25 September 2020

Die Welt im Jahr 2090

Ein (an dieser Stelle nachgereichtes) Logbuch der Redaktion

Wie haben wir uns eigentlich die Zukunft des Jahres 2090 vorzustellen? Hat der Klimawandel die Welt schon verändert, droht die endgültige Klimakatastrophe, oder ist es dank technischer Entwicklungen gelungen, viele Probleme in den Griff zu bekommen? Wie sieht es mit politischen und gesellschaftlichen Konflikten aus, wie mit Seuchen und Katastrophen?

Viele Science-Fiction-Autoren haben sich mit der Entwicklung der Erde in den kommenden Jahrzehnten beschäftigt. Frühere Schriftsteller gingen im meist davon aus, dass man im 21. Jahrhundert längst eine Siedlung auf dem Mond oder eine bewohnte Station auf dem Mars haben wird, dass der Raumflug bis zu den Planeten des Sonnensystems zu einer Routineangelegenheit geworden ist.

Bei PERRY RHODAN NEO nehmen die Autorinnen und Autoren eine andere Prämisse als Ausgangspunkt: Im Jahr 2036 landet in dieser Serie nämlich der Astronaut Perry Rhodan auf dem Mond – es ist eine improvisierte Mission –, wo er auf die außerirdischen Arkoniden trifft. Dank ihrer märchenhaft anmutenden Technik gelingt es, die größten Probleme auf der Erde zu beseitigen.

Im Jahr 2090 wiederum ist die Erde das Zentrum eines kleinen Sternenreiches, das sich als Solare Union bezeichnet. Auf Planeten im eigenen Sonnensystem gibt es bereits Siedlungen, auf Welten im Umkreis von wenigen Lichtjahren entstehen die ersten Kolonien. Die Hauptstadt der Erde heißt Terrania City. Noch haben sich nicht alle Nationen zusammengeschlossen, aber immer mehr Länder schließen sich der gemeinsamen Erdregierung an.

In dieser Zeit spielt der Roman mit dem Titel »Die Himalaya-Bombe«, den Rüdiger Schäfer verfasst hat. Der Autor stellt zuerst die Stadt Köln vor und liefert dann einen packenden Blick auf die Welt in dieser Zukunft.

Köln ist im Jahr 2090 eine Stadt, die von moderner Technik beherrscht wird. Flugtaxis gehören zur Routine, es gibt sogar eine kleine Siedlung von Außerirdischen in der Stadt. Trotzdem steht der Dom immer noch an seinem Platz, gibt es die bekannten Stadtteile. In Köln lebt Hannah Stein, die Hauptfigur des Romans.

Der Autor präsentiert sie als eine Wissenschaftlerin, die sich in ihrem »Elfenbeinturm« ganz wohl fühlt. Sie ist eine Expertin für Außerirdische und beschäftigt sich mit den Hinterlassenschaften fremder Kulturen. Eigentlich will sie vor allem ihre Ruhe haben, möchte nicht unnötig gestresst werden.

Doch dann wenden sich die Geheimdienste an sie: Im Himalaya wurde eine uralte Anlage gefunden, deren Geheimnisse niemand entschlüsseln kann. In dieser Anlage tickt eine Bombe, und sie wird in wenigen Tagen detonieren. Hannah Stein ist buchstäblich der einzige Mensch auf der Erde, der die Welt retten kann ...

Das alles lässt sich dann in »Die Himalaya-Bombe« lesen. Den Roman gibt es ab dem 4. September 2020 als gedrucktes Taschenbuch, als E-Book, aber auch als Hörbuch. Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele Leserinnen und Leser dem Abenteuer folgen würden, in das Hannah Stein gestürzt wird. Man kann die Heldin wider Willen bei ihrem Ausflug begleiten, der sie auf den Mond und in eine uralte Station unter dem Himalaya-Gebirge führen wird …

24 September 2020

Terranische Risszeichnungen auf Japanisch

Wann genau die japanische Version der »Terranischen Raumschiffe« veröffentlicht worden ist, lässt sich leider nicht mehr genau feststellen. Der Originalband »Terranischer Raumschiffe – Risszeichnungen« kam 1991 in den Handel, damals von Dr. Florian F. Marzin zusammengestellt, wenn ich mich richtig erinnere. Die japanische Ausgabe zeigt im Impressum den Datumsvermerk 1999 – so dass dies wohl der Termin des Drucks war.

Ob es dafür eine offizielle Vereinbarung gab, weiß ich ebenfalls nicht. Zumindest ist mir nichts davon bekannt. Es ist also durchaus möglich, dass es sich bei dem Risszeichnungsband um eine Raubkopie handelt, ohne dass ich wüsste, wer sie angefertigt hat. In der Sammlung der Redaktion nimmt dieser Band aufgrund seiner unklaren Herkunft auf jeden Fall eine Sonderrolle ein ...

23 September 2020

Werbetexte im Block

Ende September 2020 beschäftige ich mich immer wieder mit den unterschiedlichsten Werbetexten, die zu schreiben sind. Bei PERRY RHODAN NEO steht eine neue Staffel an, die wir bewerben müssen – dazu habe ich die Texte mittlerweile formuliert. Das ist fast schon Routine.

Kniffliger wird es für den neuen Zyklus bei PERRY RHODAN. Für den »Chaotarchen«-Zyklus brauchen wir schließlich einen guten Spruch, dazu auch einige weitergehende Texte – der Vertrieb möchte immer gern eine kurze Information dazu, was wir eigentlich alles so planen. An solchen Dingen knoble ich manchmal recht lange herum. 

Schließlich sollen solche Texte nicht nur die Stammleserschaft informieren, sondern idealerweise den einen oder anderen Neuleser oder auch Exleser ansprechen. Das wird mich in den nächsten Tagen sicher gelegentlich beschäftigen …

22 September 2020

Brigade der Sternenlotsen

Das Titelbild ist recht knallig, der Inhalt trägt dafür kosmische Züge: Im nächsten PERRY RHODAN-Roman, den Uwe Anton verfasst hat, geht es um die Geschichte des geheimnisvollen Sternenrades. Ein Haluter erfährt mehr über das kosmische Gebilde, das sich in der Hand der Cairaner befindet, von diesen aber nicht erschaffen worden ist.

Der Autor erzählt seine Geschichte auf zwei Handlungsebenen, die er geschickt miteinander verzahnt: einerseits in der Handlungsgegenwart, andererseits in der Vergangenheit des Sternenrades. Dabei ergeben sich unterschiedliche Blicke auf dasselbe Objekt – dazu kommen weitere Erkenntnisse über die Cairaner und andere Völker …

21 September 2020

Die »SOL« 99 mit Clark Darlton

Ein lohnenswerter Schwerpunkt: In ihrer aktuellen Ausgabe 99 beschäftigt sich die Zeitschrift »SOL« mit Walter Ernsting, der unter dem Pseudonym Clark Darlton einer der beliebtesten deutschsprachigen Science-Fiction-Autoren war. Unter der Ägide von Christina Hacker, die als Chefredakteurin für das Magazin der PERRY RHODAN-FanZentrale verantwortlich zeichnet, erzählen Wegbegleiter, Autorenkollegen und bekannte Fans darüber, was für sie Walter Ernsting bedeutete und immer noch bedeutet. Weitere Beiträge informieren über Leben und Werk des Schriftstellers, der 2020 hundert Jahre alt geworden wäre.

Das Heft enthält zahlreiche weitere Beiträge, die lohnens- und lesenswert sind. Besonders hervorheben möchte ich das Interview mit Arndt Ellmer, der nach langer Pause wieder bei unserer Serie mitschreiben kann – es ist sehr offen und ehrlich. Dazu kommen Rezensionen aktueller Romane und verschiedene Hintergrundberichte, Grafiken und eine Fortsetzungsgeschichte. Das Magazin lohnt sich immer, die Ausgabe 99 ist keine Ausnahme.

Mitglieder der FanZentrale haben es eh im Rahmen ihres Mitgliedsbeitrages erhalten. Ich empfehle die »SOL« aber auch jenen Lesern unserer Serie, die gern mehr Hintergründe möchten oder sich ein Magazin wünschen – es gibt ja in Form der »SOL« bereits eines …

19 September 2020

Ben Calvin Hary wird 40

Langsam wird es schwierig, den Kollegen Ben Calvin Hary noch als »Jungautor« zu bezeichnen. Am heutigen Tag kann er einen »runden« Geburtstag feiern, und deshalb erlaube ich mir, ihm an dieser Stelle öffentlich zu gratulieren. Er wird sage und schreibe vierzig Jahre alt.

Ich nahm ihn im Sommer 2014 zum ersten Mal als Autor wahr: Sein Roman »Mein Freund Perry« war ein Fan-Roman, ich fand ihn hervorragend. Wir probierten eine erste Zusammenarbeit bei PERRY RHODAN-Arkon, danach schrieb er einige Romane für Heftromanserien der Konkurrenz. Seit einiger Zeit ist er bei PERRY RHODAN NEO an Bord, und er schrieb Beiträge für die Miniserien.

Ben Calvin Hary ist vielen Menschen in jüngster Zeit vor allem als YouTuber aufgefallen. Seine Beiträge auf dem Perryversum-Kanal mag ich stets sehr gern. Darüber hinaus schätze ich an ihm, dass er immer wieder neue Ideen für Marketing-Aktionen und darüber hinaus hat – ich bin sicher, dass wir davon auch in Zukunft das eine oder andere davon sehen werden.

Vierzig ist eine Wegmarke, es ist ein wichtiger »runder« Geburtstag. Ich wünsche alles Gute und hoffe auf viele weitere Jahre unserer Zusammenarbeit!

18 September 2020

Ein Kalender für das Jubiläumsjahr

Als wir uns überlegten, welchen Kalender wir für das Jahr 2021 vorbereiten sollten, waren sich meine Kollegin Madlen Bihr und ich schnell einig: Wenn PERRY RHODAN seinen sechzigsten Geburtstag feiert, muss sich der Kalender jenes Mannes annehmen, der unserer Serie in den ersten Jahrzehnten ein unverwechselbares Äußeres gegeben hat. Johnny Bruck gestaltete fast 1800 Titelbilder für die wöchentliche Serie, dazu zahlreiche Bilder für die parallelen Serien und die Taschenbücher.

Blättere ich den Kalender durch, den es seit einigen Tagen offiziell gibt, wird mir wieder einmal klar, wie wandlungsfähig Johnny Bruck im Verlauf der Jahrzehnte war. Man kann beim besten Willen nicht behaupten, er habe nur einen Stil gehabt und sei diesem in all den Jahren treu geblieben. Bruck blieb immer Bruck, aber er wandelte sich sehr wohl.

In diesem Kalender finden sich deshalb klassische Action-Movie ebenso wie die Darstellung faszinierender Außerirdischer – da merkt man immer, dass er auch ein hervorragender Tiermaler war – oder den Blick in kosmische Weiten. Die Bilder zeigen Raumschiffe und Landschaften, Gesichter und Gebäude, ein abwechslungsreicher Reigen durch dreieinhalb Jahrzehnte unserer Seriengeschichte. Ich finde, das passt wunderbar zum Jubiläumsjahr!

17 September 2020

Meine erste Profi-Veröffentlichung

Fast hätte ich mein eigenes Jubiläum verpasst: Vor genau vierzig Jahren hatte ich meine erste professionelle Veröffentlichung. »Professionell« heißt in diesem Fall, dass ich ein Honorar dafür bekommen habe, dass jemand einen Text von mir gedruckt hat. Dieser Jemand war im September 1980 die Redaktion des PERRY RHODAN-Magazins.

In der Ausgabe 9/1980 dieses Magazins wurde meine Geschichte in der Reihe »Junge SF« veröffentlicht, vermittelt durch die Agentur Michael Nagula. Die Kurzgeschichte trug den Titel »Offenbarung«, behandelt im Prinzip ein religiöses Thema und wird von mir heute als sehr schwach betrachtet. Für einen 17 Jahre alten Lehrling – ich hatte zu der Zeit eine Lehre angefangen, die ich wenige Monate später wieder schmiss – war der Text wahrscheinlich trotzdem ganz okay.

Man kann nicht sagen, dass eine direkte Linie von dieser Veröffentlichung zu meinem heutigen Beruf besteht. Aber offenbar war mein Leben schon sehr früh und sehr eng mit der PERRY RHODAN-Serie verbunden …

16 September 2020

Wie sieht ein Exposé aus?

Weil immer wieder die Frage auftaucht, wie eigentlich das Exposé eines PERRY RHODAN-Romans aussieht, nutze ich die Chance, heute erste Antworten zu geben. Es hängt nämlich immer davon ab, welcher Exposéautor und welche Exposéautorin für den Inhalt des Exposés verantwortlich ist. Je nach Person unterscheiden sich die Schwerpunkte teilweise sehr.

Ich zeige hier die Titelseite des Exposés, das Robert Feldhoff im Frühsommer 2000 für den Jubiläumsband 2000 erstellte. Den Roman schrieben damals Ernst Vlcek und er gemeinsam, nachdem sie jahrelang auch die Exposés gemeinsam verfasst hatten. Weil das gesamte Thoregon-Konzept aber zum größten Teil auf Ideen von Robert Feldhoff aufbaute, war es nur konsequent, dass er auch das entsprechende Exposé schrieb.

Er nannte auf der Titelseite eines Exposés – und das hatte er im Prinzip noch von K. H. Scheer übernommen – die wichtigsten Elemente des zu schreibenden Romans, die technischen Begriffe, der Termin der Romanabgabe sowie eine grobe Zusammenfassung des Inhalts. Auf den folgenden Seiten kamen dann die inhaltlichen und technischen Details.


15 September 2020

Wie entsteht ein Romantitel?

Im Galaktischen Forum auf unserer Internet-Seite wurde ich unlängst gefragt, wie denn die Titel unserer PERRY RHODAN-Romane entstehen würden. Weil das sicher auch andere Menschen interessiert, möchte ich es an dieser Stelle hier beantworten.

Wenn die Exposéautoren ihr Exposé verfassen, denken sie sich bereits einen Titel für den Roman aus. Das ist eine gute Vorlage, weil für die Autorinnen und Autoren dann eine gewisse Richtung vorgelegt wird. Aber natürlich kann sich jeder anders entscheiden.

Ich frage nach einiger Zeit an, wie es mit Vorschlägen aussieht. Welchen Titel würden die Kollegen gern haben, welchen Untertitel haben sie denn im Angebot? Wenn der Vorschlag da ist, schaue ich, ob es diesen Titel vielleicht schon einmal gibt, und ich prüfe, ob er eine zu große Ähnlichkeit mit einem aktuellen Roman außerhalb unserer Serie hat.

Meist übernehme ich einen Vorschlag des Kollegen, manchmal unterbreite ich einen Gegenvorschlag – dann beispielsweise, wenn ich meine, der Vorschlag sei zu langweilig. Am Ende kommt ein Titel heraus, in dem sich möglichst viele Ideen der Schreibenden wiederfinden. (Weil unsere Serie von den Autoren geschrieben wird und nicht vom Redakteur ...)

14 September 2020

Das Mausbibergrab

Als Ben Calvin Hary und ich über den Titel für seinen Roman diskutierten, herrschte unter den PERRY RHODAN-Lesern gerade eine sehr große Aufregung wegen der angeblichen Ermordung des Mausbibers Gucky. Der Autor und ich fanden Titel »Das Mausbibergrab« beide gut, waren aber nicht sicher, ob es gut war, den zu verwenden. Er passe zum Inhalt, argumentierte ich, und wir müssten klarstellen, dass in dem genannten Grab nicht ein bewusster Mausbiber liege.

Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns für den Titel, der für Band 235 von PERRY RHODAN NEO verwendet wird. »Das Mausbibergrab« hat mit Gucky sehr viel zu tun: Dieser Mausbiber spielt eine sehr wichtige Rolle in diesem Roman. Aber ich kann an dieser Stelle schon sehr klar versprechen, dass nicht Gucky in einem Grab liegt.

In seinem Roman erzählt Ben Calvin Hary stattdessen von anderen Mausbibern, ihrer Herkunft und ihrer möglichen Zukunft. Das alles ist eingebettet in die Geschehnisse im Sagittarius-Sektor des Milchstraßenzentrums. Spannender Roman – hat mir gut gefallen!

13 September 2020

Gedanken zur nächsten Miniserie

Bei der einen oder anderen Gelegenheit habe ich angedeutet, dass 2021 eine neue PERRY RHODAN-Miniserie erscheinen wird. Sie soll wieder zwölf Romane umfassen und wird im PERRY RHODAN-Universum spielen (also nicht im NEO-Universum, um das gleich klar zu sagen). An diesem Wochenende beschäftige ich mich gedanklich immer wieder mit einzelnen Aspekten des Zwölfteilers.

Ausgangspunkt ist ein Arbeitspapier des Exposéautors, das mir seit über einer Woche vorliegt. Wir haben darüber gesprochen, wir mailen immer wieder hin und her. Aus vielen Ideen entstehen neue Überlegungen, ich finde solche Prozesse immer sehr spannend. 

Ziemlich sicher sind wir bereits, welche Autorinnen und Autoren mitwirken werden. Auch weitere Eckpunkte wurden bereits festgelegt. Wir sind uns vor allem einig, dass wir im September erste »ernsthafte« Informationen an die Öffentlichkeit geben werden. Aber es liegt noch eine Menge Arbeit vor uns, bis dann im März 2021 der erste Roman der neuen Serie im Handel verfügbar sein wird ...

12 September 2020

Sommerfest mit Anwesenheitspflicht

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Wie sollten wir uns verhalten, was sollten wir tun? Es war Freitag, der 14. Juni 1996, und im Büro der PERRY RHODAN-Redaktion fühlte ich mich wie im Belagerungszustand. Ich spürte geradezu, wie sich in den Arbeitszimmern rechts und links eine Stimmung breitgemacht hatte, die nicht gerade positiv war.

Im Verlauf der vergangenen zwölf Monate hatte sich der Flur immer mehr »geleert«. Die Räumlichkeiten, die der Buchverlag bei seinem jüngsten Umzug eingenommen hatte, hatten sich deutlich reduziert. Anfangs hatten der Moewig-Verlag sowie seine Imprints – also Neff oder Zsolnay – den ganzen Flur belegt. Nun aber standen einige Räume leer.

Sabine Bretzinger und ich hatten das schöne Büro in der hintersten Ecke geräumt und waren wieder einmal umgezogen: zum dritten Mal in nur drei Jahren. Nun saßen wir in dem Büro, das wir in der Folge mehr als zwei Jahrzehnte für PERRY RHODAN nutzen sollten: mitten im Flur, nahe des Eingangs und mit direktem Blick auf die Druckerei. Ein Grund dafür, dass sich gut die Hälfte der Büros geleert hatten, war die Tatsache, dass die Verlagsunion Pabel-Moewig »geschrumpft« worden war.

So hatte man beispielsweise den Zsolnay-Verlag und andere Bestandteile der Verlagsgruppe »abgestoßen«, die man einige Jahre zuvor erst gekauft hatte. Man wollte sich auf das Kerngeschäft konzentrieren, was immer das genau bedeuten sollte. Dazu zählten auf jeden Fall die erfolgreichen Kochbücher der Reihen »Dr. Oetker« sowie »kochen und genießen«, ebenso natürlich PERRY RHODAN.

An diesem Freitag stand das Sommerfest des Buchverlages an. Sabine und ich hatten im Dezember das Weihnachtsfest »geschwänzt«, was uns von der Verlagsleitung negativ angekreidet worden war. Man hatte von »mangelndem Vertrauen« geredet, jeder von uns war zu Einzelgesprächen zitiert worden.

Allerdings hatte ich nicht die geringste Lust auf das Sommerfest, trotz der Vorbereitungen im Hof des Verlages. Wir vernahmen sie in unserem Büro laut und deutlich – die Fenster standen offen, und ich hörte, wie Tische und Stühle aufgestellt wurden.

Dabei klang die Einladung so freundlich. Zwar war die Feier für den gesamten Verlag gedacht, die »Mitarbeiter des Bereiches Buch« waren aber bereits am 28. Mai durch ein »Memo« auf das Fest aufmerksam gemacht worden. »Da wir nur alle Jubeljahre einmal ein so großes Sommerfest bei VPM veranstalten, freue ich mich, wenn alle Mitarbeiter des Bereiches Buch am Freitag, den 14. Juni 1996 mindestens bis 18.30 h anwesend sind.« (Der Kommafehler stand so auch im »Memo«.)

Sabine und ich saßen uns an unserem Doppelschreibtisch gegenüber. »Es ist eine dienstliche Anweisung«, sagte Sabine, mit der ich »Kriegsrat« hielt. »Wenn wir diesmal wieder nicht auftauchen, kann man uns sogar eine Abmahnung verpassen.« Sie wiegte den Kopf. »Wir sollten hingehen, bis halb sieben unsere Zeit absitzen und dann gehen.«

Ich sah mir die Einladung noch einmal an. »Wir müssen eigentlich nur bis halb sieben im Verlag bleiben«, sagte ich. »Mehr wird nicht verlangt.« Laut las ich vor: »Sollte wider Erwarten jemand dringend vor 18.30 Uhr gehen müssen, so wird er mir sicherlich in einem persönlichen Gespräch – eine Woche vorher – seine Gründe ausführlich darlegen.« Ich lachte. »Das nehme ich nicht ernst.«

Sie konterte und las den abschließenden Satz vor: »Ansonsten ist dies eine einmalige Gelegenheit, das Angenehme mit der Pflicht zu verbinden.« Sie grinste. »Ich gehe hin, ich esse und trinke, ich unterhalte mich mit den Kollegen, und dann gehe ich heim. Keine Minute länger.«

Ich nickte. »Gut. Ich bleibe im Büro und arbeite. Das kann mir niemand verbieten.«

Genauso verhielten wir uns. Sabine blieb so lange wie möglich im Büro und arbeitete an einigen der Nachauflagen. Für die dritte und die fünfte Auflage mussten Umschläge definiert und teilweise neue Texte geschrieben werden; wenn sie das am Freitag erledigte, konnten am Montagmorgen die Kollegen in der Setzerei bereits sehr früh mit ihrer Arbeit weitermachen. Danach ging sie zum Sommerfest.

Ich las in einem aktuellen Manuskript, schrieb einen neuen Vorspann für einen Heftroman und räumte ein wenig auf. Aus den Büros rechts und links von mir standen die Kolleginnen und Kollegen auf. Ich hörte, wie sie ihre Zimmer verschlossen, dann war ich allein in den Räumlichkeiten des Buchverlages.

Zu tun hatte ich genug. Ich telefonierte lange mit Robert Feldhoff und besprach mit ihm aktuelle Exposés. Er hatte neue Ideen, was den Fortgang des THOREGON-Zyklus anging, die fand ich wichtig und interessant.

Nachdem ich aufgelegt hatte, nervte mich die Musik, die durch die geschlossene Tür in mein Büro drang. Ich steckte eine Musik-Kassette in den Kassetten-Rekorder, der bei uns im Büro stand, und beschallte meinen Arbeitsplatz mit sehr krachigen und lauten Tönen. Damit hörte ich nichts mehr von außen.

Ich blieb am Computer sitzen und schrieb Texte, dazu einige Briefe an freie Mitarbeiter. Darüber hinaus arbeitete ich an einem Ideenpapier weiter, das ich vor einigen Tagen angefangen hatte. Als ich mit allem fertig war, hatten wir genau 18.30 Uhr.

Wie an jedem normalen Arbeitstag fuhr ich den Computer hinunter, packte meinen Kram, verließ mein Büro und schloss es ab. Im Hof des Verlages saßen viele Kolleginnen und Kollegen an den Biertischen; sie aßen und tranken. Der damalige Verlagsleiter registrierte mich, das war das Wichtigste. Ich blickte auf meine Armbanduhr, überzeugte mich davon, dass es bereits nach 18.30 Uhr war, und ging, ohne mit jemandem zu reden oder etwas zu essen und zu trinken.

Niemand sprach mich übrigens jemals auf mein Verhalten an diesem Tag an.

11 September 2020

Die drei Haluter

Ein stimmungsvolles Bild von Alfred Kelsner, ein spannender Roman von Michael Marcus Thurner: Der PERRY RHODAN-Roman der nächsten Woche wirft erneut einen Blick in das Innere des Sternenrads, »Die drei Haluter« erzählt von einem riskanten Vorstoß in eine weitestgehend unbekannte Gegend.

Die Idee der Exposéautoren, drei junge Haluter als Hauptfiguren zu nehmen, hat mir gleich gefallen. Meist las man in unseren Romanen von erfahrenen Halutern wie Icho Tolot oder Blo Rankane; junge Haluter sind sicher ein wenig anders. Vielleicht sind sie draufgängerischer, sie neigen nicht zu übertriebener Höflichkeit und kommen mit terranischen Verhaltensweisen besser klar. So sehe ich es zumindest.

Ob und wie der kommende Roman das thematisiert, verrate ich noch nicht. In »Die drei Haluter« geraten auf jeden Fall die Verhältnisse im Sternenrad ein wenig in Bewegung.

10 September 2020

Das Handlager im Keller

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«

Im Keller unseres Verlages, gewissermaßen direkt unter unseren Büros, befindet sich derzeit unser Handlager. Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte ist es einige Male umgezogen; an dieser Position ist es schon seit längerem untergebracht. Wir mussten damals – um es einrichten zu können – viele Stapel mit Moewig-Büchern und allerlei Unterlagen zur Seite räumen.

Dort lagern jetzt die einzelnen Romane unserer Serien in Stapeln. Dort schauen wir nach, wenn im Shop ein einzelner Roman fehlt und wir etwas nachliefern müssen. Dort holen wir Nachschub, wenn sich jemand beschwert, er habe das aktuelle Heft nicht im Rahmen seines Abonnements bekommen. Und dort befinden sich auch Werbeartikel und Hörbücher sowie unsere Unterlagen für die Buchmessen oder andere Veranstaltungen.

Eine Serie wie PERRY RHODAN, die nicht nur von der Gegenwart und der Zukunft lebt, sondern auch von der Vergangenheit, benötigt solche Lager. Nicht für die Arbeit der Redaktion – wir haben die gedruckten Romane im Büro und die Dateien auf dem Computer –, sondern für die Arbeit im Marketing, im Vertrieb und in der Kundenbetreuung.

09 September 2020

Neues Mousepad mit klassischer Optik

Wenn wir in der PERRY RHODAN-Redaktion darüber sprechen, welche »kleinen« Merchandise-Produkte wir unseren Leserinnen und Lesern anbieten können, kommt seit Jahr und Tag immer wieder das Thema Mousepad auf den Tisch. Ich mag Mousepads, auch wenn ich sie selbst immer weniger benutze – wenn ich aber im Büro mit einer Maus arbeite, kommt es immer noch zum Einsatz.

Wir entschieden uns, für unseren Shop in einer kleinen Auflage ein solches Mousepad zu produzieren und zu vertreiben. Die Auflage ist deshalb klein, weil wir schlichtweg nicht wissen, ob und wie ein solches Thema ankommt. Wir haben uns bewusst für ein sehr klassisches Serienmotiv entschieden – selten wurde die Vision von PERRY RHODAN klarer dargestellt.

Man muss sehen, wie das alles läuft. Vielleicht folgt in absehbarer Zeit ein neues Mousepad, dann mit einem anderen Motiv. An Ideen mangelt es bekanntlich ja nie!

08 September 2020

Ein kalkuliertes Risiko

Ziemlich viele Figuren hatte der Autor des kommenden PERRY RHODAN-Romans einzuarbeiten: Kai Hirdt schrieb »Ein kalkuliertes Risiko«, den es ab Freitag im Handel geben wird. Immerhin ist eine der Figuren – der Arkonide Markul agh Fermi – im Prinzip eine Eigenentwicklung des in Hamburg lebenden Schriftstellers: Kai Hirdt gab dem Arkoniden beim ersten Roman eine so wichtige Rolle, dass ihn die Exposéautoren stärker gewichteten, als das eigentlich geplant gewesen war.

Das hauptsächliche Thema seines Romans ist ansonsten auf militärischer Ebene angesiedelt. Raumschiffe verschiedener Sternenvölker belauern sich, eine große Schlacht scheint bevorzustehen, und die einzelnen Strategen rüsten sich zu neuen Operationen. Da passt es gut ins Bild, dass eine spezielle Mission aufbricht und dabei ein kalkuliertes Risiko eingeht. (Das Titelbild gibt dazu eine interessante Interpretation.)

07 September 2020

Ein Haiku zu Gucky

Ende August war ich – und darüber habe ich mehrfach geschrieben – bei einem Seminar in Wolfenbüttel. An der dortigen Bundesakademie für kulturelle Bildung wirkte ich als einer von zwei Dozenten in einem Schreibseminar. Es gehört zu den Traditionen unserer Seminare, dass immer wieder Schreibaufgaben gestellt werden.

Die können auch mal ein wenig aus dem Rahmen fallen, wie sich in diesem August zeigte. »Wir schreiben einen Haiku«, kündigte Dr. Olaf Kutzmutz an, der für Literatur verantwortliche Mensch an der Bundesakademie. Haikus sind klassische Mini-Gedichte, die in einem speziellen Rhythmus geschrieben werden und sich nicht reimen müssen.

Mein Haiku beschäftigte sich mit Gucky (und meine Notizen zeigen, dass ich nicht einmal die Silben richtig auszählte): »Gucky überlebt. / Mehrere Attentate. / Der Held der Sterne.« Für einen Lyrik-Band war das vielleicht nicht unbedingt geeignet, ich mochte es trotzdem.

04 September 2020

Die Himalaya-Bombe

Es wird Zeit, dass ich endlich auch auf den regulären Roman unserer Serie PERRY RHODAN NEO hinweise, der heute offiziell erschienen ist. Rüdiger Schäfer schrieb »Die Himalaya-Bombe«, es ist der Band mit der Nummer 234 unserer Serie, und es ist ein – wie ich schon mehrfach erzählt habe – sehr ungewöhnlicher Roman: Er spielt auf der Erde, es ist eigentlich eher ein Thriller und weniger ein Science-Fiction-Roman, und er kann von jedem Menschen gelesen werden, der sich für das Thema interessiert, ohne dass dieser Mensch dann irgendwelche Vorkenntnisse benötigt.

Wir haben mit dem Roman die eine oder andere Aktion veranstaltet, es gibt sogar zwei YouTube-Videos. Der Grund: Der Anfang des Romans spielt in Köln, das fanden wir amüsant. Vielleicht bringt die eine oder andere Aktion rings um den Hashtag #koeln2090 auch den einen oder anderen Menschen dazu, einmal einen solchen Roman zu kaufen.

»Die Himalaya-Bombe« ist allerdings auch ein ganz regulärer Roman unserer Serie. In ihm wird die Entwicklung der laufenden Handlungsstaffel weiter erzählt, es gibt neue Hintergründe zu Hinterlassenschaften der Liduuri. Ich bin sehr gespannt darauf, wie die Stammleser und die potenziellen Neuleser auf das Werk reagieren …

03 September 2020

Ein Ashcan-Special zu Erlangen

Immer wieder lieferten die Autoren und Zeichner der Alligator innerhalb ihrer PERRY-Comics eigene Entwürfe und Marketing-Ideen. Zum Comic-Salon 2012, der im Frühsommer 2012 in Erlangen veranstaltet wurde, stellten sie ein »Erlangen Ashcan-Special« her: ein 16 Seiten starkes Heft, das sich vor allem an Autogrammsammler und Comic-Fans richtete.

Diese erhielten damit die Chance, am Stand der Alligator-Farm nicht nur Autogramme zu sammeln, sondern sich auch Skizzen in das Heft malen zu lassen. Zudem bekamen sie eine Reihe von Skizzen und Kurz-Comics, die zeigten, wie der kreative Prozess in der Alligator-Farm ablief. 

Wie hoch die Auflage der Publikation war, ist mir nicht bekannt – sie dürfte aber im Bereich von wenigen hundert Exemplaren gelegen haben. Diese Ashcan-Ausgabe ist also sicher ein spezielles Sammlerexemplar.