine der prägenden Figuren der PERRY RHODAN-Serie. Außenstehenden ist das kaum zu vermitteln, warum ein intelligentes Lebewesen, das gerade mal einen Meter groß ist, über Jahrzehnte hinweg so beliebt ist. Dazu kommt das Äußere: Mit seinem Gesicht ähnelt Gucky eher einem Tier – aus der Sicht eines Menschen – als einem Alien mit Witz und Intelligenz.
Seit den Anfängen der Serie spielt Gucky eine wichtige Rolle. Zu verdanken ist das keinem klar definierten Exposé oder einem umfangreichen Datenblatt, sondern der Erfindungsgabe eines Schriftstellers. Dazu muss ich ein bisschen ausholen.
Die PERRY RHOAN-Serie ist bekanntlich ein Kind ihrer Zeit. Science Fiction, die in den 50er- und 60er-Jahren im deutschsprachigen Raum veröffentlicht wurde, kam üblicherweise in Form von knallbunten Heftromanen daher. (In der DDR verlief die Entwicklung anders; dort wurde Science Fiction anders vermittelt, wenngleich es dort ebenfalls Heftromane gab.) Die Titelbilder versprachen Action, die Romane selbst boten viel von dem, was man heute als Military-SF bezeichnet.
Als Clark Darlton und K. H. Scheer die Serie ins Leben riefen, setzten sie auf die bekannten Erfolgsrezepte: Die Menschheit stößt bei ihrem Weg ins All auf immer neue Gegner, mit denen sie kämpfen muss. Es kommt zu Kämpfen aller Art, die Menschen schaffen es aber, dank ihrer trickreichen Ideen und irgendwann auch mit purer Waffengewalt die Oberhand zu gewinnen.
In dieser Zeit musste Gucky wie ein Fremdkörper wirken. Der Ilt war ein Außerirdischer, der klein und zierlich war, der freundlich guckte und vor allem viel Unsinn im Kopf hatte – ein Außerirdischer also, der nicht wie ein Feind der Menschheit aussah und sich auch nicht wie ein solcher verhielt. Dass er über unheimliche Gaben verfügte, passte gut: Gucky kann Gedanken lesen, er kann mithilfe seiner Telekinese auch schwere Gegenstände anheben, und er kann sich von einem Ort zum anderen teleportieren. Der kleine Außerirdische ist also in Wirklichkeit kein harmloses Lebewesen, sondern eine im Zweifelsfall tödliche Waffe für alle Gegner der Menschen.
Entwickelt wurde er von Clark Darlton. Der Autor war ein Freigeist. In seiner Jugend tanzte er zur damals verhassten Swing-Musik, mit den Nazis der damaligen Zeit konnte er nichts anfangen. Das bewahrte ihn nicht davor, in den Zweiten Weltkrieg geschickt zu werden, mehrere Jahre an der Ostfront zu überleben und dann in russischer Kriegsgefangenschaft schwerkrank zu werden. Mir erzählte er einmal, er habe in dieser Zeit davon geträumt, zu den Sternen zu fliegen.
Dieser Autor, der Waffengewalt kritisch sah und nie wieder etwas mit dem Krieg zu tun haben wollte, entwickelte also einen kleinwüchsigen Außerirdischen, der über große Fähigkeiten verfügt, ansonsten aber frech und verspielt auftritt. Gucky war in den ersten Jahrzehnten der PERRY RHODAN-Serie vor allem ein Spaßmacher, der für gute Laune sorgte und in erster Linie die jungen Leser faszinierte.
Das merkt man auch, wenn man die abgeschlossenen Planetenromane liest, die Clark Darlton verfasste. Sie sind wissenschaftlich nicht korrekt, sie sind in sich nicht unbedingt immer schlüssig, sie sollten hauptsächlich flott unterhalten. Für Menschen, die vor allem »Hard-SF« mögen oder einen sauber durchkonzipierten Romankosmos bevorzugen, ist das nicht unbedingt optimal.
Die Planetenromane mit Gucky als Hauptfigur richteten sich an junge Leser, die zwischen 13 und 15 Jahre alt waren – sie waren typische »Jungsliteratur« und alles andere als »anspruchsvoll«. Wer sich heute auf ihre Lektüre einlässt, sollte die Romane unter nostalgischen Gesichtspunkten lesen: So war Science Fiction für Jugendliche in den 60er-Jahren eben – und Gucky war dafür die ideale Hauptfigur!
Wir haben die zwei ersten dieser Planetenromane noch einmal in die Hand genommen. (Unter anderem hatte ich sie 1996 im Rahmen der Heyne-Taschenbücher veröffentlichen können.) Wir haben sie zu einem E-Book zusammengefasst, das dieser Tage erschienen ist – eine gedruckte Ausgabe ist allerdings nicht geplant.
»Im Zentrum der Galaxis« wurde 1965 veröffentlicht, es war der elfte Band der Planetenromane. An die eigentliche PERRY RHODAN-Serie ist er nur sehr locker angebunden. Enger mit der Serie – vor allem mit Guckys Herkunft – verbunden ist »Gucky und die Mordwespen«, der 1966 erstmals erschien, damals mit der Bandnummer 28.
Für diese Ausgabe wurden die Romane nicht inhaltlich überarbeitet, sondern nur behutsam auf die neue Rechtschreibung umgestellt. Das war eine bewusste Entscheidung: Wir wollten das »Original« in diesem Fall so weit wie möglich beibehalten.
(Dieses Logbuch wurde zum Gucky-Tag am 23. Oktober 2026 erstmals veröffentlicht. Hier wiederhole ich es aus dokumentarischen Gründen.)

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