Posts mit dem Label Hörbuch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Hörbuch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

29 Juli 2026

Sechs Planetenromane von Robert Feldhoff

Ein Logbuch der Redaktion 

Mit unseren Partnern von Eins A Medien arbeiten wir schon seit mehr als zwanzig Jahren zusammen: Die Kolleginnen und Kollegen aus Köln vertonen jeden Roman, den wir publizieren. Seit Band 2400 heißt das: jede Woche ein Hörbuch. Dazu kommen die Audio-Ausgaben der PERRY RHODAN-Bücher, der Serie PERRY RHODAN NEO sowie der diversen Miniserien.

Ich freue mich immer, wenn ich mit den Kollegen von Eins A Medien spreche. Man spürt in den Gesprächen, mit welchem Herzblut und welchem Engagement sie bei der Sache sind und immer wieder nach neuen Möglichkeiten suchen, spannende Hörbücher zu veröffentlichen.

Dabei bewegt sich das Label nicht nur in PERRY RHODAN-Bahnen, sondern längst darüber hinaus. Mit dem »Warhammer«-Universum hat Eins A Medien beispielsweise einen eigenständigen Hörbuch-Kosmos für sich erschlossen. Das finde ich faszinierend, auch wenn ich selbst mich damit gar nicht auskenne.

Aber zurück zu PERRY RHODAN. Vor allem am Anfang war Josef Tratnik der zentrale Sprecher. Er las die Silber Edition in den ersten Jahren als einziger Sprecher ein. Seine Stimme begleitete die Hörerinnen und Hörer durch die Mondlandung, die Begegnung mit Arkoniden, Akonen und Blues, den Vorstoß nach Andromeda und in andere Galaxien, die Krise durch den Schwarm und das Konzil der Sieben. Für die neueren Hörbücher zeichneten jüngere Kollegen verantwortlich.

Seit einiger Zeit pausierte Josef Tratnik eigentlich und genoss seinen Ruhestand. Doch er wollte wieder etwas mit PERRY RHODAN vorlesen – und weil sowohl wir in der Redaktion als auch die Kollegen bei Eins A Medien das gut fanden, überlegten wir, welches Thema ihm wohl angemessen sein könnte.

Wir kamen auf einen »modernen Klassiker«, wie man das so schön nennt, und entwickelten die »Robert-Feldhoff-Edition«: sechs Romane des viel zu früh verstorbenen Schriftstellers, die Josef Tratnik einlesen und die Eins A Medien nacheinander veröffentlichen würde. Ich finde, dass das eine sehr gute Kombination ist.

Robert Feldhoff war sicher der PERRY RHODAN-Autor, der die Serie in den 90er-Jahren und in der ersten Hälfte der Nuller-Jahre am Stärksten prägte. Dank seiner Ideen wurde das »Perryversum« um neue Figuren und kosmische Konzepte erweitert, kamen neue Serien in den Handel – ATLAN konnte wiederbelebt werden, es gab Taschenbuch-Zyklen – und wurde unsere Marke in den »neuen Medien« stärker präsent.

Von ihm stammen zentrale Figuren und Konzepte der neueren Zeit: Voltago, der mysteriöse Roboter, die Kosmischen Fabriken und die Diener der Materie, die Brücke in die Unendlichkeit und die Koalition von Thoregon, die uralte Superintelligenz ARCHETIM und viele andere Themen mehr. Bis heute werden seine Ideen in unseren aktuellen Romanen verwendet, sie sind zu Grundlagen unserer Serie geworden.

Dabei geht gelegentlich unter, dass Robert Feldhoff zahlreiche spannende Romane schrieb, die den Serienkosmos eigenständig erweiterten und die man ohne Vorkenntnisse verstehen kann. Sie wurden im Rahmen der Planetenromane veröffentlicht und bieten stets abenteuerliche Science Fiction. Wer PERRY RHODAN noch nicht kennt, wird mit diesen Abenteuern gut in das Universum eingeführt – bekannte Figuren wie Perry Rhodan selbst treten kaum auf, meist konzentriert sich der Autor auf Figuren, die eher »am Rand« stehen, und zeigt ihre Schicksale.

Mit Romanen wie »Scitt, der Zwerg« und »Die Toleranz-Revolution« erzählte er Episoden, die frühere Zyklen ergänzen; mit »Die Ferrol-Dolche« und »Raumpiloten« lieferte er actionreiche Geschichten, die auf Planeten spielten, die jeder PERRY RHODAN-Leser kennt. Mir persönlich gefiel immer »Die Show der Sterne« ganz besonders, weil der Autor seine Hauptfigur dabei in einen Kosmos der Wunder stolpern lässt.

Die stärkte Geschichte in der Edition aus sechs Planetenroman-Hörbüchern ist sicher »Terra in Trance«; der Roman spielt gewissermaßen am Ende des »Cantaro«-Zyklus und ergänzt diesen hervorragend. (Er verrät allerdings den Schluss des Zyklus; so viel sei an dieser Stelle angemerkt.)

Auf die »Robert-Feldhoff-Edition« freue ich mich schon sehr. Ich möchte die sechs Hörbücher allesamt selbst hören – mit Josef Tratniks Stimme und Robert Feldhoffs Geschichten reise ich damit wieder ins Perryversum …

(Dieses Logbuch stand im Juli auch schon auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion. Hier wird es aus dokumentarischen Gründen wiederholt.) 

02 Mai 2025

Dorifer gehört

Bereits im April 2023 kam das PERRY RHODAN-Hörbuch mit dem Titel »DORIFER« in den Handel. Es basiert auf dem gleichnamigen Silberband mit der Nummer 161, wurde von Martin Bross gelesen und ist über 14 Stunden lang. Ich habe es erst dieser Tage angehört; ich wollte noch einmal mitbekommen, wie die Figur des Ratber Tostan in unsere Serie eingeführt wurde.

Tatsächlich ist das Hörbuch sehr komplex. Die Romane, die ihm zugrunde liegen, entstanden in einer Phase unserer Serie, in der die Handlung nicht immer einfach verlief. Es ging um Kosmonukleotide und kosmische Verwicklungen; das alles faszinierte mich damals als Leser, weil es den Serienkosmos erweiterte, ist aber selten die leichteste Kost.

Figuren wie Alaska Saedelaere spielen eine Rolle – das mochte ich beim Anhören wieder sehr. Der mysteriöse KLOTZ, den ich damals als Leser faszinierend fand, ist immer noch ein seltsames kosmisches Gebilde. Und auch heute wird klar, wie umfassend die Serienkonzeption jener Jahre war.

»DORIFER« wäre nicht der Silberband oder die Silber Edition, die ich zum Einsteigen in das Perryversum empfehlen würde. Für Stammleser, Altleser oder Exleser, die ihre Kenntnisse über die Serienvergangenheit auffrischen wollen, ist das Thema aber immer noch interessant – und damit auch das Hörbuch.

08 Februar 2024

Pressekonferenz zu Band 2400

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«


Als wir im Sommer 2007 zu einer Pressekonferenz nach Köln luden, waren viele Leute davon überzeugt, dass unser Projekt keine Chance haben würde, auch nur ansatzweise erfolgreich zu sein: Wir wollten, dass jede Woche jeder unsere Romane nicht nur in gedruckter Form, sondern auch als Hörbuch erscheinen sollte. Unser Partner Eins A Medien hatte ein Konzept erarbeitet, wir organisierten die Pressekonferenz – in Zusammenarbeit mit einem Medienbüro in Köln lief alles wie am Schnürchen ab.

Band 2400 sollte der Start in die neue Ära werden: jede Woche ein neues Hörbuch. Das Projekt war ambitioniert, wir gingen es engagiert an. Das Beste an dieser Geschichte – das Projekt läuft immer noch: Jede Woche produziert Eins A Medien ein neues PERRY RHODAN-Hörbuch, verschiedene Sprecher sind dafür tätig. Das finde ich nach wie vor großartig.

Das Bild zeigt Hans Greis, den Geschäftsführer von Eins A Medien, links im Bild, und mich. Wir stehen vor einem großen Plakat, das wir für die Pressekonferenz herstellen ließen und das die Fotografen gern nutzten.

25 Juli 2023

Spur zwischen den Sternen

Ein Logbuch der Redaktion

Als ich den »M 87«-Zyklus zum ersten Mal durchschmökerte, war ich sehr jung. Ich las einzelne Bände des Zyklus sehr früh, kaufte mir dann – aus Geldgründen – anfangs nur die Romane von William Voltz und K. H. Scheer über ein Antiquariat nach und besorgte mir Jahre später den Zyklus komplett.

Anders gesagt: Ich las ihn nie am Stück. Umso spannender ist es für mich, heute die klassischen Romane dieses Zyklus, die in den späten 60er-Jahren geschrieben wurden, als Hörbuch zu genießen.

Zuletzt führte ich mir »Spur zwischen den Sternen« zu Gemüte; das Hörbuch wurde von Josef Tratnik eingesprochen, der mir mit seiner Stimme schon viele der klassischen Serienromane erschlossen hat. Fairerweise muss man sagen: Es handelt sich nicht um eine der wichtigen Episoden der Seriengeschichte, spannend ist sie aber allemal.

Will man die Handlung grob zusammenfassen, könnte man diese Silber Edition auch als »Die Paraplanten« bezeichnen oder »Der Untergang der FRANCIS DRAKE«. Großen Raum der Handlung nimmt nämlich das Schicksal von Roi Danton, dem Sohn von Perry Rhodan, seinem Schiff FRANCIS DRAKE und dessen Besatzung ein. Man bekommt beim Anhören streckenweise das Gefühl, es gehe dem Freihändlerkönig ernsthaft an den Kragen.

Dieser Abschnitt des Zyklus spielt in den Magellanschen Wolken. Die Freihändler an Bord des Raumschiffs FRANCIS DRAKE bekommen es mit sogenannten Pseudo-Gurrads zu tun, Aliens also, die so aussehen wie Gurrads, hinter denen sich aber seltsam schwere Wesen verbergen, über die man nicht viel herausfindet. Diese Pseudo-Gurrads bekämpfen die FRANCIS DRAKE, und am Ende strandet das Schiff mit seiner Besatzung.

Im Prinzip geht es den Aliens offensichtlich darum, die Freihändler zuerst mit Experimenten zu erforschen, die Überlebenden dann unter Kontrolle zu bekommen, um später mit den übernommenen Freihändlern in die Milchstraße zu reisen. Hinter diesen perfiden Plan kommen Roi Danton und seine Begleiter allerdings sehr spät – zu diesem Zeitpunkt ist der größte Teil der Besatzung bereits tot.

Die Art und Weise, wie die Freihändler nacheinander den Tod finden, wird nicht brutal erzählt, trotzdem eindrücklich geschildert. Man fühlt mit den Männern an Bord – Frauen gibt es in diesem Hörbuch praktisch nicht – buchstäblich mit, man spürt ihre aussichtslose Situation und freut sich darüber, wenn sie Widerstandswillen zeigen und versuchen, sich gegen ihr Schicksal aufzulehnen. In solchen Szenen ist es vor allem Roi Danton, der seine eigenen Schwächen überwindet und neue Ideen für eine mögliche Rettung entwickelt.

Seien wir ehrlich: Manches an diesem Hörbuch mutet einem heute seltsam an, nicht nur die Tatsache, dass praktisch keine Frauen mitspielen. Die wissenschaftliche Erklärung für die sogenannten Paraplanten – die später in der Serie nie wieder eine Rolle spielten – ist eher dünn, um es vorsichtig anzudeuten, und die mysteriöse Gewichtszunahme der Pseudo-Gurrads ist kaum zu erklären.

Erstaunlicherweise störte mich das selten, während ich der Geschichte lausche. Josef Tratniks Stimme, die unterschiedliche Erzählperspektiven klar trennt, lässt mich am Schicksal der Freihändler teilhaben. Sie führt mich durch die Besprechungen in Terrania, wenn es darum geht, den Menschen in den Magellanschen Wolken zu Hilfe zu eilen. Und sie zeigt mir die dramatischen Ereignisse um Roi Danton und seine Begleiter.

Tatsächlich ist »Spur zwischen den Sternen« für eine gewisse Epoche unserer Seriengeschichte ein gutes Beispiel: Häufig ging es um eine spannende Handlung, nicht unbedingt darum, wie die Fakten wirklich in das Serienkonzept passten. Inhaltliche Widersprüche wurden im Lektorat, das sich vor allem um das sprachliche Innenleben einzelner Romane kümmerte, kaum geglättet.

Wenn man sich – wie ich in diesen Tagen – darauf einlässt, wird man mit einer packenden Geschichte belohnt. (Dieses Logbuch kam bereits im Juni auf der Internet-Seite von PERRY RHODAN; hier wiederhole ich es aus Dokumtationsgründen.)

21 März 2023

Die Götzendämmerung gehört

Ein Logbuch der Redaktion

In meiner Prägung als jugendlicher PERRY RHODAN-Leser faszinierten mich drei Zyklen ganz besonders: der »Meister der Insel«-Zyklus, weil dieser viel Action bot, die Serie aber auch gleichzeitig zeitlich wie räumlich erweiterte, der »Aphilie«-Zyklus, weil dieser die Serie zur modernen Science Fiction aufschließen ließ, und der »Schwarm«-Zyklus, weil in diesem die Serie erstmals den »kosmischen Hauch« erhielt, der sie seitdem auszeichnet.

Die Romane um den Schwarm, so wenig zusammenhängend sie vor allem am Anfang auch wirken, erzählen von einer Menschheit, die eine verheerende Niederlage erleben muss, und von einigen wenigen Menschen, die sich verzweifelt der Katastrophe entgegenstellen. Und sie zeigen die kosmischen Verbindungen auf, die offensichtlich seit vielen Jahrmillionen die Milchstraße mit anderen Galaxien verknüpfen.

Ich höre immer wieder Hörbücher der Silber Edition, um mir die alten Romane noch einmal zu Gemüte zu führen. Zuletzt hatte ich »Götzendämmerung« in meinem CD-Player, und während ich mir den Silberband anhörte – vorgelesen von Josef Tratnik –, wurde mir wieder einmal bewusst, wie viele Tote im »Schwarm«-Zyklus eigentlich zu beklagen sind, ohne dass dies groß thematisiert wird.

Um es kurz anzureißen: Weil die Terraner erfolgreich die Bemühungen der Schwarmherrscher sabotiert haben, ist der sogenannte Schmiegeschirm geschlossen. Die Gelben Eroberer, die eigentlich auf die Welten der Milchstraße fliegen wollen, um sich dort zu teilen, sind damit im Innern des Schwarms gefangen. Doch Tausende von Raumschiffen – jedes mit Millionen von Gelben Eroberern an Bord, die in Brutröhren liegen – versuchen die Flucht und zerschellen am Schmiegeschirm.

Später landen Gelbe Eroberer auf Welten im Schwarm, wo es zu apokalyptischen Szenen mit zahllosen Todesopfern kommt. Die schrecklichen Bilder werden in den Romanen nur angedeutet, wer aber genau liest – oder hört –, stellt fest, wie viele Lebewesen sterben. Als die Romane des »Schwarm«-Zyklus geschrieben wurden, machten sich die Autoren offensichtlich nicht zu viele Gedanken darüber, und die Leser gingen darüber hinweg. Heute wäre das anders, heute würde die Leserschaft wesentlich sensibler reagieren.

Sieht man von den hohen Opferzahlen ab, gibt es in dieser Phase des Zyklus auch skurrile Szenen, wenngleich das nicht unbedingt witzig ist. So verändert sich etwa der Mausbiber Gucky durch allerlei Ereignisse in ein Wesen, das sich für den allmächtigen Tambu-Gott hält, aber die entsprechenden Szenen sind eher tragisch. Und wenn am Ende des Silberbandes die Flotten des Schwarms zu einem Großangriff auf das Sonnensystem blasen, ist das bitterer Ernst.

Höre ich mir den »Schwarm«-Zyklus nach all den Jahren in dieser Version an, fällt mir auf, wie kühn die Ideen für die damalige Zeit waren. Konflikte erstrecken sich über Tausende von Sonnensystemen, und es wird klar, dass der Schwarm nicht nur eine Bedrohung für die Milchstraße ist, sondern dass er seit gut einer Million Jahren als Mordinstrument durch das Universum zieht. Viele Hintergründe sind noch nicht bekannt, aber es wird immer deutlicher, wie komplex die Geschichte dieses kosmischen Gebildes ist.

Wie hängen die Schwarmgötzen mit den Cynos zusammen? Wie können die Menschen und ihre wenigen Verbündeten gegen diese Macht kämpfen? Und welche Hintergründe gibt es für all diese Vorgänge? »Götzendämmerung« ist ein zentraler Band und ein zentrales Hörbuch: Der Zyklus entwickelt sich rasant, die Lage in der Milchstraße spitzt sich zu, und immer mehr Geheimnisse über den Schwarm werden gelüftet.

Ich habe all diese klassischen Geschehnisse mit großer Spannung gehört – ein echter Klassiker der PERRY RHODAN-Geschichte, der nicht an heftigen Szenen und kosmischen Enthüllungen spart!

(Dieses Logbuch wurde bereits im Februar auf der Internet-Seite der Redaktion veröffentlicht. Hier erfolgt die Veröffentlichung vor allem zur Dokumentation.)

16 Dezember 2022

Nelson im Dunkel des Drago-Nebels

Dieser Tage wurde ich mit einer ungewöhnlichen Figur konfrontiert: mit einem Roboter, der dichtet und sich auf uralte Traditionen bezieht. Ich hörte die Hörbuchversion der Kurzgeschichte »Nelson im Dunkel des Drago-Nebels« an. Es handelt sich um die STELLARIS-Geschichte 29, die von H. G. Ewers verfasst wurde. 2012 wurde sie im Rahmen eines PERRY RHODAN-Romans veröffentlicht, die Hörbuchversion folgt 2015.

Man muss klar sagen: Es ist eine typische Geschichte, wie sie nur H. G. Ewers verfassen konnte. Die Ideen sind ungewöhnlich – der dichtende Roboter – und kosmisch – eine Dunkelwolke voller Geheimnisse – zugleich, sie übertreffen die übliche »Höhe« einer Kurzgeschichte weit. Die Story ist »groß« gedacht und enthält schräge Mini-Szenen

Tom Jacobs spricht die Geschichte in gewohnter Qualität. Der Sprecher schafft es, sowohl den Roboter als auch den Raumkapitän John Nelson gut zu charakterisieren; die Figuren werden sprachlich sauber dargestellt. Man folgt der skurrilen Geschichte mit einigem Vergnügen.

Es ist für mich eine schöne Erinnerung an einen Autor, der zu Recht für seine skurrilen Ideen geliebt wurde. »Nelson im Dunkel des Drago-Nebels« war seine letzte eigenständige Veröffentlichung ...

18 November 2022

Raumschiff in Fesseln

Ein Logbuch der Redaktion

Zu den großen Handlungsabschnitten der PERRY RHODAN-Serie gehört für mich schon immer der »Aphilie«-Zyklus. Ich las ihn mit großer Begeisterung in meiner frühen Fan-Phase, und ich griff in den 80er-Jahren häufig nach Romanen aus diesem Zyklus, um sie ein zweites Mal durchzuschmökern. Heute freue ich mich darüber, den Hörbüchern zu lauschen.

Ganz aktuell hörte ich mir »Raumschiff in Fesseln« an. Dabei handelt es sich um die Folge 82 der erfolgreichen Silber Edition, die in diesem Fall von Tom Jacobs gelesen wird – das macht der Sprecher so gut, dass er mich über die komplette Länge des Hörbuches fesseln konnte. Immerhin handelt es sich um fast 17 Stunden, und ich langweilte mich keinen Augenblick dabei.

Das liegt in erster Linie an den Geschichten, schon klar, aber diese werden durch die Stimme eines hervorragenden Sprechers unterstützt. Jacobs geht intensiv an die Figuren heran, macht sie gewissermaßen lebendig. Wird es spannend, liest er schneller, und technische Beschreibungen – in dieser Silber Edition ohnehin selten – formuliert er so, dass man sie gut verstehen kann.

Da fällt dann fast nicht auf, dass dieses Hörbuch im Prinzip zwei unterschiedliche Geschichten enthält, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben …

Der erste Teil beschäftigt sich mit der Lage in der Milchstraße. Die Welten der Galaxis sind von den Laren besetzt, die eigentliche Macht wird aber vor allem von den Überschweren ausgeübt. Diese unterdrücken vor allem die Terraner, die sie zu einem großen Teil zu Sklaven gemacht haben. Gleichzeitig haben Menschen unter Leitung des Arkoniden Atlan in der Provcon-Faust ein eigenes Sternenreich errichtet, das Neue Einsteinsche Imperium – zwischen den Menschen in ihrer abgeschiedenen Dunkelwolke und den Laren hat sich ein Status Quo entwickelt, der auf Trennung und Zurückhaltung setzt.

Doch natürlich gibt es geheime Aktionen, an denen beispielsweise Cyborgs teilnehmen. Es kommt zu Gefechten im Raum, bei denen auf einmal ein bislang unbekanntes Raumschiff auftaucht und den Terranern hilft. Die Lage auf dem Mars und auf den Monden des Saturn wird beleuchtet, Ronald Tekener tritt als Geheimagent in einer seiner prekären Missionen auf – die erste Hälfte von »Raumschiff in Fesseln« wirft somit eine Reihe von grellen Blicken auf die Milchstraße.

Der zweite Teil spielt in den Tiefen des Universums. Perry Rhodan und seine Begleiter sind immer noch mit dem Fernraumschiff SOL unterwegs. Sie suchen eine Möglichkeit, die Milchstraße wieder ansteuern zu können und die Heimat der Menschen zu erreichen.

Als sie endlich eine Spur haben, steuern sie eine winzige Galaxis an, der sie den Namen Balayndagar geben. Dort treffen sie auf die unförmig wirkenden Kelosker, die sich als geniale Denker erweisen – doch nach einer Reihe von Missverständnissen droht eine Katastrophe …

Man muss klar sagen: Mitte der 70er-Jahre befand sich die PERRY RHODAN-Serie auf einem neuen Höhenflug. Der laufende Zyklus jener Zeit lässt sich weder inhaltlich noch von der Struktur her mit dem »Meister der Insel«-Zyklus vergleichen, der zehn Jahre zuvor erstmals erschienen war und noch immer die Fans begeisterte – das war eine andere Art, Geschichten zu erzählen und die Hauptfiguren in Abenteuer zu verwickeln.

Autoren wie H. G. Francis waren jung und aktiv, sie schrieben moderner als die erste Generation der Schriftsteller. William Voltz und seine Exposés waren anders strukturiert als die Handlungsvorgaben der Scheer-Ära, sie gingen die Themen auf eine andere Weise an. Die Romane zeigen die Menschheit in der Rolle eines »Underdogs«; Perry Rhodan und seine Gefährten tasten sich in den Weiten des Alls an die Geheimnisse des Kosmos heran, während Atlan versucht, die Menschen in der Milchstraße zu schützen. Die Macht des Solaren Imperiums ist weit entfernt.

Das alles war schon in den 70er-Jahren sehr spannend erzählt und wird in der Silberband-Bearbeitung mit ihren Raffungen und Straffungen noch spannender. Die Hörbuchversion, gelesen von Tom Jacobs, macht das Ganze zu einem neuen Science-Fiction-Erlebnis. Klar, seit 1975 ist viel geschehen, und die Science Fiction hat sich seitdem weiter entwickelt.

Aber höre ich mir »Raumschiff in Fesseln« heute noch einmal an, wird mir bewusst, wie gut die Geschichten damals waren und warum sie noch heute faszinieren. Ein starkes Hör-Erlebnis, das ich nur empfehlen kann!

(Dieses Logbuch erschien bereits am 18. Oktober 2022 auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion und wird hier zur Dokumentation wiederholt.)

31 Mai 2022

Transportschaden auf der STELLARIS

Dieser Tage hörte ich die Hörbuchversion von »Transportschaden« an. Im Original handelt es sich um eine Kurzgeschichte von Dieter Bohn, die im Rahmen der STELLARIS-Geschichten erschienen ist – es ist die Folge 27, die erstmals 2012 veröffentlich wurde. Auch die Hörbuchversion gibt's schon etwas länger, aber ich kam jetzt erst dazu, sie mir anzuhören.

Es ist nicht so einfach, die Geschichte zusammenzufassen (aber dafür gibt's im Zweifelsfall die Perrypedia). Im Prinzip vermischen sich politische Hintergründe mit einem eher heiklen Thema: die Jungfräulichkeit einer Thronfolgerin, die von einem bislang unbekannten Planeten stammt. Wie geht die Besatzung der STELLARIS mit so einem Problem um, und welcher Trick wird eingesetzt?

Dieter Bohn greift ein spannendes Thema auf leicht satirische Weise auf. Das gefiel mir schon in der gedruckten Version echt gut. In der Version, die von Hanno Dinger gelesen wird, werden mir die einzelnen Charaktere der Geschichte auf besondere Weise nahegebracht – das gibt einen anderen Eindruck. Schön!

06 Mai 2022

Gruelfin

Ein Logbuch der Redaktion


Es ist eine Reise über 35 Millionen Lichtjahre hinweg; die MARCO POLO als ein neues Schiff der Terraner transportiert Perry Rhodan und die Besatzung in die ferne Galaxis Gruelfin, der Heimat der menschenähnlichen Cappins. Dort treffen die Terraner auf die Verhältnisse der bislang unbekannten Sterneninsel und sammeln erste Erkenntnisse.

So ließe sich im Prinzip die Handlung des PERRY RHODAN-Buches 50 zusammenfassen. Ich habe das Buch, das im Frühjahr 1995 erschienen ist, dieser Tage als Hörbuch angehört. Es ist meine dritte Begegnung mit den klassischen Romanen nach Band 450: Als Jugendlicher hatte ich sie in einer der Nachauflagen gelesen, als Redakteur hatte ich das Silberband-Manuskript damals kurz durchgearbeitet, nun hörte ich es mir bewusst an.

Es handelt sich ja um den Auftakt einer großen Geschichte: ein terranisches Raumschiff in einer fremden Galaxis, mit an Bord zwei Bewohner dieser Galaxis, die aber seit 200.000 Jahren nicht in der »alten Heimat« waren. Staunend erleben die Menschen an Bord, wie sich die Verhältnisse in Gruelfin darstellen: Sie treffen auf zerstörte Welten, sie lernen einen Wesakeno kennen, sie erfahren immer mehr über die aktuelle politisch-gesellschaftliche Situation.

Das ist streckenweise sehr spannend und fasziniert immer noch. Über manche Dinge darf man vielleicht nicht zu sehr nachdenken. (So wird die Oberfläche einer Welt von den Planetariern mit Atomwaffen bombardiert, damit sie als unbewohnt gilt und die Bewohner im Untergrund ihre Ruhe haben.) Es wird eine fremde Galaxis vorgestellt, es kommt zu Begegnungen mit Außerirdischen, man rettet fremde Lebewesen und wird in Gefechte verwickelt.

Manchmal kommt mir beim Anhören die Art und Weise eher skurril vor, wie man damals die wichtigsten Figuren vorstellte. Roi Danton, der mit Rollschuhen durch ein Raumschiff fährt, fand ich als junger Leser witzig; heute finde ich es eher albern. Hätte man das aber streichen müssen, als man aus den Heftromanen das Buch machte? Sicher nicht.

Informationen werden mündlich verabreicht; neue Offiziere an Bord des Raumschiffes werden vor Ort gefragt, ob sie den Job eigentlich antreten möchten. Es gibt keine Videotelefonate, an das Internet dachte niemand, auch bei der Bearbeitung im Jahr 1994 war das noch eine Vision und keine ernsthafte Realität. Aber auch hier gilt: Hätte man das bearbeiten wollen, hätte man massiv umschreiben müssen. Damit hätte man den Geist der alten Romane verändert.

Immerhin wurde aus den »Männern«, die es an Bord der Raumschiffe in früheren Romanen gab, immer wieder mal »Männer und Frauen«. Die wesentlichen Rollen in der Handlung nehmen aber durchgehend Männer ein; daran änderte die Bearbeitung ebenfalls nichts. Eine solche »Umschreibung« hätte ebenfalls den Charakter der klassischen Romane geradezu verfälscht.

Ich erinnere mich an manche Diskussion, die ich in den 90er-Jahren mit Horst Hoffmann führte. Er war damals für die Bearbeitung der Silberbände zuständig. Wir waren uns einig darüber, dass wir nur behutsam modernisieren würden, weil es ja darum ging, den Klassiker-Status der alten Romane beizubehalten. Wenn ich mir heute das Hörbuch zu Gemüte führe, denke ich trotzdem gelegentlich, dass man an einigen Stellen stärker in den Text hätte eingreifen müssen. Das aber ist sicher Ansichtssache.

Man merkt ohnehin deutlich, von welchen Autoren welche Elemente stammen. Wenn der Kamashite Patulli Lokhoshan beispielsweise in die Handlung eingeführt hat, weiß ich stets, dass dies eine Figur von H. G. Ewers ist. Der Kamashite steckt voller Geheimnisse, seine Gaben sind Perry Rhodan und den anderen noch nicht bekannt, und das wird eindeutig vermittelt. (Man kann davon ausgehen, dass der Autor sich ebenfalls nicht im Klaren darüber war, was er mit dieser Figur noch anstellen wollte …)

Bei Joaquin Manuel Cascal ist stets Hans Kneifel der Urheber, und spielt Alaska Saedelaere eine Rolle, steht William Voltz hinter diesem Auftritt. Es macht heute Spaß, diese unterschiedlichen Gesichtspunkte herauszuhören. Und so ist es für mich eine doppelte Zeitreise, wenn ich die Silber Edition 50 anhöre: Sie geht zurück in meine frühe Zeit als Leser und ebenso in meine Zeit als junger Redakteur.

Spannend. Ich bin sicher, dass heutige Hörer eine andere Spannung empfinden, wenn sie von Perry Rhodans ersten Abenteuern in der Galaxis Gruelfin hören …

18 Januar 2022

Josef Tratnik feiert sein Jubiläum

Am heutigen Tag kann ein Mann einen wichtigen Geburtstag feiern, der sich in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden PERRY RHODAN-Kollegen entwickelt hat. Die Rede ist von Josef Tratnik, der heute vor 75 Jahren in Münster geboren worden ist.

Ich persönlich habe mit ihm so viel nie zu tun gehabt; wir haben uns vielleicht zwei-, dreimal in all den Jahren gesehen und nur wenige Worte miteinander gewechselt. Die Art und Weise, wie der Schauspieler und Hörbuchsprecher aber seit vielen Jahren die klassische Ausgabe der PERRY RHODAN-Hörbücher – die sogenannte Silber Edition – liest, ist hervorragend und hat die Hörbücher geprägt.

Mit seiner Stimme sind Zigtausende von Leserinnen und Lesern zum Mond geflogen und haben die Arkoniden getroffen. Seine Stimme geleitete sie in den Sternendschungel der Milchstraße, nach Andromeda und M 87, zu den Cappins und in den Schwarm, konfrontierte sie mit den Laren und dem Anti-Universum. Das war und ist in all dieser Zeit echt beeindruckend.

Herzlichen Glückwunsch zum fünfundsiebzigsten Geburtstag, lieber Josef Tratnik!

(Das Bild zeigt Josef Tratnik beim PERRY RHODAN-WeltCon 2011 in Mannheim. Es stammt von Martin Steiner.)

21 November 2021

Die Fülle unserer Ungewissheit

H. G. Ewers war einer der Autoren, die die PERRY RHODAN-Serie über Jahre hinweg prägten. Vor allem seine skurrilen Figuren blieben den Lesern bis heute in Erinnerung. Leider starb er schon 2013 – vor seinem Tod arbeitete er noch am Konzept einer Kurzgeschichte für die STELLARIS-Reihe.

Die Geschichte »Die Fülle unserer Ungewissheit« schrieb dann Wim Vandemaan auf Basis der Ewers-Fragmente. Aus diesem Grund taucht darin auch der Raumkapitän Guy Nelson auf, während gleichzeitig allerlei Raum-Zeit-Anomalien eine Rolle spielen. Die STELLARIS-Geschichte wurde 2015 veröffentlicht, sie ist im entsprechenden E-Book-Paket enthalten – ich habe sie dieser Tage als Hörbuch angehört, gelesen von Florian Seigerschmidt.

Es ist eine ungewöhnliche Geschichte: Die Dialoge sind teilweise sehr ironisch, die Ideen basieren auf phantastischen Überlegungen, und die Auflösung überrascht. Diese STELLARIS-Geschichte – die Nummer 46 unserer Reihe – belegt wunderbar, welche Möglichkeiten die Science Fiction im Allgemeinen, die PERRY RHODAN-Serie im Besonderen und die STELLARIS-Geschichten im speziellen bieten: Gedankenspiele, schräge Ideen, faszinierende Charaktere. Schön!

19 November 2021

Die Wega-Romane zum Anhören

Zu den positiven Dinge, die es für PERRY RHODAN im Jahr 2021 gab, zählt ganz eindeutig unsere Miniserie PERRY RHODAN-Wega. Die zwölf Romane, die unter der Obhut von Michael Marcus Thurner entstanden, waren inhaltlich gut und trugen tolle Titelbilder; sie kamen bei den Leserinnen und Lesern gut an, und sie verkauften sich auch in der von uns geplanten Auflagenhöhe. In Zeiten, in denen Verlage sich in einem höchst kritischen »Marktumfeld« behaupten müssen, ist das nicht selbstverständlich.

Was mir persönlich immer gefällt, ist die zusätzliche Hörbuch-Version. Ich schaffe es nie, sie während der Produktion der Romane anzuhören – ich lese die Exposés und Mansukripte und kommuniziere viel mit den Autorinnen und Autoren. Deshalb freue ich mich sehr, wenn – wie in diesem Fall – hinterher eine CD-Box herauskommt, die alle zwölf Romane auf CDs enthält.

Die werde ich mir sicher nicht mehr in diesem Jahr anhören. Aber ich komme sicher irgendwann dazu, auf einer längeren Autofahrt etwa, mich ein weiteres Mal mit PERRY RHODAN-Wega zu beschäftigen. Darauf freue ich mich schon jetzt!

07 November 2021

Bezwinger der Zeit

Ein Logbuch der Redaktion

Wieder einmal habe ich ein Hörbuch in meinem CD-Player abgespielt, bei dem mir die Stimme von Josef Tratnik klassische PERRY RHODAN-Romane vorliest. In diesem Fall handelt es sich um »Bezwinger der Zeit«, die Umsetzung des PERRY RHODAN-Buches 30 in Form der Silber Edition. Das Anhören führte mich in die Zeit des »Meister der Insel«-Zyklus, den ich in meiner »frühen Zeit« zweimal gelesen hatte und immer noch gut in Erinnerung habe.

Das Hörbuch enthält eine Reihe von packenden Episoden, die Tratniks Stimme faszinierend wiedergibt. Am Anfang sind Perry Rhodan und seine Begleiter an Bord der CREST III noch in der Vergangenheit gestrandet; verzweifelt unternehmen die Terraner und ihre Freunde alles, um den Rückweg in ihre Gegenwart zu finden. Im weiteren Verlauf des Hörbuches gibt es Versuche der Meister der Insel, die Erde direkt anzugreifen, und am Ende taucht ein merkwürdiges Kugelgebilde auf – und zum Schluss wissen die Terraner mehr über die Verhältnisse in Andromeda.

Der Großteil der Romane, die als Grundlage für den Silberband und das Hörbuch bildeten, schrieb William Voltz; er war und ist mein Lieblingsautor für die frühe Zeit der Serie. Er prägt mit seinen Figuren den gesamten »MdI«-Zyklus, und das merkt man diesem Silberband auch an.

Wunderbar erzählt sind beispielsweise die Episoden mit den Alarern: Rhodan und einige Begleiter müssen sich in schmutzige, übelriechende Raumfahrer verwandeln, um in dieser Maskierung in einen geheimen Auftrag zu gehen. Das ist streckenweise vor allem deshalb witzig, weil man darin den Abscheu der 60er-Jahre-Autoren vor »ungewaschenen« Menschen mit langen Haaren und Knoblauchgeruch deutlich spüren kann.

Die Aktionen der Terraner lassen sich aber heute noch gut und gern lesen und anhören. Es sind Menschen mit Humor und einer Freude an Regelverletzungen. Man trinkt gern Whisky, man foppt sich gegenseitig, und die Scherze eines gewissen Mausbibers geben dem Ganzen eine zusätzliche Würze. Der Humor ist oftmals altmodisch – die 60er-Jahre liegen nun mal doch einige Zeit zurück –, vermag einen aber immer noch zum Schmunzeln bringen.

Skurril sind allerdings die Szenen, in denen es um die Währung im Solaren Imperium geht und in denen die Wirtschaftspolitik geschildert wird. Die Meister der Insel versuchen in dieser Phase der Romanhandlung, die Wirtschaft des Imperiums durch Falschgeld ins Wanken zu bringen. Wie die Terraner dagegen vorgehen, wie sie dafür sorgen, dass den Terranern das Geld nicht ausgeht – das ist aus heutiger Sicht recht veraltet und unglaubwürdig.

In der Mitte der 60er-Jahre, als die Romane konzipiert wurden, waren das Science-Fiction-Ideen. In den 80er-Jahren, als aus den Heftromanen die Silberbände entstanden, ließ man manche Ideen bewusst stehen, obwohl sie veraltet waren. In den 20er-Jahren des 21. Jahrhunderts wirken sie antiquiert.

Auch die Art und Weise, wie Perry Rhodan, Allan D. Mercant und Homer G. Adams über die Schwangerschaft von Rhodans Frau sprechen, mutet heute seltsam an. Wer in der Mitte der 60er-Jahre über solche Themen in einem Heftroman schrieb, ging allerdings ein gewisses Risiko ein: In Heftromanen durfte beispielsweise Sex praktisch nicht einmal angedeutet werden – und damit alles, was auch nur ansatzweise damit zusammenhing.

Spannend verläuft ein Attentat der Meister. Die Welt Rumal wird vorgestellt, viele interessante Charaktere spielen auf der Erde eine Rolle. Mit einer sogenannten Fragmentwaffe soll ein Anschlag auf die Solar Hall geführt werden. Wie ein häufig betrunkener Ex-Agent und ein Matten-Willy gemeinsam ermitteln, ist eine packende Geschichte, wenngleich man gelegentlich Zweifel an der Logik der Gegner aus Andromeda haben könnte. Als ich diese Episoden hörte, war mir sofort klar, dass die Romane nur von William Voltz sein konnten.

Voltz war ein Autor, der auch in der Lage war, einen betrunkenen Raumfahrer glaubhaft darzustellen. Seine Helden waren oft Menschen, die eigentlich schon gescheitert waren, dann aber über sich hinauswuchsen. Die anderen Teile des Hörbuches stammen von K. H. Scheer, der ein geradezu klassisches Weltraum-Abenteuer schrieb, und von H. G. Ewers, in jener Zeit sicher einer der originellsten und kreativsten Köpfe der deutschsprachigen Science Fiction.

»Bezwinger der Zeit« bringt eine zentrale Phase des klassischen »MdI«-Zyklus in die heutige Zeit. Josef Tratnik liest die Romane mit intensiver Stimme, und man folgt ihm bereitwillig durch die Vergangenheit der Milchstraße und in die Weiten der Galaxis. Das macht mir auch heute noch richtig viel Spaß – ein starkes Hörbuch auf Basis von starken Romanen!

24 Oktober 2021

Ein liebreizender Passagier

Bereits 2014 wurde die Kurzgeschichte »Ein liebreizender Passagier« im Rahmen der STELLARIS-Storys veröffentlicht. Autor war Roman Schleifer, die Reihe wurde damals von Wim Vandemaan betreut. Ich habe mir die Kurzgeschichte dieser Tage endlich als Hörbuch angehört – gesprochen von Renier Baaken. (Abonnenten der Silber Edition erhielten sie; bei mir ist sie quasi in der Silber Edition 58 enthalten.)

Die Geschichte ist ziemlich turbulent. Es geht um Krankheiten an Bord des Raumschiffes STELLARIS, vor allem aber um einen Passagier, der alle nervt und mit dem sich die Besatzung auseinandersetzen muss. Ellendea Glaud, die Heldin der Geschichte, muss sich um all diese Probleme kümmern, findet für sich einen Weg für alles und setzt sich am Ende durch.

Roman Schleifer ist es mit der Geschichte gelungen, ein schönes Porträt der STELLARIS und ihrer Besatzung zu zeigen. Er verweist auf vergangene Geschehnisse und führt eine Reihe von bekannten Figuren auf. Wer gern als Leser oder Leserin an Bord der STELLARIS weilt – wie ich –, kommt mit der Story auch im Hörbuch auf seine Kosten.

16 Juli 2021

Der falsche Mehandor akustisch

Ärger auf einem Raumhafen: Die Besatzung der STELLARIS hat angeblich die Kennung eines Walzenraumers der Mehandor. Was da genau schiefgelaufen ist, weiß anfangs keiner. Offensichtlich spielt hier jemand falsch – aber wer und wieso?

So lässt sich die Prämisse für »Der falsche Mehandor« zusammenfassen. Die Geschichte stammt von Michael G. Rosenberg und wurde 2014 als STELLARIS-Geschichte 45 veröffentlicht. Ich habe sie dieser Tage in der Hörbuchfassung gehört, die es bei Eins A Medien als Gimmick zur Silber Edition 59 für die Abonnenten gab.

Gelesen wird diese Version von Axel Gottschick. Wie immer stolpere ich über Aussprachen, die ich anders gehalten hätte (die »Swoon« würde ich als »Swuhn« aussprechen, aber das ist meine Sicht der Dinge) – so ist das immer, wenn man sich die Namen im eigenen Kopf zurecht gelegt hat.

Der Sprecher stellt die Figuren gut dar, vor allem der epsalische Kapitän wirkt immer eindrucksvoll. Und so wird aus der Krimi-Kurzgeschichte ein ganz anderes Audio-Erlebnis ... schön!

08 Juni 2021

Die Sternenhorcher

Ein Logbuch der Redaktion

Es sind einige Jahre vergangen, seit der Roman »Die Sternenhorcher« erschienen ist. Es war der vierte Teil der Taschenbuch-Miniserie »Andromeda«, die wir mit dem Heyne-Verlag veröffentlichten. Ich erinnere mich noch gut an das ungewöhnliche Manuskript, das Frank Böhmert abgeliefert hatte, und an die schöne Arbeit an diesem Roman. Aber weil das alles so lange her ist, verschwimmen die Erinnerungen einfach.

Und deshalb hörte ich mir das Hörbuch endlich einmal an. Das Taschenbuch war im Februar 2003 in den Buchhandel gekommen, das Hörbuch wurde 2010 veröffentlicht. Die Kollegen bei Eins A Medien hatten Josef Tratnik als Sprecher eingesetzt, dessen Stimme mich nun in die Weiten der Galaxis Andromeda und in einen großen Konflikt entführte. Ich war wieder fasziniert von den Sternenhorchern und ihrer Kultur und all den anderen Themen, die Frank Böhmert mit – scheinbar – leichter Hand in diesem Roman zur Geltung bringt.

Die Charandiden sind in der Galaxis Andromeda eher unbekannt; man hat noch nicht viel von ihnen gehört. Sie leben auf einer Welt, in selbstgewählter Isolation, die sie von den anderen Welten der Galaxis trennt. Wie sich herausstellt, stammen sie von Lemurern ab und haben irgendwann einmal leichte Psi-Kräfte erworben. Vor allem aber haben sie eine Kultur entwickelt, die wenig zu tun hat mit den hochtechnisierten Zivilisationen in Andromeda.

Sie leben in Einklang mit der Natur, sie lieben Pflanzen und ihre Produkte. Sie rauchen gern irgendwelche Kräuter, sie haben viel Sex, und wenn sie sterben, verholzen sie. Mit ihren verholzten Körpern können die noch Lebenden sogar kommunizieren. Die technische Welt lehnen sie ab, sie betrachten die Angehörigen der meisten Sternenvölker als »besitzlerisch« und bezeichnen ihre technisch orientierten Vorfahren als »Profitler«.

Im Prinzip pflanzte Frank Böhmert in die Welt des PERRY RHODAN-Universums ein Volk von kosmischen Hippies. Das macht er mit viel Herzblut: Er lässt die Kultur der Charandiden so lebendig erscheinen, dass sie einem sympathisch und lebensnah vorkommt. Man glaubt, dass es diese Kultur wirklich geben könnte.

Doch auch auf den anderen Handlungsebenen des vielseitigen Romans platziert der Autor einen Blick auf das Universum, den man so in unserer Serie eher selten findet oder gefunden hat. Ob das nun die fiesen Kopfjäger um den mörderischen Takegath sind, die danach gieren, weitere Drogen zu erhalten, oder die fröhlichen Atto, die als Gestaltwandler dazu neigen, allerlei Blödsinn zu veranstalten – Frank Böhmert zeigt Aliens in Rollen, wie man sie sonst nicht kennt.

Dabei lässt er Sex und Drogen wie selbstverständlich in die Geschichte einfließen. Das wird nie voyeuristisch, das ist immer nachvollziehbar und glaubhaft. Menschen interessieren sich für Rauschmittel, warum also nicht auch irgendwelche Außerirdischen? Menschen neigen dazu, sich gelegentlich lächerlich zu machen – warum also nicht auch Aliens in Andromeda?

Wenn man es genau nimmt, ist der Roman »Die Sternenhorcher« eine Mischung aus Science Fiction und Popliteratur; durchaus ernstzunehmen und vor allem sehr gut geschrieben. Die ruhige Stimme von Josef Tratnik, die ohne Effekthascherei auskommt, die einzelnen Figuren aber klar charakterisiert, trägt dazu bei, dass man sich sehr gern auf das Thema einlässt. Das hat mir erneut viel Freude bereitet.

Wobei mir eines auffiel, vor allem aus popkultureller Sicht: Manche Anspielungen kann man heute kaum noch verstehen. Wenn ein Maahk einen Spruch über »Die Braut haut ins Auge« macht, war das bei der Veröffentlichung des Romans ein Hinweis auf eine Band, die deutsche Texte mit Rockmusik verband. Heutzutage dürfte sie nur noch wenigen Spezialisten ein Begriff sein – ein Beleg dafür, wie schnell solche Bezüge verloren gehen. Wer den Hinweis nicht versteht, wird aber einen witzigen Dialog erkennen.

Ganz nebenbei thematisiert der Autor übrigens ein Thema, das in der PERRY RHODAN-Serie vor allem in den 70er-Jahren positiv dargestellt worden ist: Sollte man es wirklich als wünschenswert betrachten, wenn Lebewesen in einer Superintelligenz oder sonst einem kosmischen Wesen »aufgehen«? Sie geben ihre körperliche Existenz auf, was nichts anderes heißt, als dass sie hinterher tot sind. Was aber geschieht mit ihren Körpern und mit ihren sonstigen Hinterlassenschaften?

»Die Sternenhorcher« ist immer noch ein toller Roman, und auch das Hörbuch weiß nach all den Jahren zu überzeugen. Ich habe die Wiederbegegnung mit den Charandiden sehr genossen!

29 Oktober 2020

Terra im Brennpunkt – akustisch

Ein Logbuch der Redaktion

Der »Schwarm«-Zyklus zählt meiner Ansicht nach zu den Höhepunkten der PERRY RHODAN-Geschichte. Mit dieser Meinung gehöre ich zu einer Minderheit unter denen, die sich seit langen Jahren mit der Serie und ihren Inhalten beschäftigen. Meist gilt er als ein wenig verfahren, um es höflich zu formulieren.

Seien wir ehrlich: Der Zyklus wird von faszinierenden Ideen geprägt, leidet aber darunter, dass es keine klare Planung gab. Am Anfang wussten die Autoren sichtlich noch gar nichts darüber, was der Schwarm eigentlich sein sollte, und sammelten erst während der Arbeit ihre Erkenntnisse.

Das merkt man an vielen Romanen sehr deutlich, vor allem, wenn man sie im Zusammenhang betrachtet: Die einzelnen Geschichten selbst sind oftmals spannend geschrieben und überzeugen durch interessante Charaktere – die Absprachen zwischen den Autoren waren in den frühen 70er-Jahren aber teilweise nicht gut.

Aber: Während der Zyklus weiter voranschritt, bekam er immer mehr Struktur. Perry Rhodan und seine Gefährten erfahren viel über den Kosmos, in dem sich die Menschheit entwickelt, und lernen erstmals etwas über die großen Strukturen des Universums. Dabei sind die Romane weiterhin von großen Unterschieden geprägt …

Das wurde mir wieder bewusst, als ich »Terra im Brennpunkt« dieser Tage im Auto anhörte. Ich hatte die Silber Edition 61 als 15 CDs umfassende Box dabei und lauschte jeden Tag auf der Fahrt zur Arbeit der Stimme von Josef Tratnik. Mit ihm reiste ich zurück in die Zeit des »Schwarm«-Zyklus, die mich bei der ersten Lektüre in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren gefesselt hatte.

Die Geschichte, die in dieser Silber Edition erzählt wird, ist ziemlich groß gedacht: Der riesenhafte Schwarm, über den die Terraner nach wie vor nicht viel wissen, zieht quer durch die Milchstraße. Nichts und niemand kann ihn stoppen, seine Machtmittel sind gigantisch.

Perry Rhodan höchstpersönlich entwickelt einen riskanten Plan, in den er aber nur ganz wenige Menschen einweiht: Er möchte, dass das Sonnensystem mit der Menschheit vom Schwarm »geschluckt« wird. Dann wäre auf einmal eine Fünfte Kolonne aus 20 Milliarden Menschen mit rund 100.000 kampfbereiten Raumschiffen mitten im Schwarm und könnte von dort aus direkt angreifen. Wie der Plan voranschreitet und was dafür alles gemacht werden muss, das ist das zentrale Thema dieser Silber Edition.

Manche Autoren schienen der Zugkraft dieser Idee nicht geglaubt zu haben und fügten weitere Elemente hinzu. Mein Lieblingsbeispiel ist der Zahnarzt Alexander Fröhlich: Bei einem Experiment verschlägt es den Marsianer Tatcher a Hainu von Terrania City nicht nur nach Berlin, sondern zudem aus dem Jahr 3442 ins Jahr 1971.

Dort trifft er auf Fröhlich, die beiden werden Freunde, und gemeinsam reisen sie ins Jahr 3442, wo Fröhlich künftig als »Kosmodentist« in der MARCO POLO wirkt. In der Folge gibt es einige irrwitzige Szenen mit Dalaimoc Rorvic, der eine qualvolle Zahnbehandlung über sich ergehen lassen muss.

Ich weiß, dass ich das alles sehr witzig fand, als ich diese Szenen zum ersten Mal las. Als ich sie nun anhörte, gefiel mir die Alexander-Fröhlich-Episode nicht mehr – ich wollte wissen, wie es mit der Menschheit weitergeht, wollte mehr über die Cynos und ihre Geheimnisse erfahren, wollte vor allem mitbekommen, wie Rhodan und seine Gefährten ihren wagemutigen Plan umsetzen.

Das alles gibt es in diesem Hörbuch glücklicherweise ebenfalls zu hören. Das Auftauchen eines geheimnisvollen Cynos namens Schmitt fand ich immer noch spannend umgesetzt, der Flug einiger Terraner mit einem alten Museumsschiff brachte nach wie vor seine Überraschungen mit sich. Und wie sich Stück für Stück die Geheimnisse der Cynos und des Schwarms entblättern, das finde ich nach wie vor mitreißend.

»Terra im Brennpunkt« ist eine typische Episode aus dem »Schwarm«-Zyklus: Alle Höhepunkte und Schwächen sind enthalten, wobei sicher jeder Leser – oder in diesem Fall Hörer – das auf seine Weise ganz anders sehen wird. Manche Szenen sind schlecht gealtert, mein 13 oder 14 Jahre altes Ich aus den späten 70er-Jahren hatte einfach einen ganz anderen Geschmack als ich heute.

Aber ich bleibe dabei: Der »Schwarm«-Zyklus zählt zu den Höhepunkten unserer Serie, trotz aller Schwachpunkte, und ich freue mich schon darauf, weitere Silber Editionen hören zu können!

09 April 2020

Die Cynos

Ein Logbuch der Redaktion

Zu den Völkern der PERRY RHODAN-Serie, die ich seit vielen Jahren faszinierend finde, zählen die Cynos. Das liegt sicher nicht nur daran, dass die Autorinnen und Autoren bis heute nicht viel über die Geschichte und Herkunft dieses Volkes erzählt haben, sondern daran, dass ich die Cynos bei ihren ersten Auftritten so interessant fand.

Erste Romane des »Schwarm«-Zyklus las ich in den späten 70er-Jahren, in seiner Gesamtheit nahm ich ihn mir erst zu Beginn der 80er-Jahre vor. Und dieser Tage hörte ich mir erneut eine Silber Edition an, ein Hörbuch also, bei dem mich Josef Tratnik mit seiner eindrucksvollen Stimme durch diesen Klassiker der PERRY RHODAN-Serie führt. Es war die Silber Edition 60, die den schönen Titel »Die Cynos« trägt und ein skurril wirkendes Titelbild aufweist.

Enthalten sind Romane von sechs Autoren, und das merkt man auch in der Hörbuchversion, die bekanntlich auf der Buchausgabe aufbaut. Man merkt rein inhaltlich, dass die Konfusion abgeklungen ist, die zu Beginn des Zyklus unter den Autoren geherrscht haben muss.

Die Autoren haben offenbar insgesamt eine klare Vorstellung, was den Schwarm und seine Auswirkungen angeht. Die starken Widersprüche zwischen den einzelnen Romanen sind weitestgehend geschwunden. Auch wenn die einzelnen Autoren sich vor allem um ihre jeweiligen Hauptfiguren kümmerten, die damals immer wichtiger wurden, entstanden eindrucksvolle Szenen, die sich heute im Hörbuch stark anhören.

Alaska Saedelaere wurde im »Schwarm«-Zyklus zu einer kosmischen Figur entwickelt, und die entscheidenden Kapitel sind in diesem Hörbuch enthalten. Für die Action-Fans gibt es weitere Abenteuer mit Sandal Tolk, dem Rächer, der endlich mal ein Stückchen seiner Rache verwirklichen kann. Humoristisch sind die Abenteuer mit Dalaimoc Rorvic und Tatcher a Hainu, in denen es zu ersten Begegnungen mit den Cynos kommt. Als ich das zum ersten Mal las, fand ich es mitreißend; beim Anhören erwiesen sich manche Szenen nicht mehr als so überzeugend.

Am stärksten sind die Kapitel mit den Terranern, die auf der Welt Obelisk auf die zahlreichen Obelisken stoßen und mit diesen eher unliebsame Begegnungen haben. Hier werden Cyno-Geheimnisse angedeutet, die sich die Serienfiguren noch nicht erklären können – ebenso wie bei den Begegnungen auf der Hundertsonnenwelt, wo ebenfalls geheimnisvolle Obelisken stehen.

Der »Schwarm«-Zyklus kommt im Nachhinein nicht bei allen PERRY RHODAN-Fans gleichermaßen gut an. Das ist nachvollziehbar – man merkt zu deutlich, dass dieser Zyklus aufgrund gesundheitlicher Belastungen nicht gut geplant werden konnte. Trotzdem bietet der Zyklus viele neue Charaktere und ungewöhnliche Begegnungen.

Davon konnte mich die Silber Edition von »Die Cynos« wieder einmal überzeugen. Ich liebe es einfach, mithilfe der Hörbücher in die klassische Zeit der PERRY RHODAN-Serie einzutauchen!

10 Dezember 2019

Gedanken zu den Herrschern des Schwarms

Ein Logbuch der Redaktion

Ich habe es oft genug erzählt: Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, lege ich häufig ein Hörbuch in das CD-Laufwerk ein und lasse mich davon unterhalten. Zuletzt fuhr ich mit »Herrscher des Schwarms« durch das Land, gelesen von Josef Tratnik.

Den »Schwarm«-Zyklus hatte ich als Jugendlicher gern durchgeschmökert, und ich finde ihn auch heute noch gut: Viele Dinge, die für die PERRY RHODAN-Serie von zentraler Bedeutung sind, wurden in diesem Zyklus erstmals angelegt. 
 
Die Terraner kommen in Kontakt zu Mächten, die offenbar seit Jahrmillionen aktiv sind. Sie verfügen über ein technisches Wissen, das ihnen ermöglicht, Sonnensysteme oder sogar eine wandernde Kleingalaxis über Tausende von Lichtjahren zu transportieren.

Dass es nicht nur einen Schwarm gibt, sondern mehrere Schwärme, und dass diese mit den Kosmokraten in Verbindung stehen, wusste niemand, als der »Schwarm«-Zyklus entstand. Aber die Ideen von William Voltz ebneten damals den Weg zur kosmischen Phase der Serie.

Während ich die einzelnen Kapitel anhörte, die auf Romanen der frühen 70er-Jahre basierten, stellte ich immer wieder fest, dass manches richtig gut klang, manches aber sehr antiquiert. Als junger Leser hatte mich vieles nicht gestört, das ich als Erwachsener eher seltsam fand.

Damit meine ich ausdrücklich nicht die manchmal altmodische Technik (heute weist ein Smartphone eine höhere Rechenleistung auf, als die Autoren damals den Positroniken zubilligen wollten), sondern eher gesellschaftliche Themen. Und ich frage mich oft, ob man das hätte redigieren müssen oder ob es besser ist, manche Dinge bewusst »altmodisch« zu lassen.

Das Hörbuch beginnt mit zwei Romanen von William Voltz, die mir über all die Jahre und Jahrzehnte hinweg in guter Erinnerung geblieben sind: Die fünfte Kolonne der Terraner dringt mithilfe einer Sextagoniumbombe in den Schwarm ein, errichtet auf einem Planeten, der von Plasma überwuchert ist, einen Stützpunkt und sammelt im Verlauf des Geschehens viele Informationen. 
 
Das ist nach all den Jahren immer noch gut zu lesen – und zu hören –, und man merkt, dass sich der Autor sehr genau überlegt hat, wie er seine Helden in die Handlung bringt. So müssen Figuren wie Ribald Corello und Alaska Saedealere schließlich im jeweils richtigen Moment ihre Fähigkeiten einsetzen …

Die Romane, in denen die Wissenschaftler Blazon Alpha und Blazon Beta aus dem Schwarm kommen und es die Terraner erstmals schaffen, die Raumschiffe des Schwarms massiv zurückzuschlagen, gefielen mir beim erneuten Anhören ebenfalls. Spannend fand ich die Nöte der Gelben Eroberer, nachvollziehbar fand ich die Action.

Als eher seltsam empfand ich beim Anhören die von H. G. Francis stammende Episode mit der Kaninchenschwemme an Bord eines terranischen Raumschiffes. Ich erinnere mich nicht mehr an den betreffenden Roman und meine damalige Lektüre, nehme aber an, dass ich das als Jugendlicher witzig fand. Aber die Darstellung im Hörbuch fesselte mich nicht mehr. Hätte man sie bei der Bearbeitung des Silberbandes herauslassen können? Wäre es nicht besser gewesen, auf die Witze zu verzichten, oder machen diese den Charme des Buches aus?

Noch heikler wird es in einer Episode mit Tatcher a Hainu. Weil der Marsianer auf einer Welt landet, die von Außerirdischen besiedelt wird, deren Kultur von Frauen dominiert ist, beschließt er, für die Männer die Emanzipation einzuführen. Er möchte ihnen Kenntnisse von Viehzucht und Jagd vermitteln, damit sie künftig die Frauen in die zweite Reihe verbannen können. Emanzipation heißt also, dass künftig die Männer das Sagen haben.

1971 war das wahrscheinlich als Satire auf die aktuelle Frauenbewegung gemünzt; als ich das 2019 anhörte, fand ich es unpassend. Hätte man diese Episoden bei der Silberband-Bearbeitung streichen müssen? Ich hätte es sicher getan. Horst Hoffmann hat sich dafür entschieden, die klassischen Texte an dieser Stelle kaum zu verändern – aus Respekt vor dem Original. Wer hätte recht? Der Bewahrer oder der Veränderer?

Den Abschluss des Silberbandes und damit der Silber-Edition bildet übrigens ein Voltz-Roman. Da stolperte ich eher über Ungereimtheiten in der Handlung, die ich womöglich geändert hätte. Aber auch hier gilt: Was muss man an alten Romanen verändern, damit sie für so eine modernisierte Ausgabe besser sind, und was würde dazu führen, dass die klassischen Geschichten eher »verschlimmbessert« werden?

Ich weiß das bis heute nicht. Ich weiß aber: »Herrscher des Schwarms«, gelesen von Josef Tratnik, hat mir wieder viel Freude bereitet.

11 November 2019

Die Gelben Eroberer gehört

Ein Logbuch der Redaktion

Leider gelingt es nicht immer so, wie ich es gern hätte, aber … Ich liebe es geradezu, die sogenannte Silber Edition im Auto zu hören. Gemeint sind die Hörbuchversionen der PERRY RHODAN-Silberbände. Vor allem, wenn ich zu einer längeren Fahrt aufbreche, hat es sich bewährt, ein Hörbuch einzulegen, gern eines aus der klassischen Zeit und mit der Stimme von Josef Tratnik.

Zuletzt war »Die Gelben Eroberer« für mich eine gelungene Begleitung … Deshalb möchte ich mit diesem Logbuch ein wenig davon schwärmen.

Ich las den »Schwarm«-Zyklus irgendwann in den späten 70er-Jahren, was ziemlich lange her ist. Meine Freunde, von denen ich die Heftromane auslieh, hatten den Zyklus nicht komplett, aber es genügte, um mir einen Überblick zu verschaffen. Diese Heftromane waren im Jahr 1971 erschienen. Als ich sie zum ersten Mal in den Händen hielt, waren sie also noch recht aktuell.

Zu Beginn des Jahres 1980 kaufte ich mir die einzelnen Romane nach und las nicht nur diejenigen, die ich bislang nicht kannte, sondern auch – wie so oft in solchen Fällen – noch einmal alles von William Voltz, meinem Lieblingsautor in jener Zeit. Das ist ebenfalls ziemlich lange her.

Im Jahr 1997 war ich bereits PERRY RHODAN-Redakteur. Im Programm des Moewig-Buchverlages veröffentlichten wir den Silberband mit dem Titel »Die Gelben Eroberer«, und damals blätterte ich das Manuskript nur durch. Ich war mir sicher, dass Horst Hoffmann bei der Bearbeitung gründlich und korrekt vorgegangen war, und überprüfte zu dieser Zeit nur einige Eckpunkte der 400 Seiten. Man kann also nicht sagen, dass ich die Details des »Schwarm«-Zyklus noch gut im Gedächtnis hatte …

Umso überraschter war ich, als ich beim Anhören der Silber Edition merkte, wieviel ich noch wusste. Unter anderem erinnerte ich mich teilweise bis ins Detail an manches Abenteuer von Sandal Tolk. Damit ist ein junger Barbar gemeint, der sich Perry Rhodan und seinen Gefährten angeschlossen hat, den es in den Schwarm verschlägt, der dort mit Pfeil und Bogen buchstäblich Hunderte von Schwarmsoldaten tötet und am Ende mit wichtigen Informationen zurück in die Milchstraße kommt.

Ich erinnerte mich in Bruchstücken auch an den Planeten der Amazonen, und ich fand die Abenteuer von Dalaimoc Rorvic und Tatcher a Hainu immer sehr unterhaltsam. Beim Anhören der Silber Edition 58 wurde mir erneut klar, dass die Autoren der Originalromane damals wirklich nicht im Detail wussten, wie der Schwarm und seine Bewohner »funktionierten«, dass sie aber im Verlauf des Zyklus immer mehr Struktur in die Geschichte bekamen.

Als Leser – oder Hörer – erfährt man mehr zum Schwarm und seinen Bewohnern. Es wird langsam klar, dass manche Dinge zusammenhängen; vieles bleibt aber noch offen. »Die Gelben Eroberer« bilden in mancherlei Hinsicht einen Übergang: von der frühen Phase des Zyklus, in der die Autoren dem Boden für die eigentliche Geschichte bereiteten, zu der Phase des Zyklus, in der die kosmischen Geheimnisse in kleinen Stücken bekannt werden.

Als Autoren waren damals H. G. Ewers, Hans Kneifel, Ernst Vlcek und William Voltz tätig, allesamt im Jahr 1971 noch recht jung. Häufig kümmerten sie sich nicht um die technischen Details und konzentrierten sich stärker auf ungewöhnliche Charaktere und spannende Szenen. Als ich mir ihre Geschichten mit dem großen Abstand zu meiner Zeit als Erstleser nun zu Gemüte führte, stellte ich fest, wie viel mir davon noch gefiel. (Klar fand ich einige Episoden diesmal nicht mehr so toll wie 1979. Aber alles andere hätte mich überrascht.)

»Die Gelben Eroberer« sind ein wunderbares Hörbuch, das einen Hörer hineinwirft in die klassische Zeit der PERRY RHODAN-Serie. Und mit Josef Tratnik als Sprecher lässt man sich auch gern in die Zeit des Solaren Imperiums entführen … ich freue mich schon auf die Fortsetzung!