19 Juni 2026

Taschenbücher des »Physikers vom Dienst«

Ein Logbuch der Redaktion


Als Jugendlicher stieß er zur Science-Fiction-Szene, in Fan-Zeitschriften veröffentlichte er seine ersten Texte – zu Beginn der 60er Jahre war Kurt Mahr ein aufstrebender Autor innerhalb der deutschsprachigen Science Fiction. Kein Wunder, dass man ihn bereits als jungen Mann ins PERRY RHODAN-Team berief. So verfasste er mit »Atom-Alarm« den fünften Band der Serie.

Über Jahrzehnte hinweg gehörte er zu den Schriftstellern, die die größte Science-Fiction-Serie der Welt maßgeblich prägten. Als »Physiker vom Dienst«, wie man ihn mal scherzhaft, mal ehrfürchtig titulierte, war Mahr für die technische und wissenschaftliche Basis des Perryversums zuständig. In seinen Romanen bewies er immer wieder, wie gut er die aktuelle Forschung mit der Science Fiction vereinbaren konnte. So profitierten auch seine Kolleginnen und Kollegen immer wieder von seiner Erfahrung und Sachkenntnis.

Ich erinnere mich noch gut, wie ich ihn in den 80er-Jahren kennenlernte, bei Cons und anderen Veranstaltungen. Ab 1992 arbeiteten wir zusammen, leider nicht sehr lange. Ich schätzte ihn für seinen wissenschaftlichen Verstand und seinen trockenen Humor. Mahr hatte kein Problem damit, auch mit Leuten »auf Augenhöhe« zu diskutieren, die nicht all seine politischen Meinungen und Ansichten teilten.

Als junger Leser hatte ich seine Romane gern gelesen, nicht nur diejenigen, die in der wöchentlichen Serie erschienen, sondern auch die abgeschlossenen Werke. Kurt-Mahr-Romane erschienen in der »Utopia«-Reihe, wo man Hefte der 60er-Jahre nachdruckte; mich beeindruckten aber auch viele seiner PERRY RHODAN-Taschenbücher.

Schon in den 60er-Jahren nutzte der Autor die Möglichkeiten, die er in der Reihe der PERRY RHODAN-Planetenromane sah. Er schrieb eigenständige Werke, die häufig das Serienuniversum erweiterten oder Lücken, die es in der Handlung der wöchentlichen Serie gegeben hatte, durch neue Inhalte ausfüllten.

Wie sehr das auch für seinen Zeit als Exposéautor gilt, belegen zwei Romane, die wir nun in einem Doppelband präsentieren. Über diese Veröffentlichung freue ich mich sehr – wir machen damit zwei schon klassische Werke des Schriftstellers dem Publikum von heute zugänglich.

»Duell der Querionen« wurde erstmals im Juni 1989 als Band 315 der Planetenromane im Format eines Taschenbuchs veröffentlicht. »Ich, der Cantaro« erschien ursprünglich im Juni 1990 als Band 327 dieser Reihe.

Beide Bände haben mit dem »Cantaro«-Zyklus und seinem gravierenden Einschnitt in der Serienhistorie zu tun: Zwischen dem »Tarkan«- und dem »Cantaro«-Zyklus vergehen fast 700 Jahre, und diese Zeit wird in der Serie nur am Rand abgehandelt. Mahrs Taschenbücher sorgen somit für wertvolle Ergänzungen.

Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich damals den Sprung über die 700 Jahre toll fand, aber auf Informationen dazu hoffte, was in dieser Zeit wohl geschehen sein mochte …

Während Mahr bei »Ich, der Cantaro« ins Innenleben eines Cantaro blickt, lässt er in »Duell der Querionen« einige bekannte Serienfiguren ein in sich abgeschlossenes Abenteuer erleben. Und während »Ich, der Cantaro« in der heimatlichen Milchstraße spielt, siedelt der Autor das »Duell der Querionen« in einer bislang unbekannten Sterneninsel an.

Beide Romane haben gemeinsam, dass in ihnen faszinierende Figuren eine wichtige Rolle einnehmen, dass sie – auf den ersten Blick – ein Thema am Rand der großen Geschichte präsentieren, dass sie aber ebenso dazu beitragen, das Universum der größten Science-Fiction-Serie der Welt weiter auszubauen.

Kurt Mahr war nämlich nicht nur der »Physiker vom Dienst«. Er war darüber hinaus ein Autor, der gern über Menschen – oder Aliens – und ihre Schicksale schrieb. Dieser Doppelband liefert hierfür einen guten Beweis, finde ich. Mal schauen, was wir von diesem ungewöhnlichen Schriftsteller noch alles herausbringen können …

(Den Text brachte ich vor einigen Tagen schon auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion. Hier kommt er ergänzend und aus dokumentarischen Grünen.)

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