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23 Juli 2026

Grundsatzdiskussionen im Vorfeld des WeltCons

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich« 

Zur letzten großen Besprechung vor dem großen PERRY RHODAN-WeltCon fanden sich Katrin Weil und ich im Konferenzraum der Geschäftsführung ein. Wir hatten an diesem 31. August 2011 eigentlich keine Zeit für ausführliche Gespräche, weil wir an vielen Themen gleichzeitig arbeiteten – aber die vielen Diskussionen brauchten ihre Zeit, und so dauerte die Konferenz sage und schreibe drei Stunden.

Vor allem der anstehende WeltCon wurde zum Thema für viele Diskussionen. Wir wussten kurz vor der Veranstaltung noch nicht, wie viele Besucher wir in Mannheim haben würden. Ich wurde gefragt, wieso wir es nicht geschafft hätten, externe Sponsoren anzusprechen; diese seien doch in der Lage gewesen, etwaige Defizite der Veranstaltung aufzufangen.

Ich verwies darauf, dass wir das versucht hätten, dass aber auch der Kollege aus dem Verlag, der sich mit dem Thema beschäftigt hatte, nichts erreicht hätte. Und als ich »auf dem letzten Drücker« im Sommer noch ein Konzept für Sponsoren geschrieben hätte, sei das schlicht zu spät gewesen. Der Unmut blieb allerdings.

Für Ärger sorgte auch die Zusammenarbeit mit der Firma, über die wir den Vorverkauf laufen ließen. Ich berichtete von Beschwerden der Besucher, die sich über die übersteigerten Gebühren der Firma einerseits und einen schlechten Service andererseits ärgerten. Ich wiederum hätte gern klare Zahlen gehabt – aber man sagte mir immer wieder, dass ich damit erst nach dem WeltCon rechnen könnte. In diesen Tagen war ich sehr oft sehr dünnhäutig, die Arbeitsbelastung war extrem hoch; bei dieser Besprechung war ich mehrfach kurz davor, richtig laut zu werden.

In Zusammenhang mit dem WeltCon und unserem Serienjubiläum wurde immerhin gelobt, dass unsere Pressearbeit gut gelaufen war. Wir hatten zahlreiche Interview-Anfragen, viele Journalisten riefen bei uns an und wollten mit Autorinnen und Autoren oder gelegentlich auch mit mir sprechen. Das kam alles »on top«, wie ich betonte. All diese Arbeiten mussten »nebenbei« erledigt werden.

Nicht zu vergessen der Dokumentarfilm »Unser Mann im All«, den die Firma Florianfilm verantwortete: Am 31. August 2011 sollte die Premiere erfolgen; zu diesem Zeitpunkt wussten wir allerdings noch nicht, wie sie gelaufen war. Am 1. September würde man in Hamburg die Kurzversion zeigen, die dann bei ARTE im Fernsehen laufen sollte. Inwiefern wir bei dieser Aufführung die Kolleginnen und Kollegen der Konzern-Kommunikation einbinden sollten, war noch nicht ganz klar.

Danach ging es an die Themen, die für unsere wöchentliche Produktion wichtig waren. Im Juli war mit »Das Thanatos-Programm« der aktuelle Jubiläumsband erschienen. Uwe Anton hatte damit den »Neuroversum«-Zyklus eingeleitet, für den er auch die Exposés verfasste. Der Band hatte sich deutlich besser als die vorherigen Romane verkauft, danach war die Auflage aber wieder ein wenig abgesackt, so dass wir wieder auf dem bisherigen Stand waren. Wie sich der Zyklus und seine Verkaufszahlen weiter entwickelte, mussten wir nun abwarten.

Bei den Planetenromanen waren die Auflagenzahlen nicht so begeisternd; die Verkäufe reduzierten sich von Roman zu Roman. Mein Argument war, dass viele der Stammleser diese Geschichten schon kannten; wir sollten deshalb neue Romane veröffentlichen. Das Thema wollten wir aber erst einmal schieben: »Wenn PERRY RHODAN NEO gut läuft, gibt das auch den Planetenromanen einen Schub«, hoffte unser Geschäftsführer.

Für die neue Serie rührten wir auf jeden Fall die Werbetrommel. Plakate für den Bahnhofsbuchhandel wurden gedruckt, in 15 Sekunden langer Kurzfilm für die Fernsehwerbung wurde vorbereitet. Im Zeitraum vom 29. September bis 1. Oktober 2011 wollten wir damit vor allem »eine männliche Zielgruppe« ansprechen. Wir hatten Thekenaufsteller produzieren lassen, die in den Fachgeschäften platziert werden sollten

Ein wichtiges Thema war zudem das PERRY RHODAN-Extra. Die zwölfte Ausgabe hatte sich sehr ordentlich verkauft, wenngleich wir nicht begeistert waren. Wir hofften auf die Ausgabe 13, für die wir eine spezielle Beilage vorgesehen hatten: Wir würden die Perrypedia beilegen – auf einer CD-ROM.

Das Online-Lexikon, das von PERRY RHODAN-Fans zusammengestellt wurde, wuchs seit einiger Zeit mit rasendem Tempo, und ich fand es gut. Aber nicht jeder Leser kannte es, und wir wollten es so allen Leserinnen und Lesern als Nachschlagewerk zur Verfügung stellen. Mit den Fans, die für die Perrypedia verantwortlich waren, hatten wir eine entsprechende Vereinbarung geschlossen.

»Das wird die teuerste Beilage, die wir bisher hatten«, wurde ich kritisiert. Aus diesem Grund sollte sich der Preis für das PERRY RHODAN-Extra auch erhöhen – er wurde auf 3,95 Euro festgelegt. Ich war dennoch optimistisch, dass die Kunden diesen Preis akzeptieren würden; das Heft hatte sich zuletzt bewährt, und ich mochte die Art der Zusammenstellung selbst sehr.

09 Juli 2026

Orpheus Chambers und die Unterwelt

Aus der Reihe »Der Redakteur erinnert sich«

Wenn es eine typische Figur gab, wie sie nur der in Köln lebende Schriftsteller Peter Terrid erfinden konnte, war es Orpheus Chambers. Der Detektiv wurde vom Autor als eine eigenwillige Person geschildert, die zu viel wog und stets ein wenig schmuddelig aussah. Seine künstlichen Augen sorgten dafür, dass er besondere Aufgaben wahrnehmen konnte – am meisten aber faszinierte er durch seinen leicht schrägen Charakter und seine schnelle Auffassungsgabe.

Der häufig phlegmatisch wirkende Privatdetektiv mit Übergewicht trat nur in zwei Romanen auf, blieb bei mir aber in bester Erinnerung. Das ist vor allem dem Taschenbuch mit dem Titel »Gesänge aus der Unterwelt« zu verdanken, das als Band 400 der Planetenromane im Juli 1996 veröffentlicht wurde.

Ich erinnere mich noch gut an die Kommunikation, die ich mit dem Autor wegen des Manuskripts hatte und wie wir an dem Thema gerungen hatten.

Sein erstes Konzept für den Roman schickte mir Peter im April 1995. Zu dieser Zeit leitete Dr. Florian F. Marzin als Chefredakteur alle Romanserien des Pabel-Moewig Verlags und war zudem für das Programm der Moewig-Buchverlage verantwortlich. Bei der Steuerung der Planetenromane ließ er mir weitestgehend freie Hand; wir sprachen die Themen aber immer durch.

Peter Terrid leitete die drei Konzeptseiten mit einer Auflistung möglicher Romantitel ein: »Gesänge aus der Unterwelt« nannte er als erstes, »Ein Fall für Orpheus Chambers« war bereits der zweite Vorschlag, und natürlich durfte auch so etwas wie »Der Schnüffler und der Kommissar« nicht fehlen. Aber es war uns beiden bewusst, dass sich bei einem solchen Roman nur ein einziger Titel sinnvoll sein konnte …

Peter wusste, dass sein Roman für die Jubiläumsnummer gedacht war, und das sagte ich ihm bereits im Vorfeld. Also wählte er ein Thema, das über den normalen Rahmen eines PERRY RHODAN-Taschenbuches hinausgehen sollte: nicht nur eine Geschichte, die im Universum unserer Serie spielte, sondern eine Geschichte, die man auch »normalen Lesern« verkaufen konnte.

Dabei war dem Autor wichtig, seine Idee klar im Perryversum zu verankern. In seinem Exposé ging er deshalb ausführlich auf die Welt ein, auf der die Handlung spielen sollte. Shahan sollte im Chrodwhansystem liegen, das von ihm nicht weiter definiert wurde. Der Autor bezeichnete den Planeten als »eine idyllische Welt, ein idealer Urlaubsort, gewissermaßen ein planetengroßes Kurbad der Luxusklasse«.

Die Welt, so das Exposé, sollte sich auf das Thema Musik spezialisieren. »Alle möglichen natürlichen Vorgänge des Planeten wurden mit technischen Mitteln zu Klangereignissen umgewandelt« – das alles sei lange vor der Besiedelung durch die Terraner geschehen, aber die Musik sei geblieben.

Als Zeitraum für die Handlung wählte Peter die Jahre, nachdem die sogenannten Imprint-Outlaws nach Hirdobaan aufgebrochen sind. Für die eigentliche Handlung spielt das nur insofern eine Rolle, dass man eben die Figur Perry Rhodan nicht in die Geschichte packen kann – das war absichtlich so gelegt.

Der Zusammenhang war ebenfalls klar: Auf der Welt, die sich dem Tourismus verschrieben hatte, sollten vor allem prominente Leute von der Erde untergebracht werden, die von der sogenannten Imprint-Sucht befallen waren. Der Autor konstruierte also einen politischen Hintergrund für die eigentliche Geschichte.

Peter Terrid führte zudem den LFT-Kommissar in das Exposé ein. Geo Sheremdoc, eigentlich eine typische Figur von Robert Feldhoff, war vor Band 1800 ein Politiker in unserer Serie, der zugleich als tatkräftig geschildert wurde. Die eigentliche Arbeit sollte aber der Detektiv leisten.

»In der Elite-Gesellschaft von Shahan wirkt Chambers natürlich restlos fehl am Platze«, so schrieb Peter Terrid in seinem Exposé, »zumal er sich auch nicht die geringste Mühe gibt, ein wenig Charme zu entwickeln.« Als ich das las, stellte ich mir bereits die Szenen vor. Für mich war der Fall an dieser Stelle klar: Das war ein Thema für einen Planetenroman, eine Mischung aus Science Fiction und Krimi, und damit konnte man auch Leserinnen und Leser ansprechen, die unsere Serie bisher nicht kannten.

Und wie brachte der Autor nun die Imprint-Süchtigen, den Hintergrund mit der vielfältigen Musik und seinen schmuddeligen Privatdetektiv zusammen? Das wusste Peter Terrid zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht. Er schlug mir drei Modelle vor, mit denen er die Handlung vorantreiben wollte. Dabei griff er auf Ideenpapiere zurück, die er bei der Autorenkonferenz vorgelegt hatte, die dort aber nicht auf große Begeisterung im Team gestoßen waren.

Als Beispiel erwähne ich eine Variante, die er mir vorschlug: »Und drittens – dies wird abhängen vom Ausgang der Konferenz in Rastatt – kann in diesem Roman erstmalig auf das geheime Wirken von Mirona Thetins Agenten in der Milchstraße eingegangen werden, gleichzeitig als kleine Kostprobe von dem, was in der Serie noch kommen wird.«

Nachdem ich das Exposé gründlich durchgelesen hatte, besprach ich es mit dem Autor. »Wir machen das«, sagte ich, »aber wir müssen unbedingt den Termin einhalten. Heyne will mit dem Taschenbuch eine Aktion machen, also brauchen wir es zeitig.«

Der Autor versprach hoch und heilig, garantiert pünktlich zu liefern. Wir vereinbarten, dass er das fertige Manuskript bis allerspätestens am 30. November 1995 abzuliefern hatte, und ich notierte den Termin entsprechend auf dem Arbeitspapier.

Ohne zu weit vorgreifen zu wollen: Der Autor schaffte den Termin nicht ganz, aber ich fand sein Manuskript richtig stark, redigierte es flott und sorgte dafür, dass es pünktlich bei den Kolleginnen im Heyne-Verlag eintraf. Im Juli 1996 wurde der Roman veröffentlicht, ausgestattet mit einem schönen Titelbild von Alfred Kelsner.

Später kam er auch noch im »Großen PERRY RHODAN-Fan-Buch« heraus. Aber das ist dann eine andere Geschichte …

(Veröffentlicht wurde diese Redakteurserinnerung vor einigen Tagen auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion. Hier wiederhole ich sie aus dokumentarischen Gründen.) 

23 Juni 2026

Unser Start ins Internet

Aus der Reihe »Der Redakteur erinnert sich«


Im Herbst 1995 stellte ich in einer Runde mit Führungskräften des Verlags und dem Geschäftsführer unserer externen Agentur meine schlichten Gedanken zum Thema Marketing vor. Dabei stellte ich eine zentrale Forderung in den Raum: »Wir müssen mit PERRY RHODAN ins Internet, wir müssen an der Spitze des Fortschritts sein.«

Die meisten der Anwesenden waren schon dabei, meinen Vorschlag zu zerreden, als der Verlagsleiter mir auf einmal beisprang. Mit ihm hatte ich ansonsten ständig Probleme, an dieser Stelle war er auf meiner Seite. Aber er stellte irgendwann die entscheidende Frage: »Kennen Sie jemanden, der sich mit so etwas auskennt?«

Ich gestand, von niemanden zu wissen, der sich beruflich mit dem Internet beschäftigte. Aber mir fielen zwei Studenten ein, die ich wenige Wochen zuvor bei den PERRY RHODAN-Tagen in Sinzig kennengelernt hatte. Die beiden hießen Oliver und Mathias, sie wohnten in Karlsruhe, und sie hatten mir eine Vorstufe für ein PERRY RHODAN-Spiel vorgestellt.

»Ich kenne zwei junge Leute, die wären dafür ideal«, behauptete ich. »Die sind bestimmt in der Lage, PERRY RHODAN ins Internet zu bringen.«

Ein Internet-Auftritt sei zudem eine gute Gelegenheit, den kommenden Jubiläumsband 1800 und den »Thoregon«-Zyklus zu bewerben. »Damit sparen wir viel Geld, das wir ansonsten in Anzeigen und Plakate stecken müssten«, freute sich ein Kollege aus dem Buch-Marketing. Und so erhielt ich den Auftrag, die zwei jungen Studenten anzurufen.

Oliver Reiff und Mathias Schnurer hatten mir eine Telefonnummer gegeben, und ich stellte anhand meiner Notizen fest, dass die beiden keine zwei Kilometer von mir entfernt wohnten. Also rief ich bei der angegebenen Nummer an.

Nach einigem Vorgeplänkel stellte ich die Frage, die sie mir in späteren Jahren bei jeder Gelegenheit unter die Nase rieben: »Könnt ihr eigentlich auch Internet?« Ich schilderte ihnen mein Anliegen: PERRY RHODAN sollte einen Internet-Auftritt bekommen.

Die beiden waren alles andere als Experten für das neue Medium, was sie sogar zugaben, schlugen aber vor, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Die beiden recherchierten viel, es kam zu einer Reihe von Begegnungen, und langsam kristallisierten sich konkrete Planungen heraus. Matthias, ein Kollege aus dem Buch-Marketing, der sich für neue Technologien begeisterte, bekam den Auftrag, das Projekt aus Sicht des Verlags voranzutreiben; ich sollte »nur« auf die Inhalte gucken.

Das war anfangs nicht schwer. Die beiden Studenten kannten sich mit unserer Serie sehr gut aus, ich musste anfangs nicht viel beisteuern.

Bei den ersten Gesprächen ging es zudem um technische Dinge. Wie man mir erklärte, war es nicht so einfach, eine Internet-Seite zu bauen; man brauchte eine Firma, die einem dabei half, die dafür sorgte, dass die Seite überhaupt hochgeladen wurde.

Und so wurde die erste PERRY RHODAN-Seite über den »Internet-Laden Karlsruhe« angemeldet, ein Projekt von Leuten aus dem studentischen und eher linksradikalen Milieu der Stadt. Aus diesem Grund lautete unsere erste Adresse auch www.ilk.de/perryrhodan – auf das perry-rhodan.net kam erst Monate danach Eckhard Schwettmann. Das mit dem Internet-Laden störte niemanden, also konnten wir mit den Leuten dort gut zusammenarbeiten.

Oliver und Matthias wohnten in der Weststadt von Karlsruhe, im Haus einer christlichen Studentenverbindung. Es bürgerte sich ein, dass ich mindestens einmal in der Woche – in vielen Wochen aber auch öfter – nach Feierabend bei den beiden vorbeifuhr. In ihrem Zimmer, das unter einer Dachschräge lag, stand ein Computer mit Internet-Anschluss. Wenn man in das Zimmer kam, war der Computer links unten platziert; man musste sich also auf den Fußboden setzen, wenn man damit arbeiten wollte.

Und weil wir im Verlag nach wie vor nicht einmal daran dachten, uns einen Internet-Anschluss zu verschaffen, hockt ich an vielen Abenden vor diesem Computer auf dem Fußboden. Oliver oder Matthias öffneten mir irgendwelche »Fenster«, in die ich dann Texte tippte, die sie dann hochluden. Das Ganze wirkte auf mich häufig konspirativ, was ich schon wieder lustig fand. Professionell kam mir das selbst nicht vor, aber mir war klar, dass wir etwas taten, das für unsere Serie wichtig sein würde.

In den Gesprächen entwickelten wir die ersten Grundlagen für unseren Internet-Auftritt. Wir wollten vor allem erste Inhalte vorstellen und auf den kommenden Zyklus neugierig machen.

An diesem arbeitete vor allem Robert Feldhoff intensiv, von ihm stammten praktisch alle grundlegenden Ideen, auch wenn Ernst Vlcek als der erfahrene Exposéautor viel beisteuerte. Die beiden Autoren und ich schickten uns lange Faxe, auf denen wir unsere Ideen skizzierten und diskutierten; es war eine unglaublich kreative Zeit.

Und nebenbei beschäftigte ich mich mit einem Medium, von dem ich wirklich nichts verstand. Es entstand letztlich eine Seite, die nur wenig Inhalte bot. Vor allem wollten wir Stück für Stück das umlaufende Titelbild von Band 1800 zeigen. Die Internet-Seite sollte an dem Tag online gehen, an dem Band 1800 erscheinen sollte. Aber ich bezeichnete das Ganze stets als einen Testballon; die richtige Seite sollte erst noch folgen.

Am 22. Februar 1996 kam »Zeitraffer« in den Handel, ein Roman von Robert Feldhoff. Am gleichen Tag ging unsere Internet-Seite an den Start – ich sah sie mir bei den zwei jungen Studenten im Studentenwohnheim an. Ich war ziemlich stolz auf das, was wir in dieser Zeit geleistet hatten …

(Dieser Text wurde auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie zu Beginn des Monats Juni 2026 veröffetlicht. Hier erfolgt die wiederholte Veröffentlichung aus dokumentarischen Gründen.)

22 Juni 2026

Erste Internet-Gedanken

Aus der Reihe »Der Redakteur erinnert sich«


Dass es etwas Neues in der Medienlandschaft gab, wurde mir ab 1993 immer bewusster. Ich kannte Science-Fiction-Fans, die im Usenet mit anderen Fans über aktuelle Romane diskutierten, und ich wusste, dass sich politische Gruppierungen in digitalen Netzen tummelten. So organisierten sich beispielswiese Neonazis im sogenannten Thule-Netz, wo sie sicher vor dem Zugriff der Polizei waren. Und während ich immer häufiger Nachrichten über diese digitalen Aktivitäten las, wurde mir klar, dass das für PERRY RHODAN ebenfalls wichtig wurde.

Ich selbst verfügte über keinen Zugang zum »World Wide Web« und hatte nur sehr unklare Vorstellungen von seinen Möglichkeiten. Aber ich bekam mit, dass immer mehr Science-Fiction-Fans darüber sprachen und schrieben. Während einer Frankfurter Buchmesse besuchte ich einen DFÜ-Stammtisch – »DFÜ« stand für »Datenfernübertragung« –, verstand aber von den Gesprächen nicht viel. Aber es war völlig klar: Das Internet-Zeitalter kam.

Im Frühjahr 1995 unternahm ich den ersten Vorstoß in dieser Richtung: »Wir sollten eine Internet-Seite aufmachen«, schlug ich vor. »Dort könne wir unsere Informationen weitergeben und mit unseren Lesern direkter kommunizieren.«

Das Unverständnis war groß. »So einen Quatsch brauchen wir nicht«, sagte mein direkter Vorgesetzter. »Das ist nur was für junge Leute«, machte mir ein Vertriebsleiter klar. »Das geht bald wieder vorbei«, sagte ein Kollege, der sich mit Marketing beschäftige. Was ich denn damit wolle? Das sei doch nur unnötige Arbeit.

Frustriert ließ ich die Planungen erst einmal liegen. Es war im Sommer 1995 ohnehin genug zu tun. Unser Chefredakteur räumte seinen Posten, und ich wurde zum Redaktionsleiter ernannt, erhielt also mehr Verantwortung, aber kein höheres Gehalt.

Sabine Bretzinger und ich zogen von einem Gebäude ins andere und richteten ein neues Büro ein. Ganze Kisten mit Unterlagen und Vertragsordnern verschwanden bei diesem Umzug und mussten von uns mühsam wieder gesucht werden.

Mit Robert Feldhoff und Ernst Vlcek plante ich den »Thoregon«-Zyklus; wir stellten viele der bisherigen Abläufe um. Mit den beiden Autoren telefonierte ich viel, wir schickten uns seitenlange Faxe mit Ideenpapieren und Exposévorschlägen.

Im Herbst, nur wenige Tage vor der Buchmesse, gab es eine Besprechung zur »Zukunft der PERRY RHODAN-Serie«, zu der unser Verlagsleiter einlud. Im Raum saßen verschiedene Abteilungsleiter des Verlags, der Geschäftsführer der Agentur, die für uns die Werbung steuerte, und ich. Man hatte mir im Vorfeld gesagt, ich solle mir Gedanken darüber machen, wie man Marketing für die PERRY RHODAN-Serie machen könnte.

Meine Vorschläge waren extrem schlicht, weil ich von Marketing keinerlei Ahnung hatte. Unter anderem regte ich neue Motive für T-Shirts an und schlug einen PERRY RHODAN-WeltCon für das Jahr 1996 vor – zum Seriengeburtstag. Ich erzählte von einer möglichen Musikproduktion und neuen Hörspielen. Mit einer FanZentrale wollte ich die aktiven Leser stärker an den Verlag binden. Einen Teil dieser Gedankengänge hatte ich bereits im August in einem Arbeitspapier skizziert, sie waren also nicht völlig neu.

Der Geschäftsführer der Agentur, der sich das alles lang und geduldig anhörte, meldete sich zu Wort. Er verstehe die Diskussion nicht, sagte er. »Es war doch offizielle Verlagspolitik, dass wir PERRY RHODAN sterben lassen«, fügte er hinzu. Heftromane seien ohnehin schon »tot«, und wir sollten in die Serie kein Geld mehr investieren. Das sei doch seit langem so beschlossen worden.

Ich starrte ihn an, und ich merkte, wie alle anderen mich anstarrten. Anscheinend war ich der einzige in der Runde, der von diesen Plänen nichts wusste. Mir wurde wirklich schlecht. Hatten etwa alle Kritiker recht gehabt, die behauptet hatten, unsere Serie werde Band 2000 »garantiert nicht« erreichen?

Der Verlagsleiter eilte mir zur Hilfe. Diese Pläne seien veraltet, versicherte er, denn man habe erkannt, dass man mit PERRY RHODAN weiterhin »nennenswerte Umsätze« machen könnte. Er habe große Pläne mit der Serie, und er hoffe, von mir weitere Marketing-Ideen zu hören.

Nachdem er seinen kleinen Vortrag beendet hatte, sah er mich erwartungsvoll an. Ich war immer noch völlig konsterniert von der Aussage des Agentur-Geschäftsführers. Gleichzeitig dachte ich, dass »jetzt alles egal« sei und ich offenbar nichts zu verlieren hatte.

»Wir sollten eine Homepage für PERRY RHODAN machen«, sagte ich. »Das ist ein neues Marketing-Instrument, damit erreichen wir neue Zielgruppen. Wir sind eine Science-Fiction-Serie; wir müssen an der Spitze des Fortschritts marschieren.«

Es schloss sich eine längere Diskussion an. In der Runde saßen schließlich Menschen, die mir noch im Frühjahr gesagt hatten, dass »dieses neumodische Zeugs« zu nichts führe, und ich selbst hatte keinerlei Ahnung vom Internet. Ich geriet rasch ins Schwitzen, als ich erklären sollte, welche Inhalte denn auf diese Seite sollten und wie schnell man damit Geld verdienen könne.

Schnell wurde mir klar: Obwohl ich keinerlei Ahnung hatte, wusste ich vom Internet mehr als die anderen in der Runde – ich hatte immerhin Artikel darüber gelesen.

(Dieser Text wurde im Mai 2026 auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht. Hier bringe ich ihn vor allem aus dokumentarischen Gründen.)

19 März 2026

In der Messemagistrale

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich« 

Gegen 15 Uhr verschwanden Sabine Kropp und ich an diesem Freitagabend, 22. März 2002, um das Stadtteilzentrum Messemagistrale zu finden. Ich hatte mir einen Firmenwagen geliehen. Ich fuhr, Sabine lotste mich mit einer Straßenkarte. Nach einigem Hin und Her und großmaßstäblichem Umfahren aller nur erdenklichen Baustellen erreichten wir das Viertel: eine breite Straße mit großen Wohnblocks, dazwischen ein Stadtteilzentrum.

Die Messemagistrale entpuppte sich als ein gemütliches kleines Zentrum, das für den Con im Prinzip in zwei Teile gegliedert worden war: Während sich in einem Raum der Antiquariatshändler Reinhard Rauscher mit seinen Bananenkisten und Regalen ausgebreitet hatte und wieder allerlei SF- und Fantasy-Waren feilbot, war der andere Raum nicht nur der Gastronomie vorbehalten – es gab eine Theke mit allerlei Getränken und Esswaren –, sondern hier lief auch das eigentliche Con-Programm.

Ich war am Anfang damit beschäftigt, mit einzelnen Besuchern zu sprechen, und bekam die eigentliche Eröffnung nicht mit. Das war mir im Nachhinein ein bisschen peinlich, weil ich so nicht die Arbeit gewürdigt hatte, die sich die Veranstalter gemacht hatten. Aber dann saß ich im Saal; es waren knapp hundert Personen anwesend.

Ein Vortrag zum Film

Interessant fand ich einen Vortrag von Eckhard Schwettmann. Der ehemalige PERRY RHODAN-Marketing- und Moewig-Verlagsleiter arbeitete zu der Zeit mit den Leuten zusammen, die eine PERRY RHODAN-Verfilmung vorbereiteten. Diese sollte, so erläuterte Eckhard, auch bald im Fernsehen laufen.

Viele Fragen aus dem Publikum konnte er nur ausweichend beantworten – hinter die Kulissen durften die Besucher nicht blicken. Er versicherte jedoch mehrfach, dass alle Beteiligten »mit Volldampf« an der Arbeit seien, dass sich Marcus O. Rosenmüller sehr stark engagiere und dass die Zusammenarbeit mit dem Land Baden-Württemberg und der Filmakademie Ludwigsburg bislang sehr gut anlaufe.

Einen Vortrag über die Mausbiber verpasste ich leider, dafür bekam ich die Vorstellung eines durchaus interessant klingenden Fan-Rollenspiels mit. Sabine Kropp und ich saßen am frühen Abend ebenfalls auf der kleinen Bühne und erzählten allerlei Hintergründe über unsere Redaktionsarbeit.

Als Besonderheit konnte ich den Namen einer Autorin verraten, die den nächsten Gastroman – den Band 2132 – zur PERRY RHODAN-Serie beisteuern würde. Gemeint war Claudia Kern, die zu der Zeit vor allem den »Star Trek«-Fans bestens bekannt war. Ihr Roman sollte »Der Saltansprecher« werden.

Den Abschluss des Con-Programms bildete eine Gesprächsrunde mit Hans Greis von Eins A. »Ihr seid die Zielgruppe, ihr müsst mir sagen, was ihr wollt!«, appellierte er an die Anwesenden, die darauf rege eingingen.

Gegen 21 Uhr verließen Sabine Kropp und ich den Con, um uns noch ein bisschen in das Leipziger Nachtleben zu stürzen. Da ich mit dem Firmenwagen unterwegs war, verzichtete ich auf alkoholische Getränke und hielt mich sehr zurück. Das Feierabendbier tranken wir zu später Stunde in der Hotelbar.

Am Sonntag, 24. März, gingen wir nicht mehr auf die Buchmesse. Ich musste den Firmenwagen zurückfahren, den wir mit den Bildern beluden. Keines der Kunstwerke hatte Schaden gelitten, einige der Rahmen waren aber leicht verkratzt. Letztlich brachten wir sie heil zurück nach Rastatt. Am späten Vormittag fuhren wir los, am späten Nachmittag waren wir dort.

Unterwegs diskutierten wir natürlich über das ereignisreiche und zugleich interessante Wochenende. Für uns war die Leipziger Buchmesse schon ein Erfolg geworden, aber wir waren uns sicher, dass wir das im kommenden Jahr besser machen mussten.

Vielleicht war ein eigenständiger Auftritt der PERRY RHODAN-Serie möglich – dann wären wir nicht das Anhängsel des Moewig-Verlags, der im Gemeinschaftsstand kaum auffiel. 

(Der Text erschien schon vor einigen Tagen auf der PERRY RHODAN-Seite. Hier wird er aus dokumentarischen Gründen wiederholt.) 

Ein Abend im »Spizz«

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Im März 2002 waren wir mit PERRY RHODAN zum ersten Mal in der Neuen Messe in Leipzig. Nach dem ersten Tag hatten wir am Freitagabend, 22. März, zuerst einen Termin in der Innenstadt zu absolvieren.

Vom Hotel aus fuhren meine Kollegin Sabine Kropp und ich ins Zentrum von Leipzig, das sich als ein Irrgarten voller Baustellen erwies. Der Taxifahrer, dem wir gesagt hatten, dass wir ins »Spizz« wollten, ließ uns am Rand eines großen Platzes heraus, an dem mir vor allem Absperrgitter und Baufahrzeuge auffielen.

Das »Spizz« gefiel mir gut: Im Erdgeschoss war es eine gut besuchte Gaststätte, die bis auf den letzten Platz gefüllt war; auf einer Empore saßen zahlreiche Leute an Tischen. Wir sahen nicht gleich, wo der PERRY RHODAN-Programmpunkt war, und wurden in einen Gewölbekeller geschickt. Dieser erwies sich als ein wunderschöner Raum, der für Veranstaltungen aller Art genutzt werden konnte.

Im Rahmen von »Leipzig liest« – so heißt die Veranstaltungsreihe, die immer parallel zur Leipziger Buchmesse läuft – gab es eine PERRY RHODAN-Lesung. Veranstaltet wurde sie von Eins A Medien, unserem Lizenzpartner in Sachen Hörbüchern; der Raum war mit PERRY RHODAN-Originalbildern und Plakaten geschmückt. Einige Dutzend Leute waren anwesend, nicht nur Leser unserer Serie, sondern auch Leute, die sich allgemein für Literatur in gedruckter oder in Audio-Form interessierten.

Zuerst las Josef Tratnik, der Sprecher der Hörbücher, aus »Planet der Mock«, dem bald erscheinenden dritten Hörbuch. Der Klassiker von Clark Darlton faszinierte auch in dieser Version; die Stimme des Sprechers machte die dramatischen Ereignisse rings um die Mock in eindrucksvoller Weise lebendig.

Danach stellte Achim Schnurrer von Eins A Medien das Programm des Hörbuchverlags vor. Man wollte mit dramatisierten Hörbüchern starten, hatte aber ambitionierte Pläne. PERRY RHODAN sei eine Marke mit vielen Facetten, die man nun verstärkt in den Audio-Bereich bringen wolle. Nach ihm trat ich ans Rednerpult und gab in einem kurzen Vortrag eine Übersicht zu unserer Serie und ihrem Umfeld.

Es folgten weitere Lesungen von Josef Tratnik sowie Hörbeispiele aus dem zweiten Hörbuch »Das Vurguzz-Imperium«. Hierbei fand ich es interessant, wie die Geräusche eingesetzt wurden. Neben der Stimme des Sprechers gab es spezielle Sound-Effekte, die aus dem klassischen Hörbuch zwar kein vollwertiges Hörspiel machten, aber eine Art Zwischenform.

Applaus und Regen

Am Ende gab es viel Applaus, und es ging ans Aufräumen. Sabine und ich hatten im Vorfeld leichtsinnigerweise angekündigt, die Bilder mitzunehmen. Wir würden sie im Hotel in ein Firmenfahrzeug umladen; das sparte die Kosten für einen Kurier. Aber als wir das beschlossen hatten, wussten wir nichts von den Baustellen.

Es regnete in Strömen, als wir das »Spizz« verließen. Sabine, die in solchen Dingen schon immer besser war als ich, organisierte uns ein Taxi. Sie instruierte den Fahrer, mit laufendem Motor auf der anderen Seite der Baustelle zu warten. Die Bilder waren gerahmt, so konnte das eigentliche Werk nicht nass werden.

Aber es war keine Freude für uns, die gut zwei Dutzend Bruck-Originale – wegen der Größe und des Gewichts in mehreren Transporten – durch den strömenden Regen zu tragen. Wir hatten keine Kleidung für diesen Fall an, sondern das, was Verlagsleute bei Buchmessen so trugen: Sabine ein schickes Kostüm, ich einen Anzug. Als wir endlich im Taxi saßen, waren wir ziemlich nass und konnten uns noch einen Vortrag des Fahrers anhören, dass man das doch hätte besser organisieren können.

An diesem Abend reichte es uns. Wir wechselten die Kleidung, wir verstauten die Bilder, und dann setzten wir uns noch für ein Glas Bier in die Hotelbar, bevor die schloss.

Am Samstag, 23. März 2026, gingen Sabine Kropp und ich nur für wenige Stunden auf die Leipziger Buchmesse. Wir hatten keine Termine vereinbart, sondern machten klassischen Standdienst: Wir standen da, sprachen mit Besuchern, überreichten Informationen und beantworteten Fragen.

Ich hatte ein Problem mit der Präsentation unserer Serie am Messestand, und ich fand, dass PERRY RHODAN ziemlich unterging. »Weniger als ein Randthema«, murrte ich. Das musste besser werden, da war ich mir mit Sabine einig. Als Science-Fiction-Serie brauchten wir vielleicht einfach einen anderen Auftritt.

(Dieser Text wurde Anfang März 2026 auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht. Hier wiederhole ich ihn aus dokumentarischen Gründen.) 

18 März 2026

Ein kleiner Moewig-Stand in Leipzig

Aus der Reihe »Der Redakteur erinnert sich«

Als Sabine Kropp und ich am Donnerstag, 21. März 2002, in den Zug stiegen, wussten wir noch nicht genau, was uns erwartete. Es sollte unsere erste Buchmesse im neuen Messegelände von Leipzig sein – und weil das für uns beide so frisch war, reisten wir mit einer gewissen Anspannung. Die Fahrt von Karlsruhe nach Leipzig verlief ohne Höhepunkte. Unterwegs lasen die Redakteurin und ich Manuskripte und besprachen aktuelle Themen; so verstrich die Zeit wie im Flug.

Wir erreichten die Stadt am späten Nachmittag und bezogen unsere Zimmer im Hotel Hiemann. Dabei handelte es sich um ein ausgesprochen hübsches Familienhotel, das also nicht zu einer Kette gehörte und in relativer Nähe zum Messegelände lag. Man brauchte allerdings immer noch ein Fahrzeug, um vom Hotel zur Messe zu gelangen.

Mit dem Taxi fuhren wir später in die Innenstadt, wo wir uns mit den Kollegen aus dem Buchvertrieb trafen. Die Außendienst-Mitarbeiter des Verlages berichteten über ihre Aufträge, die »ganz ordentlich« gewesen seien. Immerhin war die Leipziger Buchmesse vor allem ein Treffen für Buchhändler aus den fünf neuen Bundesländern. In jenen Jahren diente eine solche Veranstaltung vor allem dazu, dass »Aufträge geschrieben« wurden, wie man das nannte; die Händlerinnen und Händler saßen sich mit langen Listen gegenüber und verhandelten über Konditionen und Käufe.

Am großen Tisch, den der Moewig-Buchverlag gemietet hatte, saßen auch Stephan Zerfowski, unser Kollege von der Werbeagentur, der den Stand konzipiert und aufgebaut hatte. Seine Eindrücke fand ich wichtig, weil sie neutraler waren. Aber er war von der neuen Messe ebenfalls angetan und meinte, das könne etwas werden. Sie liege leider weit außerhalb der Stadt, und es fehle einiges an Infrastruktur.

Freitags auf der Messe

Die eigentliche Buchmesse begann für Sabine Kropp und mich am Freitagmorgen, 22. März. Wir fuhren mit einem Kollegen zum neuen Messegelände und konnten es über einen Ausstellereingang betreten. Die Hallen waren neu und strahlten geradezu, rings um das Messegelände erstreckten sich verschlammte Wiesen und Felder. Ich fand die Lage ganz gut: gewissermaßen zwischen der Autobahn und der Umgehungsstraße, trotzdem flott von der Innenstadt aus zu erreichen. Aber die Umgebung wirkte eher ernüchternd.

Dafür gefiel es mir im Innern der Hallen. Der zentrale Bereich wirkte hell und warm; die Röhren zwischen den einzelnen Hallen kamen mir vor wie Verbindungen zwischen Raumschiffen. Überall waren Leute unterwegs, überall wurde gesprochen und verhandelt. Aber man erkannte, dass nur ein Teil der Hallen belegt war – es würde wohl eine Weile dauern, bis die Leipziger Buchmesse an ihrem neuen Standort ihre Fans fand.

Der Moewig-Verlag hatte einen eigenen Stand, und den fanden Sabine und ich eher »zu bescheiden«. Er hatte etwa ein Fünftel der Fläche, den unser Verlag in Frankfurt einnahm, und er gehörte zum »Gemeinschaftsstand der baden-württembergischen Verlage«. Viele Unternehmen schienen der Messe noch nicht zu trauen: In unserer Nähe war eine Reihe von kleineren Verlagshäusern nicht einmal durch »eigenes Personal« vertreten. Sie zeigten Bücher und hatten Prospekte in der Auslage, aber es war niemand anwesend.

Bei uns setzten die zwei Kollegen, die für die fünf neuen Bundesländer zuständig waren, auf Verkaufsgespräche. Sie trafen auf zahlreiche Buchhändlerinnen, denen der Weg nach Frankfurt zu weit war und die sich freuten, direkt in Leipzig ihre Geschäfte machen zu können. PERRY RHODAN nahm am Messestand nur einen kleinen Raum ein; die Serie hatte im Osten der Republik nicht den Stellenwert wie im Westen. Vor allem Sach- und Kochbücher konnten gut verkauft werden, wie uns die Kollegen berichteten.

Sabine und ich sorgten dafür, dass PERRY RHODAN stärker wahrgenommen wurde. Wir hatten im Vorfeld darauf hingewiesen, dass wir mit einem Stand vertreten waren. Der PERRY RHODAN-Stammtisch Leipzig besuchte uns selbstverständlich, und wir fanden die Gelegenheit, mit vielen »normalen« Besuchern zu sprechen. Diese kannten unsere Serie noch nicht, fanden Science Fiction aber interessant.

Einige Buchhändler stellten Fragen, unter anderem ging es um die Fortsetzung der »Kosmos-Chronik«. Potenzielle Autoren und Zeichner stellten sich vor, Journalisten tauchten auf, um Interviews zu führen oder einfach nur zu recherchieren. Der Freitag verlief so in Windeseile.

Als der Messetag vorüber war, fuhren Sabine und ich rasch ins Hotel, wo wir uns umzogen und schnell eine Kleinigkeit aßen. Viel Zeit hatten wir nicht, es ging gleich weiter.

(Dieser Text wurde erstmals am 1. März auf der Internet-Seite von PERRY RHODAN veröffentlicht. Hier wiederhole ich ihn vor allem aus dokumentarischen Gründen.) 

26 Februar 2026

Die Erfindung des Redigiertags

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«


Ab dem Spätsommer 1995 wurde die Arbeitsbelastung in der PERRY RHODAN-Redaktion immer größer. Sabine Bretzinger und ich hatten unser neues Büro bezogen, fremdelten aber noch mit der neuen Lage. Unser Chefredakteur hatte das Haus verlassen; Dr. Florian F. Marzin würde sich künftig anderen Aufgaben außerhalb des Verlages widmen. Die anderen Heftromanserien waren eingestellt worden, wir hatten Kolleginnen verloren, und wir saßen gewissermaßen am Rand des Buchverlags.

Ich trug einen neuen Titel und durfte mich Redaktionsleiter nennen. Der Titel war allerdings nur mit zusätzlichen Aufgaben verbunden und brachte keinerlei Gehaltserhöhung mit sich. Unversehens stellte ich fest, in wie vielen Besprechungen ich anwesend sein musste und wo ich gefragt war. Ich saß mit dem Verlagsleiter Buch zusammen, ich wurde zu einem der Vertriebsleiter für den Zeitschriftenbereich zitiert, ich ging mit der Kollegin für Lizenzgeschäfte zum Mittagessen, und ich hatte Unterlagen auf meinem Tisch, die wenig mit dem Inhalt von Romanen zu tun hatten.

Dabei war meine Hauptaufgabe nach wie vor, dass ich jede Woche einen PERRY RHODAN-Roman redigierte und in die Produktion gab. Ich betreute die Nachauflagen und war für die PERRY RHODAN-Taschenbücher zuständig, die ich plante und redigierte. Sabine und ich kümmerten uns um die Silberbände, die ausländischen Lizenzausgaben und begannen mit den Vorarbeiten für weitere Produktionen – so hatten wir für 1996 einen Risszeichnungsband geplant.

Vieles geschah zu der Zeit noch »händisch«: Die Autoren schickten ein Manuskript in den Verlag, das sie zwar mit einem Computer verfasst hatten – die meisten zumindest –, aber ohne Disketten lieferten. Zu der Zeit waren viele Schreibprogramme nicht kompatibel. Peter Griese beispielsweise arbeitete mit einem Olivetti-Rechner, Ernst Vlcek benutzte das Programm AmiPro, wir schrieben im Verlag mit Wordstar.

Also trafen bei uns Umschläge mit bedrucktem Papier ein, mit denen wir arbeiteten. Ich las die Manuskripte immer sofort, und bei der Lektüre hinterließ ich erste Anmerkungen. War ich damit fertig und fand das Manuskript gut, rief ich den Autor an und sprach mit ihm das Manuskript durch. Währenddessen stellte Sabine einen Vertrag aus: mit der Schreibmaschine, weil wir für die Verträge ein Formular benutzen mussten, das seit Jahrzehnten im Einsatz war.

Der zweite Arbeitsgang war das eigentliche Redigieren. Ich benutzte zwei Stifte: einen dicken blauen zum Streichen von Wörtern oder Sätzen, einen dünnen blauen zum Einfügen neuer Formulierungen oder verbesserter Sätze. Parallel dazu schrieb ich einen Vor- und einen Abspanntext, dazu den Kasten für das Personenverzeichnis. Ich redigierte zudem den PERRY RHODAN-Computer. Um den PERRY RHODAN-Report, die Risszeichnungen und die Leserkontaktseite kümmerte sich Sabine.

War ich mit dem Redigieren fertig, reichte ich das Manuskript quasi über den Tisch. Sabine packte es in eine Mappe, die sie in die Setzerei trug. In einem großen Saal saßen einige Frauen und schrieben alle Texte, die ihnen von den Redaktionen geliefert wurden, noch einmal ab. Ganz nebenbei wurden von ihnen viele Rechtschreibfehler verbessert, die vorher vielleicht im Manuskript waren,

In der Folge gab es eine Erst- und eine Zweitkorrektur; dann bekam ich die sogenannte Satzfahne auf den Tisch: Das Heft war fast druckfertig, ich musste es nur noch durchschauen. Ich machte in diesem Fall praktisch die Drittkorrektur, in der ich manchen Fehler ausbügeln konnte. Wenn das alles erledigt war, erteilte ich die Druckfreigabe – die Kollegen aus der Herstellung gaben das Manuskript dann quasi auf die andere Straßenseite zur Druckerei. Dort wurde das Ganze noch einmal überprüft: Es gab eine sogenannte Maschinenkorrektur, und ich bekam kurz vor Druck den sogenannten Andruck zur Prüfung.

Mein Problem war bei allem: Die einzelnen Arbeitsgänge in der Redaktion ließen sich flott nebenbei erledigen; hier mal eine halbe Stunde, dort mal eine Viertelstunde. Wollte ich aber einen Roman gründlich redigieren, musste ich konzentriert am Text bleiben. Nur so wusste ich beispielsweise bei Seite 20 noch, was ich auf der ersten Seite angepasst hatte. Wurde ich beim Redigieren ständig unterbrochen, hatte ich keinen Zusammenhang im Kopf.

Sabine bekam das Problem mit: Ich wurde unterbrochen, verlor den Überblick, musste mich neu in den Text einarbeiten und brauchte so viel länger für die eigentliche Arbeit. »Dann arbeite doch daheim«, schlug sie vor. »Ein Tag in der Woche, das muss drin sein.«

Ich verhandelte mit der Verlagsleitung. Mit dem Verlagsleiter, meinem direkten Vorgesetzten, hatte ich große Probleme, aber in diesem Fall verstand er mein Anliegen. Wir führten den sogenannten Redigiertag ein: Einmal pro Woche konnte ich daheim arbeiten, idealerweise an einem Donnerstag. »Es sollte halt kein Resigniertag werden«, spottete er, und da fand ich ihn sogar sympathisch.

Es gab damals keine Betriebsvereinbarung über »Home Office«; den Begriff benutzte keiner. Niemand von uns machte sich Gedanken über versicherungsrechtliche Konsequenzen. Wir richteten einfach einen Redigiertag ein, und der funktionierte richtig gut.

Und weil ich in der sehr rustikalen Zwei-Zimmer-Wohnung, in der ich damals lebte, keinen Balkon hatte, verlegte ich den Redigiertag kurzerhand ins Freie: Ich radelte im Spätsommer 1995 zum ersten Mal in den Schlossgarten von Karlsruhe, setzte mich mit meinem Manuskript an den See und arbeitete unter freiem Himmel. Das fand ich dann ziemlich produktiv …

(Dieser Beitrag erschien vor wenigen Tagen auf der PERRY RHODAN-Serie. Hier wiederhole ich ihn, weil er ja auch eindeutig biografische Themen enthält ...)

08 Januar 2026

Planung für neue Serie

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«


Der PERRY RHODAN-Konferenz am 8. Juli 2011 hatte es in sich. Alles in allem saß ich drei Stunden mit der Geschäftsleitung und dem Vertrieb zusammen, um aktuelle Zahlen zu diskutieren und die neue Serie vorzubereiten. Immerhin sollte zu Beginn des Monats Oktober mit PERRY RHODAN NEO ein Versuch unternommen werden, unsere Marke im Handel deutlich zu »verbreitern«, wie man das nannte.

Zuerst sahen wir uns aber die reinen Vertriebszahlen an, wie immer in solchen Runden. Wir hatten am 17. Juni den PERRY RHODAN-Roman 2600 mit dem Titel »Das Thanatos-Programm« von Uwe Anton veröffentlicht. Ich war gespannt darauf, wie er sich verkauft hatte. Die Kommentare der Leserinnen und Leser in unserem Forum und in den Leserbriefen waren zumeist positiv; wichtiger war aber letztlich der Erfolg im Zeitschriftenhandel.

Konkrete Zahlen hatte der Vertrieb noch nicht. Die ersten Hochrechnungen bestätigten aber, dass sich der Jubiläumsband deutlich besser als die Romane zuvor verkauft hatte. Das war nicht weiter überraschend; die Werbung funktionierte bei solchen Jubiläen immer. Interessant war allerdings, wie es danach weiter ging: Blieben die Verkäufe auf dem neuen Niveau, oder brachen sie wieder ein?

Der Vertrieb mochte das Kartenspiel, das wir in der Mitte der Hefte abgedruckt hatten. Damit waren wir einer Idee von Marc A. Herren gefolgt, der uns seit einigen Monaten unterstützte. Ob sich das Kartenspiel »gelohnt« hatte, konnte allerdings niemand sagen. Wir einigten uns darauf, demnächst in zwei Romanen noch einmal farbige Beilagen zu veröffentlichen – damit wollten wir kurz vor dem eigentlichen Termin den PERRY RHODAN-WeltCon bewerben.

Bei PERRY RHODAN NEO standen mittlerweile immer mehr Inhalte fest. Mit Elke Rohwer hatten wir eine Redakteurin eingestellt, die sich vor allem um die neue Serie kümmern sollte. Nun mussten dringend die nächsten Schritte eingeleitet werden. Unter anderem wusste ich, dass ich dringend an die Werbetexte gehen sollte und wir immer noch keinen offiziellen Schriftzug hatten. Wie sollte denn PERRY RHODAN NEO auf dem Titel der gedruckten Romane aussehen?

Wir beschlossen, die Agentur einzusetzen, mit der wir ohnehin schon zusammenarbeiteten. Und es wurde ein Folgetermin vereinbart, an dem wir nur über die Werbetexte diskutieren sollten. Ich verkniff mir den Hinweis, dass es dafür sinnvoll wäre, sich den ersten Roman einmal inhaltlich anzuschauen. Obwohl ich das Manuskript den anderen zur Verfügung gestellt hatte, hatte außer mir niemand einen Blick hineingeworfen. In dieser Phase wollte ich aber niemanden mit Sarkasmus gegen mich aufbringen – ich war schon sehr froh, dass wir die Chance für PERRY RHODAN NEO erhielten.

Herstellerisch waren wir uns einig – der erste Band sollte besonders schick aussehen: Es wurde eine Kalkulation in Auftrag gegeben, die einen Klappumschlag enthielt. Dadurch entstanden größere Innenseiten im Umschlag, die wir farbig bedrucken konnten. Auf der U2 sollte – so schlug ich vor – eine Information für die Leserinnen und Leser stehen, und die U3 könnte man dafür nutzen, die nächsten sechs Titelbilder mit den schon festgelegten Titeln und Autoren anzukündigen.

»Die Namen sind für unsere Stammleser wichtig«, argumentierte ich. »Damit signalisierten wir, dass es eine wertige Serie ist, die von unseren Teamautoren ins Leben gerufen wurde.«

Genehmigt wurde eine separate Leseprobe im A6-Format, die wir bei Buchmessen und Cons unter die Leute bringen konnten. Genehmigt wurde darüber hinaus eine separate Ausgabe mit zusätzlichem Umschlag, die es auf dem PERRY RHODAN-WeltCon für alle Besucher kostenlos geben würde. Ich stellte mir schon vor, wie unsere Autorinnen und Autoren persönlich den Fans die neue Serie in die Hand drücken würden.

Bei der weiteren Vermarktung der neuen Serie nahmen wir Zeitschriften aus der Bauer Media Group – unserem Mutterkonzern also – ins Visier. Als Zeitschrift, die zum Konzern gehörte, hatte PERRY RHODAN hier gute Konditionen: Wir bezahlten für eine solche Anzeige im Idealfall nichts, hatten dafür aber auch keine Garantie, in der gewünschten Zeitschrift auch wirklich veröffentlicht zu werden.

Fest eingeplant waren Anzeigen in »welt der wunder« – das würde auf jeden Fall klappen –, darüber hinaus war eine Kooperation mit der Zeitschrift »Coupé« im Gespräch. Die beschäftigte sich zwar überhaupt nicht mit Science Fiction, richtete sich aber an eine vor allem männliche Leserschaft und erreichte mit ihrem Newsletter angeblich 150.000 Abonnenten.

Geprüft wurde noch, ob wir in der »Autozeitung« sowie »selbst ist der mann« Anzeigen für PERRY RHODAN NEO platzieren konnten. Beide Hefte hatten inhaltlich wenig Berührung mit Literatur im Allgemeinen und Science Fiction im Besonderen – aber wir erreichten damit mehrheitlich Männer.

Wagemutig geworden, schlug ich auch noch Online-Werbung vor. Mit Google-Ads, so meinte ich, könnten wir zudem solche Leser erreichen, die nicht mehr im Zeitschriftenhandel unterwegs seien, sich aber für Science Fiction interessierten und auf die entsprechenden Suchbegriffe reagierten. Das wurde zumindest nicht abgelehnt, auch wenn die Kosten allgemein als hoch angesehen wurden.

Unterm Strich, so fand ich abschließend, verlief die Besprechung sehr gut. Ich war mir sicher, dass sich die geplanten acht Ausgaben von PERRY RHODAN NEO gut verkaufen würden …

(Dieser Text erschien im November 2025 auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion und wird hier aus dokumentarischen Gründen veröffentlicht.)

18 Dezember 2025

Weitere Schritte zum heutigen E-Book

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Obwohl die Verlagsbranche mit dem »Roket-e-Book« gescheitert war, wollten wir in der PERRY RHODAN-Redaktion das Thema noch nicht aufgeben. Vor allem Miriam Hofheinz und Frank Borsch, die neu zu uns gestoßen waren, forcierten in den Jahren 2001 bis 2005 neue Geschäfte in Sachen E-Books.

Miriam Hofheinz wurde immer mehr zur treibenden Kraft. Sie schloss sich dem Arbeitskreis Elektronisches Publizieren (AKEP) an und knüpfte zahlreiche neue Kontakte. Ohne dass es manche der großen Verlage mitbekamen, entwickelte sich eine Infrastruktur aus kleinen Anbietern, die an das Thema E-Book glaubten. Unter Miriams Ägide entwickelte sich im Verlauf weniger Jahre für uns ein Geschäftsmodell, das seinerzeit wohl als einzigartig einzustufen war.

»Es war ein logischer Schritt, die Serie dorthin zu bringen, wo sich die technikbegeisterte Zielgruppe befindet«, stellte Miriam Hofheinz 2011 in einem Interview fest. »Für jede Serie ist es von existentieller Bedeutung, Nachwuchs zu rekrutieren. Es ist kein Geheimnis, dass der klassische Heftroman als angestaubt gilt. Besonders bei jüngeren Lesern liegt er alles andere als im Trend. Um diese dennoch auf den tollen Inhalt von PERRY RHODAN aufmerksam zu machen, mussten wir uns schlicht den Bereich der zukunftsweisenden E-Books zunutze machen.«

Die sechste Auflage

Nach intensiver Planung, Marktanalyse und Abstimmung wurde schließlich die sogenannte sechste Auflage geboren. Der Begriff entstammte einer Idee von Frank Borsch. »Wir werden nie wieder eine sechste Auflage in gedruckter Form in den Zeitschriftenhandel bringen«, argumentierte er. »Aber in digitaler Form können wir das schaffen.«

Fünfmal wurden die ersten Romane bereits im Heftformat publiziert, und wir orientierten uns an den vorangegangenen Printauflagen: Wir fingen also noch einmal bei Null an – oder vielmehr bei Band eins. So erschien bei readersplanet am 5. Dezember 2005 »Unternehmen Stardust« als E-Book. Die Zielgruppe waren Menschen, die Lust darauf hatten, unsere Romane als PDF zu lesen.

In der Folge arbeiteten wir mit anderen Partnern zusammen, die E-Book-Produktion wuchs. Die ATLAN-Serie kam auf diese Weise neu heraus, andere Zyklen folgten. Ab 2007 boten wir mithilfe unserer Partner auch die aktuellen Romane wöchentlich in der digitalen Version an; sogar die PERRY RHODAN-Silberbände 1 bis 20 wurden als E-Books veröffentlicht.

Noch waren die Zahlen nicht berauschend. Die Auflagen bewegten sich anfangs im dreistelligen Bereich. Wir stellten aber fest, dass es immer mehr Menschen gab, die das Display ihrer Telefone nicht nur zum Spielen benutzten oder Geld für Klingeltöne ausgaben – das Nokia- oder das Sony-Handy entwickelten sich trotz aller Probleme zu Lesegeräten für digitale Romane. 

Eine App von Textunes

Mit Band 2500 änderte sich einiges. »Projekt Saturn« von Frank Borsch ebnete für uns den Weg zu den sogenannten Apps. Die Firma Textunes bot eine App an, mit der man die Serie auf dem damals immer noch neuen iPhone lesen konnte. Wir veranstalteten zu diesem Zweck im Juli 2009 eine Pressekonferenz in Hamburg; die Presse stieg begeistert auf das Thema ein.

Kein Wunder: Mit dem neuartigen Telefon waren ganz andere Möglichkeiten verbunden. Es war nun einfacher, auch längere Texte zu lesen, während man unterwegs war – man brauchte kein Buch mit sich herumzuschleppen, sondern konnte sein iPhone nutzen, das man ohnehin in der Tasche hatte.

Unser Ziel damals war klar: Wir wollten so einer völlig neuen Leserschaft den Zugang zum Perryversum ermöglichen – der Zuspruch wurde schnell größer.

Parallel dazu hatten einige Firmen bereits Geräte entwickelt, die reine E-Book-Reader waren. Vor allem das Sony PRS 505 und der Amazon Kindle sorgten ab 2008 für Aufsehen. Wir blieben in dieser Phase noch ein wenig zurückhaltend. Die App für das iPhone ab 2009 war eine echte Neuerung, bei den reinen Lesegeräten wollten wir abwarten.

Die technische Entwicklung ging aber weiter. 2010 wurde das iPad vorgestellt, andere Tablets kamen ab 2011 in den Handel. Gefühlt jeden Monat drängten weitere E-Book-Reader auf den Markt, die sich in Sachen Technik und Lesekomfort gegenseitig zu überbieten versuchten. Wir schlossen mit immer mehr Partnern einzelne Verträge ab, mit denen wir den Vertrieb von E-Books steuern konnten. Für uns wurde es langsam unübersichtlich. 

Der Sprung zu Bookwire

Im Sommer 2011 kam dann der entscheidende Umbruch: Wir entschlossen uns nach einer langen Diskussion, alles zu vereinheitlichen, und entschieden uns für die Firma Bookwire, die in Frankfurt angefangen hatte, E-Books zu vertreiben. Das Unternehmen war zu der Zeit noch recht klein, bot aber etwas an, das wir nicht mehr leisten konnten: Wir würden ein fertiges E-Book an sie liefern, und sie würden dafür sorgen, dass es alle Shops gleichzeitig erhielten.

Bookwire war nicht die einzige Firma, die zu der Zeit mit ähnlichen Konzepten auf sich aufmerksam machte. Wir prüften die einzelnen Angebote – hier engagierte sich vor allem Bettina Lang –, und wir kalkulierten. Heidrun Imo vom Marketing erstellte Excel-Tabellen, die wir mit der Geschäftsführung diskutierten.

Ein wichtiger Punkt war tatsächlich: Bei Bookwire arbeitete zu jener Zeit eine Frau, die wir sehr gut kannten und schätzten. Es war Miriam Hofheinz, die PERRY RHODAN im Jahr 2008 verlassen hatte und nun – quasi von anderer Seite her – wieder für uns aktiv wurde.

Der Rest ist gewissermaßen Geschichte. »Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung, aber noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angekommen«, lautete im Herbst 2011 mein Resümee in einem Interview. »Das Ziel ist, unseren Lesern in naher Zukunft jeden jemals verfassten PERRY RHODAN-Roman auch als E-Book zugänglich zu machen.«

(Dieser Text wurde bereits im Oktober 2025 auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion veröffentlicht. Hier wiederhole ich ihn aus dokumentarischen Gründen.)

04 Dezember 2025

Die ersten Schritte zum E-Book

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich« 

Bekanntlich legten Clark Darlton und Karl-Herbert Scheer den Grundstock für PERRY RHODAN. Beide Autoren hatten viel Phantasie, ihre eigenständigen Romane begeisterten die Science-Fiction-Fans der 50er- und 60er-Jahre, und mit PERRY RHODAN schufen sie einen Welterfolg, der bis heute anhält.

Die Zukunft konnten sie aber nicht vorhersagen – und sie konnten sich nicht vorstellen, dass man einmal ihre Romane auf digitalen Endgeräten lesen würde.

Längst ist es für viele Leserinnen und Leser eine Selbstverständlichkeit: Allwöchentlich gibt's die neueste PERRY RHODAN-Ausgabe als E-Book für die unterschiedlichsten Endgeräte. Bis das digitale Lesen aber in den Fokus der lesenden Öffentlichkeit gelangte, musste ein beschwerlicher Weg auf sich genommen werden ...

Ich erinnere mich noch gut an die Vorläufer. Bereits in den 80er-Jahren konnte man Romane lesen, die auf Diskette angeboten wurden. Diese Disketten musste man per Post bestellen, und wenn man das richtige Programm benutzte, ließen sich die Textdateien darauf lesen. In diesem Fall saß man vor dem heimischen Computer und blickte auf den flimmernden Bildschirm, auf dem die Schrift häufig noch in weiß auf schwarz oder gar grün auf schwarz zu sehen war.

Wann genau der Autor Wilfried A. Hary, der unter anderem für ATLAN schrieb, solche Disketten mit professionellem Ehrgeiz vertrieb, weiß ich leider nicht mehr genau. Waren es noch die 80er- oder waren es bereits die 90er-Jahre?

Hary nannte sein Produkt schlicht »Diskoman«, ein Kofferwort aus »Diskette« und »Roman«. Ich bekam einige dieser Diskomane in die Hände, las sie aber nie, weil mir das zu anstrengend war. Andere Leser fanden das aber schon damals toll.
Das Rocket-eBook

Anfangs wurde das Thema des digitalen Lesens von der Literatur-Szene belächelt und außerhalb dieser überhaupt nicht wahrgenommen. Sein erstes vorsichtiges Ausrufezeichen setzte das E-Book als Alternative zum gedruckten Buch auf der Frankfurter Buchmesse 1999.

Zwei Monate vor der – nicht ganz korrekten – Jahrtausendwende stellte die Firma NuvoMedia in den Frankfurter Messehallen den ersten kommerziellen E-Book-Reader der Welt vor: ein klobiges Plastikgehäuse mit dem futuristisch klingenden Namen »Rocket-eBook«. Dieses Wunder an Technik sollte mit einer unglaublichen Speicherkapazität von 16 Megabyte für beeindruckende 675 Mark die Buchbranche revolutionieren.

Das stellte sich schnell als ein utopisches Ziel heraus. Zwar gelang NuvoMedia in Kooperation mit dem Shop bol.de eine bemerkenswerte Markteinführung mit einem soliden Startsortiment von mehr als 500 deutschsprachigen Titeln, der große Erfolg aber blieb aus.

Eckhard Schwettmann als der Mann, der PERRY RHODAN damals in das Marketing-Zeitalter beförderte, erkannte die Chancen des neuen Mediums. Ich erinnere mich an die Euphorie, die er uns vermittelte, als wir das dicke Gerät in unseren Büros hatten und wir das erste E-Book lesen konnten. Es war recht aufwendig, PERRY RHODAN-Manuskripte für das neue System aufzubereiten – aber Eckhard steckte uns mit seiner Begeisterung an.

Bei PERRY RHODAN erkannte man alo früh die Zeichen der Zeit und das Potenzial der digitalen Medien. Getreu dem Motto »Es kommt nicht auf das Endgerät, sondern den Inhalt an«, warteten wir gar nicht erst darauf, dass die großen Buchverlage mit der ultimativen Lösung kommen, sondern nahmen das E-Book-Geschäft selbst in Angriff. Damit übernahm PERRY RHODAN schon 2000 eine Vorreiterrolle auf diesem Gebiet.

Zur deutschen Markteinführung des »Rocket-eBooks« waren bereits vier digitale Romane aus dem Perryversum im Download erhältlich: der erste Band der »Kosmos-Chroniken« sowie die in sich abgeschlossene »Arkon«-Trilogie von Rainer Castor. Die Trilogie hielt sich wochenlang auf Platz 1 der Verkaufsliste von bol.de.

Wir waren mit PERRY RHODAN also durchaus erfolgreich und erreichten gute Verkaufszahlen. Aber es reichte nicht aus: Die Kosten überstiegen den Nutzen. Trotzdem hielt Eckhard recht lange an dem Produkt und seiner Vermarktung fest. Es dauerte eine Weile, bis ich die Belieferung des »Rocket-eBook«-Marktes mit weiteren Dateien stoppen konnte.

Wir waren damit nicht die einzigen: Trotz aller aussichtsreicher Prognosen entpuppte sich das »Rocket-eBook« als Ladenhüter, sodass die Produktion im Verlauf des Jahres 2001 eingestellt wurde. In einem Interview räumte eine Pressesprecherin wenig später ein, den Markt »zu positiv eingeschätzt« zu haben. Es sei eben »noch kein Massenmarkt für dieses Medium« vorhanden.

Aber wir wollten nicht aufgeben. Wir wussten, das war die Zukunft für PERRY RHODAN, auch wenn wir im Verlag dafür durchaus belächelt wurden …

(Dieser Text stand bereits im Oktober auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie. Hier habe ich ihn zu dokumentarischen Zwecken noch einmal gebracht.) 

02 Oktober 2025

Swen Papenbrock und das Browserspiel

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich« 

Zu der Besprechung am Mittwoch, 15. Oktober 2003, gab es eine Reihe von Vorbereitungen. Wir hatten im Voraus einige Mails gewechselt. Klaus Bollhöfener hatte zudem einige Male mit Swen Papenbrock telefoniert, nicht nur wegen dessen aktueller Titelbilder, sondern vor allem wegen des Projektes, das nun endlich spruchreif werden sollte.

Swen verfolgt seit einiger Zeit eine Idee, die wir spannend fanden. Und so fuhr er an diesem Tag mit drei Kollegen aus dem Großraum Kassel nach Rastatt, um sich mit uns an einen Tisch zu setzen. Miriam Hofheinz und Klaus Bollhöfener vom PERRY RHODAN-Marketing nahmen teil, ich war für die Redaktion dabei. Ebenso waren Oliver Reiff von unserer Internet-Agentur Trilobit anwesend, dazu ein Kollege aus der EDV.

Thema war ein Browserspiel, das auf Basis der Marke PERRY RHODAN verwirklicht werden sollte. Die meisten Computerspiele zu dieser Zeit wurden in Form von Boxen verkauft, die sehr groß und teuer waren und eigentlich nur eine CD-ROM sowie ein Handbuch enthielten. Immer mehr Hersteller setzen zu der Zeit auf Browserspiele, auf Spiele also, die im Internet ausgetragen wurden und wo der Computer auf dem heimischen Schreibtisch eigentlich nur den Zugang zur Spielwelt bot.

Bereits im Dezember 1999 hatten uns Hermann Ritter und Jens Scholz in einem Vortrag auf dem PERRY RHODAN-WeltCon auf Browserspiele eingeschworen. »Die Zukunft des Spielens liegt im Internet« hatten die beiden damals sehr prophetisch ausgesagt. Entsprechend gespannt war ich: Das Manuskript des Vortrags aus dem Jahr 1999 hatte ich mir noch einmal durchgelesen. Waren wir endlich soweit, dass wir dieses Thema angehen konnten?

Wie uns die Kollegen aus Kassel gleich zu Beginn unserer Besprechung erläuterten, hatten sie ein großes Interesse daran, die Welt unserer Serie in ein Browserspiel zu verwandeln. Ihnen waren die Details der Serie wichtig, sie wollten eng mit der Redaktion und dem Marketing in Rastatt zusammenarbeiten.

Wir waren uns schnell einig, dass es einen Berater für technische Fragen geben sollte, einen Autor oder einen sehr gut informierten PERRY RHODAN-Fan. Es war ebenfalls klar, dass dieser Berater – ebenso wie Swen Papenbrock für die optischen Fragen – nicht von uns bezahlt werden sollte, sondern von unseren potenziellen Partnern.

Das Browserspiel sollte mit Unterstützung einer großen Internet-Plattform verwirklicht werden, bei dessen Namen wir aufhorchten. Wenn er auf seiner Startseite immer auf das Spiel hinweisen könnte, brächte das eine große Aufmerksamkeit. Auch das war zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich; Spiele wurden beispielsweise durch die Internet-Auftritte der großen Fernsehsender stark beworben.

Das Ziel war ernsthaft, bereits im Januar fertig zu sein. »Januar 2003?«, fragte ich ungläubig. Das wurde mir bestätigt; man habe schon einiges vorbereitet. Aber der Januar 2003 sei nur der Termin für einen »zweimonatlichen Public Beta Test«. Bis das Spiel dann »so richtig fertig« sei, könnten also noch einige Monate vergehen.

Ich notierte mir: »Start des fertigen Spiels wohl im Sommer 2004«. Das fand ich aber ebenfalls gut. Wir könnten dann im Verlauf der kommenden Monate immer wieder auf das geplante Spiel hinweisen und es über unsere Kanäle im Gespräch halten.

Die Kollegen aus Kassel wünschten sich »einen Bezug zur aktuellen Handlung«. Für mich bedeutete das, dass der geplante Zyklus ab Band 2200 damit zu tun haben könnte.

»Somit könnten auch aktuelle Handlungsstränge und Begrifflichkeiten aufgenommen werden«, stand hinterher im Protokoll, »und so auch Spieler aber Nicht-Leser an PERRY RHODAN heranführt werden«.

Wir sprachen über die finanziellen Grundlagen. Man ging davon aus, dass die Spieler eine Art Abonnement abschließen würden; davon sollte die Marke PERRY RHODAN einen prozentualen Anteil bekommen. Bei den Details würden wir zeitnah eine Einigung erzielen, dachte ich.

Wir vereinbarten, dass die PERRY RHODAN-Redaktion einen Vertrag erarbeiten würde, den wir als Entwurf nach Kassel schicken würden. Sobald wir die Grundzüge geregelt hatten, konnten wir an die eigentliche Arbeit gehen …

(Um es gleich vorwegzunehmen: Leider wurde aus den ganzen Planungen nichts. Die Spieleentwickler und ihre Firma verschwanden bald spurlos, und Swen Papenrock war damals sehr enttäuscht. Aber für einige Wochen waren wir im Herbst 2003 sehr euphorisiert.)

(Diese Redakteurserinnerung wurde im August 2025 auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffenlicht; hier erfolgt die Wiederholung aus dokumentarischen Gründen.) 

18 September 2025

Swen Papenbrock und das Browserspiel

Zu der Besprechung am Mittwoch, 15. Oktober 2003, gab es eine Reihe von Vorbereitungen. Wir hatten im Voraus einige Mails gewechselt. Klaus Bollhöfener hatte zudem einige Male mit Swen Papenbrock telefoniert, nicht nur wegen dessen aktueller Titelbilder, sondern vor allem wegen des Projektes, das nun endlich spruchreif werden sollte.

Swen verfolgt seit einiger Zeit eine Idee, die wir spannend fanden. Und so fuhr er an diesem Tag mit drei Kollegen aus dem Großraum Kassel nach Rastatt, um sich mit uns an einen Tisch zu setzen. Miriam Hofheinz und Klaus Bollhöfener vom PERRY RHODAN-Marketing nahmen teil, ich war für die Redaktion dabei. Ebenso waren Oliver Reiff von unserer Internet-Agentur Trilobit anwesend, dazu ein Kollege aus der EDV.

Thema war ein Browserspiel, das auf Basis der Marke PERRY RHODAN verwirklicht werden sollte. Die meisten Computerspiele zu dieser Zeit wurden in Form von Boxen verkauft, die sehr groß und teuer waren und eigentlich nur eine CD-ROM sowie ein Handbuch enthielten. Immer mehr Hersteller setzen zu der Zeit auf Browserspiele, auf Spiele also, die im Internet ausgetragen wurden und wo der Computer auf dem heimischen Schreibtisch eigentlich nur den Zugang zur Spielwelt bot.

Bereits im Dezember 1999 hatten uns Hermann Ritter und Jens Scholz in einem Vortrag auf dem PERRY RHODAN-WeltCon auf Browserspiele eingeschworen. »Die Zukunft des Spielens liegt im Internet« hatten die beiden damals sehr prophetisch ausgesagt. Entsprechend gespannt war ich: Das Manuskript des Vortrags aus dem Jahr 1999 hatte ich mir noch einmal durchgelesen. Waren wir endlich soweit, dass wir dieses Thema angehen konnten?

Wie uns die Kollegen aus Kassel gleich zu Beginn unserer Besprechung erläuterten, hatten sie ein großes Interesse daran, die Welt unserer Serie in ein Browserspiel zu verwandeln. Ihnen waren die Details der Serie wichtig, sie wollten eng mit der Redaktion und dem Marketing in Rastatt zusammenarbeiten.

Wir waren uns schnell einig, dass es einen Berater für technische Fragen geben sollte, einen Autor oder einen sehr gut informierten PERRY RHODAN-Fan. Es war ebenfalls klar, dass dieser Berater – ebenso wie Swen Papenbrock für die optischen Fragen – nicht von uns bezahlt werden sollte, sondern von unseren potenziellen Partnern.

Das Browserspiel sollte mit Unterstützung einer großen Internet-Plattform verwirklicht werden, bei dessen Namen wir aufhorchten. Wenn er auf seiner Startseite immer auf das Spiel hinweisen könnte, brächte das eine große Aufmerksamkeit. Auch das war zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich; Spiele wurden beispielsweise durch die Internet-Auftritte der großen Fernsehsender stark beworben.

Das Ziel war ernsthaft, bereits im Januar fertig zu sein. »Januar 2003?«, fragte ich ungläubig. Das wurde mir bestätigt; man habe schon einiges vorbereitet. Aber der Januar 2003 sei nur der Termin für einen »zweimonatlichen Public Beta Test«. Bis das Spiel dann »so richtig fertig« sei, könnten also noch einige Monate vergehen.

Ich notierte mir: »Start des fertigen Spiels wohl im Sommer 2004«. Das fand ich aber ebenfalls gut. Wir könnten dann im Verlauf der kommenden Monate immer wieder auf das geplante Spiel hinweisen und es über unsere Kanäle im Gespräch halten.

Die Kollegen aus Kassel wünschten sich »einen Bezug zur aktuellen Handlung«. Für mich bedeutete das, dass der geplante Zyklus ab Band 2200 damit zu tun haben könnte.

»Somit könnten auch aktuelle Handlungsstränge und Begrifflichkeiten aufgenommen werden«, stand hinterher im Protokoll, »und so auch Spieler aber Nicht-Leser an PERRY RHODAN heranführt werden«.

Wir sprachen über die finanziellen Grundlagen. Man ging davon aus, dass die Spieler eine Art Abonnement abschließen würden; davon sollte die Marke PERRY RHODAN einen prozentualen Anteil bekommen. Bei den Details würden wir zeitnah eine Einigung erzielen, dachte ich.

Wir vereinbarten, dass die PERRY RHODAN-Redaktion einen Vertrag erarbeiten würde, den wir als Entwurf nach Kassel schicken würden. Sobald wir die Grundzüge geregelt hatten, konnten wir an die eigentliche Arbeit gehen …

(Um es gleich vorwegzunehmen: Leider wurde aus den ganzen Planungen nichts. Die Spieleentwickler und ihre Firma verschwanden bald spurlos, und Swen Papenrock war damals sehr enttäuscht. Aber für einige Wochen waren wir im Herbst 2003 sehr euphorisiert.)

(Diese Redakteurserinnerung wurde bereits im August auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht. Hier teile ich sie aus dokumentarischen Gründen.) 

07 August 2025

Die nächsten Schritte zum Olymp

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich« 

Im Juli 2017 erfolgten mehrere Schritte direkt aufeinander. Nachdem ich meine Ideen aufgeschrieben hatte, aber noch nicht wusste, ob wir eine Miniserie mit dem Titel PERRY RHODAN-Olymp überhaupt machen durften, führte ich ein erstes kurzes Telefonat mit Susan Schwartz. Innerhalb kürzester Zeit schickte sie mir ihre ersten Vorschläge zum Thema.

Sabine Kropp und ich berieten darüber. Sie schlug mir vor, den größten Teil meines umfangreichen Arbeitspapiers zu ignorieren. Susan habe genügend eigene Ideen, denen sollten wir folgen. Susan interessierte sich vor allem für die Figuren, die sie schnell entwickelt hatte und die für uns spannend klangen.

Am Mittwoch, 19. Juli 2017, führten die Autorin und ich ein längeres Telefonat. Wir wussten immer noch nicht, ob wir die Miniserie machen konnten, waren uns aber einig, dass wir Zeitdruck hatten. Wollten wir damit zu Beginn des Jahres 2018 starten, musste die Autorin schnellstmöglich Exposés und die ersten Romane liefern. Auch das Marketing musste früh eingebunden werden. 

Sabine hatte mir zudem dringend ans Herz gelegt, frühzeitig mit der Planung der Titelbilder anzufangen. Für die Illustrationen hatten wir Arndt Drechsler vorgesehen, mit dem sie so schnell wie möglich reden wollte.

Susan Schwartz und ich sprachen nun über die Eckpunkte des Inhaltes und einen Zeitplan. Sie wollte möglichst wenig Autoren einsetzen, um das Team kleiner zu halten, und sie hätte gerne Autorinnen im Boot. Wir diskutierten über einige Namen, auch darüber, wer sie eventuell bei der Datenarbeit unterstützen könnte.

Susan zeigte sich sehr optimistisch, dass der strenge Zeitplan, den wir mündlich aufstellten, einzuhalten war. Die eigentliche Hauptarbeit müsse im August geleistet werden; in dieser Zeit sollten die Grundzüge der Handlung und die ersten Exposés entstehen. Sobald ich ein klares Signal aus der Geschäftsführung erhalten würde, wollten wir uns treffen. Am Tisch besprachen sich manche Themen leichter als per Telefon oder gar per Mail.

In den folgenden Tagen skizzierte ich auf eineinhalb Seiten ein weiteres Arbeitspapier, das ich für die Geschäftsführung und den Vertrieb aufsetzte. Darin formulierte ich unter anderem die Rahmenbedingungen für eine Serie, die ab Januar 2018 alle zwei Wochen erscheinen sollte. 

Ich lieferte darüber hinaus eine Begründung für den Serientitel; erstaunlicherweise wurde das immer wieder gefragt. Für PERRY RHODAN-Olymp spreche, so meine Argumentation, dass jeder Leser etwas mit dem Begriff anfangen könne: »Die Welt Olymp spielt seit den 60er-Jahren eine wichtige Rolle in der Handlung.« Die Außenstehenden dürften bei dem Begriff eine Assoziation zu den Olympischen Spielen oder auch zum Göttersitz Olymp haben. Der Begriff sei nicht kompliziert, den könnte man in der Werbung gut vermitteln.

Den Inhalt skizzierte ich absichtlich sehr grob. Ich deutete politische Verwicklungen auf der Welt Olymp an, ebenso den kosmischen Hintergrund mit der Welt Shoraz. Ich versprach »eine Verfolgungsjagd über mehrere Planeten«. Rhodan lüfte »das Geheimnis der uralten Zivilisation«, die Lage auf Olymp werde bereinigt.

Wichtiger als der eigentliche Inhalt waren meiner Ansicht nach die weiteren Argumente: Ich erwähnte die wichtigsten Handlungsträger, nämlich Perry Rhodan, Gucky und Sichu Dorksteiger. »Die Romane bieten vor allem knallige Weltraum-Abenteuer, bei denen mehrheitlich Menschen sowie einige skurrile Aliens auftauchen«, schrieb ich. »Bekannte Welten wie Olymp – wo es beispielsweise einen Kaiser gibt – tragen dazu bei, dass die Stammleserschaft sich heimisch fühlt.« Gleichzeitig seien die Romane »exotisch genug«, um für potenzielle Neuleser ansprechend zu sein.

Das Konzept gab ich noch einmal an Sabine, die es redigierte. Mit Klaus Bollhöfener sprachen wir über mögliche Titelbildkonzepte; er gab entsprechende Entwürfe in Auftrag. Währenddessen arbeitete Susan Schwartz an Datenblättern für Figuren und ersten Entwürfen der Handlung. 

Am Mittwoch, 25. Juli 2017, stellte ich das Konzept für PERRY RHODAN-Olymp in der Konferenz vor, ebenso das von Klaus Bollhöfener erstellte Titelbild-Layout. Es wurde allgemein für gut befunden, wir erhielten ein klares »Go!« für die Miniserie. Kritisiert wurde nur, dass im Konzept zu viel zur Politik stehe; das wollten die Leser sicher nicht. Wir sollten das kosmische Geheimnis stärker in den Vordergrund rücken. 

Die Objektleiterin versprach, uns so schnell wie möglich einen Terminplan zu erarbeiten, mit dem wir dann weitermachen konnten. Ebenso sollten Aktennotizen geschrieben und Kostenstellen angelegt werden. Im Hintergrund liefen bei einer solchen Miniserie schließlich viele Aktionen ab, mit denen die Redaktion nichts zu tun hatte, die aber wichtig waren, um ein Projekt »auf die Schiene« zu bringen.

Nach der Besprechung rief ich gleich bei Susan Schwartz an. Die Autorin musste schließlich als erste informiert werden. Sabine Kropp ging gleich an die Verträge, Klaus Bollhöfener begann mit den Vorbereitungen für die Titelbilder und das Marketing. 

Wir hatten noch wenige Monate, dann musste der erste Roman in die Produktion gehen …

(Diese Redakteurserinnerung wurde im Juli 2025 auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion veröffentlicht. Hier kommt sie aus dokumentarischen Gründen mit einiger Verspätung.)

11 Juli 2025

Wolfenbüttel im Februar 1999

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich« 

Entsprechend müde ging ich am Samstagmorgen, 20. Februar 1999, die Arbeit an. Es war der zweite Tag der Autoren-Werkstatt an der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel.

Weil ich wusste, dass ich nicht als einziger im Raum die Morgenschwere überwinden musste, sprachen wir erst einmal erneut über die Texte, die wir erhalten hatten. Die Unterschiede im Stil und in der Qualität waren enorm: Manche Texte hatten schon einen professionellen Charakter, bei anderen waren viele Dinge noch unsauber und unscharf.

Ich schrieb an diesem Vormittag häufig an ein Flipchart. Ich vermerkte den Unterschied zwischen starken und schwachen Formulierungen, zwischen aktiver und passiver Sprache, zwischen einer sauberen und einer unklaren Dialogführung. Robert Feldhoff ergänzte sehr praxisbezogen: Ihm war es immer wichtig, meine manchmal theoretischen Vorträge auf die tägliche Arbeit zurückzuführen. Er nannte konkrete Beispiele in den Texten und wies dort auf die Stärken und Schwächen hin.

Und so näherten wir uns langsam dem Kern des Seminars – Robert stellte seine erste Aufgabe, die eher kurz ausfiel: Die Autorinnen und Autoren sollten sich eine Verschränkung überlegen, sie aber noch nicht schreiben. Wie könnte man eine Szenerie aufbauen, bei der ein Hinweis zu Beginn der Geschichte gelegt wird, der später wichtig wird, wenn es darum geht, die Geschichte zu Ende zu bringen? Wir stellten die unterschiedlichen Konzepte zur Diskussion, es entwickelten sich angeregte Gespräche – und dann konnten wir auch schon in die Pause gehen.

Nach der Pause legten wir gleich mit einer kleinen Übung los: Die Autorinnen und Autoren sollten einen packenden Einstieg in ihre Geschichte schreiben, am besten so angelegt, dass sie einen Hinweis gaben, der später wichtig werden konnte. Wenn beispielsweise ein Roboter eingeführt wird, der dringend repariert werden muss, ist es wichtig, das an einem Detail festzumachen – und dieses Detail später in der Geschichte wieder zu erwähnen.

PERRY RHODAN in der Pause

Der Samstag verlief abwechslungsreich: Robert und ich stellten Aufgaben, die Autorinnen und Autoren schrieben, und später diskutierten wir darüber. Und immer dann, wenn die anderen an ihren Texten feilten, setzten wir beiden uns in den Vorraum, hatten je eine Tasse Kaffee vor uns, und besprachen aktuelle PERRY RHODAN-Ideen.

Ernst Vlcek hatte eine Reihe von Ideen geliefert, die wir diskutierten. Ernst war stets ein intuitiver Autor; seine Stärke waren Ideen, die er nicht unbedingt bis ins Detail ausformulierte. Seine Romane waren dann gut, wenn er eine Idee hatte, die er während der Arbeit weiter entwickelte. So ging er auch oft die Exposés an: Viele Ideen trugen einen Roman oder vielleicht vier oder fünf Romane. Sobald es darum ging, einen ganzen Zyklus auf diese Weise zu konzipieren, wurde es wackelig, und man musste unweigerlich nacharbeiten.

Robert ging anders vor. Er dachte strukturiert, sein Credo war, dass die Ideen von selbst kämen. Dass beide Autoren so lange und so gut zusammenarbeiten konnten, war angesichts dieser Unterschiede verblüffend. Ich hatte oft genug die Rolle eines »Schiedsrichters«, der sich überlegen musste, wie die teilweise widersprüchlichen Ideen unter einen Hut zu bringen waren. In Wolfenbüttel hatten Robert und ich die Chance, konzentriert an einigen Themen zu arbeiten.

Am Ende des Seminars hatten wir beide viele Notizen, die sich auf die laufende Handlung bezogen. Ich war guter Dinge, dass die Konzepte der beiden Autoren zu einem spannenden Abschluss des laufenden Zyklus führen würden. Wie wir nach Band 2000 weitermachen würden, hatten wir auch schon angedacht.

Am Samstagabend war ich reichlich erledigt. Die vielen Gespräche im Verlauf des Tages, das Besprechen der Texte, die vielen Diskussionen – das alles hatte viel Kraft geraubt. Aber wir hatten es tatsächlich geschafft, alle eingeschickten Texte zu diskutieren. In einer letzten Runde wurden die Texte vorgelesen, die von den Autorinnen und Autoren im Verlauf des Tages erarbeitet worden waren. Das Seminar endete so erst deutlich nach 22 Uhr.

Während einige erschöpft ins Bett fielen, blieben Robert und ich noch bei den Teilnehmern, die Lust auf weitere Gespräche hatten. Wir sprachen über PERRY RHODAN, Gott und die Welt – in etwa dieser Reihenfolge. Das war nicht nur sehr lustig und unterhaltsam, sondern ebenso spannend und informativ. Als ich endlich ins Bett kam, hatten wir schon nach drei Uhr morgens.

Am Sonntag folgte eine Reihe von Aufräumarbeiten, wie wir es nannten. Es waren im Verlauf der zwei Tage viele Fragen aufgekommen, die wir im Plenum zu beantworten versuchten. Ich erläuterte, wie Verlage funktionierten und wie viele Schritte zurückzulegen sind, bis aus einem Manuskript ein Buch wird, das im Laden ausliegt. Es schlossen sich weitere Diskussionen, eine allerletzte Übung sowie eine Schlussrunde an.

Als ich am späten Nachmittag im Zug nach Karlsruhe saß, hatte ich eine umfangreiche Lektüre im Gepäck: ein PERRY RHODAN-Manuskript, das ich bislang nicht gelesen hatte, aber auch die zahlreichen Notizen, die ich bei den Gesprächen mit Robert Feldhoff angefertigt hatte.

Viele der Ideen, die zum Zyklus »Die Solare Residenz« – so hieß er in den bisherigen Konzepten – entwickelt worden waren, fand ich spannend; daraus sollten sich viele lesenswerte Science-Fiction-Romane machen lassen. Band 2000 konnte also bald kommen …

(Diesen Text brachten wir im Juni auf unserer Internet-Seite. Hier bringe ich ihn nun aus dokumentarischen Gründen.) 

10 Juli 2025

Wir üben Verschränkungen

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«
 

Es war immer etwas Besonderes, mit Robert Feldhoff zusammenzuarbeiten. Das merkte ich nicht nur bei Exposés und Romanen, sondern auch bei Computerspielen oder Seminaren. Und so fuhr ich am Freitag, 19. Februar 1999, in bester Laune mit der Bahn nach Wolfenbüttel, wo ich zum dritten Mal mit Robert zusammen als Dozent in einem Seminar wirken sollte.

Robert und ich trafen uns bereits am Nachmittag. Die Bundesakademie für kulturelle Bildung hatte uns in der Schünemannschen Mühle einquartiert, dem Gästehaus der Einrichtung. Dort gab es Sitzecken, und wir nutzten die Chance für eine erste Besprechung. Ziel des Seminars war für uns schließlich auch, nebenbei die eine oder andere Angelegenheit rings um unsere Serie zu diskutieren.

Die 13 Personen, die an dem Seminar teilnahmen, hatten im Voraus ihre Texte eingereicht; diese hatten sie nach einer Aufgabe geschrieben, die wir im Vorfeld gestellt hatten. Ich hatte alle Texte im Zug gelesen, Robert bisher nur einen Teil geschafft.

Wir legten in unserem Gespräch erst einmal fest, in welcher Reihenfolge wir sie durcharbeiten würden – damit er die Zeit hatte, die noch fehlenden Texte zu lesen. Und wir überlegten uns, wie wir uns Freiräume schaffen konnten, um über PERRY RHODAN diskutieren zu können.

Für das Seminar hatte Robert eine klare Idee: »Lasst uns mal Verschränkungen üben.« Darunter verstand Robert Feldhoff einen Kunstgriff, der in Romanen sehr häufig verwendet wird: Auf Seite 23 wird beispielsweise ein völlig banaler Gegenstand eher am Rande eingeführt, der dann aber dem Helden auf Seite 122 des Romans hilft, den Bösewicht zu besiegen. Generell dient eine Verschränkung aber dazu, einen Handlungsverlauf abzuändern und den Leser so zu überraschen.

Details dieser Art müssen im Roman gut vorbereitet werden, um die Leserinnen und Leser an der richtigen Stelle überraschen zu können. Das funktioniert im Krimi genauso wie in der Science Fiction und in der Fantasy, im Liebesroman sowieso. Und man kann damit in der Kurzgeschichte ebenso arbeiten wie im Roman. Vor allem dient das »Verschränken« als Methode für Autoren von Spannungsromanen.

Solche Dinge sollten die Teilnehmer des Seminars feststellen, üben und selbst erarbeiten. Roberts Vorschlag fand ich hervorragend, den wollten wir gemeinsam umsetzen. Nachdem wir diese Eckpunkte festgelegt hatten, konnten wir ins eigentliche Seminar gehen.

Erwartungsvoll sahen uns die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an. Robert und ich saßen im großen Saal der Schünemannschen Mühle, die anderen an einer Kombination aus Tischen, die ein großes Viereck formte. Zu Beginn erläuterte ich die technischen Gegebenheiten rings um die Mühle – Details wie das Bezahlen der Getränke und das gemeinsame Essengehen –, bevor wir zur Vorstellungsrunde übergingen.

Ein Redaktionsgespräch

Im Plan der Bundesakademie stand ein sogenanntes Redaktionsgespräch auf dem Programm. In diesem Fall hieß das: Ich führte eine Art Interview mit dem Exposéautor und befragte ihn zu seiner Arbeit als Autor und wie er seine Romane plante. Robet Feldhoff berichtete über seine schriftstellerische Laufbahn, auch über die Randbereiche wie Comics und Computerspiel, und er stellte dar, welche Unterschiede es zwischen einem Heftroman, einem Taschenbuch und einem Space-Thriller in puncto Schreibdisziplin und Recherche gibt.

Aus Rückfragen der Anwesenden entwickelten sich kleine Diskussionen. Ich erzählte ergänzend von meiner Arbeit als Redakteur. Wir machten damals Heftromane, die im eigenen Verlag erschienen, arbeiteten an Konzepten für neue Bücher und konzipierten zusammen mit externen Partnern beispielsweise Hörspiele und CD-ROMS. Das war für die Teilnehmenden interessant; sie bekamen so eine andere Sicht auf die Arbeit eines Verlags vermittelt.

Danach wurden eingeschickte Texte besprochen. Robert und ich gingen auf die stilistischen Stärken und Schwächen ein, und ich versuchte das zu moderieren, was von den Anwesenden in die Diskussion geworfen wurde. Bei diesen Seminaren fand ich immer spannend, wie manche Leute aus sich herausgingen: Waren sie anfangs noch zurückhaltend und trauten sich kaum, ihre Meinung zu sagen, wurden sie im Verlauf des Wochenendes aktiver. Letztlich fand ich es immer dann gut, wenn im Seminar eine Art Binnenklima entstand, bei dem die Autorinnen und Autoren gemeinsam an den Texten arbeiteten und über sie diskutierten.

An diesem Abend kamen wir nicht mehr dazu, weitere Aufgaben anzugehen. Aber das Seminar endete nicht mit dem offiziellen Schluss. Wir saßen noch lang zusammen. Eine lockere Runde bildete sich, bei der wir Bier und Wein tranken und über alle möglichen Themen sprachen. Die anwesenden PERRY RHODAN-Leser nutzten die Gelegenheit, mit Robert Feldhoff über die laufende Handlung und seine weiteren Pläne zu diskutieren.

Entsprechend spät kam ich ins Bett.

(Diesen Text brachten wir schon im Juni 2025 auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion. Hier dann endlich auch die Veröffentlichung ...)