25 Juni 2018

Der erste deutsche Science-Fiction-Roman

Ein Logbuch der Redaktion

Dass Karl-Herbert Scheer einmal der bekannteste und beliebteste Science-Fiction-Autor im deutschen Sprachraum werden würde, konnte 1951 noch niemand ahnen. Der junge Mann, Jahrgang 1928, veröffentlichte den Roman »Piraten zwischen Erde und Mars« als Fortsetzungsgeschichte in der Zeitschrift »Das grüne Blatt«.

Es ist dem Terranischen Club Eden zu verdanken, dass dieser Klassiker jetzt auch für heutige Leser wieder zur Verfügung steht. Ich hatte ihn nie zuvor gelesen und bin sehr froh darüber, durch den TCE – so das Kürzel des Clubs – eine Möglichkeit dazu zu erhalten. Wobei man fairerweise sagen muss, dass die Handlung dem heutigen Leser wenig an Überraschungen zu bieten hat. 1951/52 war das natürlich anders; da waren all die Dinge, die Scheer in seinem Roman erzählte, für die meisten Leser wohl völlig neu und verblüfft.

Die Geschichte beginnt in einer nahen, nicht genau definierten Zukunft. Die Menschen durchqueren das All bereits zwischen den Planeten des Solsystems, schnelle Raumkreuzer transportieren Rohstoffe vom Mars zur Erde. Doch Piraten lauern den Frachtern auf, es kommt zu Kämpfen im All. Die Geheimdienste beschließen, zwei wagemutige Raumfahrer in die Reihen der Piraten einzuschleusen, um auf die Spur der Bösewichte zu kommen ...

Die Helden des Romans sind deutsche Raumfahrer, die sich mit einer Selbstverständlichkeit zwischen den Welten des Sonnensystems bewegen, dass es eine wahre Freude ist. Die technischen Beschreibungen halten sich in Grenzen, wirken aber glaubhaft. Action und Dialoge entsprechen der Unterhaltungsliteratur dieser Zeit, sind unter heutigem Blick also oftmals »grobschlächtig«.

Mit diesem Roman wurde Karl-Herbert Scheer erstmals populär, Zigtausende von Lesern verfolgten gebannt die Fortsetzungsgeschichte. In Deutschland kannte man die utopisch-phantastische Literatur aus der Zwischenkriegszeit; Serien wie »Sun Koh« oder Autoren wie Hans Dominik hatten sich hervorragend verkauft.

Die moderne Science Fiction aus den USA oder aus England hatte noch nicht in einem großen Ausmaß Fuß fassen können und war etwas für Spezialisten – Scheers Roman setzte für die damalige Zeit ganz neue Akzente. Vor allem die wissenschaftlich korrekten Formulierungen seines Romans gingen in eine moderne Richtung.

Der damals so junge Autor erzählte eine Geschichte voller überraschender Höhepunkte, die schnell und abwechslungsreich verlief, die das weibliche Geschlecht nicht ignoriert und nicht an Action sparte. Scheer ließ es, wie man heute sagen würde, »ganz schön krachen« und war damit auf der Höhe der Zeit.

Ich fühlte mich von der Geschichte gut unterhalten, auch deshalb, weil ich wusste, dass ich keine innovative Science Fiction vor mir hatte. Wenn man sich darauf einlässt und sich klarmacht, dass man einen Roman aus den frühen fünfziger Jahren liest, macht »Piraten zwischen Erde und Mars« richtig Spaß.

Wer wissen möchte, wie K. H. Scheer vor so langer Zeit mit seiner schriftstellerischen Karriere anfing, sollte sich den Roman unbedingt besorgen. Scheer wäre in diesen Tagen neunzig Jahre alt geworden, er hat die Science Fiction in Deutschland stark geprägt. Ohne ihn hätte PERRY RHODAN nicht diesen großen Erfolg erreicht – sein Weltraumpiraten-Abenteuer bietet hierfür schon Anhaltspunkte.

(Wer sich für das Buch interessiert: Es ist 154 Seiten stark, erschien als Paperback im Terranischen Club Eden und kostet 7,50 Euro plus Porto. Weitere Informationen liefert die Internet-Seite des Clubs.)

22 Juni 2018

Erinnerung an Peter Griese

Zum ersten Mal lernte ich Peter Griese in den 80er-Jahren kennen: Auf einem ColoniaCon in Köln unterhielten wir uns über die ATLAN-Serie, die ich damals ziemlich kritisierte, und ich fand beeindruckend, wie er mit mir sprach – er als erfahrener Schriftsteller auf Augenhöhe mit einem kritischen Fan.

Bei späteren Gelegenheiten trafen wir immer wieder aufeinander, ab Herbst 1992 arbeiteten wir zusammen. Peter Griese war nicht mein Lieblingsautor, als ich PERRY RHODAN-Redakteur wurde.

Wegen seiner Romane, die an der Großen Leere spielten, hatten wir einige heftige Diskussionen. Immerhin mochten wir beide laute Musik, was uns verband.

Dann aber begann der »Thoregon«-Zyklus, Peter Griese schrieb über Alaska Saedelaere, und seine Romane waren schlagartig wieder klasse. Wir telefonierten einige Male, der Autor schien richtig aufzublühen und schmiedete seine Pläne.

Bis er auf einmal verstarb; damit hatte niemand gerechnet. Ich erfuhr erst nach der Beerdigung davon, legte kurz danach einen Kranz auf sein Grab. Es waren sehr traurige Tage in diesem Frühjahr 1996.

Heute wäre der Autor 80 Jahre alt geworden. Es wäre schön, könnte man mit ihm seinen Geburtstag feiern. Vielleicht höre ich heute eine Platte von AC/DC – das war immerhin seine Lieblingsband. Und ich denke an die vielen schönen Romane, die er dem PERRY RHODAN-Kosmos geschenkt hat.

21 Juni 2018

Die »SOL« wurde 90

Bereits im Mai erschien die Ausgabe 90 der »SOL« – das ist die Zeitschrift der PERRY RHODAN-FanZentrale. Wie schon oft erzählt: Ich lese dieses Heft stets sehr gern. Es bietet Informationen und Unterhaltung rings um die größte Science-Fiction-Serie der Welt, das alles wird in einem professionellen Layout richtig gut serviert.

Die vorliegende Ausgabe, deren Lektüre ich erst diese Woche abschließen konnte, widmet sich vorrangig den ausländischen PERRY RHODAN-Ausgaben. Dieese Zusammenstellung der Redaktion hat mir richtig gut gefallen.

Als Leser erfährt man mehr über die Szene in Japan, Brasilien, Frankreich und den USA; einige Informationen und Sichtweisen waren selbst mir ganz neu. Solche Beiträge zeichnen die »SOL« aus und heben sie über das Niveau eines »gewöhnlichen« Fanzines weit hinaus.

Neben den üblichen Rezensionen zu aktuellen Romanen von PERRY RHODAN und PERRY RHODAN NEO gibt es auch Interviews. Christian Montillon äußert sich kurzweilig – und ohne echte Informationen – zur Exposéarbeit, während Ben Calvin Hary über seine YouTube-Aktivitäten spricht. Dazu kommt ein Interview mit mir.

Ich könnte noch die vielen anderen Artikel und Beiträge aufzählen, die das 68 Seiten starke Heft sehr kurzweilig gestalten. Es enthält viele Texte, die PERRY RHODAN-Leser ansprechen sollten. Zu beziehen ist das Magazin über den SpaceShop der FanZentrale.

20 Juni 2018

Herren des Molkex

Manchmal ist es richtig reizvoll, in den alten Unterlagen zu wühlen: Vor genau zehn Jahren ging es in der täglichen Arbeit unter anderem darum, die sogenannte Eastside-Trilogie zu verwirklichen. In Zusammenarbeit mit Edel – im Sommer 2008 seit eineinhalb Jahren unser Lizenzpartner in Sachen Bücher – wollten wir die drei Silberbände, in denen es um die Blues ging, als Trilogie unter dem Titel PERRY RHODAN-Eastside veröffentlichen.

Die drei Bücher sollten zumindest teilweise Originaltitel behalten. Der erste Band sollte weiterhin »Hornschrecken« heißen, der dritte weiterhin den Titel »Kampf gegen die Blues« tragen. Der zweite Band hieß als Silberband »Das zweite Imperium«; dieser wurde auf »Herren des Molkex« geändert.

Mein Ziel war, nach den »Schwarm«-Bänden und den »Plophos«-Büchern eine neue Etappe auf dem Weg zu modernen Paperbacks zurückzulegen. Wir wollten nicht die Silberbände ablösen, weil diese ja ihren festen Kundenkreis gefunden hatten, sondern ergänzend neue Wege gehen. Danach wollten wir mit weiteren Zyklen weitermachen, die wir im Format von Paperbacks in den Buchhandel bringen wollten.

Im Juni 2008 lag der Lizenzvertrag vor, den wir mit Edel abschließen würden. Erste Honorare flossen, wir alle freuten uns auf die Bücher (die ja auch veröffentlicht wurden) und auf die weitere Zukunft. Es sah alles richtig gut aus …

19 Juni 2018

Sektor X

Ich muss es ganz ehrlich sagen: Das Titelbild des Romans »Sektor X« ist einfach sensationell. Wie Dirk Schulz die fremde Welt präsentiert, fasziniert mich. Auch wenn es sicher die eine oder andere Kritik aus der Fan-Szene geben wird, finde ich das Bild richtig klasse – selbst jemand, der sich mit Science Fiction nicht beschäftigt, dürfte die Optik als interessant betrachten.

Den Roman schrieb Michelle Stern, er kommt mit der Bandnummer 2966 in dieser Woche in den Handel. Die faszinierenden Aliens, die Michelle als »Abgedankte« bezeichnet, die abenteuerliche Handlung mit Atlan und seinen Gefährten, die kosmischen Details – das alles hat mir bei der Lektüre des Manuskriptes sehr gut gefallen.

Den speziellen »Sense Of Wonder«, der mich vor Jahrzehnten an die PERRY RHODAN-Serie fesselte, steckt in diesem Roman ebenfalls. Da passen Cover und Inhalt für meine Begriffe sehr gut zusammen ...

18 Juni 2018

Zwei Fußballromane

Seit dem 14. Juni 2018 läuft wieder eine Fußball-Weltmeisterschaft der Männer, diesmal in Russland. Viele Leser unserer Serie interessieren sich für Fußball, auch mancher Autor ist begeistert von diesem Sport. Seit Jahren und Jahrzehnten gibt es deshalb Anspielungen in den Romanen, teilweise so gut versteckt, dass nicht einmal ich als Redakteur sie alle kenne.

Aber wir haben tatsächlich im Verlauf der Jahre zwei Romane zum Fußball veröffentlicht. Im Rahmen einer Sonderaktion bieten wir sie derzeit als Gratis-E-Books an – damit Fußballfreunde, die sonst nicht zu PERRY RHODAN greifen würden, vielleicht mal einen Blick wagen. Und weil ich an beiden Romanen mitgewirkt habe, erlaube ich mir, das an dieser Stelle »abzufeiern«.

Uwe Anton schrieb mit »Die Lichtgestalt« (PERRY RHODAN-Band 2020) den ersten Fußballroman. Der bekennende Bayern-Fan wählte den Titel mit Absicht, in seinem Roman geht es um einen jungen Spieler, der sich stets als talentiert erweist – auch wenn er offenbar ein Mutant ist und deshalb in einen gefährlichen Verdacht gerät. In diesem Roman wurden die Spielregeln des Fußballs der fernen Zukunft klar definiert, was ich bis heute amüsant finde.

Robert Feldhoff war Fan von Oldenburg – ich weiß leider nicht mehr, in welcher Liga dieser Verein im Jahr 2006 spielte. In jenem Jahr veröffentlichten wir den Roman »Das Wunder von Terra«. Eigentlich war es ein Roman über Solidarität und Begeisterung, ganz nebenbei auch einer, in dem es darum ging, dass man – wenn man zusammenhält – sogar gegen starke Feinde eine Chance haben kann.

Mir ist klar, dass nicht jeder Mensch die Sportart Fußball mag. Deshalb erhielten wir zu beiden Romanen damals viel Lob und viel Kritik. Ich fand und finde sie trotzdem gut. Und wenn in diesem Sommer eben in vielen Wohnungen der König Fußball regiert, schadet es ja nicht, das mit der größten Science-Fiction-Serie der Welt zu verknüpfen …

17 Juni 2018

Gespräche mit Autoren und Bloggern

Am zweiten Tag des Literatur-Camps in Heidelberg stelle ich wieder einmal fest, dass es ganz schön anstrengend sein kann, wenn man den ganzen Tag über Literatur im Allgemeinen, Science Fiction im Besonderen und PERRY RHODAN im Ganzbesonderen redet. Unter anderem werde ich von Bloggerinnen und Bloggern angesprochen, die wissen wollen, wie wir eigentlich an der Serie arbeiten und welche Aufgaben es da gibt.

Autorinnen und Autoren interessieren sich für die »ganz normalen« Abläufe in einer Romanserie, auch dafür, wie man da einsteigen kann. Gelegentlich kann ich in solchen Gesprächen auch Robert Corvus zu Rate ziehen, der sich ebenfalls auf dem Camp aufhält und sich sichtlich amüsiert.

Schon jetzt kann ich sagen, dass die Veranstaltung sinnvoll war. Auch dass wir sie unterstützt haben, bewerte ich als sinnvoll. Ob es erfolgreich war, müssen wir später beurteilen.