16 Februar 2020

Ein Arbeitstreffen in Braunschweig

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

In den 80er-Jahren hatte ich einige Male eine Station in Braunschweig eingelegt; für junge Leute, die aus dem Süden von Westdeutschland per Anhalter nach Berlin reisen wollten, war die Stadt ein willkommener Zwischenstopp. Es sollte aber bis Ende der 90er-Jahre dauern, bis ich wieder einmal in Braunschweig übernachtete.

Am Donnerstagmorgen, 26. November 1998, setzte ich mich in den Zug nach Norden. Eigentlich wollte ich das Wochenende in Wolfenbüttel verbringen. An der dortigen Bundesakademie für kulturelle Bildung war ich im dritten Jahr als einer der Dozenten für den Bereich Science Fiction zuständig; ich wollte diesmal zusammen mit Andreas Eschbach ein Seminar für angehende Romanautoren leiten.

Der Aufenthalt in Braunschweig hatte damit allerdings nichts zu tun, hatte sich aber ergeben, weil ich in dieser Stadt ohnehin Station machen musste. Damit sich die Reise lohnte, hatte ich mir einiges als Lektüre eingepackt.

Unter anderem zählte ein aktuelles PERRY RHODAN-Manuskript dazu. Horst Hoffmann hatte Band 1964 geliefert, den wir unter dem Titel »Ein weißer Haluter« veröffentlichen wollten. Der Autor schrieb nach einem Exposé von Robert Feldhoff, der ihm damit die Chance eröffnete, eine neue Hauptfigur für unsere Serie vorzustellen. Gemeint war Blo Rakane, ein halutischer Wissenschaftler. Das gelang dem Autor sehr gut, mir gefiel das Manuskript, und ich musste mich geradezu zwingen, es immer wieder zur Seite zu legen.

Schließlich hatte ich auch anderes zu lesen. Wichtig war der Stapel von Kurzgeschichten, der zu einem sogenannten Reader aufgebunden worden war. Solche Reader stellte die Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel stets zusammen, sie gingen an alle Seminarteilnehmer, natürlich auch an die Dozenten. Die Teilnehmer mussten für ein solches Seminar im Voraus je eine Kurzgeschichte einreichen. Von diesen wurden Kopien erstellt und in einen dicken Band gepackt.

Für mich war das eine wichtige Vorbereitung. Ich hatte so die Gelegenheit, mich mit der Arbeit der Autorinnen und Autoren vertraut zu machen, auf die ich ab Freitag stoßen würde. Wie immer machte ich zahlreiche Notizen in den Texten, kringelte Wortwiederholungen ein oder unterstrich Formulierungen, die ich gut fand und im Seminar loben wollte. Mit allen Texten war ich tatsächlich durch, als ich Braunschweig erreichte.

Die Bahn war pünktlich. Ich wurde am Vorplatz des Bahnhofs abgeholt und zu einem klassisch wirkenden Hotel gebracht. Das erhob sich in der Innenstadt, die einen schönen Kontrast zum eher hässlichen Bahnhof bildete, und war ganz in der Nähe des Jugendzentrums – in diesem wollten die Braunschweiger Fans im Folgejahr einen großen Con organisieren. Ich checkte ein, ruhte mich ein wenig aus und setzte mich abends mit den potenziellen Con-Veranstaltern zusammen.

Die meisten von ihnen kannte ich schon. Sie waren jahrelang in Vereinigungen wie »Perry’s Video Club« aktiv gewesen, der bei zahlreichen Cons gefilmt hatte, und waren mittlerweile im Förderverein Phantastika Raum & Zeit e.V. organisiert. Das Ziel war klar: Im Frühjahr 1999 sollte der ThoreCon in Braunschweig organisiert werden, ein großer Con in Zusammenarbeit mit der PERRY RHODAN-Redaktion und anderen Fan-Gruppierungen.

Zu der Zeit folgten wir noch einer Devise, die ich einige Jahre zuvor ausgegeben hatte. Ich hatte – nachdem man unsere Pläne für einen WeltCon im Jahr 1996 abgelehnt hatte – vorgeschlagen, »viele Sinzigs« zu schaffen. Die PERRY RHODAN-Tage in Sinzig, die mir sehr gut gefallen hatten, sollten als Vorbild für andere Fan-Veranstaltungen dienen, idealerweise in der ganzen Republik verteilt.

Ich fand die Vorstellung sehr gut, dass es auch in Norddeutschland mehr Cons geben sollte. »Die meisten PERRY RHODAN-Cons sind im Süden«, war mir nicht nur einmal vorgeworfen worden. Braunschweig lag weit genug im Norden, so vermutete zumindest ich, damit auch Fans beispielsweise aus Hamburg oder Bremen anreisen konnten.

Der Abend verlief sehr angenehm, wir hatten viel zu lachen. Wir diskutierten über mögliche Programmpunkte bei einem solchen Con und mit wie vielen Besuchern wir zu rechnen hatten. Ich versprach, auf den Seiten der PERRY RHODAN-Romane ordentlich Werbung zu machen und auch das – immer noch frische – Internet dafür einzusetzen. Der Con sollte schließlich ordentlich besucht werden, einige hundert Besucher wären mir lieb gewesen.

Doch wieso sollten Fans ausgerechnet nach Braunschweig fahren? Meinen Vorschlag hatte ich im Vorfeld bereits geäußert: »Wir veranstalten die Autorenkonferenz in Braunschweig. Es gibt kein Gesetz, dass die immer in Rastatt sein muss. Und wenn die Autoren eh schon da sind, bleiben sie am nächsten Tag einfach beim ThoreCon anwesend.« Auf einen Schlag hätten die Veranstalter die höchstmögliche Menge an aktuellen PERRY RHODAN-Autoren bei ihrem Con. Und sie müssten keinerlei Fahrtkosten für die Ehrengäste tragen …

Den Plan fanden nach wie vor alle gut. Wir diskutierten darüber, wie wir das alles sinnvoll bewerkstelligen würden, und nach einiger Zeit waren wir alle in einer sehr beschwingten Stimmung.

Es wurde ein sehr später Abend, an dem vor allem zu vorgerückter Stunde sehr viel Alkohol getrunken wurde. Kein Wunder, dass fast alle Beteiligten sich hinterher nicht mehr an alle Details erinnern konnten …

14 Februar 2020

Christian Montillon und der Mars

Der Abschluss des »Zerozone«-Vierteilers kommt in einer Woche offiziell in den Handel: Christian Montillon schrieb den Roman mit dem schlichten Titel »Mars«, das Titelbild verheißt auf jeden Fall, dass es knallig werden könnte. Ich verrate an dieser Stelle natürlich nichts über den Inhalt, das wäre unfair.

Sicher ist es noch zu früh, ein echtes Fazit für diesen Vierteiler zu ziehen. Der Autor hat bei verschiedenen Gelegenheiten erzählt, wie es dazu gekommen ist, dass er die vier Bände allein geschrieben hat – das war ja nicht geplant. Ich bin froh, dass er die schwierige Aufgabe so gut gelöst hat.

Mit »Mars« liegt ein Abschluss für den Vierteiler vor, der so nicht im Exposé steht. Der Autor hat sich für einen offenen Schluss entschieden; die Fortsetzung dazu muss dann in absehbarer Zeit kommen. (Daran wird schon fleißig gearbeitet – das nur als ersten Spoiler …)

13 Februar 2020

Ein Rundschreiben im Februar

Am 4. Februar 1975 informierten K. H. Scheer und William Voltz die Autoren der PERRY RHODAN-Serie in einem gemeinsamen »Rundschreiben an alle PR-Mitarbeiter«, das mit »KHS/WiVo« unterschrieben worden war. Die Anrede lautete übrigens auf »Liebe Rhodanisten«.

Das Schreiben wurde mit den Exposés 729 bis 731 verschickt. Diese seien »auf den ersten Blick hin falsch nummeriert« zu sein, denn die Autoren hätten ja bereits die Exposés 729 und 730 erhalten. Es handle sich dabei »um die beiden Aphilie-Bände, Autor: K. Mahn«. Gemeint ist damit der PERRY RHODAN-Autor Kurt Mahr.

Aber nun wurde einiges umgestellt – die beiden Exposés sollten »vorerst zurückgestellt werden«. Gründe wurden in dem Schreiben nicht genannt. Die beiden Nummern seien »als ungültig anzusehen«. Die Autoren sollten die Exposés allerdings aufbewahren, »damit sie zu einem späteren Zeitpunkt in die laufende PR-Serie eingegliedert werden können«.

12 Februar 2020

Wenn sich Matthew Drax und Perry Rhodan treffen …

Ein Logbuch der Redaktion

Seit es den Piloten Matthew Drax um gut 500 Jahre in die Zukunft geschleudert hat, ist nicht nur viel Zeit vergangen – er hat eine gefährliche und zugleich faszinierende Welt kennengelernt, die streckenweise nichts mit unserer Welt des Jahres 2020 zu tun hat. Und seit der Raumfahrer Perry Rhodan im Jahr 1971 auf dem Mond die Arkoniden getroffen hat, ist die Menschheit ins All vorgestoßen, in fremde Galaxien und andere Universen – und hat seither viele Erkenntnisse über die ferne Zukunft errungen.

Man muss es klar sagen: Die Romanserien »Maddrax« und PERRY RHODAN haben mehr gemeinsam, als auf den ersten Blick auffallen würde. »Maddrax« startete im Februar 2000, während PERRY RHODAN im September 1961 das Licht der Öffentlichkeit erblickte.

Beide Serien gehören zum Genre Science Fiction, das im Verlauf der Jahrzehnte seine Höhenflüge, aber auch seine Tiefstände erlebte. Sie werden in einem Format veröffentlicht, das seit Ende der 80er-Jahre immer wieder aufs Neue für tot erklärt wird. Beide Serien haben zudem ihre Leser, die an Kritik und Lob nicht sparen.

Mich freut, dass es »Maddrax« schon so lange gibt. Diese Serien erscheinen in verschiedenen Verlagen, ich sehe uns aber nicht als Konkurrenten. Es gibt Autorinnen und Autoren, die für beide Serien schreiben, und auch unsere Leser sind teilweise dieselben. An den Verkaufsstellen liegen unsere Hefte nebeneinander aus – wir sind Partner, die beide auf ihre Art versuchen, so gut wie möglich eine phantastische Welt zu schaffen.

Bei »Maddrax« wechselt die phantastische Welt in diesen Tagen und Wochen gleich mehrfach. Matthew Drax und seine Gefährtin tauchen in parallele Welten ein, sie treffen auf ungewöhnliche Menschen und fremdartige Geschäfte. Dass es bei einer solchen Reise zu einer Begegnung mit dem PERRY RHODAN-Universum kommt, finde ich amüsant.

Den Roman verfasste Oliver Fröhlich, der für beide Serien tätig war und ist. Ich hoffe, dass den Lesern dieser durchaus augenzwinkernde Blick gefällt. Die Geschichte selbst ist ernsthaft, und der Autor erzählt sie in gewohnter Weise sehr spannend und unterhaltsam.

Wer sich in beiden Universen auskennt – bei PERRY RHODAN und »Maddrax« –, dem werden die Parallelen und Berührungspunkte auffallen. Alle anderen haben hoffentlich vor allem an der gelungenen Geschichte ihren Spaß.

Den Machern der Serie »Maddrax«, allen Autorinnen und Autoren, den unbekannten Kolleginnen und Kollegen im Verlag und im Vertrieb möchte ich zum Jubiläum gratulieren. (Und den Leserinnen und Lesern danke ich für die Treue – ohne sie ginge es nicht!) Wer es schafft, zwanzig Jahre lang eine Heftromanserie zu veröffentlichen, muss in dieser Zeit vieles richtig gemacht haben.

11 Februar 2020

Nach der Zerozone ist vor ...

Während wir in der Redaktion derzeit damit beschäftigt sind, die vier Romane des »Zerozone«-Vierteilers schön nacheinander in den Handel zu bringen, arbeiten die Autoren bereits an der Fortsetzung. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Es wird einen weiteren Vierteiler geben, der auf der Erde und ihrer »neuen« interstellaren Umgebung spielt.

Einer der Autoren ist Christian Montillon. Diesmal wird er aber nicht alle vier Romane allein verfassen. Diesen Stress wollten wir ihm nicht zumuten, er sich selbst aber auch nicht.

Die Geschichte ist damit noch nicht »auserzählt« – und wenn ich das so schreibe, verrate ich sicher nicht zu viel. Wir werden weitere Romane zu lesen bekommen, die auf der Erde spielen. Und ich bin sehr sicher, dass die eine oder andere Überraschung auf die Leserinnen und Leser warten wird …


10 Februar 2020

Christian Montillon und Terra

In dieser Woche erscheint bereits der dritte Band des »Zerozone«-Vierteilers; verfasst wurde er – wie die anderen Teile – von Christian Montillon. Ich bin sicher, dass viele Leser das Titelbild von Arndt Drechsler etwas verwirrend finden. Ihnen sei aber klar gesagt, dass alles stimmig ist: Die Person auf dem Cover tritt auch im Roman auf.

Der Autor erzählt von der Situation auf der Erde, die von Perry Rhodan nach langer Suche wieder gefunden worden ist. Und er schildert die Probleme, die es natürlich auch im Dyoversum gibt. Mir gefiel vor allem die parallele Geschichte, die er in diesem Roman darstellte; die Beziehung zwischen den zwei Figuren, um die es geht, stand so nicht im Exposé und wurde vom Autor entwickelt, während er an dem Vierteiler arbeitete.

Das finde ich nämlich immer spannend: Auch wenn wir viel planen und intern diskutieren, sind es doch immer die Autoren, die darüber entscheiden, in welche Richtung sich ihr Roman entwickelt. Wird es mehr Action, oder gibt es mehr Emotionen? In Band 3052 mit dem Titel »Terra« hat der Autor beides geliefert, und das gefiel mir sehr.

09 Februar 2020

Exposétreffen an der Mosel

Zum ersten Exposétreffen im Jahr 2020 fuhr ich diees Mal an die Mosel. Am Freitag, 7. Februar, saßen Wim Vandemaan, Christian Montillon und ich dort im Wohnzimmer eines schönen Einfamilienhauses zusammen. Wir tranken Saft und Wasser und Kaffee; dazu gab es leckere Dinge zu essen.

Aber vor allem diskutierten wir und tauschten Ideen aus. Derzeit hat die Handlung der PERRY RHODAN-Serie gerade einmal Band 3050 überschritten. Inhaltlich arbeiten wir aber an den Bänden, die in diesem Jahr veröffentlicht werden – und das heißt, dass wir mit großen Schritten auf Band 3100 zugehen. So sprachen wir unter anderem darüber, welche Figuren wie noch bis Band 3099 auftreten sollten oder wie es auf der Erde weitergehen sollte.

Erste Arbeitspapiere zum Zyklus nach Band 3100 liegen vor; wir hatten darüber ja schon im vergangenen Sommer ausführlich diskutiert. Wir wissen bereits sehr genau, was in Band 3100 passieren wird, und wir haben einen klaren Plan zu den Geschichten, die wir im kommenden Zyklus erzählen werden. (Dass es auf dem Weg dahin noch zu Änderungen kommen wird, ist eine Selbstverstädlichkeit. Das passiert immer.)

Als wir uns nach sechs Stunden trennten, hatte ich ein sehr gutes Gefühl. Wir hatten viel besprochen, ich hatte viel notiert – das alles mussten wir jetzt nur noch umsetzen. Aber mit unserem Kurs 3100 waren wir ein entscheidendes Stück weiter.