08 Januar 2026

Planung für neue Serie

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«


Der PERRY RHODAN-Konferenz am 8. Juli 2011 hatte es in sich. Alles in allem saß ich drei Stunden mit der Geschäftsleitung und dem Vertrieb zusammen, um aktuelle Zahlen zu diskutieren und die neue Serie vorzubereiten. Immerhin sollte zu Beginn des Monats Oktober mit PERRY RHODAN NEO ein Versuch unternommen werden, unsere Marke im Handel deutlich zu »verbreitern«, wie man das nannte.

Zuerst sahen wir uns aber die reinen Vertriebszahlen an, wie immer in solchen Runden. Wir hatten am 17. Juni den PERRY RHODAN-Roman 2600 mit dem Titel »Das Thanatos-Programm« von Uwe Anton veröffentlicht. Ich war gespannt darauf, wie er sich verkauft hatte. Die Kommentare der Leserinnen und Leser in unserem Forum und in den Leserbriefen waren zumeist positiv; wichtiger war aber letztlich der Erfolg im Zeitschriftenhandel.

Konkrete Zahlen hatte der Vertrieb noch nicht. Die ersten Hochrechnungen bestätigten aber, dass sich der Jubiläumsband deutlich besser als die Romane zuvor verkauft hatte. Das war nicht weiter überraschend; die Werbung funktionierte bei solchen Jubiläen immer. Interessant war allerdings, wie es danach weiter ging: Blieben die Verkäufe auf dem neuen Niveau, oder brachen sie wieder ein?

Der Vertrieb mochte das Kartenspiel, das wir in der Mitte der Hefte abgedruckt hatten. Damit waren wir einer Idee von Marc A. Herren gefolgt, der uns seit einigen Monaten unterstützte. Ob sich das Kartenspiel »gelohnt« hatte, konnte allerdings niemand sagen. Wir einigten uns darauf, demnächst in zwei Romanen noch einmal farbige Beilagen zu veröffentlichen – damit wollten wir kurz vor dem eigentlichen Termin den PERRY RHODAN-WeltCon bewerben.

Bei PERRY RHODAN NEO standen mittlerweile immer mehr Inhalte fest. Mit Elke Rohwer hatten wir eine Redakteurin eingestellt, die sich vor allem um die neue Serie kümmern sollte. Nun mussten dringend die nächsten Schritte eingeleitet werden. Unter anderem wusste ich, dass ich dringend an die Werbetexte gehen sollte und wir immer noch keinen offiziellen Schriftzug hatten. Wie sollte denn PERRY RHODAN NEO auf dem Titel der gedruckten Romane aussehen?

Wir beschlossen, die Agentur einzusetzen, mit der wir ohnehin schon zusammenarbeiteten. Und es wurde ein Folgetermin vereinbart, an dem wir nur über die Werbetexte diskutieren sollten. Ich verkniff mir den Hinweis, dass es dafür sinnvoll wäre, sich den ersten Roman einmal inhaltlich anzuschauen. Obwohl ich das Manuskript den anderen zur Verfügung gestellt hatte, hatte außer mir niemand einen Blick hineingeworfen. In dieser Phase wollte ich aber niemanden mit Sarkasmus gegen mich aufbringen – ich war schon sehr froh, dass wir die Chance für PERRY RHODAN NEO erhielten.

Herstellerisch waren wir uns einig – der erste Band sollte besonders schick aussehen: Es wurde eine Kalkulation in Auftrag gegeben, die einen Klappumschlag enthielt. Dadurch entstanden größere Innenseiten im Umschlag, die wir farbig bedrucken konnten. Auf der U2 sollte – so schlug ich vor – eine Information für die Leserinnen und Leser stehen, und die U3 könnte man dafür nutzen, die nächsten sechs Titelbilder mit den schon festgelegten Titeln und Autoren anzukündigen.

»Die Namen sind für unsere Stammleser wichtig«, argumentierte ich. »Damit signalisierten wir, dass es eine wertige Serie ist, die von unseren Teamautoren ins Leben gerufen wurde.«

Genehmigt wurde eine separate Leseprobe im A6-Format, die wir bei Buchmessen und Cons unter die Leute bringen konnten. Genehmigt wurde darüber hinaus eine separate Ausgabe mit zusätzlichem Umschlag, die es auf dem PERRY RHODAN-WeltCon für alle Besucher kostenlos geben würde. Ich stellte mir schon vor, wie unsere Autorinnen und Autoren persönlich den Fans die neue Serie in die Hand drücken würden.

Bei der weiteren Vermarktung der neuen Serie nahmen wir Zeitschriften aus der Bauer Media Group – unserem Mutterkonzern also – ins Visier. Als Zeitschrift, die zum Konzern gehörte, hatte PERRY RHODAN hier gute Konditionen: Wir bezahlten für eine solche Anzeige im Idealfall nichts, hatten dafür aber auch keine Garantie, in der gewünschten Zeitschrift auch wirklich veröffentlicht zu werden.

Fest eingeplant waren Anzeigen in »welt der wunder« – das würde auf jeden Fall klappen –, darüber hinaus war eine Kooperation mit der Zeitschrift »Coupé« im Gespräch. Die beschäftigte sich zwar überhaupt nicht mit Science Fiction, richtete sich aber an eine vor allem männliche Leserschaft und erreichte mit ihrem Newsletter angeblich 150.000 Abonnenten.

Geprüft wurde noch, ob wir in der »Autozeitung« sowie »selbst ist der mann« Anzeigen für PERRY RHODAN NEO platzieren konnten. Beide Hefte hatten inhaltlich wenig Berührung mit Literatur im Allgemeinen und Science Fiction im Besonderen – aber wir erreichten damit mehrheitlich Männer.

Wagemutig geworden, schlug ich auch noch Online-Werbung vor. Mit Google-Ads, so meinte ich, könnten wir zudem solche Leser erreichen, die nicht mehr im Zeitschriftenhandel unterwegs seien, sich aber für Science Fiction interessierten und auf die entsprechenden Suchbegriffe reagierten. Das wurde zumindest nicht abgelehnt, auch wenn die Kosten allgemein als hoch angesehen wurden.

Unterm Strich, so fand ich abschließend, verlief die Besprechung sehr gut. Ich war mir sicher, dass sich die geplanten acht Ausgaben von PERRY RHODAN NEO gut verkaufen würden …

(Dieser Text erschien im November 2025 auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion und wird hier aus dokumentarischen Gründen veröffentlicht.)

Keine Kommentare: