09 April 2018

Ein Neu-Konzept für ATLAN

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Zu Beginn des Jahres 2000 stand es endlich fest: Wir würden die ATLAN-Bücher fortsetzen, in derselben Gestaltung wie zuvor und auch mit einer fortlaufenden Nummerierung. Mehrere Gespräche mit Rainer Castor hatte ich geführt, auch im Verlag hatte ich entsprechend vorgefühlt. Wir hatten von allen Seiten ein »Okay« erhalten und konnten endlich loslegen.

Auf die 13 Bände der sogenannten Zeitabenteuer und die drei Bände der Arkon-Trilogie sollte endlich das kommen, worauf ich mich selbst sehr freute: die Jugendabenteuer des Arkoniden in einer schönen Auflage, die man sich als Fan auch gern ins Regal stellen würde. Ich hatte sie in der zweiten Auflage gelesen, wenngleich mit vielen Lücken, und hatte die Mischung aus Science Fiction, großem Abenteuer und einer Spur Fantasy sehr gemocht.

Für Außenstehende war die bisherige Veröffentlichung der Romane allerdings nur schwer nachzuvollziehen. Die Jugendabenteuer waren unter dem Doppeltitel »ATLAN-exklusiv« und »Der Held von Arkon« veröffentlicht worden – ab 1973 im Rahmen der ATLAN-Heftromanserie.

Anfangs kamen die Jugendabenteuer alle vier Wochen. Das hieß: Band 88 der ATLAN-Serie war ein Jugendabenteuer. Die Bände 89, 90 und 91 wiederum spielten in der Zeit des Solaren Imperiums und erzählten im Rahmen von »Im Auftrag der Menschheit« USO-Abenteuer, bevor es mit Band 92 wieder in die Vergangenheit ging.

Für viele Leser war das durchaus kompliziert – und wenn ich das heutzutage erklären muss, wird es noch kniffliger. Ab Band 128 wurde auf einen zweiwöchentlichen Wechsel umgestellt: einmal Vergangenheit, einmal Zukunft. Um es richtig kompliziert zu machen, wechselten sogar Figuren diese Zeitebenen.

Ab Band 177 erschienen in den ATLAN-Heften nur noch die Jugendabenteuer des Arkoniden, häufig in der Ich-Perspektive erzählt – sie schienen offenbar bei den Lesern gut anzukommen. Womöglich waren die USO-Geschichten einfach »auserzählt«; in meinen Augen war es damals auch die schwächere Handlung.

Mit Band 299 endeten die Jugendabenteuer. Es standen für unser neues Projekt  insgesamt 160 Romane zur Verfügung, und Rainer Castor sollte daraus eine schöne Buchausgabe machen. »Die Serie kenne ich von früher«, freute ich mich, »aber ich habe sie nie vollständig gelesen. Jetzt endlich gibt es sie komplett.« Ich hatte richtig Lust auf die Zusammenarbeit.

Auch Rainer Castor schien die Herausforderung mit Begeisterung anzunehmen. Er versuchte mich aber einzubremsen. »Nicht jeder der Romane ist so richtig brillant«, sagte er bei einem Gespräch und hüstelte betont auffällig.

Aber er wollte versuchen, alle Romane zu übernehmen. Es sollte keine Buchausgabe werden, die sich an den PERRY RHODAN-Silberbänden orientierte. Dort wurden immer wieder einzelne Romane weggelassen, weil sie die Gesamthandlung nicht voranbrachten. Bei der ATLAN-Buchausgabe wollte Rainer alles in die Bücher packen, nötigenfalls eben straff bearbeitet oder um »rhodanhistorische« Daten ergänzt.

Man könnte die Serie sogar in Zyklen gliedern, darauf wies er in einem ersten Arbeitspapier hin, das er Anfang 2000 an den Verlag schickte. So könnte man die Geschichten um die Varganen ebenso als eigenen Zyklus betrachten wie die Handlung um die »Goldene Göttin« oder um Akon-Akon. Da musste ich passen: Akon-Akon kannte ich nur vom Namen her.

»Kriegst du das wirklich alles unter?«, fragte ich Rainer Castor. In seiner unnachahmlichen Art antwortete er mit einem trockenen »Jo« und einem breiten Grinsen. Mir war klar, dass er der ideale Mann für eine solche umfangreiche Arbeit sein würde. Wenn alles gut ging, wäre die ATLAN-Buchausgabe damit ein Projekt für mehrere Jahre.

Jeweils im Frühjahr und im Herbst sollte einer der sogenannten Blaubände erscheinen. Und in jedem dieser Blaubände wollte Rainer exakt fünf der klassischen Heftromane verarbeiten. Für die Titelbilder wollte er auf Originale von Johnny Bruck zurückgreifen, für die Vor- und Nachsatzseiten hatte er an neue Inhalte gedacht: »Ich mache gesondert gestaltete Karten zur Veranschaulichung der Schauplätze«, schlug er vor. Dann wüssten die Leser, wo die Handlung spiele und wie das Arkon-Imperium aussehe.

»Sofern es im Zuge der Bearbeitung zu keinen Kürzungen kommt und sämtliche Romane einfließen«, so formulierte es der Autor in seinem Konzept, »handelt es sich um ein Gesamtprojekt, das insgesamt 32 HCs umfasst (HC 17 bis 48) und mit dem Erscheinen des letzten im Frühjahr 2016 beendet würde.«

Kürzungen wollte er nicht ausschließen. Das würde sich aber erst »bei der Einzelbearbeitung herausstellen«. Bei den ersten vier Büchern »ergibt sich nach einer ersten Sichtung der Romane diese Notwendigkeit noch nicht«, resümierte er.

Wir besprachen das Thema intern. Sabine Kropp sollte das Projekt als Redakteurin steuern. Und so eröffneten wir im Frühjahr 2000 ein umfangreiches Buchprojekt, das uns noch viel Freude und Arbeit machen sollte ...

Kommentare:

Michael Czilwik hat gesagt…

Hallo Klaus,
ich möchte auf zwei kleine Fehler in dem Blog hinweisen: der zweiwöchentliche Wechsel erfolgte nicht mit Band 128, sondern bereits mit Band 121; nur noch Jugendabenteuer schienen nicht ab Band 177, sondern bereits ab Band 176.

Viele Grüße (mit einem Augenzwinkern)

Michael

Enpunkt hat gesagt…

Oooops. Du siehst mich rotwerden.