19 Oktober 2018

Zuglektüre im Oktober

Weil ich am heutigen Tag mehrere Stunden mit der Bahn unterwegs war, beschäftigte ich mich mit ganz unterschiedlichen Themen. Im Zug hat man – wenn alles gut geht – schließlich ausreichend Zeit, etwas zu lesen. Und diese Zeit nutzte ich sehr sinnvoll.

Ich las selbstverständlich die Texte, die ich für das Schreibseminar in Wolfenbüttel benötigte. Aber ich nahm mir auch ein Manuskript vor, das für PERRY RHODAN NEO gedacht ist.

Am spannendsten fand ich allerdings das, was mir Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm bereits vor einigen Tagen geschickt hatten: Es handelte sich um ein Handlungskonzept für PERRY RHODAN NEO nach Band 200. An dieser Stelle werde ich mich hüten, auch nur ein Wort zum Inhalt zu verlieren.

Auf die Leser kommt buchstäblich eine neue Epoche zu – sie baut auf den vorherigen Staffeln auf, geht aber in eine andere Richtung. Die beiden Exposéautoren haben in ihrem Konzept das bisherige Neoversum um einige neue Aspekte erweitert, greifen aber auch wieder in den Erfahrungsschatz der klassischen PERRY RHODAN-Serie. Spannend ...

18 Oktober 2018

Drei Ritte der Tiefe

In der ersten Hälfte der 80er-Jahre ging ich als PERRY RHODAN-Fan durch manche Höhen und manche Tiefen; mir gefiel wirklich nicht alles, vor allem auch deshalb, weil ich entdeckte, wie viele interessante Science-Fiction-Universen es außerhalb des Perryversums gab. Aber dann gab es wieder so abgefahrene Ideen wie das Tiefenland, die mich über Wochen und Monate fesselten.

Das alles kann man bald in den Silberbänden nachlesen. Das Buch mit dem schönen Titel »Drei Ritter der Tiefe« kommt offiziell im November in den Handel, aber die Druckerei schickte mir heute freundlicherweise ein Vorab-Exemplar. Es juckt mich schwer in den Fingern, das Buch aufzuschlagen und nachzulesen, wie Hubert Haensel die klassischen Romane aus den 80er-Jahren bearbeitet und in die Form eines Silberbandes gebracht hat.

In diesem Buch geht es um das Tiefenland, eine bizarre Welt, die physikalisch völlig unmöglich ist – aber das störte mich nicht im Geringsten. Der Autor Thomas Ziegler erdacht all die bizarren Bewohner dieses Landes und schickte seine Helden durch eine skurrile Reise ohnegleichen. Wie sich das wohl heute liest, wenn man zum ersten Mal auf »Drei Ritter der Tiefe« stößt?

17 Oktober 2018

Projekt Exodus

»Fluchend fand Rhodan sich am nächsten Ort wieder.« Dieser Satz belegt – wie ich finde – sehr schön, dass es im nächsten Roman von Susan Schwartz recht dynamisch zugeht. Eine ihrer Hauptpersonen ist natürlich Perry Rhodan, doch die Autorin führt in diesem Roman darüber hinaus ein Volk von bislang unbekannten Außerirdischen in die PERRY RHODAN-Serie ein.

Ihr Roman trägt den Titel »Projekt Exodus«, und was sich dahinter verbirgt, erzähle ich an dieser Stelle natürlich noch nicht. Die Autorin zeigt die Situation auf der Hauptwelt des Galaktikums, und sie erzählt von einem Terraner, der unversehens in Nöte gerät.

Ganz nebenbei erhalten die Leser übrigens Einblicke in die politische Situation in der Milchstraße und wie sich diese angesichts aktueller Krisen anfühlt … Mehr dann ab dem 26. Oktober 2018! (Und es ist Absicht, dass ich an dieser Stelle noch nicht mehr vom Titelbild zeigen möchte.)

16 Oktober 2018

Labyrinth des Geistes

Der anstehende Roman für unsere Serie PERRY RHODAN NEO behandelt keine Drogenprobleme. Auch wenn es manchmal so klingen mag: »Tom tauchte aus einem weißen Nichts auf«, heißt es auf der – gedruckten – Seite 99 des Romans mit dem schönen Titel »Labyrinth des Geistes«, der von Michelle Stern und Rüdiger Schäfer verfasst worden ist: »Er war da und gleichzeitig nicht.«

Der Roman, der mit der Bandnummer 185 in dieser Woche erscheint, ist in mancherlei Hinsicht eine Besonderheit: Zum ersten Mal schreiben in dieser Serie ein Autor und eine Autorin gemeinsam einen Band. Gleichzeitig aber vereint der Roman in sich verschiedene Science-Fiction-Elemente: Auf der einen Seite gibt es klassische »Space Opera«, wie man sie seit den 30er-Jahren kennt, auf der anderen Seite gibt es »Inner Space«-Szenen, wie sie erstmals in den 60er-Jahren geschrieben wurden.

Dieser Gegensatz hat mir während der Lektüre imponiert. Und der Schluss des Romans hat mich getroffen, obwohl ich das Exposé kannte. Das wird beim einen oder anderen Leser womöglich für Aufregung sorgen ...

15 Oktober 2018

Angriff der Individual-Verformer

Während meiner Fahrten nach Frankfurt und zurück hatte ich nicht nur das Radio an – im CD-Player liefen auch Hörbuch- und Hörspiel-CDs. Unter anderem genoss ich »Der Angriff der Individual-Verformer«, ein klassisches Hörspiel nach den ersten PERRY RHODAN-Romanen. Ich muss gestehen, dass ich dieses Hörspiel noch nie gehört hatte, die Geschichte selbst hatte ich zuletzt wohl über 35 Jahren gelesen.

Wie immer war ich überrascht, an wie viele Details ich mich noch erinnerte. Allan D. Mercant als cooler Geheimdienstler, Perry Rhodan als überlegener Anführer, Thora als eiskalte Kommandantin, Ishi Matsu und Anne Sloane als schüchterne Mutantinnen – die Sprecher hatten anfangs der 80er-Jahre mit viel Elan die Figuren eines alten Heftromans aus dem Jahr 1961 übernommen. Die Geschichte kam mir ein wenig zu sprunghaft vor, als Autor hatte H. G. Francis offenbar zu viel raffen müssen.

Trotzdem gefiel mir dieses Hörspiel sehr gut. Es ist immer wieder ein Vergnügen, in die Frühzeit unserer Serie einzutauchen!

14 Oktober 2018

PERRY RHODAN in Dreieich

Der BuchmesseCon ist seit Jahren ein Ort, an dem sich die Fans der phantastischen Literatur treffen und bei dem die größte Science-Fiction-Serie der Welt nicht fehlen darf. In diesem Jahr reiste ich als Redakteur an, und im Prinzip gliederte sich mein Aufenthalt dort in zwei Teile: Zuerst führte ich viele Gespräche, dann saß ich auf einem Podium.

Zeitweise saß ich mit Michelle Stern auf einer Treppe und plauderte mit ihr über aktuelle Romane. Mit Andreas Eschbach stand ich eine Weile herum, wir sprachen über den März 2019 und gemeinsame Projekte. Mit vielen anderen Autorinnen und Autoren unterhielt ich mich; das war richtig klasse. Lesungen besuchte ich keine, obwohl ich das unbedingt vorhatte; irgendwie mangelte es immer an der Zeit.

Verena Themsen, Michelle Stern und ich saßen ab 19 Uhr beim PERRY RHODAN-Programmpunkt auf einer »Bühne« – genauer gesagt: hinter einer Tischreihe – und diskutierten mit den anwesenden Leserinnen und Lesern über unsere Serie. Wir stellten unsere aktuelle Arbeit vor, wir beantworteten Fragen. Es wurde kritisch gefragt, natürlich auch nach dem Film, es wurde auch viel gelacht. Alles in allem schien es den Besuchern viel Freude gemacht zu haben.

Aus Sicht des PERRY RHODAN-Redakteurs war es eine gelungene Veranstaltung. Mal schauen, wie und was wir 2019 machen – vielleicht bieten wir auch einmal eine Lesung an?

13 Oktober 2018

Verlagshopping am Freitag

Der Freitag auf der Buchmesse wurde noch einmal richtig anstrengend: Ich hatte eine Reihe von Terminen mit Verlagen und kam so noch in den Genuss des wunderbaren Sonnenscheins im Freien. Unter anderem besuchte ich den Stand des Hannibal-Verlages, wo ich die wunderbare »Flash Gordon«-Neuausgabe bestaunte – dort ging es aber um den aktuellen Stand der PERRY RHODAN-Chronik, bei der ich nach wie vor nicht sagen kann, wann sie erscheinen wird –, oder ich saß bei Droemer-Knaur, wo es um allgemeines Fachsimpeln und weitergehende Ideen ging.

Eine Messe ist für einen Redakteur nicht unbedingt der Ort, an dem er »Aufträge reinholt«. Früher wurde die Buchmesse dazu genutzt, dass die Buchverkäufer und die Buchhändler ihre Arbeit machten, dann war sie ein Hort für die Menschen, die Rechte und Lizenzen handeln  wollten – aber hier wird die hauptsächliche Arbeit ja bereits vor der Messe erledigt.

Die Buchmesse wandelt sich, und für mich ist sie ein Ort, an dem ich viele Menschen aus anderen Verlagen und viele Autoren treffe, um mich mit ihnen auszutauschen. Das hat an den zwei Tagen in diesem Jahr 2018 wieder einmal sehr gut geklappt.

12 Oktober 2018

Guter Start in den zweiten Tag

Es mangelte an diesem Morgen nicht an gruseligen Meldungen: Weil ein ICE zwischen Köln und Frankfurt in Brand geraten war – zumindest zwei Wagen –, kam es zu einer Vollsperrung der extrem wichtigen Bahnlinie und auch der Autobahn. Viele Leute, die auf dem Weg zur Frankfurter Buchmesse waren, betraf es an diesem Freitag, 12. Oktober 2018. Sie kamen zu spät, wurden mit Bussen transportiert oder mussten Umwege in Kauf nehmen.

Ich hatte Glück. Die Straße zwischen Karlsruhe und Frankfurt war frei, die tiefstehende Sonne blendete zwar gelegentlich – aber das empfand ich als ein echtes Luxusproblem. Und weil ich im Auto fleißig PERRY RHODAN hörte, hatte ich während der Fahrt viel Vergnügen. (Wer sich anhört, wie Alaska Saedelaere und Fellmer Lloyd in Gefangenschaft geraten, stört sich nicht am Verkehr.)

Nachdem der erste Messetag mit vielen Gesprächen sehr positiv zu Ende gegangen war, sollte der Freitag auch gut verlaufen. Erste Termine mit Verlagskollegen bei Fischer Tor und Piper konnte ich hinter mich bringen; der Freitag wird sicher noch abwechslungsreich.

(Ach ja: Das Bild zeigt den Beifahrersitz in meinem Auto. Alles rhodanifiziert ...)

11 Oktober 2018

Begegnungen auf der Messe

Wenn der Redakteur keinen Stand hat, an dem er die Bücher und Publikationen der Serie präsentieren kann, für die er tätig ist, muss er eben andere Leute besuchen. So geht es mir am Donnerstag, 11. Oktober, während der Frankfurter Buchmesse: Ich treffe Autoren und Verlagskollegen, ich besuche andere Verlage, und ich bummle zwischendurch in den Hallen herum, wo ich mich durchaus mal inspirieren lasse.

Um ein Beispiel zu geben: Bernd Perplies traf ich am Stand des Mantikore-Verlages. Dort signierte er die Neuausgabe seines Romans »Tarean«, die super aussieht. Wir gingen hinaus ins Freie, wo wir in schönstem Sonnenschein darüber sprachen, ob und wie wir im nächsten Jahr zusammenarbeiten könnten. Es mangelt nicht an Ideen, man muss nur immer schauen, was sich zeitlich machen lässt.

Weitere Termine sind für mich als Redakteur interessant, weil ich mit Kollegen aus anderen Verlagen spreche. Dabei erfahre ich oft Dinge, die meinen Horizont erweitern und mir manchen Hintergrund vermitteln, der mir bisher unklar war. Auch deshalb ist eine Buchmesse so wichtig für mich ...

10 Oktober 2018

Kibb und andere Vlcek-Texte

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Als ich am frühen Morgen des Donnerstags, 3. März 1994, in mein Büro im Pabel-Moewig Verlag kam, ging es mir nicht sonderlich gut. Ich litt unter starkem Schnupfen; meine Allergie gegen die sogenannten Frühblüher brach in diesem Jahr erstmals richtig stark aus und wurde zunächst gar nicht als Allergie erkannt. Ich hatte leichte Kopfschmerzen und nieste ständig, die Nase lief, und die Augen tränten.

Sabine Bretzinger hatte wenig Mitleid mit mir. Sie wirkte frisch und ausgeruht, war auch schon deutlich vor mir in der Redaktion eingetroffen. »Ernst hat geliefert«, sagte sie und hielt mir einige bedruckte A4-Blätter entgegen. »Florian hat die Originale, das sind die Kopien.«

In der PERRY RHODAN-Redaktion setzten wir auf das Faxgerät; es hatte sich bewährt und ließ eine schnelle Kommunikation zu. Ernst Vlcek saß in der Nähe von Wien und schrieb die Exposés für die laufende Serie, dann schickte er sie per Fax nach Rastatt. Meist arbeitete er abends und bis spät in die Nacht, seine Faxe waren frühmorgens im Verlag.

Dort fischte Sabine sie aus dem Faxgerät, machte eine Kopie für mich und brachte das Original zu Dr. Florian F. Marzin, unserem Chefredakteur, der seit gut einem Jahr in einem anderen Teil des Gebäudes saß. Die Vorgehensweise hatte sich in den vergangenen Jahren gut bewährt.

Ich jammerte ein wenig über meinen angeblichen Schnupfen und verschwieg, dass ich in der Nacht zuvor noch lange bei einem Konzert in Heidelberg gewesen war, von dem ich erst gegen zwei Uhr nach Hause gekommen war. Vielleicht kamen die Kopfschmerzen auch daher? Ich wusste es nicht, war aber der Ansicht, die Kollegin sollte das nichts angehen.

In einem raschen Querlesen verschaffte ich mir einen Überblick zu den Inhalten der Exposés. Bereits in diesem Stadium machte ich mir einige Notizen. Einige Dinge gefielen mir, mit anderen hatte ich Probleme. Wie immer würde ich die Exposés noch einmal sehr genau und gründlich lesen, damit ich Ernst anrufen und sie mit ihm durchsprechen konnte.

Kurz nach halb zehn kam Florian in unser Büro. Sabine hatte Kaffee aufgesetzt, unsere allmorgendliche Besprechung begann. Er hatte bereits die Exposés durchgelesen und seine Version mit zahlreichen Anmerkungen versehen. »Da hat sich Ernst ja wieder einiges geleistet«, polterte er, was in diesem Fall nicht so ernst gemeint war, wie es klang.

Die neuen Exposés beschäftigten sich mit dem Arresum, der »negativen« Seite des Universums. In seinen Arbeiten ging der Exposéautor nun von Annahmen aus, die der Chefredakteur nicht teilte. Offenbar waren die Absprachen, die die beiden getroffen hatten, als Florian zu Besuch in Österreich gewesen war, nicht so eindeutig gewesen, dass sich beide daran in gleicher Weise erinnern konnten.

Auch ich hatte einige Anmerkungen zu den Exposés, machte aber klar, dass ich sie erst noch genauer lesen musste. Florian ließ seine Kopien auf dem Tisch liegen. »Sag dem Ernst, dass er das gründlich überarbeiten muss, dann werden die Exposés was.« Ich nickte.

Während Florian ging und Sabine den Tisch abräumte, schaute ich die Post durch, die am Vormittag gekommen war. Es gab ein Dutzend Leserbriefe, die ich durchlas, bevor ich sie auf Sabines Platz legte. Die Kollegin würde sie ebenfalls durchschauen, dann würden wir die Briefe an Arndt Ellmer weiterleiten, der sie für die Leserkontaktseite einsetzen und vor allem beantworten würde.

Ich schnappte mir das Manuskript, das ich zu redigieren hatte. Es war von Ernst Vlcek, trug den Arbeitstitel »Kibb«, und es musste bald in die Setzerei. Gelesen hatte ich es schon, nun wollte ich an die Feinarbeit gehen. Bevor ich an die eigentliche Arbeit ging, schrieb ich einen Seite-drei-Text und ein Extrablatt mit dem Personenkasten – das hatte ich mir so angewöhnt.

Dann ging ich ans Redigieren: Mit einem dicken blauen Stift strich ich einzelne Wörter, die nicht stimmig waren, und mit einem dünnen blauen Stift machte ich die Korrekturen. Bei Ernsts Manuskripten musste ich vor allem auf sogenannte Austrianismen achten; der Autor setzte gelegentlich Formulierungen ein, die man außerhalb von Österreich allerhöchstens in Süddeutschland verstehen würde.

Ich hatte meine Schwierigkeiten mit dem Roman. Der Autor schrieb häufig seltsame Dialoge, blieb bei der Handlung oft distanziert und – für meinen Geschmack – unklar. Dazu kam eine Erzählweise, die ich sehr umständlich fand. Die Lebensgeschichte der geheimnisvollen Figur namens Moira, die eine gemeinsame Erfindung von Ernst Vlcek und Florian F. Marzin war, funktionierte für mich noch nicht.

Die Zusammenhänge mit dem Symbionten Kibb und dem mysteriösen Quidor wollte ich klarer formuliert haben. Wieder einmal stellte ich fest: Manche Dinge wurden einem als Lektor erst bewusst, wenn man ins Detail ging. Ich besprach mich mit Sabine – solche Details wollte ich nicht mit Florian diskutieren.

Sie riet mir, dringend mit Ernst zu telefonieren. »Er hat heute nacht lang geschrieben, also ruf ihn nicht vor zwei Uhr an«, meinte sie. Und ich gelobte, mich daran zu halten. Nach wenigen Seiten legte ich erst einmal eine Pause bei meiner Redigierarbeit ein; mir war bewusst, dass »Kibb« eine harte Nummer werden würde. Mit Sabine ging ich dann erst einmal in die Kantine.

Am frühen Nachmittag brachte die Post noch einen aktuellen Roman, wieder ein Werk von Ernst Vlcek; diesen hatte er ausgedruckt und im Kuvert an uns geschickt. Weil wir einen der neuen Kopierer hatten, die Blätter automatisch einziehen konnten, ging es recht schnell, für Florian eine Kopie anzufertigen. Ich drückte sie ihm in die Hand, als er bei uns vorbeischaute.

»Da geht's um diesen Captain Bluecat«, brummte er. »Mal sehen, was Ernst daraus gemacht hat.« Ich war selbst sehr gespannt darauf, wie er die Beausoleils dargestellt hatte; immerhin waren diese Figuren eine echte Eigenerfindung des Exposéautors, und ich wusste, wieviel »Herzblut« er hineingesteckt hatte.

Nachdem ich die Exposés gründlich durchgearbeitet hatte, rief ich Ernst Vlcek an, und wir besprachen sie ausführlich. Er machte sich Notizen und stellte Rückfragen, dann verabschiedeten wir uns.

Ich blickte auf meinen Schreibtisch: Exposés von Ernst, ein zu redigierendes Manuskript von Ernst, ein noch zu lesendes Manuskript von Ernst. »Heute ist echt mein Vlcek-Tag«, murmelte ich und ging wieder an die Arbeit ...

09 Oktober 2018

Neue Taschenbücher für Tschechien

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Die Zusammenarbeit mit unseren tschechischen Partnern hatte sich in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre immer besser entwickelt. Zu den Heftromanen, die seit einiger Zeit liefen, kamen ab 1998 erste Taschenbücher, die sich offenbar gut verkauften. Dabei folgten die Kollegen in Prag der Neuauflage der Planetenromane, die 36 Bände umfasste und bei Heyne erschienen war. Es lag also nahe, die Lizenzgeschäfte mit den tschechischen Partnern auszuweiten.

Ich diskutierte unter anderem mit Eckhard Schwettmann, unserem Marketingleiter, über das Thema. Mein Argument war: »Wir liefern den tschechischen Partnern einige Konzepte für weitergehende Taschenbücher, und die können wir als Grundlage nehmen, wenn wir selbst an eine Neuauflage der Planetenromane gehen.« Zu dieser Zeit träumte ich davon, eine Art »Best-Of«-Reihe der klassischen Bände zu veröffentlichen – diese waren seit langem nicht mehr im Handel erhältlich, und ich war mir sicher, dass es dafür genügend Leser gäbe.

Doch zuerst ging es um die Partner im Nachbarland. »Da im tschechischen Markt offensichtlich Interesse an einer weiteren PERRY RHODAN-Taschenbuch-Reihe neben der bisherigen besteht, stellt die PERRY RHODAN-Redaktion die folgenden drei Konzepte vor«, schrieb ich in meinem Arbeitspapier.

Ich wollte kurze Serien auswählen, die man in klarer Weise abgrenzen konnte. So stellte ich mir eine Reihe von Weltraum-Krimis vor, ebenso eine Reihe mit Romanen, die den Arkoniden Atlan als Hauptperson haben sollten. In meinem Konzept war ich durchaus vollmundig: »Die Redaktion empfiehlt fürs erste je zehn Titel, wobei wir besonders beliebte Autoren bei den ersten Romanen bevorzugen sollten  – bei Bedarf kann jederzeit fortgesetzt werden.«

Ich empfahl eine behutsame Bearbeitung sowie ein Glossar von zwei Seiten. Schließlich konnte man davon ausgehen, dass »die tschechischen Leser mit vielen Begriffen der Taschenbücher nicht vertraut sein dürften (wenn diese beispielsweise im Jahr 3000 der PERRY RHODAN-Geschichte spielen).«

Am stärksten favorisierte ich eine Reihe mit »ATLAN-Abenteuern«, wie ich sie nannte – die Wiederbelebung der Marke ATLAN stand bei mir in den 90er-Jahren stets im Fokus. Den Partnern versuchte ich die Reihe so zu erklären: »Bei diesen Romanen ist jeweils Atlan eine der Hauptpersonen; nach wie vor ist er eine der beliebtesten Figuren. Die Romane spielen jeweils in der ›klassischen‹ PERRY RHODAN-Zeit und bieten klassische Weltraum-Abenteuer.«

Als die ersten Titel nannte ich »Die Macht der Träumer« von William Voltz (der Planetenroman-Band 37 spielt im Jahr 2361), »Bomben auf Karson« von Kurt Mahr (Band 39 der Planetenromane, der das Jahr 2400 beleuchtet) und »Aufruhr in Terrania« von Hans Kneifel, der im Original als Band 51 erschienen war und im Jahr 2436 spielt. Ich suchte bewusst Kriminalromane mit Science-Fiction-Anstrich heraus, die aber schöne Ideen vermittelten und hundertprozentig im PERRY RHODAN-Universum spielten.

Weitere Bände in meinem Konzept stammten von Autoren wie H. G. Ewers oder Peter Terrid. Ich nahm nur Romane, die in der klassischen Zeit des Solaren Imperiums spielten. Bei den Atlan-Abenteuern sah ich es dann nicht mehr so »eng«.

Natürlich setzte ich mit »Planet unter Quarantäne« von Ernst Vlcek (der Plantenroman 46 spielt im Jahr 239) oder »Die Träumer von Naphoora« von Peter Terrid (der Roman spielt im Jahr 2115, es ist Band 230 der Planetenromane) vor allem auf Geschichten aus der klassischen Zeit. Ich hatte aber auch Peter Grieses »Der lange Weg der SOL« auf der Liste, der im Jahr 3808 angesiedelt ist und dem Planetenroman 294 entspricht. Ebenso waren aktuelle Werke von Rainer Castor in dieser Liste.

Als jemand, der sich selbst als Fan des »Meister der Insel«-Zyklus bezeichnen würde, mochte ich schon immer jene Taschenbücher, die mit dem Mythos Andromeda  zu tun hatten. Also suchte ich den tschechischen Kollegen zehn Romane heraus, die sich mit dem »beliebtesten Epos der PERRY RHODAN-Geschichte« – so nannte ich es im Konzept – beschäftigten. Weiter schrieb ich: »Die Romane spielen entweder in der Galaxis Andromeda, oder es geht um die Auswirkungen des Andromeda-Krieges in den Jahren 2400 bis 2406.«

Zu den Titeln, die ich auswählte, zählen Klassiker von Hans Kneifel wie »Höllentanz der Marionetten« (Band 47, spielt im Jahr 2405) oder H. G. Ewers mit seinem »Herr über die Toten« (Band 40, er spielt im Jahr 2403). Gleich drei Bände von Peter Terrid und einer von Horst Hoffman zeigten deutlich, dass auch die »jüngeren« Autoren sehr stark von den »MdI«-Geschichten beeinflusst waren.

Ich überlegte längst darüber hinaus. »Möglich wären noch weitere Reihen«, schrieb ich – und so argumentierte ich es intern. Man könnte, so glaubte ich, Explorer-Romane veröffentlichen, aber ebenso Reihen mit Kolonisten-Abenteuern oder Mutanten-Geschichten. Am 15. Dezember 1998 schickte ich ein kurz gefasstes Konzept nach Prag, das die ersten drei Reihenkonzepte präsentierte.

Letztlich war die Konzeptarbeit »für die Katz«, wie man so schön sagt. Die Taschenbücher, die unsere Kollegen in Prag engagiert gestartet hatten, kamen nicht gut genug bei den Lesern an. Also wollten sie sich auf die Heftromane beschränken und erst einmal nichts weiter ausbauen – und damit waren all meine Reihenkonzepte unnötig.

Als ich recht frustriert darauf reagierte, tröstete mich Eckhard Schwettmann: »Wer weiß, wann wir mal wieder an die Planetenromane gehen. Da können wir solche Reihenüberlegungen doch immer gut brauchen.«

08 Oktober 2018

Gespräche über Terminus

Zwischen April und September 2017 veröffentlichten wir im Rahmen unserer Arbeit die Miniserie PERRY RHODAN-Terminus; das ist also nunmehr ein Jahr her. Unter der Ägide von Uwe Anton schrieben die Autoren insgesamt zwölf Romane, die größtenteils in der klassischen Serienzeit spielten.

Parallel zum Erscheinen der Heftromane führte Alexandra Trinley verschiedene Interviews mit den Autoren (und der Autorin natürlich auch). Insgesamt entstanden vierzehn Interviews. Diese Texte, ergänzt durch allerlei Berichte und Informationen, wurden zu einem schönen E-Book zusammengefasst, das man kostenlos herunterladen kann. Seit dem Sommer 2018 gibt's alles auch in Form eines gedruckten Heftes.

Ich kam leider erst am Wochenende dazu, mich intensiver mit »Gespräche über Terminus« zu beschäftigen. In gedruckter Form umfasst das Heft 60 Seiten im A4-Format, allesamt farbig gedruckt und in einem professionell wirkenden Layout. Da macht die Lektüre gleich doppelt Spaß!

Als Redakteur habe ich zu den einzelnen Romanen einen anderen Zugang als ein Autor oder ein Leser – nach einem Jahr sind allerdings einige Erinnerungen verfälscht oder verschwunden. Umso spannender ist es, dann ein solches Heft noch einmal zu lesen und zu blättern, sich zu erinnern und vielleicht sogar in dem einen oder anderen Roman zu blättern.

Schön finde ich, dass es das kostenlose E-Book noch gibt. Man kann sich aber auch – für kleines Geld – die gedruckte Ausgabe bei der PERRY RHODAN-FanZentrale besorgen. Eine tolle Fan-Aktion, absolut lesenswert!

07 Oktober 2018

Kants letztes Kunstwerk

Es gibt immer wieder PERRY RHODAN-Romane, die mich verblüffen. Am 19. Oktober 2018 kommt ein Roman in den Handel, auf den ich mich schon jetzt freue und den ich in der Manuskriptform mit großem Vergnügen gelesen habe: Mit »Kants letztes Kunstwerk« konnte mich Christian Montillon richtig packen.

Warum eigentlich? Vielleicht deshalb, weil er es geschafft hat, eine ungewöhnliche Figur zu präsentieren, die einen nicht gerade üblichen Beruf ausübt und Dinge sammelt, die ich mir in einer Zukunftswelt wie dem Perryversum gut vorstellen kann. Vielleicht auch deshalb, weil diese Figur und ihre Handlungen vor einer Milchstraße gezeigt werden, die sich in der geschilderten Zeit auf unheimliche Weise verändert.

Obwohl ich das Exposé kannte, wusste ich nicht im Detail, wie der Roman ausgehen würde. Der Autor zeigt terranisches Alltagsleben und originelle Figuren, er berichtet von ihren Problemen und Zielen, und er verknüpft das geschickt mit der aktuellen Situation in der Milchstraße der fernen Zukunft. Ich mag so etwas sehr!

06 Oktober 2018

Besuch von Hermann Ritter

Der Freitag, 5. Oktober 2018, stand im Zeichen eines besonderen Besuches: Hermann Ritter kam vorbei, um über aktuelle Themen und künftige Planungen zu sprechen. Wir kennen uns seit den frühen 80er-Jahren und arbeiten seit den 90er-Jahren in Sachen PERRY RHODAN zusammen. Er war als Lektor für uns tätig (unter anderem bei der Miniserie ATLAN-Traversan) und schrieb Romane für die Miniserien sowie für PERRY RHODAN NEO, ergänzt durch diverse Kurzgeschichten.

Seit fast 16 Jahren betreut er die PERRY RHODAN-Clubnachrichten. Er unterstützte uns bei Buchmessen und auf Cons, stand mehrfach für unsere Serie auf der Bühne und steuerte zeitweise die PERRY RHODAN-FanZentrale. Auf all diese Dinge blickten wir bei seinem Besuch zurück.

Aber selbstverständlich ging es auch um die Zukunft – in welcher Weise werden wir beispielsweise 2019 und in den folgenden Jahren zusammenarbeiten? Welche Pläne und Absichten wir wie verwirklichen können, muss man noch sehen; besprochen haben wir einiges, das bald spruchreif werden sollte. Darüber informiere ich dann noch.

05 Oktober 2018

Der Schwarm – ganz akustisch

Ein Logbuch der Redaktion 
 
Robert Feldhoff sagte es einmal ganz klar, als wir uns über frühe Abschnitte der PERRY RHODAN-Serie unterhielten: »Die Epoche des Schwarms ist eine Zeit, in der mehrere Milliarden von Menschen gestorben sind.« Wir waren uns im folgenden Gespräch einig darüber, dass im »Schwarm«-Zyklus eine Reihe von spannenden Geschichten entwickelt wurden, die für die Serie prägend wurden.
 
Wir waren uns auch einig darüber, dass wir vieles mochten, Figuren wie Sandal Tolk beispielsweise oder die »kosmische Ebene«, die sich hier erstmals zeigte, dass wir aber bereits als jugendliche Leser so manche Dinge einfach »nicht komplett durchschaut« hatten. Das Abenteuer zählte, die spannende Geschichte, und viele Hintergründe waren offenbar gleichgültig.
 
Das wurde mir dieser Tage wieder bewusst, als ich »Der Schwarm« bei einer Reihe von längeren Autofahrten anhörte. Mit der Stimme von Josef Tratnik am Ohr tauchte ich in die Geschichte ein, die ich in Form von Heftromanen in den ganz frühen 80er-Jahren erstmals komplett gelesen hatte. Den von Horst Hoffmann bearbeiteten Silberband hatte ich in den 90er-Jahren nur oberflächlich geblättert – somit war das Anhören der Silber Edition für mich eine Wiederentdeckung.
 
Ich versuche eine kurze Zusammenfassung, falls jemand nicht weiß, worum es in diesem Silberband und Hörbuch geht: Die Geschichte beginnt mit dem Start der MARCO POLO, dem Flaggschiff von Perry Rhodan. Im Jahr 3438 brechen die Gefährten in der fernen Galaxis Gruelfin auf, sie wollen direkt in die Milchstraße fliegen. Unterwegs kommt es zu Problemen mit dem sogenannten Homo Superior – Menschen, die sich für eine Weiterentwicklung des bisherigen Homo Sapiens handeln –, und in der Folge trifft die MARCO POLO erst 3441 in der Heimatgalaxis ein.
 
Wie man feststellt, rast mittlerweile ein kosmisches Gebilde auf die Milchstraße zu, das gigantische Dimensionen einnimmt und aus Tausenden von Sonnen sowie zahllosen Raumschiffen besteht. Zu den Begleiterscheinungen des Gebildes, das man schnell als »Schwarm« bezeichnet, zählt auch die sogenannte Verdummungsstrahlung. Überall in der Milchstraße sind intelligente Wesen auf einmal dümmer geworden – sie werden auf das Niveau von kleinen Kindern oder halbwegs klugen Tieren gebracht. Die Folge ist ein schreckliches Chaos auf allen besiedelten Welten, Perry Rhodan und seine Begleiter sind entsprechend schockiert ...
 
Das schildern die ersten Romane des Zyklus durchaus eindrucksvoll, das wird auch in der Silberbandbearbeitung deutlich, und das bringt Josef Tratnik in seiner starken Art, Texte vorzulesen, in der Silber Edition zum Ausdruck. Die Verzweiflung der wenigen Immunen angesichts der großen Aufgabe – sie müssen unzählige Verdummte versorgen, die zu den einfachsten Tätigkeiten nicht mehr in der Lage sind – wird dargestellt, die Kämpfe ums Überleben werden teilweise drastisch geschildert.
 
Für mich ist einer der Höhepunkte dieser Phase der Serie die Figur des Edmond Pontonac. Sein Abenteuer in einem Raumschiff der Schwarmgötzen – dieser Begriff wurde erst später in der Serie fixiert – faszinierte mich beim ersten Lesen sehr. Ich finde, dass sein Abenteuer auch heute noch gut zu lesen oder zu hören ist. Hans Kneifel zeigt einen schrägen Charakter, einen Mann mit seltsamem Humor, der dennoch versucht, sich und seine verdummte Besatzung so gut wie möglich durchzubringen.
 
Interessant ist darüber hinaus, wie unterschiedlich die Autoren das Thema Verdummung darstellten. Mal sind die betroffenen Menschen so albern wie Kinder, dann wieder so stumpfsinnig wie primitive Barbaren. Gelegentlich wird klar, wie schrecklich sich die Verdummung auswirkt: Zahlreiche Tote liegen – so heißt es zwischendurch – in den Straßen von Terrania.
 
Wenn man sich diese kurzen Beschreibungen vor Augen hält, wird klar, was Robert Feldhoff mit seiner Aussage meinte, die ich am Anfang zitierte: Wenn schon auf der hochtechnisierten Erde solche Zustände herrschen – wie muss es dann erst auf anderen Welten aussehen?
 
Nimmt man als Leser oder Hörer die Geschichte ernst, die »Der Schwarm« erzählt wird, muss man davon ausgehen, dass es auf der Erde während dieser Zeit einige Milliarden von Todesopfern gegeben hat. Und rechnet man das auf die Milchstraße hoch, kommen erschreckende Zahlen heraus.
 
Als junger Leser war mir das gleichgültig – ich fand die spannende Geschichte interessant genug. Höre ich mir die Romane heute an, wird mir vieles deutlicher vor Augen geführt. Die Autoren ließen solche Themen bewusst weg und beschränkten sich ebenfalls auf das pralle Science-Fiction-Abenteuer. Der düstere Charakter der Geschichte verschwindet immer wieder im Hintergrund.

Um es klar zu sagen: »Der Schwarm« hat mich als Hörbuch fasziniert und gefesselt – obwohl ich die Geschichte kannte. Aber als erwachsener Leser und Hörer bin ich an das Thema anders herangegangen wie vor über dreißig Jahren. Das verändert mein Bild, hat aber nicht die Faszination geschmälert. (Wer mir nicht glaubt, sollte das Hörbuch eben selbst anhören.) Interessant! Ich freue mich schon darauf, die Fortsetzung im CD-Player zu haben ...

04 Oktober 2018

Im Reich der Naiir

Verschiedene Schauplätze, mehrere Handlungsträger: In seinem Roman »Im Reich der Naiir« bietet Rainer Schorm seinen Lesern eine Fülle an Szenen an, die im Gesamtbild ein großes Panorama ergeben. Der Roman spielt auf der Erde, aber auch in einem fernen Sonnensystem, in dem die Menschen zum wiederholten Mal mit Gegenständen aus einem anderen Universum konfrontiert werden.

Viele Dinge scheinen zusammenzuhängen, die auf den ersten Blick voneinander losgelöst sind. Der Konflikt mit der mysteriösen Allianz, die der aktuellen Handlungsstaffel von PERRY RHODAN NEO ihren Namen gegeben hat, spielt in diesem Roman immer eine Rolle. Kein Wunder, dass Rainer Schorm, einer der zwei Exposéautoren, buchstäblich den großen Wurf über Zeit und Raum versucht hat … Bei diesem Roman bin ich ganz besonders auf die Reaktionen der Leser gespannt!

01 Oktober 2018

Heute vor sieben Jahren …

Es ist auf den Tag genau sieben Jahre her: Am 1. Oktober 2011 stand ich auf der Bühne des Kongresszentrums Rosengarten in Mannheim und durfte den WeltCon 2011 miteröffnen.

Als Moderator tat Mike Hillenbrand alles dafür, dass die Autoren und ich auf der Bühne gut aussahen, hinter der Bühne wirkten viele andere, und dass die gesamte Veranstaltung so gut ablief, dafür sorgen drei bis vier Dutzend Helfer, die unglaublich viel arbeiteten. Denke ich an den WeltCon zurück, kommen mir schlaglichtartig so viele Bilder in den Sinn, dass ich sie kaum überblicken kann.

Fünfzig Jahre PERRY RHODAN wurden präsentiert; es gab zahlreiche Rückblicke auf diese fünf Jahrzehnte. Wir stellten PERRY RHODAN NEO vor; das war ein Ausblick auf die Zukunft. Es ging um Hörbücher und Romane, um Exposés und Kunstwerke, es gab eine PERRY RHODAN-Ausstellung und spannende Vorträge … Und überall traf ich auf Leser, die in positiver Stimmung unterwegs waren – dass auch noch das Wetter so toll mitspielte, passte wunderbar dazu.

Ich habe alle PERRY RHODAN-WeltCons besucht, und ich war bei den meisten ins Programm eingebunden. Aber könnte nie sagen, welcher der Beste oder Schönste war. 2011 feierten wir auf jeden Fall ein wunderbares Fest – heute vor sieben Jahren!

29 September 2018

Gedanken an ein Taschen-Universum

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

1998 siedelten wir die erste Miniserie im PERRY RHODAN-Universum an. Mit den zwölf Romanen des »Traversan«-Zyklus unternahmen wir den riskanten Versuch, die Marke ATLAN im Zeitschriftenhandel wiederzubeleben. Robert Feldhoff verfasste die Exposés, Rainer Castor machte die Datenrecherche, und eine Gruppe von Autoren schrieb die spannenden Bände.

Die Verkaufszahlen waren überraschend gut, die Reaktionen der Leser zumeist positiv. Erste Gespräche über eine Buchausgabe liefen bald darauf an. Jeder war mit uns der Ansicht, dass »Traversan« ein echter Erfolg geworden war.

Was also lag näher, als sich über eine weitere Miniserie Gedanken zu machen? Im Frühjahr 1999 skizzierte ich erste Überlegungen zu einer Miniserie, die ich unter die Überschrift »Taschen-Universum« stellte. Es sollte eine direkte Fortsetzung zu »Traversan« werden, auch in Form von Heftromanen. Meine Ideen waren überhaupt nicht ausgereift, aber das sollten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht sein.

Ich wollte Atlan in eine klassische Situation bringen – er sollte auf einem fremden Planeten zu sich kommen, obwohl er sich kurz zuvor in einer Tiefschlafkammer auf dem Planeten Traversan befunden hat. »Am Ende erkennt er, dass er in einem Mini-Universum ist«, formulierte ich lakonisch.

Ich wollte ein bizarres Universum haben, »eine Art Steampunk«, dazu »Raumschiffe mit allem möglichen Schnickschnack« und »eigene Naturgesetze«. Über die Details machte ich mir damals keine Gedanken, denn ich dachte mir: »Wir können das alles definieren, es muss nur passen.«

Das »Taschen-Universum«, wie ich das Gebilde nannte, wollte ich fest in der Seriengeschichte verankern. Es sollte »vor 1,2 Millionen Jahren als Hordenabwehr eingerichtet« worden sein, dort habe man ein Hilfsvolk deponiert, dessen Nachkommen nichts von seiner Vergangenheit wissen. Aber, ganz klar: »Atlan mit Ritter-Aura kann als einziger das Geheimnis lösen.«

Das Hilfsvolk hatte ich nicht weiter definiert, ich wollte es vor allem exotisch haben. Die weitere Verknüpfung zur Seriengeschichte lag mir als altem Fan der »Meister der Insel«-Romane sehr nahe: »Lemurer fanden vor 50.000 Jahren schon Hinweise auf das Taschen-Universum. Es gelang ihnen, einen Eingang zu öffnen ...«

Während des Krieges gegen die Haluter, so meine Überlegung, seien auch Lemurer in das Taschen-Universum geflüchtet, dort seien sie in die Barbarei zurückgefallen, würden aber mit dem Hilfsvolk zusammenarbeiten. In meinem Arbeitspapier spekulierte ich über eine »neue Kultur« der so verschiedenen Völker.

Atlan reist natürlich nicht ohne Hilfsmittel in das Taschen-Universum. Ich sah die beliebte Figur im Auftrag von ES auf Reisen: »ES gibt Atlan einen Datenträger mit – der geht aber gleich zu Beginn von Band 1 verloren, wird erst später wiedergefunden.« Man kann nicht gerade behaupten, dass dies unglaublich originell sei, aber als erster Ansatz für eine Geschichte hätte das sicher funktioniert.

Die Kultur im Innern des Taschen-Universums werde von außen bedroht. Ob es die Meister selbst sein würden, war mir nicht klar, über die Gegner Atlans hatte ich zu diesem Zeitpunkt keinerlei Vorstellung. Die Gegner, so überlegte ich, »brauchen was aus dem Taschen-Universum, um ihre Macht weiter auszudehnen«. Könnte sogar »die Duplo-Technologie daher« stammen?

Den eigentlichen Ablauf der Miniserie skizzierte ich gar nicht. Mir war nur eines klar: »Irgendwann löst sich das Mini-Universum auf, die Sonnen fallen ins normale Universum zurück.« Die Idee war, dass es gut zehntausend Jahre dauern würde, bis die Sonnen aus dem Taschen-Universum in die Milchstraße fallen würden – als eine kleine Sternballung. »Und das wäre im Jahr 1400 NGZ oder so – als Spekulation für die Leser!«, notierte ich mir.

Unklar war mir noch, mit welchen besonderen Gaben eigentlich Atlan auftreten wollte. Bei manchen Notizen ist mir nach all den Jahren nicht mehr klar, was ich meinte. Völlig ernsthaft schrieb ich: »Was macht Atlan einzigartig? Kann er als einziger Musik? Weil er als einziger die verschiedensten Tonlagen aus dem eigenen Universum mitbringt?«

Warum aus dem Ideenpapier nichts wurde, ist nur noch schwer nachzuvollziehen. Ende der 90er-Jahre entwickelten Redaktion und Marketing viele Ideen, die nicht umgesetzt werden konnten. Neue Buchreihen standen im Zentrum des Interesses, vor allem, nachdem Eckhard Schwettmann zum Verlagsleiter der Buchverlage ernannt wurde.

In diesem Zusammenhang war eine neue Heftromanreihe mit ATLAN auf einmal nicht mehr so wichtig. Der Band 2000 der PERRY RHODAN-Serie kam zudem auf uns zu, Ernst Vlcek zog sich aus der Exposéarbeit zurück, und Robert Feldhoff und ich mussten einiges in den Abläufen umstrukturieren.

So gerieten die Notizen zum »Taschen-Universum«, die ich auch an Robert Feldhoff geschickt hatte, in Vergessenheit. Aber offenbar behielten wir den einen oder anderen Vorschlag in den folgenden Jahren im Hinterkopf ...

28 September 2018

Mit Gucky in Köln

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«

Zu den ungewöhnlichen Aktionen des Sommers 1996 zählte der Auftritt der PERRY RHODAN-Serie auf der PopKomm, der großen Messe für Popkultur und Jugendkommunikation in Köln. Es handelte sich um eine Idee unseres neuen Marketingleiters – Eckhard Schwettmann wollte die Serie näher an die aktuelle Popkultur heranrücken.

Als Redakteur musste ich selbstverständlich mit, und so tummelte ich mich ein Wochenende lang in den Messehallen in Köln. Dass ich zu diese Zeit blaue Haare hatte, passte ausnahmsweise zur Arbeit und wurde nicht so kritisch beäugt wie »unter der Woche« im Verlag. Wir hatten einen Messestand, an dem wir unter anderem über unsere Serie informierten, und es gab eine Ausstellung mit Johnny-Bruck-Bildern sowie aktuelleren Motiven etwa von Swen Papenbrock.

Selbstverständlich durfte auch der Aufsteller mit dem Gucky-Motiv nicht fehlen, den Eckhard extra für die Veranstaltung hatte produzieren lassen. Und so bot es sich an, dass ich ein Foto mit dem Mausbiber machen lassen konnte. Wobei man fairerweise sagen muss, dass der Aufsteller recht groß war – Gucky an sich hätte ja nur eine Körpergröße von gut einem Meter …

(Das Foto stammt von Peter Fleissner. Vielen Dank!)

27 September 2018

Die Vernichtungsvariable

Was ist eine Algorithmische Republik, was kann man sich denn darunter vorstellen? Diese Frage – und nicht nur die – stellen sich die Hauptfiguren im nächsten Roman, der von Kai Hirdt veröffentlicht wird. In zwei Wochen bereits kommt sein »Die Vernichtungsvariable« in den Handel, der PERRY RHODN-Roman mit der Nummer 2982.

Mit den Toshruden stellt der Autor die Angehörigen eines originellen Sternenvolkes vor, die ihre eigenen Probleme mit der Welt haben. Wichtige Rollen in diesem Roman spielen aber auch der Arkonide Atlan sowie Florence Hornigold, die wagemutige Kapitänin.

Wie sie es schaffen, sich mit dem »Wohldefinierten« auseinanderzusetzen, schildert der Autor in einer Abfolge gelungener Szenen. Mir hat die Lektüre viel Spaß gemacht – ich mag Romane, in denen Menschen auf Außerirdische treffen, die auf eine bestimmte Art fremdartig sind, die ich so nicht schon hundertmal gesehen und gelesen habe.

26 September 2018

Ein Rundschreiben zur Armada

Am 7. April 1982 verschickte die PERRY RHODAN-Redaktion ein Rundschreiben »an alle PR-Mitarbeiter«, das unter dem Titel »PERRY RHODAN-Extra« stand und von William Voltz verfasst worden war. Der Exposéautor verwies auf die aktuellen Exposés: »nach der Datenflut nun zwei reine Handlungsexposés zur allgemeinen Erholung«. Er forderte aber eindringlich dazu auf, unbedingt den Band 1100 in Manuskriptform zu lesen.

»Wegen des Atmosphärischen«, so Voltz, sollten die Autoren immer wieder »auf die Größe der Endlosen Armada« eingehen, ebenso auf »die ungeheure Motivation, die nötig ist, so was in Gang zu bringen und zu halten«. Ab Band 1104 sollten die Terraner alle Begriffe aus dem Bereich der Endlosen Armada kennen, die in Band 1100 das erste Mal fallen sollten. Sie sollten aber nichts über die genauen Ziele, die Reisezeit und den wirklichen Umfang wissen.

Terminprobleme schien es übrigens schon 1982 zu geben: »Wegen der Terminierung der Exposés«, formulierte es der Exposéautor, »erbitte ich demnächst wieder alle Urlaubsangaben und sonstigen Terminwünsche, damit wir nicht in eine Sackgasse geraten wie vergangenes Jahr.«

25 September 2018

Im Bann der Erkenntnis

Ein durchaus mysteriöses Titelmotiv von Swen Papenbrock bildet einen interessanten Rahmen für Verena Themsens PERRY RHODAN-Roman, der in der nächsten Woche in den Handel kommt. »Im Bann der Erkenntnis« trägt die Bandnummer 2981 und spielt – soviel kann ich bestimmt verraten – in einer kleinen Galaxis, die zur Lokalen Gruppe gehört. Dort treffen Menschen von der Erde auf das Volk der Shug.

Warum das so ist und welche Konsequenzen diese Begegnung hat, das will ich nicht erzählen. Das steht schließlich im Roman. Aber ich fand einige Begrifflichkeiten wie die Sickerforschungsgruppe oder das Prud-Stratum sehr hübsch – wenn sich Wissenschaftlerinnen unterhalten, kann das für manchen Außenstehenden knifflig klingen.

Ernsthaft: Der Roman bringt die Handlung weiter, und er bietet trotzdem genügend Planetenabenteuer-Charme. (Mir gefallen Geschichten, in denen neue Kulturen im All vorgestellt werden, seit ich zum ersten Mal Science Fiction gelesen habe.) Damit sollten unterschiedliche Lesergruppen auf ihre Kosten kommen.

22 September 2018

Lesenswerter Blog

Es gibt einen neuen Blog, der sich mit PERRY RHODAN beschäftigt. Unter dem Titel »Perry Rhodan Experience« setzt sich der Fan Mario Staas mit der größten Science-Fiction-Serie der Welt auseinander. Dabei folgt er dem Beispiel des »Heftehaufen«-Blogs, indem er die Serie von Band eins an liest und immer wieder kommentiert, was ihm bei den klassischen Romanen aufgefallen ist.

In seinem Text »In eigener Sache« erläutert er seine Vorgehensweise: Sie sei nicht literaturkritisch, sondern er sehe sie »als reine Tagebuch-Abart« und äußere damit seine spontane Meinung. Ich finde das spannend und werde da öfter reinschauen. Seit ich die genannten Romane gelesen habe, sind schließlich auch schon einige Jahrzehnte vergangen ...

(Ich weiß, richtiger wäre »das« Blog. Aber da sich in der deutschen Sprache mehrheitlich »der« Blog eingeführt hat und ich das Wort auch so benutze, habe ich es in diesem Blogbeitrag ebenso gehalten. Also bitte nicht wundern!)

21 September 2018

Ein Newsletter wird 25

Seit die PERRY RHODAN-FanZentrale ihren »PRFZ-Newsletter« eingerichtet hat, ist das Fanzine zu einem lohnenswerten Informationsblatt geworden. In der aktuellen Ausgabe 25, die von Alexandra Trinley zusammengestellt worden ist, entdeckte ich viele Dinge, die ich lesenswert fand und die ich trotz meines Berufs nicht wusste.

Den Schwerpunkt bildet das Interview mit den Autoren Gerhard Hubert und Michael Tinnefeld. Die beiden berichten darin von der Arbeit an ihrer Ausgabe der PERRY RHODAN-FanEdition, von ihren Geschichten und von weitergehenden Ambitionen.

In einem kurzen Beitrag erläutert Arndt Drechsler, wie er die Illustrationen für die Silberbände gestaltet. Und der preisgekrönte Kurzgeschichtenautor Uwe Hermann erzählt, wie er als PERRY RHODAN-Leser dazu gekommen ist, eigene Geschichten zu schreiben.

Insgesamt bildet das zehn Seiten umfassende Fanzine eine gelungene Lektüre. Mitglieder der FanZentrale erhalten es kostenlos. Weitere Informationen liefert die Internet-Seite des Vereins.

20 September 2018

Sonnensturm

Sander Pawliczek heißt der Raumfahrer, der auf dem Titelbild des aktuellen Romans von Susan Schwartz abgebildet ist. In Szene gesetzt hat ihn Dirk Schulz, und ich finde das Titelbild von »Sonnensturm« extrem eindrucksvoll. Wer mäkeln möchte, könnte einwenden, dass es nicht hundertprozentig den Beschreibungen im Roman entspricht; es gibt aber den Charakter des 183. Romans der Serie PERRY RHODAN NEO sehr gut wieder.

Der Raumfahrer – eigentlich ist er Kosmologe von Beruf – ist nur einer der Personen, deren Schicksale die Autorin in ihrem Roman beschreibt. Sie zeigt schlaglichtartig, was auf einigen Planeten im Sonnensystem passiert und wie sich die neuerliche Bedrohung für die Menschheit aufbaut.

Weil sie dabei immer dicht an den Figuren bleibt, schafft sie eine Reihe von spannenden Szenen, die mich bei der Lektüre des Manuskriptes fasziniert haben. Ich bin sicher, dass diese Geschichte auch viele Leser mitreißen wird.

19 September 2018

Teamtagung mit Kurs 3000

Nur noch wenige Monate, dann erscheint der PERRY RHODAN-Band mit der Nummer 3000. Um für diesen Jubiläumsband – wie bei einem Endspurt – entsprechend gerüstet zu sein, traf sich die PERRY RHODAN-Redaktion am heutigen Mittwoch, 19. September, bei strahlendem Spätsommerwetter in der »Pagodenburg« in Rastatt. Bei Kaffee und Brezeln, bei Säften und einem reichhaltigen Mittagessen wurden zahlreiche Themen besprochen.

Der Band 3000 und die damit zusammenhängenden Aktivitäten war nur eines der Themen. Darüber hinaus ging es um neue Taschenbücher und Hardcover-Ausgaben sowie andere anstehende Produkte.

Wir sprachen darüber, was im vergangenen halben Jahr gut gelaufen war – PERRY RHODAN-Olymp beispielsweise – und was uns nicht so gut gefallen hatte (Terminprobleme und Zeitdruck etwa), und wir machten uns Gedanken darüber, wie wir welche Dinge in den nächsten Monaten verbessern könnten. Die Diskussion war spannend und abwechslungsreich, die Ergebnisse werden wir noch »nachbereiten«.

Eine Teamtagung hat den Sinn, dass das Redaktionsteam sich einen Tag lang Gedanken über seine Arbeit macht und auch in die Zukunft blickt. Dabei ging's nicht nur einige Monate in die Zukunft, sondern bei mancher Überlegung bereits mehrere Jahre. (Für eine Science-Fiction-Serie gehört es sich, ein wenig in die Ferne zu blicken, sowohl zeitlich als auch räumlich ...)

Das Bild wurde im Hof der »Pagodenburg« aufgenommen. Es zeigt (von links): Bettina Lang, Klaus Bollhöfener, Klaus N. Frick, Madlen Bihr, Katrin Weil, Pio Battistig und Philine-Marie Rühmann.

17 September 2018

40 Jahre Silberbände

Ein Logbuch der Redaktion

Ich weiß nicht mehr genau, wann ich meinen ersten PERRY RHODAN-Silberband kaufte. Es muss Ende der 70er-Jahre gewesen sein, und ich könnte Stein und Bein schwören, dass ich das 1979 tat – kurz nachdem der erste Silberband überhaupt erschienen war. Bei den allerersten Kunden war ich sicher nicht dabei, weil ich mir 1978 noch kein »dickes Buch« hätte leisten können und noch auf die Hefte schwor.

Mit »Die Dritte Macht« kam im September 1978 ein Buch auf den Markt, das die Buchbranche tatsächlich verändern und vor allem der PERRY RHODAN-Serie ein ganz anderes Gesicht verleihen sollte. Wer genau auf die Idee kam, lässt sich nicht mehr genau nachvollziehen – wahrscheinlich war es der kreative Kopf des Verlagsredakteurs Kurt Bernhardt.

Vorher war PERRY RHODAN in erster Linie eine Heftromanserie gewesen; in den 70er-Jahren galt dieses Format pauschal als »Schundroman«, vor dem Deutschlehrer und andere wohlmeinende Menschen warnten. Es ging den Kritikern selten um den Inhalt, meist wurden alle Heftromane pauschal negativ beurteilt. Und dass es von PERRY RHODAN auch Taschenbücher, Comics und Hörspiele gab, nahmen viele Menschen nicht wahr.

Von daher muss man es im Nachhinein wirklich als absoluten Glücksgriff betrachten, dass sich die neue Idee so schnell durchsetzen ließ: Man nimmt zwischen fünf und zehn der klassischen Heftromane, lässt diese gründlich bearbeiten und macht daraus ein spannendes Buch, das dann über den Buchhandel vertrieben wird. Die Verlage Pabel und Moewig, die erst Jahre zuvor zusammengefügt worden waren, wechselten damals bewusst vom Zeitschriften- in den Buchhandelsvertrieb.

William Voltz, damals der beste PERRY RHODAN-Autor, stürzte sich mit Feuereifer in die Arbeit und stellte das erste PERRY RHODAN-Buch zusammen. Wie intensiv ihm seine Frau Inge half, wird in mehreren Berichten dokumentiert; vieles, was zu jener Zeit gemacht werden musste, war echte Handarbeit. Seiten mussten ausgeschnitten und aufgeklebt werden, dann wurde handschriftlich bearbeitet.

»Die Dritte Macht« wurde ein Erfolg, mit dem niemand rechnen konnte. Das Buch mit seinem silbernen Umschlag und seinem dreidimensional wirkenden Titelbild wurde vom Fleck weg ein Bestseller und war der Beginn der umfangreichsten Buchreihe Europas. Der Verlag startete damals ein wahres Feuerwerk an Silberbänden, nicht nur PERRY RHODAN wurde in diesem Format veröffentlicht.

Auch eine Reihe »allgemeiner« Science-Fiction-Romane kamen so in den Handel, dazu brachte Moewig Bildbände mit prächtigen Science-Fiction-Motiven heraus. Richtig erfolgreich wurde aber einzig und allein PERRY RHODAN.

Anfangs brachte der Verlag zwei Bücher im Jahr heraus, später wurden es drei, und seit über fünfzehn Jahren sind es vier Stück. Die ersten zwanzig Titel bearbeitete noch William Voltz, dann übernahm Horst Hoffmann für unglaubliche sechzig Bücher die Bearbeitung. Seitdem ist Hubert Haensel für den Inhalt der Silberbände verantwortlich. Als Redakteurin innerhalb des Verlages betreut seit vielen Jahren Sabine Kropp die Bücher.

Derzeit arbeiten der Bearbeiter und die Redaktion auf einen neuen wichtigen Zwischenschritt zu – der Band 150 rückt immer näher. Und nach wie vor finden die Bücher ihre Leser: Sie tauchen nach der Veröffentlichung sofort auf den Bestsellerlisten auf; die Fans warten jeweils sehnsüchtig auf den neuen Band. Und Buchhandlungen sind seit vielen Jahren fest auf die Silberbände abonniert – wenn es zu Verzögerungen in der Erscheinungsweise kommt, und seien es nur wenige Tage, gibt es gleich telefonische Anfragen im Verlag.

Wenn ich mir vergegenwärtige, wer die Bücher liest und kauft, sind es – lasse ich die vielen Gespräche Revue passieren – nicht unbedingt die aktuellen Leser der Erstauflage. Häufig handelt es sich um Ex-Leser, die mit Hilfe der Silberbände ihre Jugenderinnerungen auffrischen wollen. Früher zumindest waren viele Leser der Silberbände wiederum Jugendliche, die von ihren Eltern oder Großeltern eher ein »gutes Buch« als einen Packen Heftromane geschenkt bekamen.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei den Silberbänden: Wir versuchen immer wieder, fehlende Titel nachzudrucken – angesichts der hohen Titelzahl ist das eine enorme logistische Herausforderung, die zudem sehr kostspielig ist. »Die Dritte Macht« ist seit 1978 ununterbrochen auf dem Buchmarkt. Ständig hält unser Partner Edel, der seit 2007 die Vertriebslizenz übernommen hat, die meisten Titel zumindest mit einigen Exemplaren auf Lager.

In diesem Jahr können wir mit den Silberbänden schon den vierzigsten Geburtstag feiern. Damit hätte 1978 niemand gerechnet. Und ich glaube nicht, dass sich das 1988 oder 1998 jemand vorstellen konnte. PERRY RHODAN ist nicht nur die größte Science-Fiction-Serie der Welt, die Silberbände sind auch noch die längste zusammenhängende Buchserie der Welt – das sind zwei Superlative, auf die wir in der Redaktion sehr stolz sind.

Auf das nächste Jahrzehnt!

16 September 2018

Die Frage nach dem Erfolgsrezept

Während ich an den ersten Texten zum PERRY RHODAN-Band 3000 sitze – dieser erscheint zwar erst im Februar 2019, aber wir arbeiten zeitig gut vor –, überlege ich mir nicht zum ersten Mal die eine oder andere »Was wäre wenn ...?«-Frage. Als Science-Fiction-Fan kenne ich solche Fragen ja, die Autoren haben so etwas im Verlauf der Jahrzehnte oft genug gefragt. Deshalb versuche ich es ebenfalls ...

Was wäre gewesen, wenn Karl-Herbert Scheer die Serie allein konzipiert hätte? (Gestern war der Todestag von K. H. Scheer, da fällt mir der Autor am ehesten ein.) Wäre sie militärischer geworden, stärker in der nahen Zukunft verankert? Hätte es Figuren wie Gucky oder die Superintelligenz ES wirklich gegeben.?

Was wäre gewesen, wenn nur Clark Darlton die Serie konzipiert hätte? Hätte es in ihr das Solare Imperium gegeben, die vielen Konflikte und Raumschlachten? Oder wäre es eher ein Epos gewesen, in dem sich phantastische Ideen in rascher Folge abwechselten?

Und was wäre gewesen, wenn William Voltz nicht schon früh »zugearbeitet« und eigene Ideen in seinen Romanen entwickelt hätte? Vor allem: Was wäre gewesen, wenn nicht ab den 500er-Bänden eine »kosmische Dimension« in die Serie eingekehrt wäre?

Wir wissen es nicht, ich weiß es nicht. Aber ich glaube, dass PERRY RHODAN über Jahrzehnte hinweg so erfolgreich gewesen ist, weil es so unterschiedliche Menschen waren, die diese Serie schrieben. Einer oder eine allein hätte es nie geschafft, diese Serie so zu gestalten, wie sie es nun seit 1961 geworden ist. Und vielleicht ist das die Antwort auf alle Fragen nach unserem »Erfolgsrezept« ...

15 September 2018

Japanische Reaktionen

Immer wieder spannend finde ich die Titelbilder der japanischen PERRY RHODAN-Ausgabe. Erhalte ich die neuen Taschenbücher als Belegexemplare, blättere ich sie neugierig durch, vergleiche auch gelegentlich das Original von Johnny Bruck mit der neuen Interpretation aus Fernost – man sieht schon, dass es unterschiedliche Kulturkreise sind.

Ebenso spannend ist es allerdings für mich, wenn ich miterlebe, wie ein Titelbild in Japan ankommt. Das aktuelle Motiv zeigt offenbar die japanische Version von Perry Rhodan selbst; das Wesen im Hintergrund hat eine leichte Darth-Vader-Ästhetik. Und Hunderte von Twitter-Nutzern sehen das Bild, kommentieren es, teilen es, äußern ihre Zustimmung ...

In Deutschland ist Twitter ein Randphänomen, auch unter Science-Fiction-Fans. In Japan ist die Reaktion anders als hierzulande – und das beobachte ich als Redakteur mit großem Interesse. Auch wenn ich die Äußerungen der Twitter-Nutzer selbst mit dem Google-Übersetzer praktisch nie verstehe ...

14 September 2018

Ein Autor und ein Con bilden das Zentrum

Ein Logbuch der Redaktion

Die Zeitschrift »SOL« lese ich immer wieder gern, die aktuelle Ausgabe 91 ist dabei keine Ausnahme. Als Redakteur der PERRY RHODAN-Serie ist das Magazin der PERRY RHODAN-FanZentrale natürlich eine Pflichtlektüre für mich; wäre ich aber »nur« ein Leser unserer Serie, hätte ich die »SOL« sicher längst abonniert.

Das vorliegende Heft traf bereits am zu Beginn des August 2018 ein, aber ich brauchte doch einige Tage, um es komplett durchzulesen. Das Magazin ist hervorragend gemacht, es liefert umfangreiche Informationen und gelungene Unterhaltung rings um unsere Serie. Christina Hacker, die als Chefredakteurin wirkt, und ihr Team schaffen es immer wieder, eine gelungene Mischung zusammenzustellen. Die 64 Seiten sind professionell gestaltet.

Ich fand vor allem das Interview mit dem Autor Michael Marcus Thurner sehr spannend. Der in Wien lebende Schriftsteller, mit dem ich seit einigen Jahren zusammenarbeite, erzählt von seiner Laufbahn und von seiner Arbeitsweise. Im Interview geht es aber auch um private Dinge, um seine Erfahrungen mit anderen Verlagen oder die Schreibcamps, die er regelmäßig veranstaltet. Eine Reihe von teilweise sehr amüsanten Bildern rundet das gelungene Gespräch ab.

Für mich war auch die umfangreiche Berichterstattung zum GarchingCon 11 interessant. Ich hatte den Con nicht besuchen können, dafür aber waren einige hundert Fans anwesend. Viele Fotos und eine bunte Abfolge unterschiedlicher Berichte geben einen schönen Eindruck von einem gelungenen Con wieder. So kann sich jemand wie ich, der verhindert war, ebenfalls ein Bild von der Veranstaltung machen.

Was ich in dieser Ausgabe übrigens ebenfalls spannend fand: Es startet eine Fortsetzungsgeschichte der besonderen Art. Jörg Isenberg schrieb den Roman, der eindeutig mit Perry Rhodan zu tun hat, aber in einer Steampunk-Szenerie spielt. Ich fand den ersten Teil sehr interessant, eine originelle Sicht auf die Serie aus einer ganz anderen Warte heraus – man muss natürlich abwarten, wie sich die Serie weiterhin entwickelt.

Dazu kommen natürlich Themen, die zu jeder »SOL«-Ausgabe gehören. Die aktuellen Romane der Serien PERRY RHODAN und PERRY RHODAN NEO werden vorgestellt und kritisch beleuchtet. Die Fan-Szene wird in interessanten Artikeln beleuchtet; so erfährt man mehr über die »Perrypedia« und die Möglichkeiten, an ihr mitzuarbeiten.

Schön ist auch ein lesenswerter Beitrag über New York. Rainer Nagel stellt die amerikanische Metropole vor, die in der PERRY RHODAN-Serie immer wieder eine Rolle spielte, vor allem in der frühen Phase der Serie. (Wer erinnert sich an die Roboter und ihren Kaiser, die sich in New York breitmachten?)

Insgesamt hat mich das abwechslungsreiche Heft sehr angesprochen. Die zahlreichen Illustrationen ergänzen die Texte in vorbildlicher Weise – als PERRY RHODAN-Leser werde ich hier hervorragend versorgt. Schön!

(Wer sich für diese »SOL« interessiert, sollte sich auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-FanZentrale informieren. Wer Mitglied in dieser Vereinigung ist, erhält das Heft sowieso. Alle anderen können es bestellen.)

13 September 2018

Das Despina-Mysterium

Ich finde ja selbst, dass der Titel des Romans ein wenig sperrig ist, bin aber der Ansicht, dass er trotzdem zu seinem geheimnisvollen Charakter passt. Und seien wir ehrlich: Mit seinem tollen Titelbild sorgt Dirk Schulz dafür, dass »Das Despina-Mysterium« am Kiosk und auch im E-Book-Shop ein echter Hingucker ist. Der Roman mit der Nummer 2979 kommt in der nächsten Woche in den Handel.

Sowohl der Autor als auch der Titelbildkünstler sorgten dafür, dass zwei wichtige Figuren unserer Serie gut in Szene gesetzt wurden. Der Arkonide Atlan und der Haluter Icho Tolot sind ein ungewöhnliches Gespann, das mit dem Planeten Neptun zudem eine faszinierende Szenerie als Schauplatz für ihr Abenteuer erhalten hat.

Übrigens erfahren die Leser in diesem Roman auch ein wenig darüber, was Haluter eigentlich in ihrer Freizeit machen. Diese Szenen fand ich bei der Lektüre des Manuskriptes teilweise sehr amüsant ...

12 September 2018

Die klassischen Mutanten gehört

Dieser Tage verspürte ich Lust, in einen echten PERRY RHODAN-Klassiker abzutauchen: Ich hörte »Mutanten«, das dritte der klassischen Hörspiele. Erstmals war es in den frühen 80er-Jahren erschienen, damals in Form einer Kassette, dann noch einmal Ende der 90er-Jahre und dann in Form einer CD.

Was sofort auffiel: Man erzählt Hörspiele heute tatsächlich anders, die Geschichte gefiel mir trotzdem sehr gut.

Der Anfang mit John Marshall – der Telepath greift quasi in einen Banküberfall ein – ist spannend; später taucht mit Tako Kakuta ein Teleporter auf. Perry Rhodan reist durch die Welt, er bekommt eine Hypnoschulung, und am Ende wird ein Angriff der Fantan-Leute abgewehrt. Im Original-Roman aus den 60er-Jahren steckt viel an Handlung, die für das Hörspiel drastisch zusammengefasst werden musste.

Die wesentlichen Teile wurden trotzdem eingearbeitet. So finden die dauernden Streitereien zwischen Rhodan und Thora ebenso ihren Platz wie die Pläne Crests, der sich eine gemeinsame Zukunft von Arkoniden und Menschen ausmalt. Für Action ist ebenfalls gesorgt.

Ich fand vor allem die Effekte hervorragend. Wenn sich jemand im Raumschiff bewegt oder sonst etwas tut, wird das immer deutlich mit Geräuschen unterlegt. Für das Raumgefecht oder den Angriff auf einen Tunnel werden spezielle Effekte eingesetzt, dazu kommen die Musik mit ihrer Mischung aus klassischen Streichern und elektronischen Elementen sowie die Stimmen der Sprecher, die allesamt ihr Handwerk verstehen. (Allein die Tatsache, dass Crest wie ein Österreicher klingt, verwirrt mich heute noch.)

Alles in allem ist »Mutanten« ein klassisches Hörspiel der besten Sorte. Gelangweilt habe ich mich keine Sekunde lang. Ich glaube, ich werde über meine Recherchen hinaus noch weitere der Klassiker anhören. (Und wen ich jetzt neugierig gemacht habe: Die Hörspiele kann man sich bei den einschlägigen Streaming-Plattformen legal anhören.)

10 September 2018

Der Spiegelteleporter

Seit es die PERRY RHODAN-Serie gibt, lebt sie unter anderem von ihren ungewöhnlichen Figuren. Ob es nun Menschen sind, die in Gefahren über sich hinauswachsen, oder Menschen, die besondere Gaben aufweisen – als Leser behält man sie lange Zeit im Gedächtnis. Ich weiß noch nicht, ob das bei der Hauptfigur des Romans »Der Spiegelteleporter« auch so sein wird, mag diese auf jeden Fall sehr.

Michelle Stern zeigt in diesem Roman, der die Nummer 2978 trägt und diese Woche in den Handel kommt, wie ein besonderer Mensch in einen besonderen Einsatz gehen muss. Kaleb Barasi hat eine Gabe, wie wir sie bislang nicht geschildert haben; die Autorin stellt sie glaubhaft und spannend vor. Ich habe die Geschichte in Manuskriptform sehr gern gelesen.

Was mir übrigens auch gefallen hat: Prolog und Epilog haben eine andere Perspektive. Diese ist geradezu warm, sie spiegelt Gefühle wieder. »Dein Vater ist unterwegs, dir die Sterne zurückzuholen« – das ist für mich ein großartiger Satz!

05 September 2018

Taschenbuch-Gedanken für 2019

Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Derzeit beschäftigen sich einige Menschen damit, neue PERRY RHODAN-Taschenbücher auf den Weg zu bringen – auch in dieser Woche. Die Autoren schreiben bereits an den Manuskripten, ein Zeichner arbeitet an den Titelbildern, in unserem Partnerverlag werden Marketingüberlegungen entwickelt, und ich als Redakteur brüte über Texten, die ich bereits erhalten habe.

Es geht um Raumschiffe und fremde Welten, um Außerirdische und Terraner, um Verbindungen zur Vergangenheit unserer Serie und einige aktuelle Bezüge. Mich sprechen die Ideen und Konzepte an, und ich hoffe, dass die drei Romane auch gut ankommen werden.

Welche Taschenbücher von welchen Autoren es genau sind und wann diese in welchem Verlag erscheinen werden, gebe ich rechtzeitig bekannt. Das muss mit dem Partnerverlag besprochen werden. Aber es ist jetzt schon sicher, dass 2019 brandneue PERRY RHODAN-Lektüre auf unsere Leser zukommen wird ...

04 September 2018

Ende eines schönen WeltCons

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Der WeltCon in Saarbrücken sollte am Sonntag, 7. September 1986, mit einem sogenannten Happening ausklingen. Die Fans konnten sich darunter nicht so viel vorstellen, und ich wusste auch nicht, woher dieser Begriff eigentlich kam. Den Abschluss eines großen Cons bezeichnete man bei internationalen Veranstaltungen dieser Art als »Closing Ceremony«. Wahrscheinlich wollte man in Saarbrücken einen anderen Weg einschlagen.

Als junger Verlagsangestellter war ich an diesem Nachmittag noch einmal in verschiedenen Räumlichkeiten unterwegs. Journalisten mussten informiert, Autoren zu ihren Programmpunkten geleitet werden. Wenn ich zwischendurch Luft hatte, plauderte ich mit Fans – viele davon kannte ich schließlich seit Jahren – und sorgte dafür, dass die »Backstage«-Räume langsam ausgeräumt wurden.

Leider konnte ich mit Oliver Scholl nur wenige Worte wechseln. Der Risszeichner hatte im Verlauf des Wochenendes ein Bild erstellt: mit feinen Spraydosen auf einer großen Wand. Immer wieder waren Besucher stehen geblieben, hatten ihm zugeschaut und mit ihm gesprochen. Bei mir hatte es nur zu einem »hallo« und unverbindlichem Geplänkel gereicht, weil ich ständig unterwegs gewesen war. Nun war der Zeichner am Ende, und bevor wir – wie geplant – richtig miteinander reden konnten, verlor ich ihn aus den Augen.

(Wir sahen uns danach einige Jahre lang nicht mehr. Oliver Scholl zog bekanntlich nach Kalifornien, arbeitete anfangs für einen gewissen Roland Emmerich und später für praktisch alle großen Produzenten in Hollywood. Wir trafen uns erst in den frühen Nullerjahren wieder.)

Als das Happening begann, stand ich im Saal, nicht hinter der Bühne. Neben mir stand eine junge Grafikerin, die viel für die optische Gestaltung des WeltCons getan hatte. So bekam ich die Fan-Perspektive mit und hatte nicht den »offiziellen« Blick auf das Geschehen.

Immerhin war der Saal voll, die meisten Besucher blieben bis zum Ende der Veranstaltung und reisten nicht früh ab. Weil viele ihr Gepäck mit sich führten, standen und lagen viele Taschen unter den Stühlen und entlang der Wände.

Noch einmal trat die holländische Band SENSUS auf. Der PERRY RHODAN-Song kam gut an, aber es gab erste Pfiffe, weil die Band für den Geschmack mancher Con-Besucher viel zu lange brauchte. Die Unmutsäußerungen in meiner Nähe waren eindeutig.

Vielleicht war der Witz für manche auch schon vorbei: Ich wusste, dass viele PERRY RHODAN-Leser auf »ganz normale« Rockmusik standen und sie mit der Synthesizer-Musik der Holländer nicht viel anfangen konnten. Beim ersten Auftritt hatte man den Sound toleriert, vor allem wohl, weil die Melodie »unseres« Liedes so gut ins Ohr ging – beim zweiten Mal hatte man keine Lust mehr darauf.

Danach wallte erneut Trockeneisnebel über die Bühne, bevor Linda Ivanus-König mit dem Mikrofon nach vorne trat, gekleidet in einen silberglänzenden Anzug, den sie extra für die Veranstaltung hatte herstellen lassen, bunte Farbsträhnen im Haar, »auf Science Fiction gestylt«. Sie begann ihre Rede mit »Dreizehn waren nicht da«. Angeblich hätten 4987 Fans den Con besucht, und es hätten nur dreizehn Personen gefehlt, um die 5000 voll zu machen.

Der Saal tobte vor Begeisterung. Ich war einigermaßen verwundert, weil ich die Zahl für deutlich zu hochgegriffen hielt. Wie viele Besucher in der Saarlandhalle waren, wusste ich nicht; mehr als 3000 Personen passten aber nicht auf die Stühle. Ich verdrängte die Zahl und schob sie auf »gutes Marketing«, während rings um mich applaudiert wurde.

Dann holte Linda Ivanus-König die Ehrengäste auf die Bühne. Für jeden Autor erklang noch einmal Applaus, ebenso bei Johnny Bruck und den Risszeichnern, bei den anderen Ehrengästen. Blumen wurden verteilt, Autoren umarmt, es war eine schöne Zeremonie. Sie holte die Helfer nach vorne, die Verlagsangestellten. Am Ende stand die Bühne voller Autoren und Helfer, umwabert vom Trockeneisnebel.

Nur einen Mitwirkenden vergaß die Veranstalterin – das war ich. Die ganze Zeit hatte ich mich darauf gefreut, auch auf die Bühne zu dürfen, um »meinen« Applaus in Empfang zu nehmen, aber diese Aufforderung kam nicht.

Ich stand zwischen den Fans, die von meiner Bestürzung nichts mitbekamen, und fühlte mich wie betäubt. Ich war 22 Jahre alt, las seit neun Jahren PERRY RHODAN und hatte mich für den WeltCon stark ins Zeug gelegt. Und jetzt wurde mir nicht einmal öffentlich dafür gedankt. Es kam mir vor, als hätte ich eine schallende Ohrfeige erhalten.

Die Grafikerin stieß mich an. »Hey, sie hat mich auch vergessen«, sagte sie und lachte. Ihr war es nicht wichtig, mir schon, aber ihre gute Laune steckte mich an, und ich kam in bessere Stimmung.

Den Rest des Happenings bekam ich nicht mehr mit, ich musste wieder arbeiten. Noch während die Gäste auf der Bühne ihren Schlussapplaus erhielten, verließen die Fans in Scharen die Halle. Vor der Tür standen bereits die Busse, die sie zum Bahnhof bringen würden – von dort ging ein Sonderzug nach Mannheim, und von Mannheim aus würden sich die bahnreisenden Besucher des WeltCons auf den Heimweg begeben.

Irgendwann war die Halle leer. Wir räumten auf, was wegzuräumen war; ich packte vor allem das Material aus dem Pressezentrum ein und stellte die Kisten auf irgendwelche Paletten. Arbeiter der Saarlandhalle machten sich daran, die Dekoration der Bühne abzubauen. Sie würden die künstliche Planetenlandschaft einfach einreißen und in den Müll werfen. Das fand ich schade, aber es war nicht zu ändern.

Zum gemeinsamen Abendessen fanden wir uns später im Restaurant der Saarlandhalle ein. Der Direktor der Halle hielt eine Rede, in der er sich für die hervorragende Zusammenarbeit bedankte. Linda Ivanus-König hielt ebenfalls eine Rede, in der sie sich vor allem bei ihm bedankte. Ich saß zwischen den Helfern, trank eine Apfelschorle nach der anderen und applaudierte brav.

Nach ihrer Ansprache kam Linda Ivanus-König zu mir und sprach mich an. Sie habe mich vergessen, es sei ihr sehr peinlich, aber sie habe mich nicht gesehen, und deshalb solle ich es ihr nicht übel nehmen, dass sie mich nicht auf die Bühne gerufen habe. Sie nahm mich in den Arm und drückte mich, und dann war ich doch zufrieden.

Der Rest des Abends verlief fröhlich. Ich unterhielt mich mit Fans und Autoren, wir ließen den WeltCon noch einmal Revue passieren. Und wir waren uns alle sicher: Zum 25 Jahren PERRY RHODAN hatten wir eine wunderbare Veranstaltung geschaffen.