18 Juni 2018

Zwei Fußballromane

Seit dem 14. Juni 2018 läuft wieder eine Fußball-Weltmeisterschaft der Männer, diesmal in Russland. Viele Leser unserer Serie interessieren sich für Fußball, auch mancher Autor ist begeistert von diesem Sport. Seit Jahren und Jahrzehnten gibt es deshalb Anspielungen in den Romanen, teilweise so gut versteckt, dass nicht einmal ich als Redakteur sie alle kenne.

Aber wir haben tatsächlich im Verlauf der Jahre zwei Romane zum Fußball veröffentlicht. Im Rahmen einer Sonderaktion bieten wir sie derzeit als Gratis-E-Books an – damit Fußballfreunde, die sonst nicht zu PERRY RHODAN greifen würden, vielleicht mal einen Blick wagen. Und weil ich an beiden Romanen mitgewirkt habe, erlaube ich mir, das an dieser Stelle »abzufeiern«.

Uwe Anton schrieb mit »Die Lichtgestalt« (PERRY RHODAN-Band 2020) den ersten Fußballroman. Der bekennende Bayern-Fan wählte den Titel mit Absicht, in seinem Roman geht es um einen jungen Spieler, der sich stets als talentiert erweist – auch wenn er offenbar ein Mutant ist und deshalb in einen gefährlichen Verdacht gerät. In diesem Roman wurden die Spielregeln des Fußballs der fernen Zukunft klar definiert, was ich bis heute amüsant finde.

Robert Feldhoff war Fan von Oldenburg – ich weiß leider nicht mehr, in welcher Liga dieser Verein im Jahr 2006 spielte. In jenem Jahr veröffentlichten wir den Roman »Das Wunder von Terra«. Eigentlich war es ein Roman über Solidarität und Begeisterung, ganz nebenbei auch einer, in dem es darum ging, dass man – wenn man zusammenhält – sogar gegen starke Feinde eine Chance haben kann.

Mir ist klar, dass nicht jeder Mensch die Sportart Fußball mag. Deshalb erhielten wir zu beiden Romanen damals viel Lob und viel Kritik. Ich fand und finde sie trotzdem gut. Und wenn in diesem Sommer eben in vielen Wohnungen der König Fußball regiert, schadet es ja nicht, das mit der größten Science-Fiction-Serie der Welt zu verknüpfen …

17 Juni 2018

Gespräche mit Autoren und Bloggern

Am zweiten Tag des Literatur-Camps in Heidelberg stelle ich wieder einmal fest, dass es ganz schön anstrengend sein kann, wenn man den ganzen Tag über Literatur im Allgemeinen, Science Fiction im Besonderen und PERRY RHODAN im Ganzbesonderen redet. Unter anderem werde ich von Bloggerinnen und Bloggern angesprochen, die wissen wollen, wie wir eigentlich an der Serie arbeiten und welche Aufgaben es da gibt.

Autorinnen und Autoren interessieren sich für die »ganz normalen« Abläufe in einer Romanserie, auch dafür, wie man da einsteigen kann. Gelegentlich kann ich in solchen Gesprächen auch Robert Corvus zu Rate ziehen, der sich ebenfalls auf dem Camp aufhält und sich sichtlich amüsiert.

Schon jetzt kann ich sagen, dass die Veranstaltung sinnvoll war. Auch dass wir sie unterstützt haben, bewerte ich als sinnvoll. Ob es erfolgreich war, müssen wir später beurteilen.

16 Juni 2018

Mit PERRY RHODAN auf dem LitCamp18

An diesem Wochenende findet in Heidelberg zum dritten Mal das LitCamp statt; wir haben uns dieses Jahr entschieden, die Veranstaltung ein wenig zu unterstützen. Also tritt die PERRY RHODAN-Serie als offizieller Sponsor auf – unser Werbematerial liegt aus, Displays mit unserem Markennamen sind zu sehen, und wir sind auch »in Persona« vor Ort.

Als Redakteur bin ich in Heidelberg, um zu sehen, was es an neuen Trends und Autoren gibt. Philine-Marie Rühmann sucht neue Social-Media-Kontakte, und Madlen Bihr – beide im Bild zu sehen – interessiert sich generell für Literatur. Und ganz nebenbei »promoten« wir die Marke PERRY RHODAN.

Solche Veranstaltungen kann man durchaus mit einem Con oder einer anderen Fan-Veranstaltung vergleichen. Es geht um Literatur im Allgemeinen, und da zählt unsere Serie natürlich dazu. (In meinem Fall: Man lernt immer dazu.)

15 Juni 2018

Der InfoTransmitter lohnt sich

Ich möchte heute auf eine Publikation aus unserer Redaktion hinweisen, die – normalerweise zumindest – nicht gedruckt wird: Der PERRY RHODAN-InfoTransmitter ist unser Newsletter, der in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen an die Menschen verschickt wird, die ihn abonniert haben. Er kostet erfreulicherweise nichts.

Der InfoTransmitter ist eine Erfindung von Eckhard Schwettmann und existiert seit Anfang der Nuller-Jahre, wenn ich mich recht erinnere, mit Vorläufern in den 90er-Jahren. Im Verlauf der Jahre wurde er von verschiedenen Menschen betreut, die ihn jeweils prägten.

Über eine längere Zeit war Miriam Hofheinz vom PERRY RHODAN-Marketing für ihn verantwortlich, dann übernahm Christian Montillon. Ab 2014 übernahm Rainer Nagel den InfoTransmitter; seit Anfang 2018 ist Philine-Marie Rühmann aus unserer Abteilung dafür zuständig.

An der grundsätzlichen Ausrichtung hat sich wenig geändert: Der InfoTransmitter informiert über aktuelle Themen rings um PERRY RHODAN, stellt aktuelle Romane vor und liefert Links, über die man auf unsere Internet-Seite kommt – von dort aus gibt es dann weitergehende Texte und Bilder. Wer sich für de InfoTransmitter interessiert, gehe einfach auf die Startseite unseres Internet-Auftritts und scrolle dort weit genug nach unten ...

14 Juni 2018

Der Sternenring

Wer ist Florence Hornigold? Hätte man mich das vor einigen Wochen gefragt, hätte ich keine Antwort gewusst. Mir wäre maximal eingefallen: »Das ist eine unwichtige Nebenfigur aus der aktuellen Serienhandlung.« Spätestens aber, nachdem Christian Montillon das Manuskript von »Der Sternenring« abgeliefert hatte, war mir der Name ein Begriff.

Der Autor machte nämlich etwas, das ich immer wieder verblüffend finde: Er nahm eine Figur aus dem Exposé, die eigentlich keinen großen Stellenwert gehabt hätte, und erzählte den Roman zu einem großen Teil aus ihrer Perspektive. Das veränderte die Geschichte tatsächlich und machte sie – für meinen Geschmack auf jeden Fall – origineller und spannender.

Mit dieser Raumschiffkapitänin hat der Autor eine Figur auf den Plan geholt, von der wir bald wieder hören werden. Nach diesem Roman war nämlich klar, dass wir sie nicht »einfach so« in der Versenkung verschwinden lassen würden. Das alles ist für mich ein Beleg dafür, dass die Arbeit an einer Romanserie immer wieder Überraschungen mit sich bringt ...

13 Juni 2018

Arche der Schläfer

Als wir im Jahr 2011 die Serie PERRY RHODAN NEO starteten, hatten wir vor, die wichtigsten Themen aus der klassischen PERRY RHODAN-Serie zu nehmen und sie neu zu interpretieren. Es war also klar, dass wir bekannte Namen benutzen würden, dass wir aber ebenso komplett neue Geschichten erzählen mussten – eine Eins-zu-Eins-Nacherzählung der klassischen Serie hätten wir langweilig gefunden.

Der Roman dieser Woche ist ein schönes Beispiel dafür, wie bekannte Elemente mit neuen verknüpft werden. Madeleine Puljic schrieb »Arche der Schläfer«. Begriffe wie Impos oder Moloch tauchen in der klassischen Serie auf, die gesamte Geschichte um die mysteriöse Arche ist aber eine Neuerfindung der aktuellen Exposéautoren. Ich finde diese Vermengung sehr gelungen.

Das liegt auch an der Arbeit der Autorin. Madeleine Puljic ist es gelungen, die verschiedenen Facetten der Handlung – die auf mehreren Ebenen spielt – in den Griff zu bekommen. Figuren wie Perry Rhodan oder Icho Tolot tauchen ebenso auf wie Ambrose Escher, der in früheren Zeiten als Journalist gearbeitet hat. Spannend!

11 Juni 2018

Wie das digitale Denken begann

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Im Spätsommer 1995 hatte sich das Verhältnis zwischen der PERRY RHODAN-Redaktion und der neuen Verlagsleitung der Buchverlage nicht gerade optimal entwickelt. Im Buch- wie auch im Zeitschriftenbereich waren viele Kolleginnen und Kollegen entlassen worden, darunter der Chefredakteur der Heftromanserien. Der neue Verlagsleiter verfolgte einen Kurs, der einerseits Kostensenkungen enthielt, andererseits den Verlag in eine neue Zeit bringen sollte.

Das merkte ich, als ich im August 1995 zu einem Vier-Augen-Gespräch bestellt wurde. Nach einigem oberflächlichen Gerede kam Bernhard Maurer zur Sache. Wie ich mir denn die Zukunft vorstelle und ob ich glaubte, die PERRY RHODAN-Serie würde auch noch in zehn oder zwanzig Jahren existieren.

»PERRY RHODAN wird auf jeden Fall Band 2000 erreichen«, versicherte ich, völlig von der Arbeit der Autoren und der Begeisterung der Leser überzeugt. »Aber wie lange es noch Heftromane geben wird, weiß ich nicht.«

Seit Mitte der 80er-Jahre war das Heftromangeschäft im Rückzug. Verschiedene Verlage hatten aufgegeben, darunter der Zauberkreis-Verlag, der in Rastatt »auf der anderen Straßenseite« existiert hatte, keine 200 Meter von uns entfernt. Auch der Pabel-Moewig Verlag hatte in den 90er-Jahren zahlreiche Heftromanserien eingestellt. Es wurde gemunkelt, dass außer PERRY RHODAN und dem »Landser« – den niemand mochte, der aber wirtschaftlich erfolgreich war – nicht viel die aktuelle Kürzungswelle überstehen würde.

Bernhard Maurer fragte nach: »Wie meinen Sie das denn? Werden die Leute nur noch unsere Bücher kaufen?«

Ich war überzeugt davon, dass eine Zukunft der PERRY RHODAN-Serie vor allem im Buchgeschäft liegen müsste. Wir sollten, so argumentierte ich, neue Buchreihen starten und die Serie stärker im Buchhandel verankern. Zudem sollten wir versuchen, ein neues PERRY RHODAN-Magazin in den Handel zu bringen.

Der Verlagsleiter fragte mich nach den Erfolgsaussichten für eine digitale Verwertung der Romane. »Werden die Leute irgendwann die Romane am Bildschirm lesen?«

Ich wusste, dass es sogenannte DFÜ-Stammtische gab, in denen über die moderne »Datenfernübertragung« diskutiert wurde, und ich hatte davon gehört, dass es bereits Romane gab, die über Disketten vertrieben wurden. Schon in den späten 80er-Jahren hatte Wilfried A. Hary, der ehemalige ATLAN-Autor, damit angefangen. Der Autor verlegte die sogenannten Diskomane – ein Begriff, den er begründet hatte –, bei denen er seine Romane auf Disketten spielte, die man daheim auf dem Computer lesen konnte.

Ich wusste, dass auch Fans in diese Richtung gingen. Weil ich seit 1986 die PERRY RHODAN-Clubnachrichten betreute, hatte ich einen guten Einblick in die Aktivitäten der Fans. Ich erzählte von den »Raumschiff Orion«-Romanen, die Fans schrieben, dann aber nicht druckten, sondern auf Disketten in Umlauf brachten.

Maurer wiederum erzählte von den Bemühungen der Technologie-Konzerne, das digitale Lesen zu kommerzialisieren. Seinen Informationen nach experimentierte beispielsweise Sony seit Jahren damit, eigene Lesegeräte zu entwickeln. Noch steckte der Vertrieb der Datenträger in den Kinderschuhen.

CD-ROMs waren der neueste Schrei. Mein alter Freund Carsten Scheibe verdiente sein Geld damit, dass er CD-ROMs zusammenstellte, auf denen Freeware-Programme und Bilder vertreten waren.
»Was also liegt näher, als unsere Romane auch auf solchen Datenträgern zu verkaufen?«, überlegte Maurer laut. Seine Vision, die er mir skizzierte, war noch unausgereift, aber er wollte die PERRY RHODAN-Serie insgesamt digitalisieren.

»Aber das geht nicht mit dem bisherigen Vertrag, den wir mit den Autoren geschlossen haben«, sagte er. Zuerst verstand ich ihn nicht, dann erklärte er es mir am Beispiel eines Bleistiftes, den er hochhielt. »Wenn ich Ihnen jetzt diesen Bleistift für eine Mark verkaufe, gehört er Ihnen, und Sie können damit machen, was Sie wollen.«

Das leuchtete komplett ein. Dann aber fügte er hinzu: »Wäre ich aber ein Autor, müssten Sie mir jedes Jahr ein wenig Geld dafür geben, dass Sie meinen Bleistift benutzen können.«

Ich verstand, in welche Richtung er gehen wollte, und verwies auf das Urheberrecht. Die Autoren seien die Urheber der Romane, und für ihr geistiges Eigentum müssten wir sie prozentual beteiligen.

»Wir müssen den Verlag und die Serie zukunftsfähig machen«, sagte er. »Das geht nicht mit den alten Verträgen.« Deshalb müsse man diese anpassen.

Mir war klar, dass er es anders sah als ich, und wir schieden wieder einmal nach einem langen Gespräch im Streit. Ich verstand, dass er einen visionären Weitblick hatte, der vieles von dem überstieg, was ich sonst in der Verlagswelt wahrnahm. Weil er aber vorher in der Konsumgüter-Industrie gearbeitet hatte, war seine Denkweise weit entfernt von der eines kreativen Autoren oder eines Redakteurs, der – wie ich – zumindest glaubte, kreativ mit den Autoren zusammenzuarbeiten …

10 Juni 2018

Trilogie-Vorarbeiten

Auf dem GarchingCon in Trudering haben Sabine Kropp und Klaus Bollhöfener darüber informiert, dass PERRY RHODAN im Jahr 2019 mit neuen Taschenbüchern aufwarten wird. Sie haben auch ausgesagt, dass eine Trilogie geplant ist. Und genau mit diesem Thema beschäftige ich mich heute.

Die Autoren und ich kommunizieren seit Monaten zu diesem Thema – nicht vorrangig, aber immer »ein bisschen«. In diesen Tagen starten wir langsam in die heiße Phase; die Ideen liegen auf dem Tisch, die Konzepte sind klar, es geht an die Einzelheiten. Und ab dem Sommer diesen Jahres muss geschrieben werden.

Selbstverständlich verrate ich an dieser Stelle weder, in welchem Verlag diese Taschenbücher veröffentlicht wrden, noch erzähle ich etwas über die Inhalte. Das reichen wir nach, sobald wir einige Dinge klarer fixiert haben.

Derzeit knobeln wir noch an Exposés und Titelvorschlägen – sind also noch in einer frühen Schaffensphase. Aber es ist nur eine Frage der Zeit ...

09 Juni 2018

Der Mutaktor

Mit einem wehmütigen Blick schaue ich auf das Exemplar des zwölften Romans unserer Miniserie PERRY RHODAN-Olymp. »Der Mutaktor« schließt in wenigen Tagen eine zwölfteilige Serie ab, die uns in der Redaktion viel Freude bereitet hat; den Lesern zumeist ebenfalls, wenn ich mir die Reaktionen so anschaue.

Wir hatten diesmal nicht so viel Zeit, die Serie vorzubereiten, sondern gingen sie mit viel Elan und Engagement an.  Das hat der Serie nicht geschadet.

Susan Schwartz hat in ihren Exposés eine Reihe von faszinierenden Charakteren geschaffen und den Schauplatz Olymp mit ganz neuem Leben versorgt. Die Autorinnen und Autoren haben eigene Handlungslinien entworfen, die sie neben das Exposé stellten.

So entstand eine Serie, die wie ein harmonisches Ganzen wirkt. Ich finde, darauf können wir stolz sein.

08 Juni 2018

Ein Report für K.H.S.

Für mich ist die PERRY RHODAN-Serie – vor allem in ihren Anfängen – immer von zwei Strömungen geprägt gewesen: einerseits eine technisch-korrekte, manchmal militärisch ausgerichtete Linie, andererseits eine utopisch-phantastische, häufig sehr pazifistisch ausgerichtete Linie. In den frühen Jahren konnte man beide Linien auf die Gründungsautoren K. H. Scheer und Clark Darlton zurückführen, und ohne die Zusammenarbeit der beiden wäre die Serie in den 60er-Jahren nicht so erfolgreich gestartet.

Am 19. Juni 2018 würde K. H. Scheer neunzig Jahre alt werden. Aus diesem Grund hat meine Kollegin Madlen Bihr den PERRY RHODAN-Report 521 mit Beiträgen zu dem Gründungsautor gefüllt. Das fand ich richtig klasse – da bekommt man als Leser noch mal ganz neue Einblicke.

Johannes Rüster schreibt beispielsweise – durchaus subjektiv – über Scheer als Phantasten, Satiriker, Pazifisten und Feministen. Rainer Nagel spekuliert darüber, wie sich die Serie ohne den Scheer-Einfluss entwickelt hätte – sehr spannend! Und Hermann Urbanek berichtet darüber, was K. H. Scheer außerhalb der PERRY RHODAN-Serie publizierte.

Dieser PERRY RHODAN-Report ist in meinen Augen ein gelungenes Beispiel dafür, wie wir in unserer Serie mit der Vergangenheit umgehen: durchaus mal mit einem gewissen Augenzwinkern, aber immer mit dem größten Respekt vor den Leistungen der früheren Autoren. Wir stehen mit unserer Arbeit letztlich auf ihren Schultern ...

07 Juni 2018

Ein weißer Haluter

Am 13. April 1999 erschien der Roman »Ein weißer Haluter« mit der Bandnummer 1964, verfasst von Horst Hoffmann; das Exposé dazu schrieb Robert Feldhoff. Mit Blo Rakane erlebt eine neue wichtige Hauptfigur ihren ersten großen Auftritt; daneben spielen der Mausbiber Gucky, der Haluter Icho Tolot und die Psychologin Bré Tsinga wichtige Rollen.

Das ist genau tausend PERRY RHODAN-Bände her, und es ist spannend, sich heute anzuschauen, welche Elemente damals vom Exposé als neu betrachtet wurden. Robert Feldhoff baute stets aktuelle Themen ein, die einen Roman seiner Ansicht nach aufwerten könnten.

So geht es unter anderem um Mikromaschinen, die sich im Körper von Michael Rhodan befinden. Heute würde man sie als Nanogenten oder Nanomaschinen bezeichnen; damals waren solche Begrifflichkeiten noch nicht in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen. Die dezentralen Elemente, die laut Exposé »die Puzzlestücke eines Konditionierungs-Chips« bilden, sind sehr gefährlich und lassen sich nur unter größten Mühen entfernen.

Ein wichtiges Thema in diesem Roman ist, dass Haluter »beim Kristallimperium einen ausgedienten Flottentender« gekauft haben. Das Exposé legt Wert darauf, dass dafür ein »irrer, völlig überteuerter Preis« bezahlt worden ist. Die Haluter seien »kaum ins galaktische Währungssystem eingebunden«, weshalb sie große Schwierigkeiten haben sollten, den Tender zu bezahlen.

Der Exposéautor hatte damals die europäische Währungsunion vor Augen. Der Euro wurde bekanntlich erst 2002 eingeführt – es gibt also gewisse Parallelen zwischen der Milchstraße und der Europäischen Union.

06 Juni 2018

Späher im Dakkarraum

Seit Uwe Anton mit dem Roman »Der Sternenwanderer« – von dem er etwa die Hälfte schrieb – den Arkoniden Atlan zurück in die Handlung der PERRY RHODAN-Serie schreiben konnte, hat er offenbar eine besondere Freude an dem »alten Beuteterraner« gefunden. In dem Roman, der diese Woche erscheint, setzt er Atlan nämlich wieder in Szene, erneut an einem besonderen Ort.

Sein Roman trägt den Titel »Späher im Dakkarrum«, das Titelbild dazu stammt von Dirk Schulz und zeigt – ganz eindeutig – Atlan in einer eher unangenehmen Lage. Kein Wunder: Der ehemalige Kristallprinz stößt auf ein »Gebilde« und erfährt mehr über eine Wesenheit namens GESHOD.

Dabei spielt auch eine Reihe von ungewöhnlichen Charakteren eine wichtige Rolle ... Einige von ihnen werden die Leser in weiteren Romanen in Aktion erleben – das kann ich sicher ankündigen, ohne zuviel zu verraten.

05 Juni 2018

Ein Künstler wird umfassend präsentiert

Ein Logbuch der Redaktion

Seit den frühen 80er-Jahren ist Alfred Kelsner einer der Künstler, die das Gesicht der PERRY RHODAN-Serie prägten. Ein Buch über sein Leben und vor allem sein Werk erschien bereits 2013, es wurde von Eckhard Schwettmann im Marlon-Verlag veröffentlicht.

Ich gestehe, dass ich das Buch jahrelang in einem Stapel meines Büros liegen ließ – auch wegen des viel zu frühen Todes seines Herausgebers. In den vergangenen Wochen las ich es endlich komplett durch.

Angesichts des Geburtstages, den Alfred Kelsner heute feiern kann, wird es wohl Zeit, dass ich es ausführlicher vorstelle. Das Werk porträtiert einen Künstler, der mit seinem Stil für die klassische Science Fiction steht, aber gerade deshalb viele Fans hat. Ein Kelsner-Bild strahlt seinen ganz besonderen Reiz aus: die Unendlichkeit des Alls, die Vielschichtigkeit des Universums, dazu faszinierende Raumschiffe oder skurrile Außerirdische.

Ein Bild von Alfred Kelsner sieht – das muss man offen zugeben – im Original stets viel besser aus als in der gedruckten Version. Alfred malt seine Bilder komplett von Hand, viel wird auch mit der Spritzpistole erledigt. Auf die Unterstützung durch Computerprogramme verzichtet er komplett. Wer einmal die Gelegenheit hatte, ihm bei der Arbeit zuzusehen, wird das wohl nie vergessen.

All diese Aspekte skizziert das Buch mit vielen detaillierten Schilderungen. Damit macht es noch einmal klar, welchen Einfluss Alfred Kelsner auf die PERRY RHODAN-Serie hatte. Jahrelang gestaltete er die Titelbilder der Planetenromane, in den 90er-Jahren war er auch für die Cover der Neuauflage im Heyne-Verlag verantwortlich. Nach 1995 stieg er in das Team der PERRY RHODAN-Titelbildzeichner ein und prägte somit einen weiteren Teil des größten Science-Fiction-Kosmos der Welt.

Der Bildband »PERRY RHODAN-Illustrator Alfred Kelsner« zeigt all diese Illustrationen. In vielen Anekdoten erzählt der Künstler von seinen Bildern, hinzu kommt ein umfangreiches Interview mit ihm. Autorinnen und Autoren äußern sich zu seiner Kunst und wie sie von ihr beeinflusst worden sind.

»Besonders der tiefere Gedanke, die Ursprungsfrage, der kosmische Hintergrund und die Hochtechnologie interessieren mich«, äußert sich Alfred Kelsner im Buch über seine Faszination für die PERRY RHODAN-Serie.

Entstanden ist ein großformatiges Hardcover-Buch, das auf seinen 288 Seiten rund 1500 Abbildungen enthält, viele von ihnen farbig. Zum Preis von 39,95 Euro und mithilfe der ISBN  978-3-943172-39-3 kann man es nach wie vor in jeder Buchhandlung bestellen. Internet-Versandhändler wie der PERRY RHODAN-Shop können es ebenfalls liefern.

04 Juni 2018

Ein WeltCon-Tag in Saarbrücken

Der Samstag, 6. September 1986, begann mit einer echten Show, zumindest für die Tausende von PERRY RHODAN-Fans, die zu diesem Ereignis nach Saarbrücken gefahren waren. Linda Ivanus, die Chefin der Abteilung Public Relations der Verlagsgruppe Pabel-Moewig, betrat die Bühne und begrüßte die Con-Besucher. Als Co-Moderator hatte sie Clark Darlton mitgebracht – der PERRY RHODAN-Autor war immer ein Garant für hervorragende Stimmung.

Die beiden leiteten in das eigentliche Programm ein. Sie holten die Autoren und Con-Teilnehmer auf die Bühne, immer wieder dröhnte lauter Beifall durch die Halle. Trockeneisnebel wallten ständig über die Bühne, deren Aufbauten ihr tatsächlich das Aussehen eines fremden Planeten verliehen. Begrüßt wurden Fan-Delegationen aus Japan und Italien, als Großbritannien und Frankreich, den Niederlanden und Belgien.

Direkt danach kam ein Vortrag, auf den die meisten Besucher wohl schon lange gewartet hatten. Kurt Mahr und Ernst Vlcek, die beiden Exposéautoren der PERRY RHODAN-Serie, stellten die nahe und ferne Zukunft der Serie vor. Im Saal herrschte gespannte Stille, während die beiden Autoren ihre kosmische Vision verkündeten.

Sie erzählten vom Moralischen Kode, der das Universum durchzieht, von der kosmischen Evolution, von Superintelligenzen und Materiequellen, von Kosmischen Nukleotiden und gigantischen Zusammenhängen über Raum und Zeit hinweg. Da beide Autoren ein spezielles Deutsch sprachen – Kurt Mahr hatte einen amerikanischen Einschlag entwickelt, bei Ernst Vlcek klang immer Österreichisch mit –, entwickelte der Vortrag einen gewissen Sog, der die Zuschauer eineinhalb Stunden lang fesselte.

Obwohl der Vortrag gut eineinhalb Stunden dauerte, verließ niemand den Saal. Von meinem Platz hinter der Bühne aus hörte ich ebenfalls gespannt zu. Auch wenn ich zu dieser Zeit im Verlag arbeitete, hatte ich keine Kenntnis von den Konzepten der Autoren. Mein Job war der eines Public-Relations-Assistenten – so stand es im Arbeitsvertrag –, der mit der eigentlichen Arbeit des Lektorats und der Redaktion nichts zu tun hatte.

Danach wurde die Autogrammstunde vorbereitet, und ich nutzte die Chance, mich ein wenig umzusehen. Die Autoren setzten sich in einer Reihe hin, die Fans stellten sich in einer endlos erscheinenden Schlange an. Mein Auftrag lautete, mich danach um das Ehepaar Scheer zu kümmern. Das würde also danach kommen – während der Autogrammstunde hatte ich nichts zu tun.

Im Eingangsbereich hatte der Ansturm längst nachgelassen. Ich schaute mir an, was es eigentlich als »Space Package« gab. Schließlich hatte ich in den Werbetexten, die ich geschrieben hatte, immer wieder auf das tolle Paket hingewiesen, das es geben würde. Tatsächlich enthielt es außer einem Infoblatt zum Programm vor allem Werbung. Das enttäuschte sogar mich. An diesem Tag nahm ich mir vor: Falls ich jemals in die Lage geraten würde, selbst einen großen Con zu organisieren, würde es auf jeden Fall ein schönes Buch oder zumindest eine Zeitschrift geben.

Beim Verkaufsstand des »Ex-Press-Versands« traf ich auf Armin Reichrath. Mit ihm und einigen anderen Bekannten gab ich in diesen Jahren die Zeitschrift »Sagittarius« heraus. Unser Heft war das einzige Science-Fiction-Heft, das man auf diesem Con kaufen konnte – angesichts der Tatsache, dass es sowieso nur einen einzigen Verkaufsstand gab, hatten wir so einen riesigen Vorteil gegenüber anderen Kleinverlagen und Magazinmachern.

Armin war trotzdem sauer. »Die haben das aktuelle Heft aus dem Verkauf genommen«, berichtete er, »wegen Verunglimpfung religiöser Gefühle.« Zuerst lachte ich, dann verstand ich. Die aktuelle Ausgabe elf unseres Heftes hatte als Thema »Religion« auf dem Titel stehen. Entsprechend kritisch gingen die Kurzgeschichten und Artikel unter anderem mit der christlichen Religion um. Der streng gläubige Geschäftsführer des Versands hatte in dieser Hinsicht keinerlei Spaß verstanden und diese Ausgabe vom Stand verbannt.

Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Es nutzte aber nichts, sich zu sehr darüber zu ärgern. Aber da sich in diesen Augenblicken ohnehin mein Beruf mit meinen privaten Interessen vermischte, konnte ich gleich »Nägel mit Köpfen« machen. Ich beschloss, die parallel verlaufende Science-Fiction-Börse zu besuchen.

Eigentlich war ich sowieso schuld daran. Als ich erfahren hatte, dass es während des WeltCons keine Verkaufsbörse geben würde – unter anderem aus Platzgründen –, hatte ich Walter Arweiler angesprochen. Der Science-Fiction-Fan wohnte in Saarbrücken, er war oft auf Flohmärkten unterwegs, wir arbeiteten an »Sagittarius« zusammen, und ich wusste, dass er geschäftstüchtig war. Ich informierte ihn über die mangelnde Verkaufsfläche in der Halle, und er meinte, da könne er »etwas machen«.

Auf dem Weg von der Saarlandhalle zur Verkaufsbörse kamen mir PERRY RHODAN-Fans entgegen, die Plastiktüten mit Heftromanen trugen. Sie hatten sich bereits mit Lesestoff versorgt. Vor der Halle hatte Walter schon am frühen Morgen seine Flugblätter verteilt und die Fans zu Dutzenden zu »seiner« Verkaufsbörse gelockt.

Einige hundert Meter war ich schon am Ziel. In einem öffentlichen Gebäude hatten sich mehrere Händler versammelt. Bananenkisten, in denen Heftromane und Taschenbücher auf Käufer warteten, stapelten sich bis fast zur Decke. Es war ein Paradies für PERRY RHODAN-Leser, die in diesem Raum für »kleines Geld« ihre Sammlungen vervollständigen konnten.

Mit breitem Grinsen sah ich zu, wie Berge von Heftromanen und Taschenbüchern den Besitzer wechselten. Walter Arweiler strahlte vor Begeisterung, und auch die Fans freuten sich, auf diese Weise ihre Schnäppchen machen zu können.

Leider konnte ich nicht lange bleiben. Ich wusste, dass Karl-Herbert Scheer auf mich wartete ...

18 Mai 2018

Die Silberbände in der zweiten kosmischen Ära

Ein Logbuch der Redaktion

Wer mag, kann die PERRY RHODAN-Serie in verschiedene Epochen einteilen. Viele Leser unterscheiden beispielsweise zwischen der Scheer-Ära, die bis etwa Band 600 reicht, und der Voltz-Ära, die direkt danach anschließt und bis etwa Band 1250 reicht.

Beides Mal orientieren sich diese Epochen an der Arbeit der jeweiligen Exposéautoren. Dass es Überschneidungen gab und kein Exposéautor im »luftleeren Raum« arbeitet, wollen wir dabei außer Acht lassen.

Schaue ich mir die Silberbände an, in denen bekanntlich stets zwischen fünf und zehn Heftromanen zusammengefasst werden, kann ich ebenfalls inhaltliche Epochen definieren. Mir fällt nicht zum ersten Mal auf, dass es in der Zeit, die von den Silberbänden mittlerweile erfasst wird, zwei sehr unterschiedliche Bereiche gibt, die man als kosmische Ära bezeichnen könnte. Wobei es zwei vorbereitende Zyklen dafür gab ...

Doch erst einmal der Reihe nach. Die frühe PERRY RHODAN-Serie kam ohne den sogenannten kosmischen Hauch aus, zumindest weitestgehend. Zwar wurde mit der Superintelligenz ES oder den Barkoniden, dem Wesen Harno oder den Hathor immer wieder vermittelt, dass es kosmische Entwicklungen gab  – auf die eigentliche Romanhandlung hatte des nur geringe Auswirkungen.

Richtig los mit den kosmischen Ebenen ging es im »Schwarm«-Zyklus: Erstmals wird den Menschen bewusst, vor allem den Aktivatorträgern um Perry Rhodan und den Mutanten, dass es mehr gibt als nur die Streitereien zwischen galaktischen Reichen. Es existieren offenbar Strukturen, die sich über weite Teile des Universums erstrecken, geheimnisvolle Mächte, die einen Sternenschwarm bauen und losschicken, die sogar Pläne schmieden können, die über Jahrmillionen hinwegreichen.

Der zweite Zyklus, der wesentliche Andeutungen lieferte, war der »Anti-ES«-Zyklus, die Geschichte um das Kosmische Schachspiel. Perry Rhodan und seine Gefährten erkennen, dass es Geistesmächte gibt, die ihre Kämpfe auf Ebenen austragen, die weit über dem Horizont einzelner Menschen liegen.

Sie erfahren aber auch, dass der menschliche Verstand und die menschliche Tapferkeit in der Lage sind, an Stellen und zu Zeiten Entscheidungen zu erzwingen, mit denen die höheren Wesen nicht rechnen können.

Beide Zyklen kann man – mit dem Blick von heute – als Vorbereitungen deuten. Die Seriensteuerung lag noch in den Händen von Karl-Herbert Scheer, der aber bereits viele Einflüsse von William Voltz verarbeitete. Kosmische Elemente, die Voltz beisteuerte, baute Scheer behutsam ein. Aber es sollte bis zum Aphilie-Zyklus dauern, bis sich Voltz gewissermaßen durchsetzte und seine erste kosmische Phase einleiten konnte.

Für die Silberbandleser heißt das: Ab Band 81 geht’s richtig rund. Die Terraner erfahren mehr über Mächte, die mehrere Galaxien mit Billionen von Bewohnern beherrschen, und sie hören in der Folge erstmals von Superintelligenzen, Kosmischen Burgen und der Wahrheit hinter den Schwärmen und ihren Erbauern. Den Menschen wird klar, wie sehr ihre Existenz abhängig ist von den Entscheidungen der Hohen Mächte.

(Auch wenn das in den Romanen so nicht ausgesagt worden ist, kann man meiner Ansicht nach davon ausgehen, dass viele Geheimnisse nicht allen Terranern bekannt geworden sind. Die Aktivatorträger dürften viele Details verheimlicht haben, um die Terraner nicht zu sehr zu verunsichern. Aber das ist nur eine Spekulation von meiner Seite.)

Die zweite kosmische Phase beginnt direkt danach – nach Gründung der Kosmischen Hanse und den ersten Konflikten mit der Superintelligenz Seth-Apophis erhalten die Terraner weitere Kenntnis von kosmischen Verwicklungen. Sie lernen den Frostrubin kennen, erfahren von den Ultimaten Fragen, stoßen auf die Endlose Armada und das Tiefenland. Am Ende dieser kosmischen Phase wissen die Terraner ziemlich gut Bescheid darüber, wie das Universum funktioniert; zumindest scheinen sie es zu wissen …

Diese Epoche spiegelt sich derzeit in den Silberbänden wieder. Bücher wie »Der Psi-Schlag« stellen Zusammenhänge zwischen Ereignissen her, die sich über Raum und Zeit entwickelt haben. Jahrmillionen stehen in einer Verbindung, die man sich vorher nicht vorstellen konnte, Schauplätze hängen miteinander zusammen, die Millionen von Lichtjahren auseinanderliegen.

Ich erinnere mich gut daran, wie mich in den frühen 80er-Jahren viele Ideen dieser zweiten kosmischen Phase begeisterten. Und ich finde es stark, dass heutige Leser auch in dieser kosmischen Phase dabei sein können!

17 Mai 2018

Der GarchingCon steht an

Das ist ein Text in eigener Sache: In den vergangenen Wochen und Monaten wurde ich häufig gefragt, ob und wie ich zum großen GarchingCon kommen könnte. Dieser findet am ersten Juni-Wochenende statt, diesmal nicht in Garching selbst, sondern »im Exil« in Trudering. Viele hundert PERRY RHODAN-Leser werden hierzu erwartet, es wird sicher eine wunderbare Veranstaltung.

Ich werde leider nicht daran teilnehmen können. Ohne ins Detail gehen zu können: Privat-familiäre Termine stehen im Weg, die Familie geht in diesem Fall vor. Das lässt sich auch nicht ändern.

Von der PERRY RHODAN-Redaktion sind mit Sabine Kropp und Klaus Bollhöfener zwei kompetente Kollegen an Bord. Dazu kommen verschiedene Autorinnen und Autoren sowie Zeichner – es wird genügend Möglichkeiten zum Fachsimpeln und zum Gedankenaustausch geben.

Allen Besucherinnen und Besuchern des PERRY RHODAN-Cons wünsche ich eine tolle Veranstaltung!



15 Mai 2018

Ein Redaktionsbesuch zum Kurs 3000

Relativ kurzfristig hatten Christian Montillon und ich vereinbart, dass er uns im Verlag besuchen sollte. Ein wichtiger Grund dafür: In diesen Tagen werden die Weichen für den Band 3000 und die Marketing-Aktivitäten gestellt. Wir brauchen bei manchen Themen ein »Okay« der Geschäftsführung, und da ist es sinnvoll, vorher mit einem der Exposéautoren wichtige Einzelpunkte zu besprechen.

Mit Katrin Weil, unserer Marketing-Managerin, saßen der Autor und ich bei einer Pizza zusammen. Gemeinsam gingen wir die Pläne durch, die wir abteilungsintern für das große Jubiläum geschmiedet haben.

Vieles ist noch unverbindlich, bei manchen Punkten brauchen wir noch Input von Autorenseite. Da sind kritisches Nachfragen und ergänzende Ideen eines Schriftstellers immer sinnvoll.

Bei Wasser für mich und Tee für Christian ging es danach in meinem Büro weiter. Madlen Bihr gesellte sich zu uns; wir sprachen vor allem über anstehende Termine für Romane und Exposés. Aber natürlich ging es auch um Inhalte: Begriffe wie Cetus, Techno-Mahdi, Lee oder Silo flogen durch den Raum, wie so oft, wenn über die aktuelle Handlung diskutiert wird.

Als Christian mein Büro verließ, hatte ich meinen Zettel voller Notizen. Die werde ich versuchen, in den nächsten Tagen abzuarbeiten ... aber genau für solche Ideentreffs sind solche Besuche sinnvoll!

14 Mai 2018

Sextadim-Treibgut

Orientierungsschwierigkeiten in einer Umgebung, die für jedes humanoide Wesen geradezu ungeheuerlich wirkt: In seinem Roman »Sextadim-Treibgut« hatte Kai Hirdt die – ich gebe es zu – undankbare Aufgabe, einen sehr fremden Kosmos so zu schildern, dass nicht nur die Hauptfiguren das meiste von dem verstehen, was um sie herum vorgeht, sondern auch die Leser. Sein Roman, der in dieser Woche mit der Bandnummer 2962 erscheint, liefert viel »Sense Of Wonder« und zeigt viele verschiedene Außerirdische.

Irgendwie passt diesmal das PERRY RHODAN-Journal ganz besonders gut. Es beschäftigt sich diesmal mit Stephen Hawking, der im März diesen Jahres verstorben ist. Der Physiker war stets an den Grenzen des menschlichen Wissens unterwegs. Viele seiner Theorien sind für Normalsterbliche kaum verständlich – und das passt zu dem Kosmos, den Kai Hirdt im entsprechenden Roman schildert.

11 Mai 2018

Der WeltCon beginnt im ETAP-Hotel

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

An diesem Abend war ich gebührend erschöpft. Ich hatte am Nachmittag den Sonderzug geschmückt, zusammen mit Kolleginnen aus der Grafik-Abteilung des Verlages, und dann waren wir mit 700 PERRY RHODAN-Fans von Mannheim nach Saarbrücken gefahren. Wir schrieben den Freitag, 5. September 1986, und ich wollte endlich etwas essen. Für mich war der »Space Trip« erst einmal vorüber.

Am Bahnhof, wo immer noch Kameraleute und Journalisten um die eingetroffenen Fans kreisten, rollten bereits die Busse an. Sie transportierten die Leser, die sich für ein preiswertes Quartier angemeldet hatten, zur sogenannten Eislaufhalle. Diese war in direkter Nachbarschaft der Saarlandhalle und bot für vier Mark pro Nacht eine Übernachtungsmöglichkeit.

Ich erfuhr nie, wie viele Fans dort schliefen – oder es zumindest versuchten. Es waren zwischen 500 und 1000 Personen; leider versagte an dieser Stelle unsere Organisation bereits im Vorfeld.

Ich kletterte zusammen mit den Kolleginnen in ein Taxi, dann fuhren wir ins ETAP-Hotel. Das lag verkehrsgünstig in der Innenstadt. Ich hatte gehofft, auf die PERRY RHODAN-Autoren zu treffen und noch mit diesen zu sprechen – aber da hatte ich mich verrechnet. Wir checkten ein, dann aßen wir gemeinsam. Es folgte eine abschließende Besprechung, und der Tag war für mich am Ende.

Richtig los ging es am Samstagmorgen. Als Verlagsangestellter musste ich weitaus früher zum Frühstück als die Autoren, immerhin wollten wir eine Pressekonferenz organisieren. Als die Autoren langsam in den Frühstücksraum kamen, eilten wir schon zum Taxi und fuhren zur Eislaufhalle.
Mit den Grafikerinnen überprüfte ich die Räumlichkeiten. Gemeinsam schauten wir uns noch einmal die Dekoration an und organisierten manche Sachen um.

Die Halle hatte noch geschlossen, aber die ersten PERRY RHODAN-Leser näherten sich bereits dem Gebäude. Der Verkaufsstand des »Ex-Press«-Versandes wurde aufgebaut, dort begrüßte ich einige Bekannte. Dieser Versandhändler war der einzige, der auf dem WeltCon verkaufen durfte.

Aus Platzgründen gab es keine Händlerbörse, und der Händler bot nur Neuware an. Immerhin zählte zu dieser Neuware auch die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift »Sagittarius«, die ich zu der Zeit mit einigen Bekannten zusammen herausgab.

Ich bekam nicht mit, wie die Pforten geöffnet wurden; ich wusste aber, dass die Helfer vom Science Fiction Club Universum (SFCU) bereit standen, um den Besuchern zu helfen. Der Club aus dem Saarland sollte an diesem Wochenende dafür sorgen, dass alles reibungslos lief. Einige der Mitglieder kannte ich schon, andere sollte ich an diesem Wochenende kennenlernen. Ich fand beeindruckend, was der SFCU auf die Beine stellte.

Aber ich musste um diese Zeit an der Pressekonferenz teilnehmen. Viel bekam ich von ihr gar nicht mit. Ich half mit, die Tische vorzubereiten und die Unterlagen auszuteilen. Das professionelle Team der Saarlandhalle unterstützte uns, s dass alles glatt ging. Um die Journalisten selbst kümmerte sich Linda Ivanus-König, die den WeltCon als Chefin der Public-Relations-Abteilung zum größten Teil organisiert hatte.

Während sie den anwesenden Vertretern von Zeitungen und Zeitschriften, Radio und Fernsehen noch einmal erzählte, was PERRY RHODAN eigentlich sei und was wir mit dem Con vorhatten, verließ ich bereits wieder den Konferenzraum. Ich schaute nach, ob die Autoren langsam eingetroffen waren, und betrachtete dann mit breitem Grinsen, wie die Scharen von Fans in die Halle strömten. Auch wenn der Con noch gar nicht eröffnet war, hatte die Saarlandhalle ihre Pforten geöffnet.

(Wie viele Besucher der Con hatte, wussten wir übrigens nicht. Behauptet wurde abschließend, es seien fast 5000 Menschen gewesen. Genaue Zahlen lagen aber nicht vor, weil es im Vorfeld ein ziemliches Chaos mit den Buchungssystemen gegeben hatte.)

Noch einmal überprüften wir die Bühne, noch einmal wurde geschaut, ob auch alles stimmte. Die Autoren hatten ihren Auftritt geübt, die Plätze für die Moderatoren waren durch Markierungen auf dem Bühnenboden fixiert worden.

Tatsächlich hatten die Arbeiter, die für den Aufbau verantwortlich waren, eine Meisterleistung verbracht: Noch wenige Tage zuvor war die Bühne leer gewesen, nun wirkte sie mit ihren Aufbauten so, wie sich ein Laie eine Science-Fiction-Welt vorstellen mochte. Teuer genug war der Aufbau mit allen Details sowieso gewesen, allein das Bühnenbild hatte eine fünfstellige Summe verschlungen.

Als der Con an diesem Samstag endlich eröffnet wurde, war das weite Rund der Halle komplett besetzt. Alle Zweifel, die ich bis zu diesem Zeitpunkt gehabt hatte, waren verflogen. Trockeneisnebel wallten über die Bühne, waberten um die Aufbauten herum. Scheinwerferlicht zuckte, dröhnende Musik lief. Kleine Roboter rollten über die Bühne, ferngesteuerte Apparate, die der Verlag ansonsten dafür einsetzte, um in Fußgängerzonen oder Kaufhäusern Werbung zu machen.

Der Saal tobte. Tausende von PERRY RHODAN-Fans schienen von der Show begeistert zu sein; von meinem Platz schräg hinter der Bühne hörte ich das Jubeln und Klatschen. Es war der Samstag, 6. September 1986, und der zweite PERRY RHODAN-WeltCon hatte nun endlich begonnen ...

10 Mai 2018

Der Kepler-Komplex

Eigentlich ist das Thema des anstehenden PERRY RHODAN-Romans, den Leo Lukas verfasst hat, sehr klar und sehr eindeutig: Der Autor muss den Konflikt schildern, der das Solsystem in der aktuellen Romanhandlung beherrscht. Der Techno-Mahdi und seine Getreuen spielen dabei eine wesentliche Rolle, auch wenn noch niemand so richtig zu wissen scheint, was eigentlich geplant wird.

Was der Autor allerdings daraus macht, geht über einen »normalen« Roman weit hinaus. Er schildert die Lebensgeschichte eines Mannes, der von einem ganz speziellen Terraner geradezu besessen ist: von Johannes Kepler nämlich.

Das bringt die betreffende Romanfigur auf eine ganz bestimmte Laufbahn – und von dieser erzählt Leo Lukas in seinem Roman. Dabei schafft er es ganz nebenbei, terranisches Alltagsleben in seinen Roman einfließen zu lassen und die Welt des sechsten Jahrtausends glaubhaft zu gestalten.

Ich mag es, wenn die Autorinnen und Autoren es hinbekommen, die Zukunft so zu schildern, dass ich sie mir vorstellen kann. Wobei ich selbstverständlich weiß, dass es so nie kommen wird und wir in unseren Serienkosmos immer gewisse Abstriche machen müssen.

Aber Science Fiction erzählt ja auch immer etwas über die Welt von heute … Anregende Lektüre!

09 Mai 2018

Wir planten eine MYTHOR-Miniserie

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Im Frühjahr des Jahres 2000 sah es so aus, als würde sich der Moewig-Buchverlag grundsätzlich wandeln. Nachdem Eckhard Schwettmann zum Verlagsleiter des Buchbereiches ernannt worden war, hatte er einige Dinge geändert und angepasst – angefangen bei einer Modernisierung des Verlagslogos bis hin zu neuen Reihen.

Dazu zählte auch Moewig Fantastic, eine Reihe, mit der die phantastische Literatur stärker im Buchhandel verankert werden sollte. Ein Ziel war dabei unter anderem, alte Serien wie MYTHOR und DRAGON neu zu beleben. Ich witterte die Chance, endlich eines der Ziele zu verwirklichen, das ich mir schon zu Beginn der 90er-Jahre gesetzt hatte: Ich wollte neue MYTHOR-Romane veröffentlichen.

Also formulierte ich am 30. Mai 2000 ein Konzept für eine »MYTHOR-Mini-Serie«; damals schrieb ich das Wort »Miniserie« noch mit Bindestrich. Das Konzept war für die Verlagsleitung des Zeitschriftenbereiches gedacht und sollte dort auch mit der Vertriebsleitung sowie dem Marketing diskutiert werden.

Aus diesem Grund erklärte ich einleitend erst einmal die Hintergründe: Unter dem Titel »Zur alten MYTHOR-Serie« stellte ich die Zusammenhänge dar.

»Die Fantasy-Serie MYTHOR erschien in den frühen 80er Jahren, wurde zu dieser Zeit unter anderem von den PERRY RHODAN-Autoren geschrieben und gilt nach wie vor als die beste deutschsprachige Fantasy, die jemals publiziert wurde«, schrieb ich selbstbewusst und ignorierte bewusst Taschenbuchautoren wie Wolfgang Hohlbein. »Ab dem Spätsommer 2000 werden diese alten Romane in einer Buchausgabe im Weltbild-Verlag nachgedruckt.«

Ich wollte letztlich nichts anderes als einen Neustart von MYTHOR im Format eines Heftromans. Dabei wollte ich zuerst eine Miniserie starten, die auf zwölf Bände angelegt sein sollte. Ich orientierte mich an der ebenfalls zwölf Bände umfassenden ATLAN-Miniserie – wir hatten 1998 den »Traversan«-Zyklus veröffentlicht. Bei entsprechendem Erfolg könnte man eine solche Serie immer verlängern.

Als Serientitel würde ich MYTHOR beibehalten, aber ich schlug einen sehr klassisch klingenden Untertitel vor: »Kämpfer der Lichtwelt« dürfte die alten Leser der Serie »packen«, dachte ich zumindest.

Mir war klar, dass ich mit dem Begriff einer »Mini-Serie« nicht überall auf offene Ohren stoßen würde. Bei ATLAN hatte der Vertrieb darauf bestanden, dass man das Projekt als »Short-Serie« bezeichnete. Das Kürzel »Atlan-Short« war vom Vertrieb gewählt worden; ich hatte zwei Jahre lang über »Atlans Hort« gespottet, wollte diesen Fauxpas aber nicht noch einmal erleben.

»Mini-Serien sind im amerikanischen Comic-Markt ein weitverbreitetes Mittel, um neue Leser zu gewinnen«, erläuterte ich in meinem Papier. Es gäbe schließlich viele Leser, die nicht in eine »lange Serie« – »ongoing« nannten das die Amerikaner – einsteigen wollten. Mein Argument: »Sie wollen einen überschaubaren Rahmen, bei dem sie recht schnell die Lösung für das Geschehen haben und nicht – wie bei PERRY RHODAN – Jahre auf ein Zyklus-Ende warten müssen.«

Ich verwies auf die Sammler, die bei solchen kurzlebigen Serien gerne zugreifen würden, und versprach, man könnte die Serie bei Erfolg rasch fortsetzen. Zudem sei es möglich, nach demselben Rezept weitere Mini-Serien zu starten«.

Mit MYTHOR wollte ich nicht nur den »Bereich fantastische Literatur am Kiosk« ausweiten, sondern eine neue multimediale Marke aufbauen. Ich stellte mir vor, dass man mit MYTHOR auch CD-ROMS oder Computerspiele anstreben könnte, wenn es die Marke wieder im Handel gäbe. Der Verlag präsentiere sich mit einer neuen Serie als »innovativ und experimentierfreudig«, und die Redaktion sei somit auch in der Lage, neue Autoren und Zeichner zu  »testen«.

Beim Inhalt der neuen Serie, die ich im Frühjahr 2001 herausbringen wollte, setzte ich auf »Nummer Sicher«, Experimente wollte ich keine haben. Das formulierte ich auch entsprechend: »Der Inhalt der MYTHOR-Mini-Serie soll das klassische Fantasy-Abenteuer bilden; das heißt Action, Spannung, Abenteuer. Mythor soll als Einzelkämpfer und Held in den Vordergrund gestellt werden, der positive Werte in einer barbarischen Umgebung vertritt; eine ideale Identifikationsfigur für die Leser also. Erotik spielt in den Romanen eine dezente Rolle.«

Für die weitere Ausgestaltung der Serie wollte ich exklusive Titelbilder – also keine Nachdrucke alter Motive, ein Leser-Magazin und Innenillustrationen. Ich machte mir natürlich auch Gedanken über die Autoren: Neben früheren MYTHOR-Autoren, die auch den PERRY RHODAN-Lesern ein Begriff waren, wollte ich neuen Schriftstellern eine Chance geben. Im Konzept nannte ich aber nur bekannte Namen wie Hubert Haensel, Horst Hoffmann, Ernst Vlcek und Hans Kneifel, neuere ließ ich weg.

Selbstverständlich lieferte ich auch einen Überblick zu den möglichen Kosten, damit der Vertrieb und die Verlagsleitung kalkulieren konnten.

Mein Konzept hatte ich nicht nur in den luftleeren Raum geschleudert, ich hatte es zuvor intern besprochen, unter anderem mit Eckhard Schwettmann, der zu dieser Zeit den Buchverlag leitete. Im Zeitschriftenbereich hatte ich allerdings keinerlei Erfolg. »Fantasy ist ein rein temporäres Phänomen«, wurde mir erläutert, und Miniserien seien nicht interessant.

So geschah es, dass mein Konzept einer MYTHOR-Miniserie nie umgesetzt wurde. Es diente aber als »Blaupause« für die späteren ATLAN-Miniserien und sogar später für Miniserien wie PERRY RHODAN-Stardust. Ganz umsonst war das Konzept vom Frühjahr 2000 also nicht …

08 Mai 2018

Hetzjagd auf Bull

Bei diesem Motiv hatte Arndt Drechsler sichtlich Spaß, mal etwas »trashiges« zu gestalten: Der PERRY RHODAN-Roman mit der Bandnummer 2960, der in dieser Woche erscheint, hat ein knalliges Titelbild, das auf den ersten Blick an ein anderes Genre erinnert, an den Gruselroman nämlich. Aber natürlich ist ein Drechsler-Cover deutlich »anders« als die Titelbilder der frühen Heftroman-Zeit.

Inhaltlich legt Hubert Haensel in seinem »Hetzjagd auf Bull« sowieso andere Schwerpunkte. Reginald Bull steht im Zentrum des Geschehens; der Terraner versucht in einem Sonnensystem, in dem das Chaos auszubrechen droht, seine Familie zu schützen. Zudem muss er herausfinden, was der Techno-Mahdi mit seinen Aktivitäten eigentlich erreichen will.

Bevor es jetzt zu Unklarheiten kommt: Das Titelbild hat sehr viel mit dem Inhalt des Romans zu tun. Aber wie so oft: Nichts ist offenbar so, wie es scheint ...

07 Mai 2018

Kurz an den Mai 1995 erinnert

Es ist genau 23 Jahre her: Vom 5. bis 7. Mai 1995 gab es die erste Science-Fiction-Schreibwerkstatt in Wolfenbüttel. Ich hätte das so genau nicht mehr gewusst. Olaf Kutzmutz von der Bundesakademie für kulturelle Bildung erinnerte mich daran.

Dozenten dieses Seminars waren Robert Feldhoff, der unvergessene PERRY RHODAN-Autor, und ich. Geleitet und organisiert wurde das Seminar von Dr. Hartmut Kasper, der heute unter dem Pseudonym Wim Vandemaan für PERRY RHODAN tätig ist.

Seither hat sich viel geändert, Robert Feldhoff ist leider viel zu früh gestorben. Aber es gibt immer noch Science-Fiction-Schreibwerkstätten an der Bundesakademie, und eine Reihe von Autoren, die sich hier erstmals kennenlernten, hat das Schreiben zum Beruf gemacht. (Ein Beispiel hierfür ist der PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner.)

06 Mai 2018

Fachgespräche am Abend

Ein Seminar in Wolfenbüttel hat – und das entspricht mittlerweile der gewachsenen Tradition – vor allem abends noch einen Programmpunkt, der nirgends schriftlich angekündigt wird: Es ist das gemütliche Beisammensein von Autorinnen und Autoren sowie den Dozenten. Dabei wird auch mal über allgemeine Dinge geplaudert, meist aber steht immer das Schreiben im Zentrum.

Immer wieder wird die Arbeit an der PERRY RHODAN-Serie thematisiert. Uwe Anton plaudert dann auch einmal über die Schwierigkeiten, die sich bei Schreiben von Romanen oder Exposés ergeben können. Und ich als Redakteur klage lauthals über Terminschwierigkeiten bei Autoren und die daraus resultierenden Folgen.

Ich hoffe ja stets, dass wir bei solchen Gesprächsrunden nicht zu offen sind. Andererseits kommen die Leute auch deshalb zu einem solchen Seminar, um echte Hintergründe zu erfahren ...

(Das Bild zeigt übrigens den Seminarraum im Schloss von Wolfenbüttel. Es wurde zu einem Zeitpunkt aufgenommen, als die Autorinnen und Autoren bereits in den Feierabend eilten, um noch ein Bier oder ein Glas Wein zu genießen.)

05 Mai 2018

Dienstfahrt mit NEO

Wenn ich die Chance habe, mit der Bahn auf eine Reise zu gehen, bei der ich auch meine Ruhe haben sollte – weil ich allein unterwegs bin –, nutze ich das stets, um Manuskripte, Arbeitspapiere und Exposés zu lesen. Bei der Fahrt von Karlsruhe nach Wolfenbüttel, wo ich mit dem PERRY RHODAN-Autor Uwe Anton zusammen als Dozent an einem Seminar mitwirke, beschäftigte ich mich vor allem mit PERRY RHODAN NEO.

Dort läuft derzeit die »Blues«-Staffel, und ich hatte ein aktuelles Manuskript dabei. In diesem geht es vor allem um ein monströses Sonnensystem und seine kosmischen Geheimnisse.

Ebenfalls habe ich ein Exposé dabei, das zweite der folgenden Staffel. Darin erfahren nicht nur die Leser, sondern auch ich als Redakteur, mehr über die Hintermänner der sogenannten Allianz, die nicht nur die Existenz der Menschheit gefährdet, sondern auch die vieler anderer Sternenvölker.

Ich mag spannende Lektüre. Und wenn ich sie während einer Zugfahrt genießen kann, abgelenkt nur durch gelegentliche Gespräche in meiner Nachbarschaft, macht sie mir noch mehr Spaß. Vor allem, wenn ich weiß, welche Geschichten demnächst auf unsere Leser zukommen werden ...

03 Mai 2018

Als wir Multimedia entdeckten ...

Unter »Multimedia« verstand man in der ersten Hälfte der 90er-Jahre alles mögliche. Es musste etwas mit Computern zu tun haben und idealerweise auch Bild und Ton enthalten. Entsprechend stolz verfasste ich am 1. Dezember 1994 ein Rundschreiben an das Autorenteam: Dem Silberband 50 sollte einen sogenannte Multimedia-CD-ROM beigelegt werden.

Ich versprach den Autoren »landende und startende Raumschiffe, Planeten, Monde und Fremdwesen, das alles in dreidimensional wirkender Gestaltung«. Die CD-ROM betrachtete ich als »Schritt der PERRY RHODAN-Serie in die Multimedia-Zukunft«.

Konsequenterweise wurde der Brief mit dem Schreibprogramm Wordpress verfasst und auf einem Nadeldrucker ausgedruckt, dann fotokopiert und in Briefumschläge gesteckt, die danach an das Autorenteam verschickt wurden. Heutzutage kommt einem das alles fürchterlich altmodisch vor ...

02 Mai 2018

Interne Kritik und externe Erwartungen

Seit ich bei PERRY RHODAN bin, kommt immer wieder die Forderung auf den Tisch, die Exposéautoren oder die Redaktion sollten doch mehr von der »Wirklichkeit« erzählen. Gelegentlich wird auch der Wunsch laut, wir sollten interne Diskussionen nach außen hin transparent machen.

Davon halte ich wenig. Was wäre gewonnen, wenn die Leser wüssten, an welchem Punkt sich die Autoren nicht einig waren oder an welchem Punkt die Redaktion gern eine andere Richtung eingeschlagen hätte? Wichtig sind letztlich die veröffentlichten Romane, nicht die Arbeitspapiere und Exposés.

Zudem ist eines sicher: Intern wird kritisiert und diskutiert, auch grundsätzlich. Das war schon früher so, und das wird künftig so sein. Wir schauen uns an, was gut gelaufen ist und was uns nicht gut gefallen hat. Wir diskutieren über die Meinung der Leser, wir lesen die Aussagen im Forum, bei Facebook oder in Blogs – früher hatten wir mehr Leserbriefe auf Papier und Fanzines, die wir als Grundlage heranziehen konnten.

Wichtig ist aber eines: PERRY RHODAN ist keine »normale« Firma. Eine solche Science-Fiction-Serie, die seit Jahrzehnten läuft, kann nicht mit der Arbeit in einer Behörde, einem Ladengeschäft, einem Fabrikbetrieb oder einem Krankenhaus verglichen werden.

Letzten Endes müssen die Autorinnen und Autoren ihre Geschichte schreiben. Sie verfassen Romane, die sie sich ausdenken. Die Erwartungen von Lesern und Redakteuren, die sowieso sehr widersprüchlich sind, können dabei nie alle erfüllt werden.

Und seien wir ehrlich: Die Serie läuft deshalb seit 1961 und wird bald den Band 3000 erreichen, weil sie von Autorinnen und Autoren geschrieben wird. Nicht von Redakteuren, nicht von Marketingleuten, auch nicht von externen Beratern.

30 April 2018

Rückkehr ins Chaos

Die Zusammenarbeit zwischen der PERRY RHODAN-Redaktion und Olaf Brill hat sich rasant entwickelt. Der Roman »Rückkehr ins Chaos«, der in dieser Woche erscheint, ist hierfür ein gutes Beispiel: Es ist schon der zweite Band, den der Autor zu der Miniserie PERRY RHODAN-Olymp beisteuert.

Davor schrieb er bereits einen Roman für die Miniserie PERRY RHODAN-Terminus. Bei den STELLARIS-Kurzgeschichten hat er sich ohnehin als unverzichtbar erwiesen.

Streng genommen hätte der Roman auch einen anderen Titel vertragen können. »Wir blicken in die Vergangenheit von zwei beliebten Charakteren« – das wäre sicher zutreffend gewesen, aber eben viel zu lang.

Von dem coolen Titelbild, das Arndt Drechsler gezaubert hat, wäre nur noch wenig übrig geblieben. Also nahmen wir »Rückkehr ins Chaos«, was ohnehin gut passt.

Übrigens gibt der Roman auch ein wenig Einblicke in die gesellschaftlichen Verhältnisse mancher interstellarer Völker. Zitat von Seite 57: »So war es also wirklich, das Reich der Tefroder. Kalt, erbarmungslos, ungerecht.«

Wer das meint und weshalb diese Person zu diesem Schluss kommt? Das finden die Leser am einfachsten heraus, wenn sie den Roman lesen ...

29 April 2018

Ein aktuelles Projekt fürs Jahr 2019

Bereits jetzt arbeiten wir in der PERRY RHODAN-Redaktion an Projekten, die erst im Jahr 2019 das Licht einer Veröffentlichung erblicken werden. Das liegt in der Natur der Sache – in einem Verlag muss man immer ein wenig im Voraus planen. Und weil im Februar 2019 der Band 3000 in den Handel kommt, müssen wir einige Dinge dringend vorantreiben.

Das Projekt, mit dem ich mich an diesem Wochenende beschäftige, wird im Sommer 2019 erscheinen. So ist zumindest der Plan. Ich muss mir hierfür einige werbliche Aussagen ausdenken, die für Vertriebsleute spannend klingen (die Kolleginnen und Kollegen im Vertrieb müssen zumindest ein Gefühl für das entwickeln, was wir vorhaben). Das ist immer ein wenig knifflig für mich, weil ich so viel noch gar nicht verraten kann – die meisten Texte werden ja erst in naher Zukunft entstehen.

Tatsächlich sind solche Projekte für mich das Salz in der Suppe. Sie heben meine Arbeit deutlich aus jeder Routine heraus, die bei einer wöchentlichen Serie vielleicht entstehen könnte. Und sie sorgen dafür, dass wir immer wieder neue Ideen entwickeln und vorantreiben können ... (Wer sich jetzt ärgert, dass ich so unverbindlich bin: Ich bin sicher, dass man im Herbst diesen Jahres schon sehr viel konkretes dazu erfahren wird.)

28 April 2018

Kampf um die SOL als Comic-Hardcover

Da ich zumindest in der Anfangsphase an der Entstehung der aktuellen PERRY RHODAN-Comics beteiligt war, freute ich mich sehr, als ich im Verlauf dieser Woche das Belegexemplar des zweiten Comic-Bandes erhielt. Das Hardcover mit dem schlichten Titel »Kampf um die SOL« ist bei Cross Cult erschienen, sieht für meinen Geschmack richtig gut aus und schließt tatsächlich eine Lücke in der eigentlichen Geschichte unserer Serie.

Denn ... Wenn Perry Rhodan und die SOL vom Mahlstrom der Sterne aufbrechen, brauchen sie vierzig Jahre, um die Milchstraße zu erreichen. Das ist angesichts der Technik, die an Bord der SOL benutzt werden kann, eigentlich nicht nachvollziehbar – schon unsere heutige Wissenschaft ist in der Lage, Milliarden von Lichtjahren in den Kosmos zu spähen. Warum ging das nicht schneller?

Diese Frage war der Ausgangspunkt für die Geschichte, die Kai Hirdt in den bisherigen Comic-Heften erzählte und die der Zeichner Marco Castiello umsetzte. Wie es sich für moderne Comics schickt, wird die Geschichte ein wenig kompliziert erzählt, mit vielen Wendungen und Irrungen – der Bote einer Superintelligenz spielt ebenso eine Rolle wie ein interstellarer Konflikt in einer fernen Galaxis.

Die sechs Hefte, die nunmehr in zwei Hardcover-Bänden vorliegen, erzählen eine in sich abgeschlossene Geschichte. Sie dürfte nicht nur Comic-Fans interessieren. Und zumindest mir hat sie auch sehr gut gefallen ... (Den Comic-Band gibt's übrigens überall im Fachhandel; man kann ihn auch im Internet bestellen.)

27 April 2018

Der Flügelschlag des Schmetterlings

Eine apokalyptische Stimmung, ein fürchterliches Chaos: Als Oliver Fröhlich den Roman »Der Flügelschlag des Schmetterlings« verfasste, hatte er unter anderem die Aufgabe, Terrania City in Abgründe zu stürzen, wie man sie in PERRY RHODAN bislang nicht gelesen hat. Und wer jetzt glaubt, der Roman mit der Bandnummer 2959 erzähle »nur eine Invasionsgeschichte«, möge bitte das Werk erst einmal komplett lesen und dann urteilen.

Ernsthaft: Oliver Fröhlich beschreibt die Invasion der Xumushan und das Verhalten der Menschen sehr klarsichtig. Er stellt Reginald Bull ins Zentrum des Geschehens – daneben andere Menschen – und erzählt eine Geschichte, die ich mitreißend und spannend fand.

Dabei konnte sich der Autor nur mit Mühe bremsen; wahrscheinlich hätte man aus dem Thema auch den doppelten Umfang machen können. Wir kürzten redaktionell, trotzdem musste die Leserseite ebenfalls eingekürzt werden. Aber so ist das, wenn ein Thema ensprechend gut gemacht wird ...

26 April 2018

Callibsos Welt als Platin-Band

Als wir 2011 mit den ersten Bänden von PERRY RHODAN NEO in eine neue Epoche starteten, diskutierten wir lange, welche Elemente wir in welcher Reihenfolge bringen sollten. Frank Borsch entwickelte eine Reihe von Ideen, die er konsequent umsetzte. Wenn wir derzeit aus den frühen Einzelbänden die sogenannte Platin Edition erstellen, bemerke ich immer wieder, wie gut viele von Franks Ideen wirklich waren.

So schlug er vor, die Geschehnisse um Callibso und die geheimnisvolle Welt Derogwanien vorzuziehen. In der klassischen Serie tauchen sie ja recht spät auf, er wollte sie bei NEO früher einsetzen. Wir folgten seinem Rat, die Autoren schrieben die Romane, und so wurde Derogwanien in PERRY RHODAN NEO zu einer Welt voller Geheimnisse, die sich aber vom »klassischen« Derogwanien unterschied.

Dieser Tage kam »Callibsos Welt« in den Handel. Es ist der sechzehnte Band der Platin Edition, worüber ich mich sowieso freuen kann. Mit Callibso und Derogwanien sind zudem Elemente enthalten, die mir sowohl in der ursprünglichen Serie als auch bei NEO gefallen haben – obwohl sie so unterschiedlich sind ... Eine schöne Entwicklung!

25 April 2018

Jede Zeit hat ihre Drachen

Seit ich Redakteur bei PERRY RHODAN bin, diskutiere ich mit Autoren über die Titel ihrer Romane. Manche Vorschläge gefallen mir, andere passen mir aus verschiedenen Gründen nicht, bei einigen muss ich erst eine Weile nachdenken. Das lässt sich bei einer so umfangreichen Serie wohl nicht vermeiden.

Als Wim Vandemaan vorschlug, seinen Roman mit »Jede Zeit hat ihre Drachen« zu betiteln, war ich mir nicht sicher, ob das gut sei. Einerseits fand ich den Titel richtig stark, andererseits könnte er »zu sehr nach Fantasy« klingen, befürchtete ich.

Also argumentierte ich: »Den Titel nehmen wir nur, wenn der Untertitel und das Titelbild eindeutig sind.« Als Redakteur darf man ja auch seine Wünsche äußern ...

Ich glaube, der Wunsch wurde hervorragend umgesetzt. Das Covermotiv von Swen Papenbrock lässt keinen Zweifel daran, dass wir es mit einem eindeutigen Science-Fiction-Roman zu tun haben. Und der Roman selbst macht recht schnell klar, dass er mit ungewöhnlichen Blickwinkeln aufwartet. Eine schöne Mischung!

24 April 2018

Die zweite Erde auf französisch

Ernst Ellert und Carfesch, das geheimnisvolle »Projekt Zweiterde« und der Kampf der Menschen gegen Vishna – wenn ich mir diese Namen und Themen vor Augen führe, werden in mir viele Erinnerungen wach. In den frühen 80er-Jahre bestimmten sie meine PERRY RHODAN-Lektüre.

Für unsere Leser in Frankreich sind sie aktuell. Dieser Tage trafen bei uns in der Redaktion die Belegexemplare von »Projet Deuxième Terre« ein – auch jemand mit schlechten Kenntnissen in französischer Sprache wie ich versteht sofort, was der Titel aussagen möchte. Dabei handelt es sich um Band 358 der PERRY RHODAN-Serie in Frankreich.

Das Titelbild finde ich diesmal übrigens eindrucksvoll. Es hat einen kosmischen Charakter, auch wenn man nicht so genau erkennen kann, was eigentlich zu sehen ist. Aber damit passt das Cover gut zu den Originalromanen, die von H. G. Ewers, Clark Darlton und Kurt Mahr stammten ...

23 April 2018

PERRY RHODAN gratuliert Spirou

Bereits am 21. April feierte eine Comic-Serie ihren achtzigsten Geburtstag – mit einer leichten Verspätung kann heute erst die PERRY RHODAN-Serie gratulieren. Die Rede ist von »Spirou und Fantasio«; die ersten Geschichten um den Hotelpagen Spirou, und seinen Freund, den Journalisten Fantasio, wurden am 21. April 1938 veröffentlicht.

In den vergangenen Tagen hat es nicht an Berichten über die Serie gemangelt. »Spirou und Fantasio« wurde von verschiedenen Autoren und Zeichnern gestaltet, die Serie hatte ihre Höhen, aber auch einige Tiefen – und sie erscheint nach 80 Jahren immer noch. Es mangelt also nicht gerade an Parallelen zu PERRY RHODAN.

Für Science-Fiction-Fans sind die Comic-Abenteuer übrigens nicht uninteressant. Von Anfang an spielten futuristische Aspekte eine wichtige Rolle. Fliegende Autos, exotische Waffen, seltsame Phänomene – vor allem in den 50er- und 60er-Jahren baute die Serie zahlreiche Science-Fiction-Elemente ein.

Ich schätze die einzelnen »Spirou«-Alben, habe sie nahezu komplett und freue mich auf die neuen Bände, die in diesem Jahr noch erscheinen werden. (Unter anderem gestaltete der deutsche Zeichner Flix ein »Spirou«-Abenteuer, das im Ostberlin der 80er-Jahre spielt und im Juli 2018 in den Handel kommt.) Richtig klasse ist darüber hinaus die Gesamtausgabe, die jeweils mehrere Geschichte zu einem dicken Hardcover-Band zusammenfasst.

»Spirou und Fantasio« wandelte sich immer wieder, wurde modernisiert und erhielt »Seitenlinien«. Bei allem blieb die Serie quicklebendig und wird sicher noch weitere Jahre ihre Leser erfreuen. Allein schon aus diesem Grund muss unser Weltraumfahrer dem fröhlichen Hotelpagen gratulieren.

Alles Gute zum Jubiläum, Spirou! Dein Perry ...

22 April 2018

Zehn Jahre ist es schon her ...

Kennengelernt habe ich Ernst Vlcek in den späten 80er-Jahren, nach 1992 arbeiteten wir intensiv zusammen. Er verfasste Exposés für die PERRY RHODAN-Serie, ich war der Redakteur.

Wir diskutierten, und wir stritten, wir tranken Bier und Rotwein, er rauchte, und ich hustete theatralisch. Ich schleppte ihn in das Radiostudio in Karlsruhe, in dem ich eine Radiosendung produzierte; wir gingen gemeinsam in einem See in der Nähe von Wien schwimmen.

Als er bei PERRY RHODAN aufhörte, war das eine folgerichtige Entscheidung. Er wollte als gelegentlicher Gastautor an der Serie mitschreiben, sich aber nicht mehr dem Stress der Abgabetermine aussetzen. Zu einem Gastroman kam es dann nicht mehr, Ernst Vlcek starb am 22. April 2008.

Wenn ich an ihn zurückdenke, sehe ich ihn vor mir: immer mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht, sehr oft mit einer Zigarette in der Hand. Ernst war kein Autor, der seine Romane »sauber« plante. Er war ein Phantast, der Welten erfand und seine Helden in große Nöte brachte. Genre-Konventionen interessierten ihn kaum – er schrieb Horror und Science Fiction, Fantasy und ein bisschen Gegenwartsliteratur.

Er wollte nach seiner Zeit bei PERRY RHODAN auch einige Kurzgeschichten schreiben, wollte eigene Wege gehen. Dazu ist es leider nie gekommen. Wir haben ihm viel zu verdanken, und wir werden ihn nicht vergessen. (Auf dem Titelbild des Romans »Operation Kobaltblau« hat ihm Swen Papenbrock ein grafisches Denkmal gesetzt.)

21 April 2018

Die Leidenschaft beim Schreiben

Es war eine interessante Diskussionsrunde, an der ich als PERRY RHODAN-Redakteur am Freitagmittag, 20. April 2018, teilnahm. Beim Jahrestreffen des Phantastik-Autoren-Netzwerkes diskutierte ich auf dem Podium mit der Autorin Laura Flöter, dem Autor Christian von Aster sowie Kathrin Dodenhoeft vom Verlag Feder & Schwert sowie Sandra Rothmund vom Thienemann-Verlag.

Die Diskussion leitete Andrea Diener von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Es ging um Autoren und ihre Zukunft, aber auch um die Leidenschaft beim Schreiben von Romanen.

Wahrscheinlich war ich wieder nicht »marketingmäßig« genug, sondern zu ehrlich. Ich erzählte ein wenig darüber, wie Autorenteams beschaffen sein müssen, und dass es bei PERRY RHODAN aber auch wichtig ist, dass Autorinnen und Autoren mit Herzblut an ihre Manuskripte gehen müssen.

Wie wir im Verlauf der Runde – in der es natürlich auch um völlig andere Themen ging – irgendwann auf eine Serie namens »Pony Rhodan« kamen, in der wohl Raumfahrer auf Ponys reiten sollten, vergaß ich hinterher rasch. Aber diesem Punkt der Diskussion wurde im Saal auf jeden Fall gelacht.

Ernsthaft: Die Veranstaltung, zu der ich hoffentlich noch mehr schreiben werde, war insgesamt sehr professionell und hat mir gut gefallen. Aus der Sicht des PERRY RHODAN-Redakteurs gab es vor allem viele neue Kontakte.

20 April 2018

PERRY RHODAN und PAN

Wieso fährt der PERRY RHODAN-Redakteur an einem Freitagmorgen in aller Herrgottsfrühe von Karlsruhe nach Köln? Ich besuche die diesjährige Tagung des Phantastik-Autoren-Netzwerkes – kurz PAN e.V. –, die in Köln stattfindet. Aus Zeitgründen wird es leider nur ein Tag, aber dieser sollte erst einmal genügen.

Unter anderem nehme ich an einem Programmpunkt teil. Ich soll über das Thema »Autor – Beruf mit Zukunft oder Berufung ohne Perspektive?« diskutieren. Dabei nehme ich ja zwei Positionen ein: einerseits als Redakteur, der mit Autoren arbeitet, andererseits als jemand, der gelegentlich auch als Autor veröffentlicht.

Aber natürlich fahre ich auch deshalb nach Köln, um mit Autorinnen und Autoren sowie Verlagsmenschen zu sprechen. Es sind viele Menschen anwesend, die über Gesellschaft und Politik in der phantastischen Literatur diskutieren wollen.

Ich denke, ich werde neue Leute kennenlernen, und es ergibt sich bestimmt auch die Gelegenheit, mit Bekannten zu sprechen. Vielleicht ergeben sich Kontakte, die für die Zukunft wichtig sind.

»PERRY RHODAN ist die Dachmarke für deutschsprachige Science Fiction«, sagte Eckhard Schwettmann einmal, unser Marketingleiter in den späten 90er-Jahren. Damit hatte er sicher recht. Allein deswegen sollte ein PERRY RHODAN-Redakteur bei solchen Veranstaltungen teilnehmen ...

19 April 2018

Die Entdeckung der Doppelnull

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Mein Schulfreund und sein großer Bruder sind und waren die Schuldigen: Ihnen hatte ich es zu verdanken, dass ich im Sommer 1977 auf die PERRY RHODAN-Serie stieß. Ich las mich während der Sommerferien durch den »Blues«-Zyklus und lernte die Meister der Insel kennen.

Dass beide Zyklen nur in Teilen vorhanden waren, störte mich anfangs nicht so sehr, ärgerte mich irgendwann aber. Ich wollte PERRY RHODAN komplett lesen, in der richtigen Reihenfolge und von Anfang an.

Aber so einfach war das nicht. Meine Eltern hatten mir »Schundhefte« verboten. Mit meinen vierzehn Jahren verfügte ich über kein eigenes Einkommen, Taschengeld bekamen wir Kinder keines. Wie sollte ich also an Heftromane kommen? Die einzige Möglichkeit, die ich sah, war eben, irgendwann an eine kleine Arbeit zu kommen, durch die ich ein wenig Geld verdienen konnte.

Und solange ich das nicht erreicht hatte, wollte ich weiterhin Heftromane ausleihen und durchschmökern. Der Sommer ging vorüber, ich las mehrere Dutzend PERRY RHODAN-Hefte. Die Welt des Solaren Imperiums nahm mich immer mehr gefangen. Ich lernte Siganesen und Ertruser zu unterscheiden, freute mich über die Späße des Mausbibers Gucky und begeisterte mich über die Abenteuer des Cheyenne-Indianers Don Redhorse.

So langsam fühlte ich mich in diesem Universum wohl, ich kannte mich aus. Einmal in der Woche fuhr ich mit meinem Fahrrad durchs Dorf, hinauf zum anderen Hügel, dorthin, wo die »Reingeschmeckten« wohnten, also ins Neubaugebiet, wo ich die ausgelesenen Hefte ablieferte und mir einen neuen Stapel holte.

Die achte Klasse begann irgendwann, und die Schule ließ mir weniger Zeit zum Lesen. Mit Fremdsprachen hatte ich meine Probleme, vor allem Französisch erwies sich als knifflig. Meine Noten in Mathematik sackten ebenfalls ab.

Trotzdem blieb ich eifrig bei PERRY RHODAN – das erschien mir wichtiger, als zu büffeln. Ich lernte den »Schwarm«-Zyklus kennen, den es in der zweiten Auflage gab, und stieß langsam in die Hefte der ersten Auflage vor. Die »Aphilie«-Geschichten fand ich richtig toll, auch das daraus abgeleitete Abenteuer mit Perry Rhodan und der SOL.

Und ich erkannte etwas, das den zwei Brüdern offenbar bislang entgangen war: Die einzenen Autoren schrieben völlig unterschiedlich. Die beiden hatten sich weder für die Autoren interessiert noch für die großen Zusammenhänge. Deshalb war ihnen auch egal gewesen, dass sie »durcheinander« lasen. Ich mochte vor allem Geschichten mit Mutanten, und ich liebte die Romane von Clark Darlton und H. G. Ewers, weil es da gelegentlich etwas zu lachen gab.

Die nächste Entdeckung, die ich im Spätsommer 1977 machte, war tatsächlich, dass die Jubiläumsbände etwas Besonderes waren. Ein Roman mit einer »Doppel-Null« leitete einen neuen Handlungszyklus ein, und das war besonders spannend. Diese Romane schrieb meist K. H. Scheer, wie ich erkannte. Und ich beschloss, die Jubiläumsbände mit besonderem Interesse zu lesen.

Immerhin hatten die beiden Brüder in ihrem Chaos aus Heftromanen mittlerweile eine gewisse Ordnung. Dafür war ich verantwortlich. Ich sortierte die PERRY RHODAN-Hefte in Kisten, bevor ich mir einen neuen Packen auslieh, und ich sortierte die Hefte wieder sauber in die Stapel, wenn ich sie zurückbrachte. Die beiden schmunzelten über mich, aber ich wollte die Abenteuer von Perry und Gucky und Atlan so genießen, dass sie sinnvoll aufeinander aufbauten.

Ich schnappte mir »Die Straße nach Andromeda« und nahm mir diesen Roman gründlicher vor als bei der ersten Lektüre. Noch einmal ließ ich mich auf Icho Tolot ein, staunte darüber, dass die riesenhaften Haluter tatsächlich singen sollten, und folgte fasziniert der unfreiwilligen Reise der Terraner durch das geheimnisvolle Sonnensechseck.

So etwas hatte ich zuvor nicht gelesen. Die Geschichte begeisterte mich immer noch. Und weil ich wusste, wie es danach weiterging – mit dem Planeten Horror und den Kämpfen im Twinsystem –, fand ich die Lektüre doppelt spannend.

Anders ging es mir mit Band 300. »Alarm im Sektor Morgenrot« war teilweise umwerfend lustig. Das Auftreten des Freihändlerkönigs Roi Danton, das teilweise absurde Verhalten seiner Begleiter, die Reaktionen von Atlan und Perry Rhodan – darüber konnte ich schmunzeln und lachen.

Aber auch dieser Roman löste eine neue Handlungsebene aus, die ich sehr interessant fand. Über den »M 87«-Zyklus wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel, meine beiden Freunde hatten aus diesem Zyklus nur wenige Romane.

Besser stand es seltsamerweise um den »Schwarm«-Zyklus, die in der zweiten Auflage nachgedruckt worden waren. »Sie kamen aus dem Nichts« war der erste Band dieser Handlungsebene, und er vermittelte ein ganz anders Szenario: Die Menschheit wurde von einer Gefahr bedroht, mit der sie nicht rechnen konnte.

Der vierte Jubiläumsband, der bei meinen Freunden zur Verfügung stand, war Band 700. »Aphilie« war noch einmal etwas ganz anderes, das war ein Band der ersten Auflage; zu diesem Zeitpunkt noch recht frisch. Die Erde im Mahlstrom der Sterne, eine Menschheit ohne Liebe – das war ein Szenario, mit dem ich noch nicht viel anfangen konnte.

Aber ich erkannte, wie vielseitig die PERRY RHODAN-Serie war. Ich ahnte, dass noch viele Romane auf mich warteten und ich das Universum noch lange nicht komplett durchschaute. Am besten wäre es, so dachte ich in diesem Spätsommer 1977, wenn es eine vierte Auflage gäbe und ich die Serie von Band eins an lesen und vor allem sammeln könnte.

18 April 2018

Die Hooris-Prozessoren

»Dieser Körper bot ihm die Möglichkeiten eines Gottes.« Dieser Satz stammt aus dem PERRY RHODAN-Roman, der in dieser Woche erscheinen wird. Verfasst wurde er von Michael Marcus Thurner, der Roman trägt die Bandnummer 2957 und den Titel »Die Hooris-Prozessoren«. Der Autor greift damit ein Geheimnis auf, das in der Serie zum ersten Mal in Band 2900 erwähnt worden ist.

Mit Perry Rhodan ist der Sofortumschalter schlechthin als Hauptfigur dabei; ihm zur Seite steht unter anderem eine Admiralin. Was ich aber am Interessantesten fand: Der Autor erfüllt auch eine Künstliche Intelligenz mit Leben, er lässt Rhodan in einen Dialog mit einer Positronik treten.

Damit macht er das, was Science Fiction immer wieder auszeichnet: Er stellt eine Frage, die gewissermaßen hinter der Geschichte verborgen ist. Was ist Intelligenz, wie kann man sie austricksen? Und nicht zu vergessen: Was ist eigentlich Leben, was ist ein Bewusstsein, und wie kann man welche Inhalte übertragen?

Hinter einer Handlung, die viel Action schildert, transportiert Michael Marcus Thurner also Fragen, die durchaus zum Nachdenken anregen könnten. Das hat mir bei der Lektüre des Manuskriptes immer wieder gefallen.