24 April 2018

Die zweite Erde auf französisch

Ernst Ellert und Carfesch, das geheimnisvolle »Projekt Zweiterde« und der Kampf der Menschen gegen Vishna – wenn ich mir diese Namen und Themen vor Augen führe, werden in mir viele Erinnerungen wach. In den frühen 80er-Jahre bestimmten sie meine PERRY RHODAN-Lektüre.

Für unsere Leser in Frankreich sind sie aktuell. Dieser Tage trafen bei uns in der Redaktion die Belegexemplare von »Projet Deuxième Terre« ein – auch jemand mit schlechten Kenntnissen in französischer Sprache wie ich versteht sofort, was der Titel aussagen möchte. Dabei handelt es sich um Band 358 der PERRY RHODAN-Serie in Frankreich.

Das Titelbild finde ich diesmal übrigens eindrucksvoll. Es hat einen kosmischen Charakter, auch wenn man nicht so genau erkennen kann, was eigentlich zu sehen ist. Aber damit passt das Cover gut zu den Originalromanen, die von H. G. Ewers, Clark Darlton und Kurt Mahr stammten ...

23 April 2018

PERRY RHODAN gratuliert Spirou

Bereits am 21. April feierte eine Comic-Serie ihren achtzigsten Geburtstag – mit einer leichten Verspätung kann heute erst die PERRY RHODAN-Serie gratulieren. Die Rede ist von »Spirou und Fantasio«; die ersten Geschichten um den Hotelpagen Spirou, und seinen Freund, den Journalisten Fantasio, wurden am 21. April 1938 veröffentlicht.

In den vergangenen Tagen hat es nicht an Berichten über die Serie gemangelt. »Spirou und Fantasio« wurde von verschiedenen Autoren und Zeichnern gestaltet, die Serie hatte ihre Höhen, aber auch einige Tiefen – und sie erscheint nach 80 Jahren immer noch. Es mangelt also nicht gerade an Parallelen zu PERRY RHODAN.

Für Science-Fiction-Fans sind die Comic-Abenteuer übrigens nicht uninteressant. Von Anfang an spielten futuristische Aspekte eine wichtige Rolle. Fliegende Autos, exotische Waffen, seltsame Phänomene – vor allem in den 50er- und 60er-Jahren baute die Serie zahlreiche Science-Fiction-Elemente ein.

Ich schätze die einzelnen »Spirou«-Alben, habe sie nahezu komplett und freue mich auf die neuen Bände, die in diesem Jahr noch erscheinen werden. (Unter anderem gestaltete der deutsche Zeichner Flix ein »Spirou«-Abenteuer, das im Ostberlin der 80er-Jahre spielt und im Juli 2018 in den Handel kommt.) Richtig klasse ist darüber hinaus die Gesamtausgabe, die jeweils mehrere Geschichte zu einem dicken Hardcover-Band zusammenfasst.

»Spirou und Fantasio« wandelte sich immer wieder, wurde modernisiert und erhielt »Seitenlinien«. Bei allem blieb die Serie quicklebendig und wird sicher noch weitere Jahre ihre Leser erfreuen. Allein schon aus diesem Grund muss unser Weltraumfahrer dem fröhlichen Hotelpagen gratulieren.

Alles Gute zum Jubiläum, Spirou! Dein Perry ...

22 April 2018

Zehn Jahre ist es schon her ...

Kennengelernt habe ich Ernst Vlcek in den späten 80er-Jahren, nach 1992 arbeiteten wir intensiv zusammen. Er verfasste Exposés für die PERRY RHODAN-Serie, ich war der Redakteur.

Wir diskutierten, und wir stritten, wir tranken Bier und Rotwein, er rauchte, und ich hustete theatralisch. Ich schleppte ihn in das Radiostudio in Karlsruhe, in dem ich eine Radiosendung produzierte; wir gingen gemeinsam in einem See in der Nähe von Wien schwimmen.

Als er bei PERRY RHODAN aufhörte, war das eine folgerichtige Entscheidung. Er wollte als gelegentlicher Gastautor an der Serie mitschreiben, sich aber nicht mehr dem Stress der Abgabetermine aussetzen. Zu einem Gastroman kam es dann nicht mehr, Ernst Vlcek starb am 22. April 2008.

Wenn ich an ihn zurückdenke, sehe ich ihn vor mir: immer mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht, sehr oft mit einer Zigarette in der Hand. Ernst war kein Autor, der seine Romane »sauber« plante. Er war ein Phantast, der Welten erfand und seine Helden in große Nöte brachte. Genre-Konventionen interessierten ihn kaum – er schrieb Horror und Science Fiction, Fantasy und ein bisschen Gegenwartsliteratur.

Er wollte nach seiner Zeit bei PERRY RHODAN auch einige Kurzgeschichten schreiben, wollte eigene Wege gehen. Dazu ist es leider nie gekommen. Wir haben ihm viel zu verdanken, und wir werden ihn nicht vergessen. (Auf dem Titelbild des Romans »Operation Kobaltblau« hat ihm Swen Papenbrock ein grafisches Denkmal gesetzt.)

21 April 2018

Die Leidenschaft beim Schreiben

Es war eine interessante Diskussionsrunde, an der ich als PERRY RHODAN-Redakteur am Freitagmittag, 20. April 2018, teilnahm. Beim Jahrestreffen des Phantastik-Autoren-Netzwerkes diskutierte ich auf dem Podium mit der Autorin Laura Flöter, dem Autor Christian von Aster sowie Kathrin Dodenhoeft vom Verlag Feder & Schwert sowie Sandra Rothmund vom Thienemann-Verlag.

Die Diskussion leitete Andrea Diener von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Es ging um Autoren und ihre Zukunft, aber auch um die Leidenschaft beim Schreiben von Romanen.

Wahrscheinlich war ich wieder nicht »marketingmäßig« genug, sondern zu ehrlich. Ich erzählte ein wenig darüber, wie Autorenteams beschaffen sein müssen, und dass es bei PERRY RHODAN aber auch wichtig ist, dass Autorinnen und Autoren mit Herzblut an ihre Manuskripte gehen müssen.

Wie wir im Verlauf der Runde – in der es natürlich auch um völlig andere Themen ging – irgendwann auf eine Serie namens »Pony Rhodan« kamen, in der wohl Raumfahrer auf Ponys reiten sollten, vergaß ich hinterher rasch. Aber diesem Punkt der Diskussion wurde im Saal auf jeden Fall gelacht.

Ernsthaft: Die Veranstaltung, zu der ich hoffentlich noch mehr schreiben werde, war insgesamt sehr professionell und hat mir gut gefallen. Aus der Sicht des PERRY RHODAN-Redakteurs gab es vor allem viele neue Kontakte.

20 April 2018

PERRY RHODAN und PAN

Wieso fährt der PERRY RHODAN-Redakteur an einem Freitagmorgen in aller Herrgottsfrühe von Karlsruhe nach Köln? Ich besuche die diesjährige Tagung des Phantastik-Autoren-Netzwerkes – kurz PAN e.V. –, die in Köln stattfindet. Aus Zeitgründen wird es leider nur ein Tag, aber dieser sollte erst einmal genügen.

Unter anderem nehme ich an einem Programmpunkt teil. Ich soll über das Thema »Autor – Beruf mit Zukunft oder Berufung ohne Perspektive?« diskutieren. Dabei nehme ich ja zwei Positionen ein: einerseits als Redakteur, der mit Autoren arbeitet, andererseits als jemand, der gelegentlich auch als Autor veröffentlicht.

Aber natürlich fahre ich auch deshalb nach Köln, um mit Autorinnen und Autoren sowie Verlagsmenschen zu sprechen. Es sind viele Menschen anwesend, die über Gesellschaft und Politik in der phantastischen Literatur diskutieren wollen.

Ich denke, ich werde neue Leute kennenlernen, und es ergibt sich bestimmt auch die Gelegenheit, mit Bekannten zu sprechen. Vielleicht ergeben sich Kontakte, die für die Zukunft wichtig sind.

»PERRY RHODAN ist die Dachmarke für deutschsprachige Science Fiction«, sagte Eckhard Schwettmann einmal, unser Marketingleiter in den späten 90er-Jahren. Damit hatte er sicher recht. Allein deswegen sollte ein PERRY RHODAN-Redakteur bei solchen Veranstaltungen teilnehmen ...

19 April 2018

Die Entdeckung der Doppelnull

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Mein Schulfreund und sein großer Bruder sind und waren die Schuldigen: Ihnen hatte ich es zu verdanken, dass ich im Sommer 1977 auf die PERRY RHODAN-Serie stieß. Ich las mich während der Sommerferien durch den »Blues«-Zyklus und lernte die Meister der Insel kennen.

Dass beide Zyklen nur in Teilen vorhanden waren, störte mich anfangs nicht so sehr, ärgerte mich irgendwann aber. Ich wollte PERRY RHODAN komplett lesen, in der richtigen Reihenfolge und von Anfang an.

Aber so einfach war das nicht. Meine Eltern hatten mir »Schundhefte« verboten. Mit meinen vierzehn Jahren verfügte ich über kein eigenes Einkommen, Taschengeld bekamen wir Kinder keines. Wie sollte ich also an Heftromane kommen? Die einzige Möglichkeit, die ich sah, war eben, irgendwann an eine kleine Arbeit zu kommen, durch die ich ein wenig Geld verdienen konnte.

Und solange ich das nicht erreicht hatte, wollte ich weiterhin Heftromane ausleihen und durchschmökern. Der Sommer ging vorüber, ich las mehrere Dutzend PERRY RHODAN-Hefte. Die Welt des Solaren Imperiums nahm mich immer mehr gefangen. Ich lernte Siganesen und Ertruser zu unterscheiden, freute mich über die Späße des Mausbibers Gucky und begeisterte mich über die Abenteuer des Cheyenne-Indianers Don Redhorse.

So langsam fühlte ich mich in diesem Universum wohl, ich kannte mich aus. Einmal in der Woche fuhr ich mit meinem Fahrrad durchs Dorf, hinauf zum anderen Hügel, dorthin, wo die »Reingeschmeckten« wohnten, also ins Neubaugebiet, wo ich die ausgelesenen Hefte ablieferte und mir einen neuen Stapel holte.

Die achte Klasse begann irgendwann, und die Schule ließ mir weniger Zeit zum Lesen. Mit Fremdsprachen hatte ich meine Probleme, vor allem Französisch erwies sich als knifflig. Meine Noten in Mathematik sackten ebenfalls ab.

Trotzdem blieb ich eifrig bei PERRY RHODAN – das erschien mir wichtiger, als zu büffeln. Ich lernte den »Schwarm«-Zyklus kennen, den es in der zweiten Auflage gab, und stieß langsam in die Hefte der ersten Auflage vor. Die »Aphilie«-Geschichten fand ich richtig toll, auch das daraus abgeleitete Abenteuer mit Perry Rhodan und der SOL.

Und ich erkannte etwas, das den zwei Brüdern offenbar bislang entgangen war: Die einzenen Autoren schrieben völlig unterschiedlich. Die beiden hatten sich weder für die Autoren interessiert noch für die großen Zusammenhänge. Deshalb war ihnen auch egal gewesen, dass sie »durcheinander« lasen. Ich mochte vor allem Geschichten mit Mutanten, und ich liebte die Romane von Clark Darlton und H. G. Ewers, weil es da gelegentlich etwas zu lachen gab.

Die nächste Entdeckung, die ich im Spätsommer 1977 machte, war tatsächlich, dass die Jubiläumsbände etwas Besonderes waren. Ein Roman mit einer »Doppel-Null« leitete einen neuen Handlungszyklus ein, und das war besonders spannend. Diese Romane schrieb meist K. H. Scheer, wie ich erkannte. Und ich beschloss, die Jubiläumsbände mit besonderem Interesse zu lesen.

Immerhin hatten die beiden Brüder in ihrem Chaos aus Heftromanen mittlerweile eine gewisse Ordnung. Dafür war ich verantwortlich. Ich sortierte die PERRY RHODAN-Hefte in Kisten, bevor ich mir einen neuen Packen auslieh, und ich sortierte die Hefte wieder sauber in die Stapel, wenn ich sie zurückbrachte. Die beiden schmunzelten über mich, aber ich wollte die Abenteuer von Perry und Gucky und Atlan so genießen, dass sie sinnvoll aufeinander aufbauten.

Ich schnappte mir »Die Straße nach Andromeda« und nahm mir diesen Roman gründlicher vor als bei der ersten Lektüre. Noch einmal ließ ich mich auf Icho Tolot ein, staunte darüber, dass die riesenhaften Haluter tatsächlich singen sollten, und folgte fasziniert der unfreiwilligen Reise der Terraner durch das geheimnisvolle Sonnensechseck.

So etwas hatte ich zuvor nicht gelesen. Die Geschichte begeisterte mich immer noch. Und weil ich wusste, wie es danach weiterging – mit dem Planeten Horror und den Kämpfen im Twinsystem –, fand ich die Lektüre doppelt spannend.

Anders ging es mir mit Band 300. »Alarm im Sektor Morgenrot« war teilweise umwerfend lustig. Das Auftreten des Freihändlerkönigs Roi Danton, das teilweise absurde Verhalten seiner Begleiter, die Reaktionen von Atlan und Perry Rhodan – darüber konnte ich schmunzeln und lachen.

Aber auch dieser Roman löste eine neue Handlungsebene aus, die ich sehr interessant fand. Über den »M 87«-Zyklus wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel, meine beiden Freunde hatten aus diesem Zyklus nur wenige Romane.

Besser stand es seltsamerweise um den »Schwarm«-Zyklus, die in der zweiten Auflage nachgedruckt worden waren. »Sie kamen aus dem Nichts« war der erste Band dieser Handlungsebene, und er vermittelte ein ganz anders Szenario: Die Menschheit wurde von einer Gefahr bedroht, mit der sie nicht rechnen konnte.

Der vierte Jubiläumsband, der bei meinen Freunden zur Verfügung stand, war Band 700. »Aphilie« war noch einmal etwas ganz anderes, das war ein Band der ersten Auflage; zu diesem Zeitpunkt noch recht frisch. Die Erde im Mahlstrom der Sterne, eine Menschheit ohne Liebe – das war ein Szenario, mit dem ich noch nicht viel anfangen konnte.

Aber ich erkannte, wie vielseitig die PERRY RHODAN-Serie war. Ich ahnte, dass noch viele Romane auf mich warteten und ich das Universum noch lange nicht komplett durchschaute. Am besten wäre es, so dachte ich in diesem Spätsommer 1977, wenn es eine vierte Auflage gäbe und ich die Serie von Band eins an lesen und vor allem sammeln könnte.

18 April 2018

Die Hooris-Prozessoren

»Dieser Körper bot ihm die Möglichkeiten eines Gottes.« Dieser Satz stammt aus dem PERRY RHODAN-Roman, der in dieser Woche erscheinen wird. Verfasst wurde er von Michael Marcus Thurner, der Roman trägt die Bandnummer 2957 und den Titel »Die Hooris-Prozessoren«. Der Autor greift damit ein Geheimnis auf, das in der Serie zum ersten Mal in Band 2900 erwähnt worden ist.

Mit Perry Rhodan ist der Sofortumschalter schlechthin als Hauptfigur dabei; ihm zur Seite steht unter anderem eine Admiralin. Was ich aber am Interessantesten fand: Der Autor erfüllt auch eine Künstliche Intelligenz mit Leben, er lässt Rhodan in einen Dialog mit einer Positronik treten.

Damit macht er das, was Science Fiction immer wieder auszeichnet: Er stellt eine Frage, die gewissermaßen hinter der Geschichte verborgen ist. Was ist Intelligenz, wie kann man sie austricksen? Und nicht zu vergessen: Was ist eigentlich Leben, was ist ein Bewusstsein, und wie kann man welche Inhalte übertragen?

Hinter einer Handlung, die viel Action schildert, transportiert Michael Marcus Thurner also Fragen, die durchaus zum Nachdenken anregen könnten. Das hat mir bei der Lektüre des Manuskriptes immer wieder gefallen.

17 April 2018

Als die Klassiker zurückkamen

Über die Geschichte der PERRY RHODAN-Hörspiele könnte man wohl ein halbes Buch schreiben, vielleicht sogar ein ganzes. Bei den Fans stehen die klassischen Europa-Hörspiele aus den 80er-Jahren immer noch hoch im Kurs. Sie wurden damals als Musik-Cassetten veröffentlicht und begeisterten Zigtausende im deutschen Sprachraum.

Im Jahr 1999 kam es zu einer Neuauflage; das Ganze nannte sich »Europa Klassiker«. Diesmal kamen die Hörspiele auf CDs heraus, das war ja auch modern.

Dazu wurde ein Prospekt gedruckt und breit gestreut. (Wir zeigen hier mal das Titelbild.) Das Prospekt war im Prinzip ein beidseitig bedrucktes Blatt im A4-Format. Neben PERRY RHODAN wurden Gruselhörspiele angeboten, die von H. G. Francis verfasst worden waren.

Diese klassischen Hörspiele gibt es übrigens immer noch. Man kann sie bei diversen Streaming-Anbietern hören. Das finde ich gut – so geraten sie nicht in Vergessenheit.

16 April 2018

Der Psi-Schlag ist in der Redaktion

Carfesch, Kytoma, Alaska Saedelaere – wer als langjähriger PERRY RHODAN-Leser diese Begriffe hört, weiß eigentlich schon, in welchem Zeitraum sie anzusiedeln sind: in der Phase nach Band 1000 der klassischen Heftromanserie, als William Voltz mit seinen Exposés seine kosmische Sicht entwickelte. Die Autoren folgten seiner Vision, und es entstanden teilweise brillante Science-Fiction-Romane.

Ich freue mich, dass wir mit den Silberbänden mittlerweile in dieser Phase der Serie angelangt sind. »Der Psi-Schlag« trägt die Nummer 142 und erscheint offiziell im Mai 2018. In der Redaktion trafen bereits die ersten Belegexemplare ein, direkt aus der Druckerei, und ich nutzte das Wochenende, um mein Buch durchzublättern.

Noch einmal geht es um die Endlose Armada, noch einmal erfahren Perry Rhodan und seine Gefährten große kosmische Geheimnisse. Die Vision der damaligen Autoren lässt sich auch im Jahr 2018 noch sehr gut lesen, denke ich ...

13 April 2018

»Der Zeitagent« auf 13 CDs

Ein Logbuch der Redaktion

Zu den klassischen Epochen der PERRY RHODAN-Serie gehört der Vorstoß der Terraner in die Vergangenheit der Erde, gut 50.000 Jahre zurück. Dabei stellen sie fest, dass es bereits vor Jahrzehntausenden eine Erste Menschheit gegeben hat, die Lemurer, deren Zivilisation aber von den sogenannten Bestien vernichtet worden ist.

Zuletzt hörte ich die Silber Edition 29 mit dem Titel »Der Zeitagent« an, gesprochen von Josef Tratnik. Dieses Hörbuch – ich hatte die Box mit den 13 einzelnen CDs im Auto – spielt in dieser Vergangenheit. Allerdings schaffen es die Terraner an Bord der CREST III immerhin, ein Stückchen in die Zukunft zu springen ...

Das möchte ich an dieser Stelle lieber nicht erklären: Wer die alten Geschichten gelesen hat, weiß Bescheid, was mit dem 500-Jahres-Sprung verbunden ist. Wer den klassischen »Meister der Insel«-Zyklus noch nicht kennt, wird von dem kleinen Zeitsprung und seinen Auswirkungen sicher überrascht sein.

Als Clark Darlton, H. G. Ewers, K. H. Scheer und William Voltz die Romane verfassten, schrieb man Mitte der 60er-Jahre. Manche wissenschaftlichen Erkenntnisse heutiger Tage lagen noch nicht vor; das erklärt einige »Holperer«, beispielsweise zur Frühgeschichte der Erde.

Als Horst Hoffmann die Romane im Jahr 1988 für die Ausgabe als Silberband bearbeitete, ließ er solche Dinge bewusst stehen. Das Original überzeugte letztlich durch spannende Geschichten, und die würden eventuell sehr verrutschen, wenn man wissenschaftliche Korrektheit nachträglich einarbeiten würde. Im Nachhinein stimme ich ihm hier absolut zu.

Vor allem zwei Schauplätze prägen die Romane, die dem Silberband zugrunde liegen, der von Eins A Medien in ein Hörbuch verwandelt worden ist. Die Handlung spielt auf der Welt Pigell, also im Wegasytem, und auf der Erde.

Unterschiedliche Figuren nehmen eine wichtige Rolle ein: Der Oxtorner Omar Hawk und sein Okrill Sherlock sind beispielsweise auf Pigell im Einsatz. Perry Rhodan und seine Begleiter haben es dort mit seltsamen Wesen zu tun, bei denen nicht sicher ist, ob es sich um Tiere handelt oder ob sie intelligent sind.

Für mich wurde die Handlung ab dem Moment richtig spannend, als Don Redhorse und seine Begleiter zu den Hauptfiguren wurden. Ich mochte den Cheyenne-Indianer schon, als ich in den 70er-Jahren zum PERRY RHODAN-Fan wurde. Auch im Hörbuch sind Redhorse und seine Gefährten richtig gute Figuren: Aus der Sicht des nicht sonderlich mutigen und eher faulen Brazos Surfat wird ein unfassbares Abenteuer erzählt.

Die Raumfahrer müssen sich auf Pigell mit allen möglichen Wesen herumschlagen. Dann schleudert sie ein Transmitter auf einen fremden Planeten – dieser erweist sich als die Erde.

Aber es ist die Erde nach dem Ende der lemurischen Zeit: Gletscher bedecken große Teile der Oberfläche, der Kontinent Lemuria ist untergegangen, und nur an einigen Stellen haben sich Überlebende halten können. Zu diesen Überlebenden zählen Mutanten, die teilweise fürchterliche Formen angenommen haben, aber ebenso Menschen, die sich nicht von den Terranern um Redhorse unterscheiden.

All diese Geschehnisse sind unterhaltsam, auch nach all den Jahrzehnten. Warum? Weil Redhorse und seine Begleiter zu der Art von Helden zählen, die voller Fehler und Widersprüchlichkeiten stecken, die sich untereinander streiten, aber dann doch zusammenhalten ...

Das hat mich vor Jahrzehnten fasziniert, als ich die entsprechenden Romane las. Und es faszinierte mich dieser Tage, als ich das Hörbuch anhörte. Wer PERRY RHODAN neu erleben will und in einen der klassischen Zyklen einsteigen möchte, dem kann ich die »Meister der Insel« nur empfehlen. »Der Zeitagent« hat's mir wieder bewiesen.

12 April 2018

Raumpiloten und ein Abstieg in die Tiefe

Er war sicher einer der Schriftsteller, die unsere Serie am stärksten prägten: Robert Feldhoff schrieb herausragende Romane, als Exposéautor sorgte er für spannende Handlungsepochen. Ich mochte darüber hinaus auch seine Taschenbücher, in denen er – losgelöst von kosmischen Themen – immer wieder zeigte, wie gut er sich im PERRY RHODAN-Universum auskannte und wie gern er sich darin bewegte.

Der letzte Band der Planetenromane-Reihe, die wir zusammen mit dem Zaubermond-Verlag verwirklicht haben, präsentiert noch einmal zwei Werke von Robert Feldhoff. Ich erinnere mich noch gut, als ich »Abstieg in die Tiefe« las; der Roman war vor meiner Zeit als Redakteur erschienen und hatte mit der ZORN-Körperschaft einen gewissen Cyberpunk-Charakter.

»Raumpiloten« hatte ich selbst als Redakteur betreut. Der Roman bildete damals den Abschluss der Planetenromane, die ich jahrelang bei Heyne und dann bei Burgschmiet gesteuert hatte. Dass er jetzt wieder den Abschluss einer Reihe von Planetenromanen bildet, finde ich da nur konsequent.

11 April 2018

Wir planten das »Allstar-Team«

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Im Frühjahr 2011 wurde die PERRY RHODAN-Redaktion mit ungeahnten Herausforderungen konfrontiert: Das Jubiläum zu fünfzig Jahren PERRY RHODAN stand bevor, ein WeltCon musste veranstaltet werden, und dazu wollten wir eine Sonderpublikation veröffentlichen. Wir wollten zum Jubiläum auch mit den E-Books richtig durchstarten und eine neue Serie in den Handel bringen.

Und das alles fand vor dem Hintergrund statt, dass unsere Buchhaltung im Verlag aufgelöst wurde, um künftig von der Redaktion sowie einem »externen Dienstleister« erledigt zu werden. Wir waren also alle im Dauerstress, während gleichzeitig neue Kolleginnen eingearbeitet werden mussten. Keine guten Voraussetzungen für die neue Serie, die wir intern bereits als PERRY RHODAN NEO bezeichneten.

Vor allem Frank Borsch als Exposéautor fand die Situation nicht gerade optimal. Wir hatten bislang kein offizielles »Okay« von der Konzernleitung, und er wusste am besten, dass noch viel Arbeit vor ihm stand. Es gab durchaus die Befürchtung, dass die Konzepte umsonst sein könnten.

Allerdings hatte ich eine Devise ausgegeben, an die wir uns hielten: »Wir tun jetzt mal so, als hätten wir schon das ›okay‹. Wenn sie uns stoppen, müssen wir schauen, was wir dann tun.«

Aus diesem Grund hatte Frank Borsch schon viele Kapitel des ersten Serienromans geliefert. In einem langen Telefonat, das wir am 5. April 2011 führten, legten wir fest, dass er den Roman nunmehr fertigschreiben und auch gründlich durcharbeiten sollte. Wesentliche Teile lagen seit langem vor, die kannte ich, und über diese hatten wir mehrfach diskutiert.

»Spätestens Mitte Juli brauchen wir das fertige Manuskript«, so vereinbarten wir. In der Folge würden wir alle Termine mit der Setzerei und der Herstellung, dem Lektorat und Korrektorat gut halten können.

Und wie sollte es danach weitergehen? Frank plädierte für ein »Allstar-Team«. Sein Argument: »Wenn wir mit PERRY RHODAN NEO eine neue Version der klassischen PERRY RHODAN-Serie präsentieren wollen, müssen diese Romane unbedingt von den Stammautoren verfasst werden.«

Sein Argument war, dass wir damit von Anfang an eine gute Qualität erzielen würden. Die Teamautoren kannten die Original-Serie seit Jahren, sie waren mit unserer Science-Fiction-Welt bestens vertraut. Also dürfte es ihnen nicht schwer fallen, die neuen Gesichtspunkte gut zu integrieren. Ich war damit einverstanden – und so vereinbarten wir, dass die ersten acht Romane von Teamautoren geschrieben werden sollten.

Trotzdem sollte Frank versuchen, »Autoren von außerhalb« anzusprechen. Wir sprachen über Kollegen wie Andreas Brandhorst oder Andreas Eschbach, die wir beide sehr schätzten. Vielleicht konnte es gelingen, einen in das NEO-Team einzubinden, und sei es nur für einen Gastauftritt.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass ich es nicht schaffen würde, den engen Kontakt zu den Autoren zu pflegen. »Was ich bei der laufenden Serie mache, kann ich bei der neuen Serie nicht auch noch leisten«, argumentierte ich. Auch Elke Rohwer, unsere neue Kollegin in der Redaktion, würde das nicht schaffen.

Also vereinbarten wir bei diesem Telefonat im April 2011, dass Frank die Autoren ansprechen, einplanen und koordinieren würde. Er sollte also nicht nur der Exposéautor sein, sondern in gewisser Weise auch der Außenredakteur. Uns war klar, dass »es bei NEO bei jedem Band einiges an inhaltlicher Koordinationsarbeit geben wird – das Ganze ist zu komplex, als dass wir mit einer Nummernshow durchkommen, bei der wir bequem in jedem Roman zu einem anderen Schauplatz springen und der Autor machen kann, was er will«.

Frank sollte intensiv mit Elke Rohwer zusammenarbeiten. Mir würde vor allem 2011 die Zeit fehlen, intensiv an den Texten für PERRY RHODAN NEO mitzuwirken – das sollte die Redakteurin machen. Sie würde zudem das Lektorat übernehmen und mit Frank über die Inhalte der Exposés diskutieren. Sie sollte die Fäden in der Hand halten, zusammen mit Frank natürlich.

»Apropos Exposés …«, sagte ich an dieser Stelle des Telefonats. Der Autor wusste Bescheid, er war schon mitten in der Arbeit. Noch im Verlauf der Woche wollte er die Exposés für die erste Handlungsstaffel liefern. Wir wollten den Schwerpunkt auf »runde und lebendige Charaktere« legen, die Technik der Raumschiffe sollte »klar und praktisch definiert« werden.

Wir waren uns einig darüber, die Politik der nahen Zukunft so realitätsnah wie möglich zu beschreiben, aber nicht zu sehr ins Detail zu gehen. PERRY RHODAN NEO sollte kein Polit-Thriller werden, sondern ein spannendes Science-Fiction-Abenteuer, eine Verneigung vor der klassischen Serie.

In unserem Telefonat schafften wir es auch, die heiklen Themen aus dem Weg zu räumen. So hatten wir vor, den ersten Roman der Serie als kostenloses E-Book anzubieten; der Autor musste hier also auf mögliche Einnahmen verzichten – aber wir fanden eine Regelung, mit der beide Seiten leben konnten.

Als ich an diesem Tag das Telefonat beendete, atmete ich tief durch. Die nächste Besprechung stand an, eine von vielen in diesen Tagen. PERRY RHODAN NEO aber war auf einem richtig guten Weg. Ich war sicher, dass wir die geplanten acht Romane veröffentlichen würden – sie würden sicher auch gut ankommen …

10 April 2018

Die Herren von Adarem

Zwischen Gefängniszelle und Labortrakt: Das Leben der Hauptfiguren, das im nächsten Roman von PERRY RHODAN-Olymp geschildert wird, ist entbehrungsreich und zumeist unwirtlich. Zumindest erzählt Dietmar Schmidt in »Die Herren von Adarem«, dem achten Band der Miniserie, nicht gerade von ausschweifenden Feiern und fröhlichen Trinkgelagen.

Der Autor springt dabei geschickt zwischen den einzelnen Handlungsschauplätzen hin und her. Die einzelnen Figuren – mit ihren subjektiven Wahrnehmungen – schildert er auf diese Weise sehr plastisch. Und er kommt gut mit der Figur des Perry Rhodan klar, der nicht für alle Autoren gleichermaßen gut »funktioniert« ...

09 April 2018

Ein Neu-Konzept für ATLAN

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Zu Beginn des Jahres 2000 stand es endlich fest: Wir würden die ATLAN-Bücher fortsetzen, in derselben Gestaltung wie zuvor und auch mit einer fortlaufenden Nummerierung. Mehrere Gespräche mit Rainer Castor hatte ich geführt, auch im Verlag hatte ich entsprechend vorgefühlt. Wir hatten von allen Seiten ein »Okay« erhalten und konnten endlich loslegen.

Auf die 13 Bände der sogenannten Zeitabenteuer und die drei Bände der Arkon-Trilogie sollte endlich das kommen, worauf ich mich selbst sehr freute: die Jugendabenteuer des Arkoniden in einer schönen Auflage, die man sich als Fan auch gern ins Regal stellen würde. Ich hatte sie in der zweiten Auflage gelesen, wenngleich mit vielen Lücken, und hatte die Mischung aus Science Fiction, großem Abenteuer und einer Spur Fantasy sehr gemocht.

Für Außenstehende war die bisherige Veröffentlichung der Romane allerdings nur schwer nachzuvollziehen. Die Jugendabenteuer waren unter dem Doppeltitel »ATLAN-exklusiv« und »Der Held von Arkon« veröffentlicht worden – ab 1973 im Rahmen der ATLAN-Heftromanserie.

Anfangs kamen die Jugendabenteuer alle vier Wochen. Das hieß: Band 88 der ATLAN-Serie war ein Jugendabenteuer. Die Bände 89, 90 und 91 wiederum spielten in der Zeit des Solaren Imperiums und erzählten im Rahmen von »Im Auftrag der Menschheit« USO-Abenteuer, bevor es mit Band 92 wieder in die Vergangenheit ging.

Für viele Leser war das durchaus kompliziert – und wenn ich das heutzutage erklären muss, wird es noch kniffliger. Ab Band 128 wurde auf einen zweiwöchentlichen Wechsel umgestellt: einmal Vergangenheit, einmal Zukunft. Um es richtig kompliziert zu machen, wechselten sogar Figuren diese Zeitebenen.

Ab Band 177 erschienen in den ATLAN-Heften nur noch die Jugendabenteuer des Arkoniden, häufig in der Ich-Perspektive erzählt – sie schienen offenbar bei den Lesern gut anzukommen. Womöglich waren die USO-Geschichten einfach »auserzählt«; in meinen Augen war es damals auch die schwächere Handlung.

Mit Band 299 endeten die Jugendabenteuer. Es standen für unser neues Projekt  insgesamt 160 Romane zur Verfügung, und Rainer Castor sollte daraus eine schöne Buchausgabe machen. »Die Serie kenne ich von früher«, freute ich mich, »aber ich habe sie nie vollständig gelesen. Jetzt endlich gibt es sie komplett.« Ich hatte richtig Lust auf die Zusammenarbeit.

Auch Rainer Castor schien die Herausforderung mit Begeisterung anzunehmen. Er versuchte mich aber einzubremsen. »Nicht jeder der Romane ist so richtig brillant«, sagte er bei einem Gespräch und hüstelte betont auffällig.

Aber er wollte versuchen, alle Romane zu übernehmen. Es sollte keine Buchausgabe werden, die sich an den PERRY RHODAN-Silberbänden orientierte. Dort wurden immer wieder einzelne Romane weggelassen, weil sie die Gesamthandlung nicht voranbrachten. Bei der ATLAN-Buchausgabe wollte Rainer alles in die Bücher packen, nötigenfalls eben straff bearbeitet oder um »rhodanhistorische« Daten ergänzt.

Man könnte die Serie sogar in Zyklen gliedern, darauf wies er in einem ersten Arbeitspapier hin, das er Anfang 2000 an den Verlag schickte. So könnte man die Geschichten um die Varganen ebenso als eigenen Zyklus betrachten wie die Handlung um die »Goldene Göttin« oder um Akon-Akon. Da musste ich passen: Akon-Akon kannte ich nur vom Namen her.

»Kriegst du das wirklich alles unter?«, fragte ich Rainer Castor. In seiner unnachahmlichen Art antwortete er mit einem trockenen »Jo« und einem breiten Grinsen. Mir war klar, dass er der ideale Mann für eine solche umfangreiche Arbeit sein würde. Wenn alles gut ging, wäre die ATLAN-Buchausgabe damit ein Projekt für mehrere Jahre.

Jeweils im Frühjahr und im Herbst sollte einer der sogenannten Blaubände erscheinen. Und in jedem dieser Blaubände wollte Rainer exakt fünf der klassischen Heftromane verarbeiten. Für die Titelbilder wollte er auf Originale von Johnny Bruck zurückgreifen, für die Vor- und Nachsatzseiten hatte er an neue Inhalte gedacht: »Ich mache gesondert gestaltete Karten zur Veranschaulichung der Schauplätze«, schlug er vor. Dann wüssten die Leser, wo die Handlung spiele und wie das Arkon-Imperium aussehe.

»Sofern es im Zuge der Bearbeitung zu keinen Kürzungen kommt und sämtliche Romane einfließen«, so formulierte es der Autor in seinem Konzept, »handelt es sich um ein Gesamtprojekt, das insgesamt 32 HCs umfasst (HC 17 bis 48) und mit dem Erscheinen des letzten im Frühjahr 2016 beendet würde.«

Kürzungen wollte er nicht ausschließen. Das würde sich aber erst »bei der Einzelbearbeitung herausstellen«. Bei den ersten vier Büchern »ergibt sich nach einer ersten Sichtung der Romane diese Notwendigkeit noch nicht«, resümierte er.

Wir besprachen das Thema intern. Sabine Kropp sollte das Projekt als Redakteurin steuern. Und so eröffneten wir im Frühjahr 2000 ein umfangreiches Buchprojekt, das uns noch viel Freude und Arbeit machen sollte ...

08 April 2018

Besprechung zu Band 3000

Nicht zum ersten Mal traf ich mich mit Autoren in Raunheim; die Gemeinde bei Frankfurt liegt verkehrsgünstig, das NH-Hotel ist für alle Beteiligten gut zu erreichen. Am Freitag, 6. April 2018, setzten sich Christian Montillon, Wim Vandemaan und ich dort zu einer Besprechung zusammen, zu der auch ein Mittagessen und ein ausgiebiger Spaziergang zählten.

Ausschließliches Thema war dabei der Band 3000 und die darauf folgenden Romane. Nach der Autorenkonferenz, auf der wir den neuen Zyklus bereits besprochen hatten, war dieses Treffen nun dazu zu, die bisherigen Ideen und Erkenntnisse weiter zu vertiefen.

Teilweise gingen wir bereits in die Feinheiten der Handlung: Was passiert in welchem Band, welche Figur taucht wann eigentlich auf? Wir sprachen ebenso über Gastautoren: Was ist hier möglich, wann könnte die betreffende Person mit ihrer Arbeit beginnen?

Darüber hinaus ging es oft um das Grundsätzliche: Wie steuern wir Figuren, welche Erwartungen haben die Leser, wie arbeiten erfolgreiche Schriftsteller und Fernsehserienmacher? Am Ende der Besprechung hatte jeder von uns eine Reihe von »Arbeitsaufträgen«, die uns sicher noch eine Weile beschäftigen werden ...

06 April 2018

Mit Volldampf in die Eastside

Die Blues sind die Außerirdischen, die ich in der PERRY RHODAN-Serie schon immer am meisten gemocht hatte. Deshalb finde ich es richtig gut, dass sie jetzt auch in PERRY RHODAN NEO ihren Auftritt haben werden – erste Andeutungen gab es ja schon vorher.

Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm haben die Blues aus der klassischen Serie genommen und für NEO ein wenig umgeändert. Man erkennt sie aber eindeutig wieder. Die Namen sind aber beispielsweise anders, um mal einen Unterschied zu nennen.

Und Arno Endler hat mit seinem »Brennpunkt Eastside« einen richtig schönen Einstiegsband geliefert. Die Handlung springt von Person zu Person, die ist sehr abwechslungsreich und zeigt die Welt der Eastside aus unterschiedlichsten Perspektiven. Das hat mir gut gefallen – für mich als »Altleser« war das ein großer Spaß.

(Der Roman ist ab heute offiziell im Handel. Ich bin darauf gespannt, wie der Start in die neue Handlungsstaffel ankommen wird.)

04 April 2018

Land der Seligen

»Er war Gucky, der letzte Ilt, Retter des Universums, und er würde sich nicht von so einem dicken Kaiser zu einer Ewigkeit im Tal der Schmerzen verdammen lassen!« Dieses starke Zitat entstammt dem Roman »Land der Seligen«, den Madeleine Puljic verfasst hat und der in dieser Woche in unserer Miniserie PERRY RHODAN-Olymp erscheint.

Dabei veranstaltet die Autorin nicht nur ein Gucky-Feuerwerk, sondern bietet auch spannende Einblicke in die Situation auf der Handelswelt Olymp. Mir gefiel unter anderem sehr gut, wie es die Autorin schafft, solche Figuren stärker in den Vordergrund zu schieben, die ansonsten oft »untergehen«.

Ich mag beispielsweise in dieser Miniserie den Rospaner namens Talin Buff, den Susan Schwartz vor allem als »Sidekick« für den Kaiser von Olymp in die Handlung gebracht hat. Bei Madeleine Puljic wird klarer, dass Talin Buff alles andere als der trottelige Helfershelfer ist, als den ihn manche der Menschen sehen, die auf Olymp und um den Kaiser herum eine wichtige Rolle spielen ...

03 April 2018

Der erste offizielle Leipzig-Besuch - Teil 2

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

 Ab dem Freitag, 21. März 1997, war ich auf der Leipziger Buchmesse. Es war die erste, die von der PERRY RHODAN-Redaktion und mir »offiziell« besucht wurde, und gleichzeitig sollte es die letzte sein, die in den alten Messehallen veranstaltet wurde.

Ein aktueller Schwerpunkt an unserem Messestand waren die Space Thriller. Natürlich zeigten wir vor allem die aktuellen Silberbände, aber die neue Buchreihe wollten wir ebenfalls bewerben. Die ausgestellten »Dummy«-Bände wurden eifrig bestaunt und diskutiert – leider konnten wir noch keine Leseproben verteilen.

Im Dauereinsatz war von Anfang an unser Exposéautor. Robert Feldhoff musste eigentlich ständig Autogramme geben. Während der Messetage war er zudem stets in den Medien präsent. Man konnte ihn auf diversen Radiosendern hören; zudem wurde er von mehreren Zeitungen vorgestellt.

Wenn wir uns zu zweit in eine Ecke stellen oder setzen konnten, um über Inhalte zu sprechen, empfand Robert das geradezu als Erholung. Die Handlung in der fernen Galaxis Shaogen-Himmelslicht wurde von uns diskutiert. Wir dachten uns neue Abenteuer für Reginald Bull und Perry Rhodan aus und machten klare Pläne, wie die Handlung auf den Jubiläumsband 1900 zugespitzt werden konnte.

Schön fanden wir am Messestand einen Besuch durch unsere tschechischen Kollegen. Sowohl der Verlagsleiter als auch der Übersetzer unserer tschechischen Partner kamen vorbei– sie sprachen beide gutes Deutsch, während wir kein Wort tschechisch konnten. Sie zeigten sich von der Entwicklung des »Thoregon«-Zyklus in ihrem Land sehr zufrieden. Die Serie sei recht erfolgreich, sie steuerte zu dieser Zeit auf Band 100 zu.

Interessant war auf der Leipziger Buchmesse ein anderer Punkt, der mit Science Fiction zwar nichts zu tun hatte, mich aber dennoch sehr freute. Rainer Castor, der zu dieser Zeit gerade seine ersten PERRY RHODAN-Taschenbücher veröffentlicht hatte, konnte am Stand des renommierten Haffmanns Verlags seinen ersten eigenen Roman vorstellen.

»Der Blutvogt« war ein großes historisches Thema; der Roman spielt im Mittelalter in Berlin. Wie der Verlag den Roman präsentierte, das fand ich toll – das hielt Rainer Castor aber nicht davon ab, lieber am PERRY RHODAN-Stand zu sitzen und dort eine Zigarette nach der anderen zu rauchen. (Ja!, damals durfte man noch in geschlossenen Räumen rauchen.)

Nachdem ich den Freitag auf der Messe verbracht hatte, ging es abends zu einem gemeinsamen Abendessen in die Innenstadt. Eckhard hatte nicht nur die Standbesatzung eingeladen, sondern auch einige Fans und Journalisten. Dabei lernte ich erstmals zwei Mitglieder des ADAC, des Allgemeinen-Deutschen Atlan-Clubs, kennen. Die beiden entpuppten sich als pfiffig und intelligent – sie unterhielten sich vor allem mit Eckhard Schwettmann und Klaus Bollhöfener.

Robert Feldhoff und ich hatten die andere Seite des Tisches für uns: Dort saßen die Journalisten, die beim einen oder anderen Bier viele Fragen zu PERRY RHODAN und unserer Arbeit hatten.

Der Samstag gehörte einer Fan-Veranstaltung im Leipziger Kulturbundhaus. Mittags präsentierten sich die örtlichen Clubs, dazu gab es eine Verkaufsbörse. Eckhard fuhr schon am frühen Nachmittag zu den Fans, während wir anderen noch auf der Messe waren. Robert und ich kamen auch prompt zu spät – wir hatten uns bei der Diskussion um Ideen nach Band 1900 fast festgeredet.

Rund dreißig Fans saßen im Saal und ließen sich von Eckhard Schwettmann die aktuellen Pläne im Marketing erläutern. Das war interessant, und so setzten sich Robert und ich gern in die letzte Reihe, um uns den Vortrag anzuhören. Später gingen wir ebenfalls auf die Bühne und beantworteten die Fragen der Fans. Robert musste wieder Autogramme geben, und am späten Abend löste sich die Veranstaltung auf.

Der Sonntag war fast schon gemütlich. Wir saßen und standen in der Messehalle, wir sprachen mit Besuchern und Buchhändlern, wir diskutierten über Inhalte. Als wir uns am frühen Abend trennten, um die jeweilige Heimreise anzutreten, war ich gebührend müde und erschöpft.

Ich fand die Leipziger Buchmesse – die erste für PERRY RHODAN – sehr spannend und interessant. Und ich war mir sicher, nicht zum letzten Mal in der Messestadt gewesen zu sein …

Der erste offizielle Leipzig-Besuch - Teil 1

Die Leipziger Buchmesse im März 1997 … ich fieberte dem Ereignis schon mehrere Wochen und Monate im voraus entgegen. Gründe dafür gab es genug: Seit ich angefangen hatte, für die PERRY RHODAN-Redaktion tätig zu sein, hatte ich immer wieder vorgehabt, in Leipzig auf der Buchmesse für unsere Serie aktiv zu werden.

Die Stadt kannte ich aus den 80er-Jahren, als ich zu DDR-Zeiten Bekannte besucht hatte; auch in den frühen 90er-Jahren war ich mehrfach in der Stadt, die sich in den hektischen »Wendezeiten« in rasendem Tempo veränderte. Zeit für die Buchmesse hatte ich in all den Jahren allerdings nie gehabt.

Es war letztlich Eckhard Schwettmann zu verdanken, der 1996 zum Marketingleiter von PERRY RHODAN ernannt wurde. Sein Ziel war von Anfang an, die Serie stärker in den fünf neuen Ländern zu verankern. Die Leser in Leipzig und Dresden, Halle und Magdeburg, Erfurt und Rostock kannten unsere Serie schließlich so gut wie gar nicht – also lag es nahe, entsprechend Flagge zu zeigen.

Das sollte nicht nur mit einem Stand auf der Buchmesse geschehen. Mithilfe eines Public-Relations-Experten hatte Eckhard dafür gesorgt, dass die Presse in Leipzig gegenüber der PERRY RHODAN-Serie sehr aufgeschlossen war. Und er hatte sowohl Bauzäune plakatieren als auch in Vorortzügen Werbung für unsere Serie platzieren lassen. Wer im März 1997 durch Leipzig spazierte, hatte also gute Chancen, auf PERRY RHODAN-Werbung zu stoßen.

Die Messe begann am Dienstag, ich fuhr allerdings erst am Freitag, 21. März 1997, nach Leipzig. Mit mir reiste Robert Feldhoff an, unser Exposéautor. Am Stand waren bereits Eckhard Schwettmann als Marketingleiter und Klaus Bollhöfener, der zu dieser Zeit die PERRY RHODAN-FanZentrale leitete.

Zwar kannte ich Leipzig ein wenig, aber ich betrat in diesen Tagen zum ersten Mal das legendäre Messehaus am Markt. Es war die letzte Messe in diesen Räumlichkeiten, ab 1998 sollte alles in den neuen Messehallen am Stadtrand zelebriert werden. Eine ganze Reihe von Messebesuchern bereute dies, wie ich in manchen Gesprächen erfuhr: Das alte Messehaus habe seinen charakteristischen Charme, da fühle man sich wohler, das neue Messezentrum sei zu weit außerhalb, das sei ja schon wie in Frankfurt.

Ich mochte das alte Messehaus, und beim ersten Eindruck gab ich den kritischen Buchhändlern und Kunden recht. Das Leipziger Messehaus war verwinkelt, geradezu eng, aber es wirkte gleichzeitig sehr familiär und freundlich. Die Böden waren uneben, die Gänge verliefen manchmal schräg, und die Stände wurden sehr dicht gesetzt.

PERRY RHODAN präsentierte sich zurückhaltend. Wir erschienen nicht unter dem Dach der Verlagsunion Pabel Moewig KG – die einen eigenen Stand hatte –, sondern als separate Marke. Der Stand war nicht sehr groß, gerade mal neun Quadratmeter, wurde aber durch eine, wie ich finde, gelungene Optik und unseren Video-Turm stark aufgewertet. Der Video-Turm bestand aus einem großen Fernseher und einem Videogerät, wir zeigten praktisch ununterbrochen die Demoversion unseres aktuellen Computerspiels »Operation Eastside«.

Als ich endlich am Stand eintraf, begrüßte mich Eckhard Schwettmann mit einem strahlenden Lächeln. Bisher sei die Messe sehr gut verlaufen: »Ganze Schulklassen wurden durch die Messe geschleust«, erzählte er, »und die interessierten sich in Scharen für PERRY RHODAN.« Darüber hinaus habe er schon mehrere Gespräche mit Journalisten und Buchhändlern geführt.

Das war ohnehin etwas, das mir sofort auffiel: Durch die Enge in den Gängen kamen die Gespräche sehr schnell zustande; die Kontaktaufnahme verlief immer flott. Uns am PERRY RHODAN-Stand konnte das nur recht sein. Viele »allgemeine« Leser kamen, die mehr über PERRY RHODAN wissen wollten, dazu schauten Fans aller Altersklassen und Buchhändler vorbei.