24 Mai 2020

Das Licht in der Tiefe

Ich finde das Titelbild, das Arndt Drechsler für den nächsten Band von PERRY RHODAN-Mission SOL 2 geschaffen hat, sehr eindrucksvoll: In einer düsteren Mischung aus gelben und braunen Farben gehalten, vermittelt es das Bild einer Welt, auf der es offenbar keine Pflanzen gibt, sondern nur Steine, Dreck und ein geheimnisvolles Bauwerk. Der sechste Band der Serie trägt den Titel »Das Licht in der Tiefe«, erscheint in dieser Woche und wurde von Olaf Brill geschrieben.

Der Inhalt des Romans ist ebenfalls recht düster. Der Autor erzählt von einer Welt – eigentlich ist es ja eher ein Planetoid –, in deren Untergrund keine angenehmen Verhältnisse herrschen. Er zeigt die Träume der Unterdrückten und ihre Versuche, diese Träume zu verwirklichen. Wie das alles mit der SOL, ihrer Besatzung und der aktuellen Mission zusammenhängt, das ist dann ein ganz anderes Thema ...

22 Mai 2020

Wie geht es den Silberbänden heute?

Ein Logbuch der Redaktion

Mit Band 81 (»Aphilie«) übernahm Hubert Haensel im Jahr 2002 die Silberband-Reihe. Anfangs war er eher zurückhaltend, wenn es darum ging, Szenen zu verändern. Das war die Zeit, in der er pro Silberband zwischen 160 und 180 Stunden brauchte. Heute liegt der Aufwand durch die komplexen Handlungsverläufe bei 250 und mehr Arbeitsstunden.

Doch der Autor erkennt die Vorteile der modernen Textverarbeitung, wie er in einem Interview für unser Con-Buch im September 2011 erzählte: »Früher musste ich die Hefte zum Bearbeiten noch einscannen und anschließend typische Scannfehler wie falsche Trennungen ausmerzen. Heute habe ich die Hefte vor mir auf dem Bildschirm, und wenn ich etwas löschen oder umstellen möchte, markiere ich das einfach.«

Nachdem er Wiederholungen gestrichen und lange Beschreibungen eingekürzt hat, teilt Haensel die Handlungsfäden ein und legt fest, welche Romaninhalte in welchem Band erscheinen. »Ich versuche alle Themen aus den Heften ins Buch zu packen. Dabei darf ich nichts unter den Tisch fallen lassen; schließlich könnte es ja sein, dass dieser Aspekt 50 Hefte weiter wichtig für die Handlung wird.«

Auf die Frage nach einem Beispiel muss er nicht lange überlegen: »Perry Rhodan wird an Bord der SOL von einer Gen-Maus gebissen, die ein Besatzungsmitglied aus dem Schwanz einer richtigen Maus gezüchtet hat. Man könnte jetzt sagen: Was soll's? Die paar Zeilen kann man streichen, und keiner merkt was. Nur, wie erkläre ich zwei Silberbände später, als Perry versucht, Kontakt mit der träumenden Superintelligenz BARDIOC aufzunehmen, dass dies eigentlich nur möglich ist, weil Rhodan durch den Mäusebiss infiziert wurde?«

Bei der Textbearbeitung ist Hubert Haensel der Spagat zwischen den unterschiedlichen Leseransichten und -wünschen bewusst. »Die einen wollen die Handlung detailgetreu lesen, ohne größere Auslassungen– denen kann es nicht kompliziert genug sein. Die anderen möchten sie schnell vorangetrieben sehen, und alles, was nichts mit dem roten Faden zu tun hat, kann weg. Außerdem gibt es Leser, und das dürfte die Mehrzahl sein, die sich einfach an gut erzählten, abwechslungsreichen Geschichten erfreuen.«

Immer wieder stößt er auch auf Textstellen mit veralteter Technik. »Ich amüsiere mich jedes Mal, wenn jemand an die Sprechzelle geht und die Zentrale ruft. Sowas geht heute, da fast jeder ein Handy besitzt, einfach nicht mehr.«

Das Frauenbild hat sich im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte ebenfalls massiv verändert. »Damals wurden Frauen als schwache Wesen charakterisiert, die es zu beschützen gilt«, erläutert Haensel. »Wenn ich bei meiner Arbeit auf so etwas stoße, schmeiß ich die Passage entweder raus oder versuche sie zu entschärfen. Haarsträubend sind auch die platten Anmachen von Galto Quohlfahrt, da würde heute jeder Pennäler drüber lachen.«

Nach all den Jahren hat Hubert Haensel nichts von seiner Freude an den PERRY RHODAN-Heften eingebüßt. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht: »So lange den Lesern gefällt, was ich mache, und solange ich Spaß an meiner Arbeit habe, mache ich weiter. Wenn ich mich 250 Stunden nur noch quäle, wird es Zeit Schluss zu machen.«

(Die drei Logbücher, in denen ich auf die Geschichte der Silberbände zurückgeblickt habe, entstammen in wesentlichen Teilen einem Artikel, der 2011 im Buch »Fünfzig Jahre Zukunft« veröffentlicht worden ist. Ein großer Teil meines Logbuches stammt deshalb von meiner ehemaligen Kollegin Elke Rohwer, mit der ich damals das Buch zusammengestellt und auch den betreffenden Artikel geschrieben habe. Das als ergänzende Information!)

20 Mai 2020

Peter Thomas und PERRY RHODAN

Der Komponist Peter Thomas war mir schon vor dem Jahr 1999 ein Begriff. Ich kannte seine Filmmusik für die Serie »Raumpatrouille«, und ich wusste, dass er für viele andere Filme und Serien die Musik komponiert hatte. Im Jahr 1999 arbeiteten wir sogar zusammen, wenngleich indirekt.

Eckhard Schwettmann hatte über gemeinsame Bekannte einen Kontakt zu Thomas hergestellt, und dieser hatte für PERRY RHODAN eine »Hymne an die Zukunft« komponiert. Diese wurde im Spätjahr 1999 auch auf einer CD veröffentlicht. Es wurde sogar ein Video produziert, das gelegentlich im Fernsehen gezeigt wurde. Ich schrieb den einen oder anderen Text zu dieser Produktion und fand die Musik ganz gut – sonst bin ich ja kein großer Fan von elektronischer Musik.

Und ich traf mit Peter Thomas im Fernsehen zusammen. Wir waren beide Gäste in der Sendung »kEwL« zu Gast, die vom Fernsehsender Viva ausgestrahlt wurde. Der Moderator war Tobias Schlegl, von aller Welt nur »Tobi« genannt. Peter Thomas erzählte von seiner Musik, ich erzählte von PERRY RHODAN.

Ich fand Peter Thomas, der damals schon ein älterer Herr war, sehr sympathisch. Wir siezten uns mit professioneller Distanz. Leider entwickelte sich keine weitere Zusammenarbeit zwischen ihm und PERRY RHODAN.

Gestern wurde bekannt, dass der Komponist bereits am 17. Mai 2020 gestorben war. Für mich hat er sich mit seiner Musik ins Gedächtnis der Science-Fiction-Fans eingeschrieben und auch für PERRY RHODAN einige wichtige Stücke verfasst.

19 Mai 2020

Der Erfolg der Silberbände

Ein Logbuch der Redaktion

Den eigentlichen Aufbruch des Moewig-Verlags ins Buchgeschäft belegt das Gesamtverzeichnis, das im Sommer veröffentlicht wurde und das Programm bis zum Herbst 1978 präsentierte. Ein wichtiger Schwerpunkt dabei war unter anderem die »M.V. Bibliothek der Weltliteratur« und die »M.V. Bibliothek für Kenner und Genießer«. Alle Bücher dieser Reihen waren mit dem geschwungenen »M.V.« ausgestattet, das bis heute die PERRY RHODAN-Silberbände schmückt.

Der erste Silberband wurde in diesem Prospekt ebenfalls angekündigt. Im Werbetext war zu lesen: »Hunderttausende Science-Fiction-Fans warten seit Jahren darauf – endlich ist es soweit! Das erste PERRY RHODAN-Buch ist erschienen: Die Dritte Macht.« Das Werk kostete im Herbst 1978 19,80 Mark.

Der Verlag hatte sich für einen Silberfolien-Einband mit dreidimensionalem Vierfarbbild entschieden, an dieser Aufmachung hat sich bis heute nichts Wesentliches geändert. Für die Käufer der ersten zehntausend Exemplare des Silberbandes Nummer 1 »Die Dritte Macht« hatte man sich etwas Besonderes ausgedacht. Sie sollten in ihren Büchern die Original-Unterschriften der Autoren Clark Darlton, Karl Herbert Scheer und William Voltz finden. Dafür fuhren die drei Schriftsteller zur Druckerei nach Ulm und starteten einen wahren Marathon im Unterschreiben.

Johnny Bruck und seine Titelbilder

Was wären die Silberbände ohne die Titelbilder von Johnny Bruck? Er war von Anfang an dabei. Gut 35 Jahre lang zeichnete er alle Titelbilder der PERRY RHODAN-Serie; sie schmücken bis heute die Cover der Silberbände. Neben Raumschiffen und Landschaften sind seine Darstellungen von Außerirdischen in den Titelbildern besonders eindrucksvoll. Die Wesen wirken, als hätten sie menschliche Züge, ihre Gesten überzeugen und sind alles andere als hölzern.

Inspirieren ließ er sich dafür oft von Tieren, die ihm in der freien Wildbahn begegneten, wie zum Beispiel Füchse, Schlangen und Rehe. »Johnny war Hobby-Jäger, außer seinem Gewehr nahm er aber auch immer seine Kamera mit auf den Hochsitz«, erinnert sich Ingrid Bruck, die bis zu seinem tödlichen Unfall 1995 die Frau an seiner Seite war. Nach einer durchgearbeiteten Nacht verbrachte Bruck die frühen Morgenstunden deshalb häufig im Wald.

Am liebsten malte er mit Tempera-Farben, oft setzte er Collagen ein, und ab Band 1050 versuchte er sich mit Airbrush-Techniken. »Johnny konnte Acrylfarben nicht ausstehen, weil sie zu schnell trockneten, um damit Verläufe hinzubekommen«, sagt Ingrid Bruck.

Bevor er jedoch überhaupt zur Farbe griff, verbrachte der Künstler viel Zeit mit dem Anfertigen von Skizzen auf Zeichenkarton. »Um ein Gespür für die Handlung im Roman zu bekommen, musste er natürlich das Manuskript zumindest überfliegen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie im ganzen Haus, in der Küche und im Bad, Manuskriptseiten herumlagen.«

Horst Hoffmann übernimmt

Ab 1984 und ab Band 20 entstanden die Silberbände unter der Regie von Horst Hoffmann. Mit seinem Eintritt in den Verlag wurde erstmals eine PERRY RHODAN-Redaktion im Pabel-Gebäude in Rastatt geschaffen.

»Zu Anfang führte ich Willis Arbeit in dessen Sinne fort, hatte aber zunehmend meine Probleme damit, die Schreibe der Autoren sprachlich soweit zu glätten, dass fast der individuelle Schreibstil unkenntlich wurde«, erinnert sich Hoffmann. »Ich war immer der Meinung, dass es gerade der Reiz der Serie ist, aus den unterschiedlichen Stilen der Autoren ein einheitliches Etwas zu schaffen, denn jeder Autor hat seine Fans. Und das sollte auch im Buch erkennbar bleiben.«

Zunächst arbeitete er mit den gleichen Techniken, die schon Voltz genutzt hatte. Anfang der 90er-Jahre war Schluss mit der Kleberei: Der Schriftsteller erhielt die Hefte in gescannter Form und bearbeitete diese am Computer.

Ein Thema für sich waren die Auslassungen ganzer Hefte, »die lediglich Lückenfüller darstellten oder einfach grottenschlecht waren.« In dem Fall mussten handlungswichtige Textinformationen in Einschüben verfasst werden. »Extrem war dies, wenn schon mal ein ganzer Zyklus außen vor bleiben musste, wie zum Beispiel der Plophos-Zyklus.«

Dieser Zyklus wurde später »nachgearbeitet«: zuerst in der Bertelsmann-Ausgabe, dann in Form eines Vierteilers in Paperback-Form. Verantwortlich für die Bearbeitung war auch hier Horst Hoffmann.

18 Mai 2020

Drangwäsche

Seit die Haluter im PERRY RHODAN-Roman »Die Straße nach Andromeda« (Band 200 von K. H. Scheer, veröffentlicht im Jahr 1965) erstmals auftauchten, zählen sie zu den faszinierendsten Völkern, die es in der PERRY RHODAN-Serie gibt. Die monströs wirkenden Wesen, die aber in Wirklichkeit sanfte Philosophen sind, werden vor allem über Icho Tolot verkörpert, eine der wichtigsten Figuren überhaupt in der Serie.

Als Gegensatz zu ihrem höflichen Verhalten baute Scheer schon im ersten Roman ihre Drangwäsche mit ein; erzählt wird eine solche Drangwäsche von Atlan, der sie in seiner Vergangenheit erlebt hat. Bis heute ist die sogenannte Drangwäsche etwas Wichtiges für die Haluter – eine Mischung aus Abenteuer und Kampf, aus Forschung und Austoben.

Noch nie haben wir eine Drangwäsche aber so geschildert bekommen wie in dem Roman »Drangwäsche«, den Michael Marcus Thurner geschrieben hat und der am 22. Mai in den Handel kommt. Das Titelbild von Dirk Schulz gibt einen Eindruck wieder, wie so eine Drangwäsche wohl von außen aussehen würde. Es ist der erste Teil eines Zweiteilers, in dem der Autor bislang unbekannte Facetten von Icho Tolot in die Handlung bringt – gefällt mir sehr gut!

17 Mai 2020

Den Con nach Hause holen

In diesem Jahr werden viele Cons abgesagt oder verschoben; das liegt an der Corona-Pandemie, ihren Auswirkungen und den nach wie vor großen Unwägbarkeiten in ihrer Folge. Die Veranstalter des GarchingCons haben sich bekanntlich dafür entschieden, ihren Con ins nächste Jahr zu schieben.

Aber dabei bleibt es nicht, und die davon abgeleitete Aktion finde ich interessant: »Holt euch doch den GarchingCon nach Hause!«, schreiben die Veranstalter. Der Con-Shop bietet Rabatte an, als ein besonderes Angebot für die Fans, um die »Wartezeit etwas erträglicher zu gestalten«.

Die Aktion läuft bis zum 19. Juli 2020. Ich wünsche den Fans in München gutes Gelingen bei ihrer Aktion und freue mich schon auf den GarchingCon im September 2021.

16 Mai 2020

E-Books in der Abrechnung

In diesen Tagen beschäftige ich mich häufig mit den E-Book-Abrechnungen. Wie hat man sich das denn eigentlich vorzustellen? Was macht da eigentlich wer genau?

Ich bin selbstverständlich nicht die Person, die alles ausrechnet. Das könnte ich nicht, fürchte ich, und ich wäre vor allem nicht gründlich genug. Ich kann als Redakteur maximal die Grundlagen liefern und hinterher kontrollieren.

Also rechne ich nicht selbst ab. Das machen die Kolleginnen in der Buchhaltung – und die sitzt in unseren modernen Zeiten nicht im Verlag, sondern in einem Büro in Magdeburg. Die Kolleginnen dort rechnen alles genau aus, und sie schicken die Abrechnung dann an uns, wo sie von einer Kollegin aus der Abteilung – es ist Regina Focht – geprüft wird.

Wenn die Kollegin alles für gut befunden hat, gibt sie mir Bescheid. Wenn es zeitlich reicht, schaue ich mir die Abrechnung  auch noch mal kurz an. Ich rechne nichts nach, ich scrolle mich durch die Abrechnung und schaue mehr oder weniger gründlich darauf. Manchmal fällt mir  doch etwas auf, aber meist zeichne ich sie hinterher frei.

Da wir von fast 3100 PERRY RHODAN-Heftromanen, mehr als 900 ATLAN-Heftromanen, von 150 PERRY RHODAN-Silberbänden und fast 200 MYTHOR-Heftromanen sprechen, dazu die vielen Pakete und kleineren Dinge (Space Thriller oder STELLARIS), kommen sehr hohe Stückzahlen zusammen. Es sind Tausende von E-Books, die einmal im Halbjahr – in manchen Fällen auch nur einmal im Jahr – abgerechnet werden.

Das ist eine wichtige und sinnvolle Aufgabe. Ich bin immer sehr froh, dass die Kolleginnen das so gut machen und ich nur noch »drübergucken« muss. So kommen die Urheber der Romane und Titelbilder zu den ihnen zustehenden Honoraren.